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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen-303.jpg


Franz Volkmar Reinhard.
Geb. d. 12. März 1753, gest. d. 6. Sept. 1812.


Dieser hochberühmte Theolog und Kanzelredner wurde in dem vormalig herzoglich Sulzbachischen Marktflecken Vohenstrauß geboren. Sein Vater war dort Prediger und gab ihm eine gute, christlichfromme Erziehung, bei welcher er als den Urgrund einer solchen die Bibel als erstes Lehrbuch anwandte. Christenthum und die Kenntniß alter Sprachen wurden die hauptsächlichsten Stützen des für den geistlichen Stand bestimmten fähigen Jünglings, welcher im Alter von 15 Jahren, 1768, auf die Schule nach Regensburg kam und nach der vollendeten Schulzeit die Universität Wittenberg 1775 besuchte. Dort studirte Reinhard neben Theologie und Philologie mit Vorliebe auch Philosophie, in welcher er die erhabene Führerin zu höherer Weisheit, den Grundpfeiler geistiger Bildung, den Weg zur Gotterkenntniß fand, und nicht, wie so manche neuere, die Bahn zu eitler Selbstvergötterung und zum spiritualistischen Atheismus. Nach vollendeten Studien wollte Reinhard nach seiner Heimath zurückkehren, aber wohlwollende Gönner und Freunde riethen ihm, zu bleiben und das academische Lehrfach, zu dem er voll befähigt erschien, zu ergreifen. Reinhard folgte dem Winke und nahm 1777 unter dem Vorsitze seines Gönners Dresde die akademischen Würden an. Der junge Docent war freilich anfangs durch seine ökonomische Lage bedrängt und ging gleich andern nicht ohne Mühen und Dornen und durch Dunkel zum Licht, ja es litt dabei sogar seine Gesundheit, aber wachsender Beifall erhob ihn und ein festes Vertrauen auf Gott und die eigene Kraft ließ ihn nicht sinken. Im Jahre 1778 wurde Reinhard Adjunkt der philosophischen Facultät, dann Baccalaureus der Theologie und las nun theologische Collegia; zwei Jahre später trat er als außerordentlicher Professor der Philosophie auf und verheiratete sich; 1782 wurde er ordentlicher Professor der Theologie; das Jahr 1784 sah ihn als Propst an der Schloß- und Universitätskirche zu Wittenberg, und zugleich empfing er die Anstellung als Assessor des geistlichen Provincialconsistoriums. Reinhard lebte einfach, still, doch gemüthsfroh in schöner Häuslichkeit, unterstützte mit Freudigkeit jetzt, da er es vermochte, arme Studirende, nahm von unbemittelten kein Honorar und