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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen-95.jpg


Ernst I., Herzog zu Sachsen-Gotha.
Geb. d. 25. Dez. 1601, gest. d. 26. März 1675.


Ein Muster hoher Regententugenden, voll Gottesfurcht und Frommsinn, daher der Gottesfürchtige, der Fromme nicht aus Schmeichelei, sondern durch geschichtliche Wahrheit genannt, tapfer und menschlich als Kriegsmann und Feldherr, weise und umsichtig als Herrscher und ein würdiger Ahnherr und Stammvater zum Theil noch immer blühender sächsischer Fürstenhäuser, verdient dieser Fürst, daß sich die Nachwelt an seinem Bilde erfreue und zu ihm Hinblicke wie zu einem wandellosen Sterne.

Herzog Ernst I. wurde seinen Aeltern Johann Herzog zu Sachsen-Weimar und Anna Dorothea Maria, Prinzessin von Anhalt-Köthen, in der Landesresidenz geboren. Von 11 Söhnen, mit denen dieß Fürstenpaar sich gesegnet sah, war Ernst der neunte. Sein älterer Bruder Wilhelm wurde Stammvater des S. Weimarschen Hauses, und ein jüngerer war Bernhard, der hochgefeierte unsterbliche Held des dreißigjährigen Krieges. Die Erziehung der sächsischen Prinzen war stets eine wissenschaftliche und religiöse, nach der Väter Beispiel, die mit Treue und Aufopferungsfähigkeit die einmal erkannte und schwer errungene evangelische Wahrheit festhielten, doch fehlte dabei nicht der ritterliche Antheil am Erziehungsgeschäft, der die Prinzen zu befähigen suchte, auch im heiligen Kampfe für Vaterland und Glauben das Schwert zu ziehen und tapfer zu führen, so wenig wie die Anweisung zur Leitung der Geschäfte des Staates und der Regierung, denn damals waren die Regenten noch gewohnt, mit eigenen Augen hell und scharf zu blicken und ihre Scepter in eigenen Händen fest zu halten.

Des jungen Herzogs milder und frommer Sinn, der seinen ganzen Lebensweg begleitete, that sich im Jahre 1628 recht augenscheinlich kund; er machte zur Aufhülfe der Geistlichen und Schuldiener eine Stiftung von 27,000 Gulden, in welche seine Brüder willigten. Bald darauf zog er zu Felde, und als im Kampfe um Donauwörth das Heer der protestantischen Union über den Lech setzte, war Herzog Ernst der erste, dessen Roß die Hufe in das feindliche Land schlug. In der Schlacht von Lützen kämpfte Ernst gleich seinem Bruder Bernhard heldenmüthig; Ernst war es, der nach König