Seite:Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen.pdf/200

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Als der Kurfürst in Wien vom Bruder des Kaisers, König Ferdinand, nach des ersteren Vollmacht, die Reichslehen empfangen hatte, reiste er nach Prag und von da nach Schmalkalden, wo er den von seinem Vater fünf Jahre früher begründeten Bund mit den betheiligten protestantischen Reichsständen und Städten erneute und auf zehn Jahre verlängerte.

Johann Friedrich war eine deutsche Kernnatur, ritterlich, lebensfrisch und lebensfreudig; er that manchen guten Trunk und vertrug ihn gut; Luther selbst sagte von ihm: »sein Leib ist eines guten Trunkes mächtig« – aber er war auch arbeitfreudig, nahm sich der Regierungsgeschäfte mit Sorgfalt an, lebte züchtig und ehrbar, hatte wahrhaften Mund und milde Hand, einen ernsten Sinn, ein treues Herz und innige aufrichtige Frömmigkeit im Gemüthe.

Im Jahre 1537 war der Kurfürst wiederum mit auf dem Fürstentage zu Schmalkalden, half die Artikel, die von dieser Stadt ihren Namen haben, aufrichten, und ließ den schwer erkrankten Luther in Begleitung seines Leibarztes in seinem eigenen Wagen nach Gotha fahren.

Es begann nun bald die Zeit kriegerischer Unruhe und feindlicher Ueberzüge; den Anfang machte der kurze sogenannte Fladenkrieg gegen Herzog Moritz zu Sachsen; ernster war schon die Züchtigung, die der Kurfürst im Bunde mit dem Landgrafen Philipp zu Hessen dem Herzog Heinrich von Braunschwetg wegen harter Bedrückung der Protestanten angedeihen ließ, welcher Herzog, da er die beigelegten Händel 1545 aufs neue begann, von den verbündeten sammt seinem Sohne Carl Victor gefangen genommen und in Haft gehalten wurde.

Prophetisch hatte Luther ausgesprochen, daß es nach seinem Tode des Betens bedürfen werde, denn dann werde Krieg und Blutvergießen sich anheben. Bald nach dem Tode Luther’s rüstete der Kaiser sein Heer, der schmalkaldische Bund betrieb eifrige Gegenrüstung; Carl V. erklärte die Häupter desselben in die Reichsacht, und der Vetter, Herzog Moritz zu Sachsen, ehrsüchtiger Pläne voll, vielleicht auch rachgierig, verband sich mit dem Kaiser und besetzte feindlich des Kurfürsten Land, während dieser mit dem Heere zu Felde gezogen war, ja Moritz gab sich zum Vollstrecker der Reichsacht gegen den nahen Verwandten her.

Zwar eroberte der Kurfürst sein Land wieder, und das Glück war ihm günstig, aber er war kein Feldherr; er schwächte sein bedeutendes Heer durch unkluge Zerstückelung, bezog ein unsicheres Lager bei Mühlberg an der Elbe und ging am Sonntage Misericordias in die Kirche, statt gegen den annahenden Feind auf der Hut zu sein. So erfolgte die unheilvolle Katastrophe, dir ihn des größten Theiles seiner Lande und der Kurwürde für immer, wie der persönlichen Freiheit auf 5 Jahre beraubte. Er mußte zusehen, wie sein Vetter und Feind, Herzog Moritz, auf offenem Markt zu Augsburg mit der Kur Sachsen belehnt wurde. – In seiner Gefangenschaft verweigerte dennoch Johann Friedrich das Interim anzunehmen, auf das standhafteste, ließ durch seine Söhne an die Stelle des ihm verlorenen Wittenberg die Hochschule zu Jena begründen, folgte als Gefangener dem Kaiser nach Gent, Mecheln, Augsburg und Innsbruck – bis dieser durch den von ihm wieder abgefallenen neuen Kurfürsten Moritz hart bedrängt wurde und endlich die Freilassung erzwungen ward. Johann Friedrich’s Rückkehr mit seinem treu bei ihm ausgehalten habenden Hofmaler Lucas Kranach zu den Seinen nach Jena und Weimar war ein hohe Freudenfest im ganzen Lande. Er schrieb sich nun geborener Kurfürst – hoffte still auf Wiedererlangung der Kur, besonders als Moritz starb, aber er hoffte vergebens, und folgte seiner am 21. Februar 1554 verstorbenen treuen und frommen Gemahlin zehn Tage später im Tode nach.