Semele

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Autor: Friedrich Schiller
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Titel: Semele
Untertitel: eine lyrische Operette von zwey Scenen
aus: Anthologie auf das Jahr 1782, S. 199 – 243
Herausgeber: Friedrich Schiller
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1782
Verlag: J. B. Metzler
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Scans auf Commons
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[199]
Semele,
eine lyrische Operette von zwo Scenen.


___________


Personen.


 Juno.   Zevs.
 Semele. Prinzessin zu Thebe.       Merkur.


___________


Der Schauplaz ist zu Thebe im Pallast der Semele.


___________


Erste Scene.
Saal im königlichen Pallast zu Thebe.


Juno
(aus einer hellen niederfließenden Wolke, der Pfauenwagen halb sichtbar.)

Hinweg den geflügelten Wagen
Pfauen Junos! Erwartet mich
Auf Zythärons wolkichtem Gipfel!

(Wagen und Wolken verschwinden.)
[200]

Ha! sey gegrüßt Haus meines grauen Zornes!

5
Sey grimmig mir gegrüßt, feindseliger Pallast!

Verhaßtes Pflaster! – Hier also die Stätte,
Wo wider meinen Torus Jupiter
Im Angesicht des keuschen Tages frevelt?
Hier – wo ein Weib, ein sterblich schwaches Weib

10
Ein Weib aus Thon gewoben, sich erfrecht,

Den Donnerer aus meinem Arm zu schmeicheln,
An ihren Lippen ihn gefangen hält? –

     Juno! Juno! traurig
Stehst du, tief verachtet

15
Auf des Himmels Throne,

Zevs liebt dich nicht mehr!


Arie.

     Götterbrod und Nektarpunsch
Ueberflügeln meinen Wunsch,
Reichlich dampfen mir Altäre –

20
Sklavisch frohnt mir jedes Knie.

Was ist, ohne Liebe, Ehre?
Was Zytherens Gürtel ohne sie?

[201]

     Weh mir! meinen Stolz zu beugen,
Mußt’ schon Venus aus dem Schaume steigen –

25
Götter gestrudelt der Zauberin zu –

     Weh mir! meinen Gram zu mehren,
Mußt Hermione gebähren
Und dahin auf ewig meine Ruh! – –

(heftig entschlossen.)

     Nein, im Staube will ich nicht mehr trauern,

30
Länger nicht der Stolzen Siegeswagen ziehn!

Bin ich nicht Fürstin der Götter?
Nicht Schwester des Donnerers?
Nicht des Flammenschleuderers Frau?
Aechzen nicht die Axen des Himmels

35
Meinem Gebot? Umrauscht nicht mein Haupt die olympische Krone?

Ha! ich fühle mich! – Kronos Blut in den unsterblichen Adern!
Königlich schwillt mein göttliches Herz! – Rache! – Rache!
Soll sie mich ungestraft schmähen?
Ungestraft mit des Donnrers Umarmungen pralen,

[202]
40
Ungestraft die Erinnys hinauf in den Göttersiz rufen? –

Ha! der Würmerfraß! – Auf ein lakirtes Gesichtgen
Aufgebläht, wagt’s – das Ding von gestern und heute
Wagt’s um den Rang zu buhlen mit Göttern?
Staub will mit Aether wetteifern? – Stolze! Vergessene!

(mit Würde.)

45
     Trägt es auch wohl den grosen Stempel Uranos?

Oder frohlockt nicht Verwesung schon
Durch die Larve der welkenden Pracht? –
Stirb! Lern am stygischen Strom von Unsterblichkeit Staub
Unterscheiden! – Deine Riesenrüstung mag dich erdrücken, dich

50
Niederschmettern deine Göttersucht! – –

Rachegepanzert

Steig ich vom hohen Olympus herab!
[203]
Süße, vergiftende,

Schmeichelnde Reden

55
Hab ich ersonnen,

Tod und Verderben lauren darinn.
Horch
Ihre Tritte!
Sie naht!

60
Naht dem Sturz dem Verderben!

Verhülle dich Gottheit in sterblich Gewand!
Tief ist der Sturz
Von Göttern in Würmer der Sturz!
Doch! Doch!

65
Kann die Liebe mit dem Stiere grasen,
Was darf die Rache nicht?

(Sie entfernt sich.)


Semele (tritt auf)

(In die Scene.) Die Sonne neigt sich schon – Auf Zofen, eilt!
Durchbalsamet den Saal mit Weihrauchdüften,
Streut Rosen und Narcissen rings umher,

70
Vergeßt auch nicht das goldgewebte Polster –
[204]

(vor sich.) Er kommt noch nicht – die Sonne neigt sich schon –
(in die Scene.) Und haltet köstliche Früchte
Bereit. –

Juno (stürzt in Gestalt einer Alten herein.)

