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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen-93.jpg


Helius Eoban, Hessus.
Geb. d. 9. Jan. 1488, gest. d. 4. Oct. 1540.


Vielbegabter Gelehrter, Dichter, Improvisator, Historiker, nicht ganz tadelfreien Rufes, und doch vielleicht besser wie dieser Ruf. Bockendorf in Hessen war dieses Mannes Geburtsort, Elias sein Taufname, den er selbst zum Zeugniß seines dankbaren Gemüths umwandelte. Ein Amtmann in Preußen Namens Helius habe ihm, so wird erzählt, in seiner Jugend Wohlthaten erzeigt; diesem zu Ehren nannte er sich fortan Helius. Nach dem griechisch umgewandelten Namen seines Heimathortes schrieb er sich wohl auch Tragocomeusis, auch Beronicius, und liebte lange ein herumstreisendes Leben in Unstätigkeit und Ruhelosigkeit, wie es nicht selten begabten Künstlergemüthern eigen ist. Außerordentlich war Eoban’s Sprachfertigkeit; mit der größten Leichtigkeit unterhielt er sich französisch, englisch und italienisch; lateinisch und griechisch war ihm so geläufig wie die Muttersprache. Die Gabe der Stegreifdichtung war ihm im hohen Grade eigen; jeden gegebenen Stoff behandelte er aus der Stelle in metrischer Form, und sprach seine Verse bewegt und ausdrucksvoll, und dabei mit einer Raschheit, daß sie nicht nachgeschrieben werden konnten. Sein Aeußeres und das feste, kernhafte, trotzig blickende Antlitz glich ganz dem eines Kriegsmannes. So forderte der fahrende Poet durch ein stürmisches Jugendleben lange sein Schicksal in die Schranken, trieb wohl auch dabei, wie man ihm nachsagt, zu seiner und anderer Unterhaltung da und dort ein wenig Magie, und lenkte erst nach mancher Irrfahrt sein unruhiges Lebensschiff in den Hafen ein. Er kehrte nach Erfurt zurück, wo er seine Studien begonnen hatte, und wurde dort Professor der Poesie und Redekunst; ehrenvoll reihte er dort seinen Namen in den Freundeskreis berühmter Zeitgenossen ein, der sich um Luther und Crotus schloß, in dem Melanchthon, Camerarius, Jonas, Hutten vor allen glänzten. Er wurde sogar Rector der Hochschule, woraus seine Bedeutsamkeit als Gelehrter erhellt; auch waren seine Auditorien stets überfüllt. Aber die Ungunst der Zeit brach Erfurts Blüthe, seine Hochschule verödete, Wittenberg entzog ihm die edelsten und ruhmreichsten Lehrkräfte, und Eoban, der den Freunden dorthin nicht folgen konnte, litt. Melanchton empfahl ihn nach Nürnberg, wo Eoban um 1526 ein Schulrectorat annahm,