Seite:Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen.pdf/8

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zahlreichen Werke, welche alle Zeugnisse seines Fleißes, seines regen Geistes und seines guten Geschmackes sind. In dem Buche »England und Italien« schilderte er besonders England mit großer Vorliebe und gründlich erworbener Kenntniß, dann gab er, während sein »England und Italien« fast in alle lebenden Sprachen Europa's übersetzt wurde, als Fortsetzung des England betreffenden Theiles neunzehn Bände »Annalen der brittischen Geschichte der Jahre 1788–1796« heraus, die mit Bildnissen berühmter Britten neuerer Zeit geschmückt erschienen.

Großen, rauschenden Beifall fand v. Archenholz’s »Geschichte des siebenjährigen Krieges«, zuerst im Historischen Kalender für 1789 erschienen, von Chodowiecki mit Küpferchen geziert, später erweitert und berichtigt selbständig herausgegeben. Dieß Buch wurde ein Volksbuch im edelsten und besten Sinne, der vornehme wie der schlichte Bürgersmann erfreute sich an demselben, man übersetzte es neben andern lebenden Sprachen sogar in die lateinische, wo der Hauptmann v. Archenholz als olim in exercitu Borussico centurio auf dem Titel prangte.

Geistvoll geschrieben erschienen auch die 2 Bände »Kleine historische Schriften«, deren 2ter Band ausschließlich die anziehende Geschichte der Flibustier umfaßt; ferner die »Geschichte Gustav’s Wasa, Königs von Schweden, nebst einer Schilderung des Zustandes von Schweden etc.« – 2 Bände, und der in Gemeinschaft mit Wieland begonnene Kalender für Damen, Jahrgang 1790, mit Bildern von Chodowiecki – in welchem Toilettenbüchlein v. Archenholz mit gewandter Feder die Geschichte der Königin Elisabeth von England zugleich mit jener von deren Nebenbuhlerin schilderte.

Neben dieser rastlosen Thätigkeit begründete v. Archenholz auch noch einige periodische Werke, in denen er Ansprüche und Geschmack des gebildeten Lesepublikums entsprechend traf. Das erste war seine »Literatur- und Völkerkunde«, welche belehrend, gemeinnützig, anziehend unterhaltend, eignes und fremdes, deutsches und ausländisches, Prosa und Poesie im anmuthigen Wechsel brachte, und auf viele anregend und fördernd wirkte. Dieß Werk und eine Fortsetzung desselben erlebte neun Jahrgänge. Noch längerer Dauer, man könnte sagen unvergänglicher, erfreute sich die v. Archenholz begründete Zeitschrift Minerva, ein Journal historischen und politischen Inhalts, welche auch nach des Begründers Tode fortgesetzt wurde und noch heute besteht. v. Archenholz begann diese Zeitschrift nach seiner Rückkehr aus Paris, 1792, und bestimmte sie vorzugsweise zur Schilderung französischer Zustände der Gegenwart. Er ließ sich in Hamburg nieder, in dessen Nähe er einen Landsitz, Oyendorf, erwarb, auf welchem den thätigen Mann in seinem 67. Jahre der Tod ereilte. Für seinen Ruhm hatte er genug gethan und seinem Andenken bleibt in den Annalen der deutschen Literatur eine Ehrenstelle gesichert.