Sponsel Grünes Gewölbe Band 4/Tafel 50

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Tafel 49 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 4 (1932) von Jean Louis Sponsel
Tafel 50
Tafel 51
  Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
[140]
TAFEL 50
BERNSTEINARBEITEN
[Ξ]
Sponsel Grünes Gewölbe Band 4 Tafel 50.jpg

[140] a) Krug. Der aus acht gewölbten Platten zusammengesetzte runde Körper enthält Flachschnitzereien; in ovalen Feldern, von Ranken und Masken umgeben, die Darstellungen der freien Künste, Frauengestalten in reicher Zeittracht mit Attributen; in der achten Platte, unter dem Henkel, eine Vase. Auf der Wölbung des Deckels in sechs Feldern Seetiere mit Wassergottheiten; im Knopf, unter einer Platte, Relief in Wachsmasse: die israelitischen Kundschafter mit der Weintraube. Auf dem Wulst des Sockels wilde Tiere. – Fassung in vergoldetem Silber.

Zu der Schüssel III 76, Tafel 48 gehörig (S. dort).

S. Pelka a. a. O. S. 102, zwei fast gleiche Stücke im Victoria and Albert Museum, London, von denen eines 1659 datiert ist. Danach kann das Stück nicht von G. Scriba stammen, der zuletzt 1642 erwähnt wird. Es wird vielmehr als eine Arbeit von Jacob Heise anzusprechen sein, dessen bezeichnete Arbeit (b) 1659 datiert ist. Die Tiere und Wassergötter sind stilistisch hier die gleichen.


b) Nautilusähnliche Schale. Auf dem Körper Schnitzereien: Wassergottheiten und -Tiere, zwei größere Masken, dazwischen, wie am Knauf, Karyatiden mit Fischschwänzen. Auf dem Bogen Neptun, auf einem Seeungeheuer reitend, den Dreizack in der Hand. Auf dem Sockel wilde Tiere. Der Rand und die Auflagen aus weißem, undurchsichtigem Bernstein. – Fassung des Fußes von vergoldetem Silber. – Im Fuß eine, von durchsichtigem Bernstein bedeckte Silberfolie mit der Inschrift:

Jacob Heis fecit Königsberg anno 1659.

Zugang 1896, Nr. 68 (aus dem Histor. Museum).

1732 Inventar des Pretiosenzimmers Fol. 63: „Eine agtsteinerne Schale mit Termes Bildern von weißem Agtstein besetzet, darauf ein Neptunus … Diese hat der damalige Chur-Fürst von Brandenburg (Friedrich Wilhelm I.) Churfürst Johann Georgen dem Andern praesentiret. Eingegeben den 25. Sept. 1662.“

Pelka a. a. O. S. 116, Rohde a. a. O. S. 629. Ein ganz ähnliches Stück, bez. Jacob Heise 1654, im Museum zu Königsberg, ein anderes (Tafel 180) bez. 1663, im Kunstgewerbemuseum von Budapest, ein drittes, Pelka Abb. S. 117, im Schloßmuseum, Berlin.


c) Kleiner Krug. Der aus einem Stück geschnittene Unterteil des Körpers zeigt Ranken, Masken, Vögel zwischen oblongen Feldern; Deckel und Sockel mit Buckeln und Tropfen besetzt. Die Fassung Gold, emailliert; am Henkel eine weibliche Herme, Perlen als Anhänger.

III. 79. Pelka, a. a. O., S. 97, Abb. 65, datiert das Stück nach der Ähnlichkeit mit einem Krug in Moskau, der 1649 dem Zaren von einer litauischen Gesandtschaft überreicht wurde, um die Mitte des 17. Jahrhunderts. Sponsel, Führer II., S. 45, schreibt es irrtümlich Georg Scriba zu.


d) Kanne. Aus flachen, geschnittenen Platten zusammengesetzt, die durch silbervergoldete Leisten gehalten werden; die Schnitzereien zeigen Ranken, Vasen, Blumen, Früchte und Wassergötter, in den großen Feldern an den Seiten Europa und Afrika, gekrönte Frauen auf Wagen, die von Pferden bez. Kamelen gezogen werden. Auf dem Deck ein liegender Puto mit einem Totenkopf. Der achteckige Fuß (später) mit einem Rand von Elfenbein versehen.

III. 86. Gehört zu der achteckigen Schüssel Tafel 49: „eine Gießkanne als ein Schneck oder Schüfflein formiret … 1602 einkommen.“

Von Georg Scriba, Königsberg, um 1620.