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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen-373.jpg


Johann Tserclaes Graf von Tilly.
Geb. d. 1559, gest. d. 30. April 1632.


Ein großer Feldherr, der seinen Namen mit Blut in die Annalen der Geschichte einzeichnete und dessen Bild der Rauch der Schlachten noch dunkler schwärzte, als es wohl ursprünglich war. Tapfer und kühn, erfahren und treu, glaubenseifrig und unerschüttert, eisenfest von Charakter, durch und durch Kriegsmann, erscheint Tilly allen Parteien, und so muß er betrachtet und gewürdigt werden, wenn auch Thaten auf seine Rechnung kamen, vor denen das menschliche Gefühl empört zurückschaudert.

Tilly entstammte einer altadeligen Familie, deren Zweige in Oesterreich, Bayern und den Niederlanden verbreitet waren, und die den Namen T Zerklas, T Serclas oder Tserclaes (so auf gleichzeitigen Bildnissen) führte. Die Familie erkaufte 1448 das Schloß Tilly in Brabant, und dort wurde Johann geboren. Er empfing seine Erziehung in einem Jesuitenkloster und wurde für den geistlichen Stand bestimmt; in ihm aber lebte der Sinn eines Kriegers, und er trat aus dem Kloster heraus in spanische Dienste, wo er unter Vorbildern und Feldherren wie Alba, Don Juan d’Austria und dem großen Alexander Farnese sich zum Feldherrn ersten Ranges heranbildete. Aus dem spanischen Kriegsdienst trat Tilly in den Dienst des Herzogs von Lothringen-Mercoeur, zog gegen die Türken und half die gegen den Kaiser rebellirenden Ungarn niederschlagen. Im Jahre 1602 stand Tilly bereitn als Oberst eines Wallonenregiments, nahm dann bei dem Bayernherzog Maximilian Dienste und zeigte sich auch im Rathe so brauchbar und tüchtig, daß ihm die Neugestaltung des ganzen Heerwesenn in Bayern mit dem Rang und Titel eines Feldmarschalls 1610 übertragen ward. Als Generalfeldmarschall und Generalissimus trat er an die Spitze des Heeres der katholischen Liga, wie der 30jährige Krieg ausbrach, und ward der tapferste, furchtbarste, schier unüberwindliche Gegner der protestantischen Union. Tilly’s Rath und That entschied für seine Partei den Sieg der Schlacht am weißen Berge bei Prag, 1620; das nächste Jahr sah ihn gegen den Grafen von Mansfeld ziehen, Pilsen und Tabor erstürmen, und 1622 bis 1623 war er in der Pfalz, eroberte sie mit Spinola’s und Cordova’s