Gelobet seyen die Götter! Meine Tochter!

Semele.

75
Ha! wach ich? träum ich? Götter! Beroe?


Juno (an ihrem Hals.)

Sollt ihre alte Amme Semele
Vergessen haben?

Semele.

Beroe! beym Zevs.

Juno.

Ich bins!

[205]
Semele. (umarmt sie.)

Laß an mein Herz dich drücken – deine Tochter –

80
Du lebst? Was führt von Epidaurum dich

Zu mir? Wie lebst du? Du bist doch noch immer
Meine Mutter?

Juno.

     Mutter?
Eh nanntest du mich so.

Semele.

     Du bist es noch,
Wirst’s bleiben, bis von Lethes Taumeltrank

85
Ich trunken bin –


Juno.

     Bald wird wohl Beroe
Vergessenheit aus Lethes Kelche trinken,
Die Tochter Kadmus trinkt vom Lethe nicht.

Semele.

Wie das? den doch mein Eltervater Agenor
Gekostet hat? –

[206]
Juno.

     Wird Semele nicht kosten.

Semele.

90
Wie meine Gute? räzelhaft war sonst

Nie deine Rede, nie geheimnißvoll,
Der Geist der grauen Haare spricht aus dir –
Ich werde, sagst du, Lethes Trank nicht kosten?

Juno.

So sagt’ ich, ja! was spottest du

95
Der grauen Haare? – Freilich haben sie

Noch keinen Gott bestriket wie die blonden –

Semele.

Verzeih der Unbesonnenen[1] – wie wollt’ ich
Der grauen Haare spotten, werden wohl
Die meinen ewig blond vom Nacken fliesen? –

100
Was aber wars, das zwischen deinen Zähnen

Du murmeltest? – Ein Gott? –

Juno. (rasch.)

 Sagt’ ich, ein Gott?
Nun ja, die Götter wohnen überall:

[207]

Sie anzuflehn, steht schwachen Menschen schön.
Die Götter sind wo du bist – Semele!

105
Was fragst du mich?


Semele.

 Wie? meine Beroe?
So fremd? warum diß Herz vor mir verschlossen,
Das einst so froh in mein Herz überwallte?
Das wolltest du nicht sagen? –

Juno.

 Wollt’ ich mehr
Die Götter sind wo du bist – konnt’ ich mehr noch sagen?

110
Die Götter wohnen gern um Semele?


Semele.

Boshaftes Herz! – doch sprich was führte dich
Den weiten Weg von Epidaurum her,
Das doch wohl nicht, daß gern die Götter wohnen
Um Semele?

[208]
Juno.

 Beim Jupiter nur das!

115
Welch Feuer fuhr in deinen Wangen auf,

Als ich das Jupiter aussprach? – nichts anders
Als jenes, meine Tochter – schröklich rast
Die Pest zu Epidaurum, tödtend Gift
Ist jeder Hauch, und jeder Athem würget,

120
Den Sohn verbrennt die Mutter, seine Braut

Der Bräutigam, die feuerflammenden
Holzstöße machen Tag aus Mitternacht,
Und Klagen heulen rastlos in die Luft,
Unüberschwänglich ist das Weh! – entrüstet

125
Blikt Zevs auf unser armes Volk herab,

Vergebens strömt ihm Opferblut, vergebens
Zermartert am Altare seine Knie
Der Priester, unserm Flehen ist sein Ohr verriegelt –
Drum sandt’ zu Kadmus groser Königstochter mich

130
Mein wehbelastet Vaterland, ob ich

Von ihr erbitten könnte seinen Grimm

[209]

Von uns zu wenden – Beroe die Amme
Gilt viel, gedachten sie, bey Semelen – bey Zevs
Gilt Semele so viel – mehr weiß ich nicht,

135
Versteh noch weniger, was sie damit

Bedeuten: Semele vermag bey Zevs so viel.

Semele. (heftig, und vergessen.)

Die Pest wird morgen weichen – sags dem Volk,
Zevs liebt mich! sags! heut muß die Pest noch weichen!

Juno (auffahrend mit Staunen.)

Ha! ist es wahr? was tausendzüngiges Gerücht

140
Vom Ida bis zum Hömus hat geplaudert?

Zevs liebt dich? Zevs grüßt dich in aller Pracht,
Worinn des Himmels Bürger ihn bestaunen,
Wenn in Saturnia’s Umarmungen er sinkt? –
Laßt Götter! laßt die grauen Haare nun

145
Zum Orkus fahren – satt hab ich gelebt –

In seiner Götterpracht steigt Kronos groser Sohn
Zu ihr, zu ihr, die einst an dieser Brust
Getrunken hat – zu ihr –

[210]
Semele.

