Sponsel Grünes Gewölbe Band 2/Tafel 3

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Tafel 2 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 2 (1928) von Jean Louis Sponsel
Tafel 3
Tafel 4
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TAFEL 3
1. BLATTFÖRMIG GEBOGENE SCHALE AUF FLACHEM FUSS
VON CASPAR WIDMANN, MEISTER IN NÜRNBERG 1554
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Sponsel Grünes Gewölbe Band 2 Tafel 03a.jpg

[156] Oben: Silbervergoldete runde nachträglich blattförmig gedrückte Schale auf flachem Fuß, in der Mitte eine erhabene gegossene Scheibe in Relief mit Rollwerk und Masken verziert, daran ein Reifen mit vier Beineinlagen und mit eingeätzten Mauresken. An dem gebogenen Rande Behänge mit eingeätzten Mauresken. In der Mitte ein Achat in Gestalt eines Seehundkopfes eingesetzt. Als Angriff dient ein aus Chalzedon geschnittener Löwe, dessen Kopf, Vorderpranke und Schwanz aus vergoldetem Silber angesetzt sind. Der Fuß und der kurze Schaft ist ebenso wie die Scheibe verziert und gegossen. – Vorn in dem Rande die Beschaumarke von Nürnberg und die Meistermarke R 3112 von Caspar Widmann, Meister 1554, Geschworener 1571. (L. mit Griff 26 H. 8. - IV. 321.)

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2. GOLDENES JAGD- UND TRINKHORN
DER SÄCHSISCHEN PRINZESSIN MAGDALENE SIBYLLE
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Sponsel Grünes Gewölbe Band 2 Tafel 03b.jpg

[156] Unten: Goldenes Jagd- und Trinkhorn, von neun goldenen mit aufgesetzten fast vollrunden emaillierten Figürchen, Goldkronen, Farbsteinen und Reliefs geschmückten Reifen eingefaßt. Die Figürchen stellen antike Gottheiten und Personifikationen der Tugenden dar. Auf dem obersten Reifen vier von Rollwerk eingefaßte Medaillons mit den emaillierten Reliefs der biblischen Szenen: Tod des Sanherib, Tod des Holofernes, Tod des Goliath und noch eines vierten Fürsten der jüdischen Geschichte. Auf dem abschraubbaren Knopf an der Spitze des Horns sind zwei Kinder gleichfalls vollrund emailliert aufgesetzt. Zwischen dem zweiten und dem dritten Reifen leicht gepunzt das Monogramm der Magdalene Sibylle, Tochter des Kurfürsten Johann Georg I., 1647 Witwe von Prinz Christian von Dänemark und 1652 wieder vermählt mit Herzog Friedrich Wilhelm II. von Altenburg, gest. 1668. Das Horn galt früher als eine Arbeit des Kopenhagener Goldschmieds Kaspar Herbach, gen. Kunstkaspar. Herbach hat die Krone der Königin Sophie Amalie ausgeführt, er kam 1642 nach Dänemark und starb 1664. Das Horn entstand wohl vor 1647. Die Anregung zur Anfertigung des Hornes mag das 1639 bei Gallehus unweit Tondern in Schleswig gefundene goldene Horn gegeben haben, das in der Kunstkammer zu Kopenhagen verwahrt wurde, aber 1802 zugrunde ging. Da das Horn 1746 aus dem Nachlaß des Herzogs Johann Adolf von Sachsen-Weißenfels nach Aussterben dieser Linie nach Dresden kam, so war aller Wahrscheinlichkeit nach das Stück im Jahre 1650 an einen der beiden in jenen Jahren mit Prinzessinnen des Hauses Holstein-Glücksburg vermählten Weißenfelser Herzöge, Christian oder Moritz, als Geschenk gelangt. (L. 49,5, D. am Lippenrand 6,7 Gewicht 1368 g – IV. 45.)