Seite:Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen.pdf/337

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Karl philipp fuerst zu schwarzenberg.jpg


Carl Philipp Fürst zu Schwarzenberg.
Geb. d. 15. April 1771. gest. d. 15. Oct. 1820.


Fürst Schwarzenberg war der Mitbefreier des deutschen Vaterlandes vom lastenden Joche Napoleon’s I., der erste in der Reihe hochberühmter Feldherren der Befreiungskriege, als Soldat wie als Mensch gleich ausgezeichnet, bis zum Lebensende dankbar verehrt und mit goldenen Lettern eingetragen in das Buch der Nationalgeschichte Deutschlands als einer seiner tapfersten, besten und edelsten.

Fürst Schwarzenberg entstammte einem berühmten Adelsgeschlechte Frankens, dem der Freiherren von Seinsheim; ein Ahnherr, Erkinger von Seinsheim, erwarb durch Kauf die Herrschaft Schwarzenberg, nach der dann die Familie sich nannte, indem er zugleich seinem Hause die Reichsunmittelbarkeit verschaffte. Adolf von Schwarzenberg wurde 1599 in den Reichsgrafenstand erhoben, dessen Enkel Johann Adolf 1760 in den Reichsfürstenstand; Macht, Ansehen, Vermögen und Güterbesitz der Schwarzenberge wuchs, und der letztere namentlich erstreckte sich nach Oesterreich wie nach der Schweiz. Adam Franz Fürst v. Schwarzenberg wurde Herzog von Krummau in Böhmen.

Napoleon und sein Rheinbund mediatisirten, d. h. sie beraubten die Fürsten des deutschen Reichs, und Karl Philipp’s Vater, dem dieß Loos im reichen Maaße widerfuhr, wurde Geheimer Rath und Kämmerer des Kaiser Franz II. von Oesterreich. Carl Philipp wurde zu Wien geboren und frühzeitig für den Kriegerstand bestimmt, wie sein älterer Bruder für den höheren Dienst des Staates, der mittlere für den Dienst der Kirche.

Auserwählte tüchtige Lehrer bildeten des jungen Fürsten Geist wissenschaftlich aus, dann beschritt er im 16. Lebensjahre als Unterlieutenant die Laufbahn, die er mit so vielem Ruhm durchwandeln sollte, und machte unter Laudon’s Führung die Türkenzüge von 1787 bis 1789 mit, wo er persönliche Tapferkeit bewies und bis zum Rittmeister vorrückte. Wie er unter hohen Vorbildern kriegerischer Tüchtigkeit, unter den Grafen Loscy und Kinsky, und unter Laudon gedient hatte, so diente er unter Graf Clairfait und zeichnete sich im Gefechte von Quivrain 1. Mai 1792 aus, machte den folgenden Feldzug nach Frankreich als Oberstlieutenant