 O Beroe! er kam.
Ein schöner Jüngling reizender als keiner

150
Auroras Schooß entflossen, paradisisch reiner

Als Hesperus, wenn er balsamisch haucht,
In Aetherflut die Glieder eingetaucht,
Die Haare seidenweich und säuselnd aufgehoben,
Den Schwanenhals in Lockennacht verschoben,

155
Das reizendste Gemisch von Finsterniß und Licht –

Elysium sein Blik, sein schimmernd Angesicht
Mit Rosenroth purpurisch durchgewoben,
Voll Ernst sein Gang, und majestätisch, wie
Hyperions, wenn Köcher, Pfeil und Bogen

160
Die Schultern niederschwirren, wie

Vom Ozean sich heben Silberwoogen
Auf Mayenlüften hintennach geflogen
Sein Lichtgewand, die Stimme Melodie,
Ein Ohrenmahl wie Sphärenharmonie!

165
Wie Silberklang aus fliessenden Krystallen –

Entzükender als Orpheus Saiten schallen –

[211]

Ein Zauberbild wie noch vor keinem Auge schwam,
Das Statuen belebt, und Lebende versteinert,
Diß, tausendfach erhöht, und tausendfach verfeinert,

170
Erreicht den Schatten nicht von meinem Bräutigam.


Juno.

Ha! meine Tochter! – die Begeisterung
Erhebt dein Herz zum helikonschen Schwung!
Wie muß das Hören seyn! wie himmelvoll das Bliken!
Wenn schon die sterbende Erinnerung

175
Von hinnen rükt in delfischem Entzüken? –

Wie aber? warum schweigst du mir
Das kostbarste? Chronions höchste Zier,
Die Majestät auf rothen Donnerkeulen
Die durch zerrissene Wolken eilen,

180
Willst du mir geizig schweigen? – Liebenswürdigkeit

Mag auch Prometheus und Deukalion
Verliehen haben – Donner wirft nur Zevs!

[212]

Die Donner die zu deinen Füßen
Er niederwarf, die Donner sind es nur

185
Die zu der Herrlichsten auf Erden dich gemacht. –


Semele. (stuzt.)

Wie, was sagst du? hier ist von keinen Donnern
Die Rede. –

Juno. (lächelnd.)

 Semele! auch Scherzen steht dir schön!

Semele.

So himmlisch, wie mein Jupiter, war noch
Kein Sohn Deukalions – von Donnern weiß ich nichts!

Juno.

190
Ey! Eifersucht!


Semele.

 Nein Beroe! beim Zevs!

Juno.

Du schwörst?

Semele.

 Beim Zevs! Bei meinem Zevs!

[213]
Juno (schreyend.)

  Du schwörst?

Semele.

Wie wird dir? – Keine Spur von Donnern!

Juno (erschrocken.)

 Keine Spur
Unglückliche?

Semele.

 Wahrhaftig, kein Gedanke!

Juno.

Entsezlich! was nicht ein Gedanke?

Semele (ängstlich.)

 Beroe!

Juno.

195
Sprichs noch einmal das Wort, das zur Elendesten

Auf Tellus ganzem großem Rund dich macht! –
Nicht eine Spur von Donnern, kein Gedanke?

Semele.

Ihr Götter! kann ich anders sagen?

[214]
Juno (mit verzweifeltem Geschrey.)

 Ha!
Vernahmt ihrs auch ihr der Olympus Mächte!

200
Du Feuerrad des Titans! – Nordische Trionen!

Du Trillingsstirn der Gräber Pilgerin!
Ihr des Neptunus Schrecken! Ihr des Orkus Nächte!
Vernahmt ihrs auch? – Sie kann nichts anders sagen –
Verlohrene! das war nicht Zevs!

Semele.

 Nicht Zevs

205
Abscheuliche!


Juno.

 Ein lockerer Geselle
Aus Attika, der unter Gottes Larve
Die Ehre, Schaam und Unschuld wegbetrog! –

(Semele sinkt um.)

Ja stürz nur hin! Steh ewig niemals auf!
Laß ew’ge Nacht dein Licht verschlingen, laß

210
Um dein Gehör sich lagern ew’ge Stille!
[215]

Bleib ewig hier ein Felsenzaken kleben! –
O Schande! Schande! die den keuschen Tag
Zurük in Hekates Umarmung schleudert!
So Götter! Götter! so muß Beroe

215
Nach sechszehn schwer durchlebten Trennungsjahren

Die Tochter Kadmus wiedersehn! – Frohlockend
Zog ich von Epidaurum her, mit Schaam
Muß ich zurük nach Epidaurum kehren! –
Verzweiflung bring ich mit! O Jammer! O mein Volk!

220
Die Pest mag ruhig bis zur zwoten Ueberschwemmung

Fortwüten, mag mit aufgebäumten Leichen
Den Oeta übergipfeln, mag
Ganz Griechenland in ein Gebeinhaus wandeln,
Eh Semele den Grimm der Götter beugt.

