Spohr und Tibaut

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Spohr und Tibaut
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 11, S. 90
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[190] Spohr und Thibaut.[WS 1] Im Sommer 1832 – ich glaube, er war damals Kapellmeister in Darmstadt – hatte Spohr die Komposition einer Messe vollendet, der er sehr viele Mühe gewidmet und auf die er große Erwartungen gesetzt hatte. Er brachte die Partitur nach Heidelberg, um sie dem berühmten Pandectisten, Geheimen Rath Thibaut, zur Prüfung vorzulegen, der damals, was Kirchenmusik betraf, als erste Autorität anerkannt war. Als Spohr ihn bat, die Messe zu prüfen und ihm sein Urtheil vollkommen unparteiisch abzugeben, lud ihn Thibaut, der ein vortrefflicher Pianist war, ein, sich zu setzen; er wolle sie gleich durchspielen. Dies geschah. Am Schlusse, und als Spohr sein Urtheil erwartete, zog Thibaut ein Notenstück mit dem Bemerken hervor: „Ich will Ihnen noch eine Messe vorspielen.“ Es war die eines der alten italienischen Meister, an deren Werke Thibaut seine enormen Einnahmen (er hatte in dem Sommer in dem Pandectencollegium allein über achthundert Zuhörer) verschwendete. Der Name des Meisters ist mir nicht mehr erinnerlich. Noch während Thibaut spielte, rollte Spohr sein Manuscript zusammen, und als Jener geendet, sprach Spohr: „Ich danke Ihnen bestens, Herr Geheimrath, ich verstehe Sie vollständig. Diese bleibt im Pulte.“ Ich war damals Student in Heidelberg, bei Thibaut eingeführt und Mitglied seines durch ewige Kirchenmusik zu Tode gepeinigten gemischten Gesangvereines; auch weiß ich den Vorfall sowohl aus dem Thibaut’schen Hause, wie durch Mittheilung eines Spohr persönlich befreundeten Studenten dem der Meister ihn sogleich erzählte.

R.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Louis Spohr (1784–1859), deutscher Komponist, Violinist und Kapellmeister und Anton Friedrich Justus Thibaut (1772–1840), deutscher Rechtsgelehrter, Chorleiter und Musikschriftsteller