Sponsel Grünes Gewölbe Band 4/Tafel 10

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Tafel 9 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 4 (1932) von Jean Louis Sponsel
Tafel 10
Tafel 11
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TAFEL 10
ELFENBEINGRUPPEN
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Sponsel Grünes Gewölbe Band 4 Tafel 10.jpg

[60] a) Diana und eine Nymphe. Diana, nackt, den Halbmond über der Stirn und ein Tuch ums Haar geschlungen, sitzt auf einem, von ihrem Gewand bedeckten Baumstamm, und blickt zu der Gefährtin empor, deren Schenkel sie mit beiden Armen umfaßt. Diese hat ihren linken Arm um die Schulter der Herrin gelegt, während die Rechte mit sprechender Bewegung erhoben ist. – Massiver ovaler Holzsockel mit Kannelüren.

Wohl von Melchior Barthel, Dresden, 1625–1672. Wenigstens zeigt die Behandlung der Körperformen jene Art der Umsetzung der Antike, wie sie im 17. Jahrhundert zu beobachten ist.

Die Gruppe ist aus einem Stück geschnitten.


b) Der Raub der Sabinerin. Ein kräftiger Jüngling hebt mit beiden Armen eine schlanke, gleichfalls nackte Frau empor, die mit ausgestreckten Armen – jeden schmückt ein edelsteinbesetzter Reif – ängstlich emporblickt. Zwischen den Beinen des Siegers kniet ein bärtiger Sabiner, der das emporgehobene Haupt mit der Rechten schützt. – Schwarzer, achteckiger Holzsockel.

Das Vorbild der Gruppe ist die marmorne Kolossalgruppe des Sabinerinraubes von Giovanni da Bologna in der Loggia de Lanzi, Florenz 1583, die sehr oft nachgeahmt worden ist. (Brinckmann, Barockskulptur, 1919, S. 141/142). G. Müller, Vergessene und halbvergessene Dresdener Künstler, 1895, S. 2, nennt Melchior Barthel als Schöpfer der Gruppe, was Sponsel (Führer II. Aufl., S. 23) aufnimmt. Landsberg, Das Grüne Gewölbe in Dresden, 1834, beschreibt S. 54 die Gruppe und ihr Vorbild, erwähnt aber Barthel dabei nicht, der nur als Schöpfer der Gruppe des Stiers und des von einem Löwen angefallenen Pferdes (II. 47 und II. 342) genannt wird, beide nach antiken Vorbildern. – Die Behandlung der Haare und Hände bei unserer Truppe entspricht dem Stil dieser beglaubigten Arbeiten nicht durchaus.