225
Betrogen ich und du und Griechenland und alles!


Semele (richtet sich zitternd auf, und strekt einen Arm nach ihr aus.)

O meine Beroe!

[216]
Juno.

 Ermuntre dich mein Herz!
Vielleicht ists Zevs! Wahrscheinlich doch wohl nicht!
Vielleicht ists dennoch Zevs! Izt müssen wir’s erfahren!
Izt muß er sich enthüllen oder du,

230
Fliehst ewig seine Spur, gibst den Abscheulichen

Der ganzen Todesrache Thebens Preiß. –
Schau, theure Tochter auf – schau deiner Beroe
Ins Angesicht, das sympathetisch dir
Sich öffnet – wollen wir ihn nicht

235
Versuchen Semele?


Semele.

 Nein bei den Göttern!
Ich würd ihn dann nicht finden –

Juno.

 Würdest du
Wohl minder elend seyn, wenn du in bangen Zweifeln
Fortschmachtetest – und wenn ers dennoch wäre?

[217]
Semele (verbirgt das Haupt in Junos Schoos.)

Ach! Er ists nicht!

Juno.

 Und sich in allem Glanz

240
Worinn er je die schimmernden Gestirne

Verdunkelte, er je ein endlich Aug
Verblendete, vor dessen scharfem Schauen
(Dir ist es Abenddämmerung)
Die Sonnen schwarz vorüber schwanden,

245
Im Tanz die Sphären stille standen, –

Dir sichtbar stellte? – Semele! wie nun?
Dann sollte dichs gereuen ihn versucht
Zu haben?

Semele (auffahrend.)

 Ha! Enthüllen muß er sich!

Juno (schnell.)

Eh darf er nicht in deine Arme sinken –

250
Enthüllen muß er sich – drum höre gutes Kind

Was dir die redliche getreue Amme räth,

[218]

Was Liebe mir izt eben zugelispelt,
Vollbringen Liebe wird – sprich, wird er bald erscheinen?

Semele.

Eh noch Hyperion in Thetis Bette steigt,

255
Versprach er zu erscheinen –


Juno (vergessen, heftig.)

 Wirklich? Ha?
Versprach er? heut schon wieder? (faßt sich.) Laß ihn kommen
Und wenn er eben Liebestrunken nun
Die Arme auseinander schlingt nach dir,
So trittst du – Merk dirs – wie vom Bliz

260
Gerührt zurück. Ha! wie er stuzen wird,

Nicht lange lässest du mein Kind ihn stuzen,
Du fährst so fort, mit frostgen Minen die
Die Seele morden, (liebenden Megären!)
Ihn wegzustoßen – wilder, feuriger

265
Bestürmt er dich, die Sprödigkeit der Schönen

Ist nur ein Damm der einen Regenstrom
Zurükepreßt, und ungestümer prallen

[219]

Die Fluten an – Izt hebst du an zu weinen –
Giganten mocht er stehn, mocht ruhig niederschaun

270
Wenn Typheus hundertarmiger Grimm

Den Oßa und Olymp nach seinem Erbthron jagte –
Die Thränen einer Schönen fällen Zevs –
Du lächelst? – Gelt? die Schülerin
Ist weiser hier als ihre Meisterin? –

275
Nun bittest du den Gott, dir eine kleine kleine

Unschuld’ge Bitte zu gewähren, die
Dir seine Lieb und Gottheit siegeln sollte –
Er schwörts beym Styx! – Der Styx hat ihn gebannt!
Entschlüpfen darf er nimmermehr! Du sprichst:

280
„Eh sollst du diesen Leib nicht kosten, bis

In aller Kraft, worinn dich Kronos Tochter
Umarmt, du zu der Tochter Kadmus steigest!“
Laß dichs nicht schröken, Semele, wenn er
Die Grauen seiner Gegenwart, die Feuer

285
Die um ihn krachen, dir die Donner die
[220]

Den Kommenden umknallen, zu Popanzen
Aufstellen wird, den Wunsch dir zu entleiden,
Das sind nur leere Schreken Semele,
Die Götter thun mit dieser herrlichsten

290
Der Herrlichkeiten gegen Menschen karg –

Beharre du nur starr auf deiner ersten Bitte,
Und Juno selbst wird neidisch auf dich schielen.

Semele.

Die Häßliche mit ihren Ochsenaugen!
Er hat mirs oft im Augenblik der Liebe

295
Geklagt, wie sie mit ihrer schwarzen Galle

Ihn martere –

Juno (ergrimmt, verlegen bey Seite.)

 Ha! Wurm! den Tod für diesen Hohn!

Semele.

Wie meine Beroe? – Was hast du da gemurmelt?

Juno (verlegen.)

