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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen-283.jpg


Johann Oekolampadius.
Geb. d. 15. Jan. 1482, gest. d. 23. Nov. 1531.


Einer der berühmten Theologen, die am großen Werke der Reformation eifrig arbeiteten und ihren Bau förderten. Des Vaters Name war Hausschein, der Geburtsort Weinsberg. Die Familie stammte aus der Schweiz, doch ist der Stand oder das Geschäft des Vaters dieses Mannes nicht bekannt geworden. Der Knabe Johann wurde für den Kaufmannstand bestimmt, indeß zeigte er so entschiedene Anlagen für ein höheres wissenschaftliches Studium, daß man ihn, zumal er der einzige Sohn war, gern die mit Vorliebe erwählte Bahn wandeln ließ. Er wurde zu seiner Ausbildung auf die Schule des nahen Heilbronn geschickt, und begann dann seine weiteren Studien zu Heidelberg, wo er schon im 14. Jahre das Baccalaureat erwarb. Wieder aber wurde eine falsche Richtung eingeschlagen: der junge Studiosus widmete sich, nach des Vaters Wunsche, der Rechtswissenschaft, und begab sich nach Bologna, wo jedoch Klima und sonstige Hemmnisse ihm entgegen traten, so daß er bald wieder nach der Heimath zurückkam, und nun mit Eifer sich auf die Wissenschaft der Theologie warf. Es glückte ihm, eine Prinzeninstructorstelle zu erhalten, und er benutzte die ihm auf der Hochschule Tübingen und später in Stuttgart bei Reuchlin vergönnte Musse, gründlich griechisch zu lernen; nebenbei nahm er bei einem Spanier im hebräischen Unterricht. In dieser Zeit knüpfte Oekolampadius ein Freundschaftsband mit Wolfgang Kapito, der in Bruchsal Prediger war, und wurde darauf eine Zeitlang Prediger in seinem durch die Weibertreue so berühmt gewordenen Heimathstädtchen. Oekolampadius war auch theologisch-dramatischer Dichter; er arbeitete geistliche Tragödien aus, jedenfalls Nachhalle der beliebten Spiele alter Zeit, um welche aber, wie es scheint, die deutsche dramatische Literatur gekommen ist. Im Jahre 1515 verließ Oekolampadius sein Weinsberger Pfarramt und begab sich nach Basel, wo er durch Kapito’s Empfehlung Prediger an der Hauptkirche wurde, und mit Erasmus Freundschaft schloß, dem er bei dessen Herausgabe des neuen Testamentes Hülfe leistete. Im folgenden Jahre erhielt Oekolampadius einen Ruf als Prediger nach Augsburg, und gab sich einem beschaulichen Stillleben mit ununterbrochenen theologischen