Nichts – meine Semele. Die schwarze Galle quält

[221]

Auch mich – Ein scharfer strafender Blik

300
Muß oft bey Buhlenden für schwarze Galle gelten –

Und Ochsenaugen sind so wüste Augen nicht.

Semele.

O pfui doch! Beroe! die garstigsten
Die je in einem Kopfe steken können! –
Und noch dazu die Wangen gelb und grün,

305
Des gift’gen Neides sichtbarliche Strafe –

Mich jammert Zevs, daß ihn die Keiferin
Mit ihrer ekelhaften Liebe keine Nacht
Verschont und ihren eifersücht’gen Grillen,
Das muß Ixions Rad im Himmel seyn.

Juno (in der äusersten Verwirrung und Wuth auf und ab rasend.)

310
Nichts mehr davon!


Semele.

 Wie Beroe? so bitter?
Hab ich wohl mehr gesagt, als wahr ist, mehr
Als klug ist? –

[222]
Juno.

 Mehr hast du gesagt
Als wahr ist, mehr als klug ist junges Weib!
Preiß dich beglükt, wenn deine blauen Augen

315
Dich nicht zu früh in Charons Nachen lächeln!

Saturnia hat auch Altär’ und Tempel,
Und wandelt unter Sterblichen – die Göttinn
Rächt nichts so sehr als höhnisch Nasenrümpfen.

Semele.

Sie wandle hier, und sey des Hohnes Zeugin!

320
Was kümmerts mich? – Mein Jupiter beschüzt

Mir jedes Haar, was kann mir Juno laiden? –
Doch laß uns davon schweigen Beroe,
Zevs muß mir heute noch in seiner Pracht erscheinen,
Und wenn Saturnia darob den Pfad

325
Zum Orkus finden sollte –


Juno (beiseit.)

 Diesen Pfad
Wird eine andre wohl noch vor ihr finden,
Wenn je ein Bliz Chronions trift! – (zu Semele.)

[223]

Ja Semele, sie mag vor Neid zerbersten
Wenn Kadmus Tochter, Griechenland zur Schau

330
Hoch im Triumfe zum Olympus steigt! –


Semele (leichtfertig lächelnd.)

 Meinst du?
Man werd’ in Griechenland von Kadmus Tochter hören?

Juno.

Ha! ob man auch von Sidon bis Athen
Von einem andern höret: Semele!
Götter, Götter, werden sich vom Himmel neigen,

335
Götter vor dir niederknien,

Sterbliche in demuthsvollem Schweigen
Vor des Riesentöders Braut sich beugen
Und in zitternder Entfernung – –

Semele (frisch aufhüpfend ihr um den Hals fallend.)

 Beroe!

Juno.

     Ewigkeiten – grauen Welten

340
     Wirds ein weißer Marmor melden:
[224]

     Hier verehrt’ man Semele!
     Semele der Frauen Schönste,
     Die den Donnerschleuderer
     Vom Olymp zu ihren Küssen

345
     In den Staub herunter zwang,

Und auf Famas tausendfach rauschenden Flügeln
Wirds von Meeren schallen, und brausen von Hügeln –

Semele (ausser sich.)

     Pythia! Apollo! – Wenn er doch
     Nur erschiene!

Juno.

 Und auf dampfenden Altären

350
     Werden sie dich göttlich ehren –


Semele (begeistert.)

     Und erhören will ich sie!
     Seinen Grimm mit Bitten söhnen,
     Löschen seinen Bliz in Thränen!
Glüklich glüklich machen will ich sie!

[225]
Juno (vor sich.)

355
     Armes Ding! das wirst du nie. –
(nachdenkend.)

Bald zerschmilzt – – – doch – garstig mich zu heißen! –
Nein! Das Mitleid in den Tartarus! (zu Semele.)
Flieh nur! Flieh nur meine Liebe,
Daß dich Zevs nicht merke, laß ihn lang

360
Deiner harren, daß er feuriger

Nach dir schmachte –

Semele.

 Beroe! der Himmel
Hat erkohren dich zu seiner Stimme!
Ich Glüksel’ge! vom Olympus neigen
Werden sich die Götter, vor mir niederknien

365
Sterbliche in demuthsvollem Schweigen – –

Laß nur – laß – ich muß von hinnen fliehn!

(eilig ab.)


Juno (siegjauchzend ihr nachblikend.)

Schwaches! stolzes! leichtbetrognes Weib!
Fressendes Feuer seine schmachtenden Blicke,

[226]

Seine Küsse Zermalmung, Gewittersturm

370
Seine Umarmung dir! – Menschliche Leiber

Mögen nicht ertragen die Gegenwart
Deß der die Donner wirft! – Ha! (in rasender Entzükung.)
Wenn nun ihr wächserner sterblicher Leib
Unter des Feuertriefenden Armen

375
Niederschmilzt, wie vor der Sonne Glut

Flokigter Schnee, – der Meineidige
Statt der sanften, weicharmigten Braut,
Seine eig’nen Schrecken umhalßt – wie frohlokend dann
Will ich herüber vom Zythaeron waiden mein Auge!

380
Rufen herüber, daß in der Hand ihm der Donnerkeil

Niederbebt! – Pfui doch! umarme
Nicht so unsanft Saturnius.

(sie eilt davon.)


(Simfonie.)
[227]
Zweyte Scene.
(Der vorige Saal.)


Plözliche Klarheit.


Zevs (in Jünglings Gestalt.) Merkur (in Entfernung.)


Zevs.

Sohn Maja!

Merkur (kniend mit gesenktem Haupt.)

 Zevs!

Zevs.

 Auf! Eile! Schwing
Die Flügel fort nach des Skamanders Ufer,

385
Dort weint am Grabe seiner Schäferin

Ein Schäfer – Niemand soll weinen
Wenn Saturnius liebet –
Ruf die Tode ins Leben zurük.

Merkur (aufstehend.)

Deines Hauptes ein allmächtiger Wink

390
Führt mich in einem Huy dahin, zurük

In einem Huy –

[228]
Zevs.

 Verzeuch! Als ich ob Argos flog,
Kam wallend mir ein Opferdampf entgegen
Aus meinen Tempeln – das ergözte mich,
Daß mich das Volk so ehrt – Erhebe deinen Flug

395
Zu Zeres meiner Schwester – so spricht Zevs, –

Zehntausendfach soll sie auf fünfzig Jahr
Den Argiern die Halmen wiedergeben –

Merkur.

Mit zitternder Eile
Vollstrek ich deinen Zorn – mit jauchzender

400
Allvater deine Huld; denn Wollust ists

Den Göttern Menschen zu beglüken, zu verderben
Die Menschen ist den Göttern Schmerz – Gebeut!
Wo soll ich ihren Dank vor deine Ohren bringen,
Nieden im Staub, oder droben im Göttersitz?

Zevs.

405
Nieden im Göttersiz! – Im Pallaste

Meiner Semele! Fleuch!

(Merkur geht ab.)
[229]

– – – – – – – Sie kommt mir nicht entgegen
Wie sonst, an ihre wollustschwellende Brust
Den König des Olympus zu empfangen?

410
Warum kommt meine Semele mir nicht

Entgegen? – Oedes – todes – grauenvolles Schweigen
Herrscht rings umher im einsamen Pallast,
Der sonst so wild und so bachantisch lermte –
Kein Lüftchen regt sich – auf Zythärons Gipfel

415
Stand siegfrohlokend Juno – ihrem Zevs

Will Semele nicht mehr entgegen eilen – – –

(Pause, Er fährt auf.)

Ha! sollte wohl die Frevlerin gewagt
In meiner Liebe Heiligthum sich haben? –
Saturnia – Zythäron – ihr Triumf –

420
Entsezen Ahndung! – Semele – – Getrost! –

Getrost! Ich bin dein Zevs! Der weggehauchte Himmel
Solls lernen: Semele! Ich bin dein Zevs!

[230]

Wo ist die Luft, die sich erfrechen wollte
Rauh anzuwehn, die Zevs die seine nennt? –

425
Der Ränke spott ich – Semele, wo bist du? –

Lang schmachtet’ ich mein weltbelastet Haupt
An deinem Busen zu begraben, meine Sinnen
Vom wilden Sturm der Weltregierung eingelullt,
Und Zügel, Steur, und Wagen weggeträumt,

430
Und im Genuß der Seligkeit vergangen!

O Wonnerausch! Selbst Göttern süßer Taumel!
Glüksel’ge Trunkenheit! – Was ist Uranos Blut,
Was Nektar und Ambrosia, was ist
Der Thron Olymps, des Himmels goldenes Zepter,

435
Was Allmacht, Ewigkeit, Unsterblichkeit, ein Gott?

 Ohne Liebe?
Der Schäfer, der an seines Stroms Gemurmel
Der Lämmer an der Gattinn Brust vergißt,
     Beneidete mir meine Keile nicht.

440
Sie naht – Sie kommt – O Perle meiner Werke
[231]

Weib! – Anzubeten ist der Künstler, der
Dich schuf – – Ich schuf dich – bet mich an,
Zevs betet an vor Zevs, der dich erschuf!
Ha! wer im ganzen Wesenreiche, wer

445
Verdammet mich? – Wie unbemerkt, verächtlich

Verschwinden meine Welten, meine stralenquillenden
Gestirne, meine tanzenden Systeme,
Mein ganzes großes Saitenspiel, wie es
Die Weisen nennen, wie das alles tod

450
 Gegen eine Seele?


Semele (kommt näher ohne aufzuschauen.)


Zevs.

Mein Stolz! Mein Thron ein Staub! O Semele!

(fliegt ihr entgegen, sie will fliehen.)

Du fliehst? – Du schweigst? – Ha! Semele! du fliehst?

Semele (ihn wegstoßend.)

Hinweg!

[232]
Zevs (nach einer Pause des Erstaunens.)

 Träumt Jupiter? Will die Natur
Zu Grunde stürzen? – so spricht Semele? –

455
Wie, keine Antwort – Gierig strekt mein Arm

Nach dir sich aus – so pochte nie mein Herz
Der Tochter Agenors entgegen, so
Schlugs nie an Ledas Brust, so brannten meine Lippen
Nach Danaes verschloßnen Küssen nie

460
Als jezo –


Semele.

 Schweig Verräther!

Zevs (unwillig zärtlich.)

 Semele!

Semele.

Fleuch!

Zevs (mit Majestät sie ansehend.)

 Ich bin Zevs!

Semele.

 Du Zevs?

[233]

Erzittre Salmoneus, mit Schreken wird
Er wiederfodern den gestohl’nen Schmuck
Den du gelästert hast – Du bist nicht Zevs!

Zevs (groß.)

465
Der Weltbau dreht im Wirbel sich um mich

Und nennt mich so –

Semele.

 Ha! Gotteslästerung!

Zevs (sanfter.)

Wie, meine Göttliche? Von wannen dieser Ton?
Wer ist der Wurm der mir dein Herz entwendet?

Semele.

Mein Herz war dem geweyht, deß Aff du bist –

470
Oft kommen Menschen unter Götterlarve

Ein Weib zu fangen – Fort! Du bist nicht Zevs!

Zevs.

Du zweifelst? Kann an meiner Gottheit Semele
Noch zweifeln?

[234]
Semele (wehmüthig.)

 Wärst du Zevs! Kein Sohn
Des Morgennimmerseyns soll diesen Mund berühren,

475
Zevs ist diß Herz geweiht – – – O wär’st du Zevs!


Zevs.

Du weinest? Zevs ist da, und Semele soll weinen?
(niederfallend.) Sprich, fodre und die knechtische Natur
Soll zitternd vor der Tochter Kadmus liegen!
Gebeut! und Ströme machen gählings Halt!

480
Und Helikon, und Kaukasus und Cynthus

Und Athos, Mykale, und Rhodope und Pindus,
Von meines Winkes Allgewalt
Entfesselt, küssen Thal und Triften
Und tanzen Floken gleich in den verfinsterten Lüften

485
Gebeut, und Nord und Ost und Wirbelwind

Belagern den Allmächtigen Trident,

[235]

Durchrütteln Posidaons Throne,
Empöret steigt das Meer Gestad und Damm zu Hohne,
Der Bliz prahlt mit der Nacht, und Pol und Himmel krachen,

490
Der Donner brüllt aus tausendfachem Rachen,

Der Ocean lauft gegen den Olympus Sturm,
Dir flötet der Orkan ein Siegeslied entgegen,
Gebeut –

Semele.

 Ich bin ein Weib, ein sterblich Weib,
Wie kann vor seinem Topf der Töpfer liegen,

495
Der Künstler knien vor seiner Statue?


Zevs.

Pygmalion beugt sich vor seinem Meisterstücke –
Zevs betet an vor seiner Semele!

Semele (heftiger weinend.)

Steh auf – Steh auf – O weh! mir armen Mädchen!
Zevs hat mein Herz, nur Götter kann ich lieben,

[236]
500
Und Götter lachen mein, und Zevs verachtet mich!


Zevs.

Zevs der zu deinen Füßen ligt –

Semele.

 Steh auf!
Zevs thronet über höhren Donnerkeulen,
Und spottet eines Wurms in Junos Armen.

Zevs (mit Heftigkeit)

Ha! – Semele und Juno! – Wer

505
Ein Wurm?


Semele.

 O unaussprechlich glücklich wär
Die Tochter Kadmus – wärst du Zevs – O weh
Du bist nicht Zevs!

Zevs (steht auf.)

 Ich bin’s! (rekt die Hand aus, ein Regenbogen steht im Saal.)
(Die Musik begleitet die Erscheinung.)
 Kennst du mich nun?

[237]
Semele.

Stark ist des Menschen Arm, wenn ihn die Götter stüzen,
Dich liebt Saturnius – Nur Götter kann

510
Ich lieben –


Zevs.

 Noch! Noch zweifelst du
Ob meine Kraft nur Göttern abgeborget
Nicht Gottgebohren sey? – Die Götter, Semele,
Verleih’n den Menschen oft wohlthätige Kräfte,
Doch ihre Schreken leihen Götter nie –

515
Tod und Verderben ist der Gottheit Siegel,

Tödend enthüllt sich Jupiter dir!

(er rekt die Hand aus. Knall, Feuer, Rauch
und Erdbeben. Musik begleitet hier und
in Zukunft den Zauber.)


Semele.

Zieh deine Hand zurük! – O Gnade! Gnade!
Dem armen Volk! – Dich hat Saturnius
Gezeuget –

Zevs.

 Ha! Leichtfertige!

[238]
520
Soll Zevs dem Starrsinn eines Weibes wohl

Planeten drehn, und Sonnen stillsteh’n heißen?
Zevs wird es thun! – Oft hat ein Göttersohn
Den feuerschwangern Bauch der Felsen aufgerizt,
Doch seine Kraft erlahmt in Tellus Schranken;

525
Das kann nur Zevs!
(er rekt die Hand aus, die
Sonne verschwindet, es wird
plözlich Nacht.)


Semele (stürzt vor ihn nieder.)

 Allmächtiger! – O wenn
Du lieben könntest! (es wird wiederum Tag)

Zevs.

 Ha! die Tochter Kadmus fragt
Chronion, ob Chronion lieben könnte?
Ein Wort, und er wirft seine Gottheit ab,
Wird Fleisch und Blut, und stirbt und wird geliebt.

Semele.

530
Das thäte Zevs?


Zevs.

 Sprich, Semele, was mehr?

[239]

Apollo selbst gestand, es sey Entzüken
Mensch unter Menschen seyn – Ein Wink von dir! Ich bins!

Semele (fällt ihm um den Hals.)

O Jupiter, die Weiber Epidaurum schelten
Ein thöricht Mädchen deine Semele

535
Die von dem Donnerer geliebet, nichts

Von ihm erbitten kann –

Zevs (heftig.)

 Erröthen sollen
Die Weiber Epidaurum! – Bitte! Bitte nur!
Und bei dem Styx, deß schrankenlose Macht
Selbst Götter sklavisch beugt – Wenn Zevs dir zaudert,

540
So soll der Gott in einem einz’gen Nu

Hinunter mich in die Vernichtung donnern!

Semele (froh aufspringend.)

Daran erkenn ich meinen Jupiter!
Du schwurest mir – der Styx hat es gehört!
So laß mich dann nie anders dich umarmen

545
Als wie –
[240]
Zevs (erschroken, schreyend.)

 Unglükliche halt ein!

Semele.

Saturnia –

Zevs (will ihr den Mund zuhalten.)

 Verstumme!

Semele.

 Dich umarmt!

Zevs (bleich, von ihr weggewandt)

Zu spät! Der Laut entrann! Der Styx! Du hast den Tod
Erbeten Semele! –

Semele.

 Ha! So liebt Jupiter?

Zevs.

Den Himmel gäb’ ich drum, hätt’ ich dich minder nur

550
Geliebt! (mit kaltem Entsezen sie anstarrend.) du bist verloren –
[241]
Semele.

 Jupiter!

Zevs (grimmig vor sich hinredend.)

Ha! merk ich nun dein Siegfrohloken, Juno?
Verwünschte Eifersucht! – O diese Rose stirbt!
Zu schön – O weh! Zu kostbar für den Acheron!

Semele.

Du geizest nur mit deiner Herrlichkeit!

Zevs.

555
Fluch über meine Herrlichkeit, die dich

Verblendete! Fluch über meine Größe,
Die dich zerschmettert! Fluch! Fluch über mich!
Daß ich mein Glük auf morschen Staub gebaut!

Semele.

Das sind nur leere Schrecken, Zevs, mir bangt

560
Vor deinem Drohen nicht!


Zevs.

 Bethörtes Kind!
Geh – nimm das lezte Lebewohl auf ewig

[242]

Von deinen Freundinnen – nichts – nichts vermag
Dich mehr zu retten – Semele! ich bin dein Zevs!
Auch das nicht mehr – Geh –

Semele.

 Neidischer! der Styx!

565
Du wirst mir nicht entschlüpfen.
(sie geht ab.)


Zevs.

Nein! triumfiren soll sie nicht. – Erzittern
Soll sie – und kraft der tödenden Gewalt,
Die Erd und Himmel mir zum Schemel macht,
Will an den schrofsten Felsen Thraziens

570
Mit diamantnen Ketten ich die Arge schmieden,

Auch diesen Schwur –

Merkur erscheint in Entfernung.


 Was will dein rascher Flug?

Merkur.

Feurigen geflügelten weinenden Dank
Der Glüklichen –

[243]
Zevs.

 Verderbe sie wieder!

Merkur (erstaunt.)

Zevs!

Zevs.

 Glüklich soll niemand seyn!

575
Sie stirbt –


(Der Vorhang fällt.)
Y.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Unbesonnnen