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TBHB 1934-09-11

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Textdaten
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Autor: Hans Brass
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Titel: TBHB 1934-09-11
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Entstehungsdatum: 1934
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Originaltitel: Montag, 11. September 1934.
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung: Ungekürzte Tagebuchaufzeichnungen vom 11. September 1934
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Einführung

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Der Artikel TBHB 1934-09-11 zeigt die ungekürzten Tagebuchaufzeichnungen von Hans Brass vom 11. September 1934. Diese Aufzeichnungen erstrecken sich über vier Seiten.

Tagebuchauszüge

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[1] Montag, 11. September 1934.

[1]      Seit gestern Abend wieder zuhause in Berlin-Friedenau, Wilhelmshöherstr. 25. Fritz W., der am Sonnabend mit seinem Wagen nach Bln. gefahren war, holte mich am Stettiner Bhf. ab. – Heute früh wieder Messe u. Kommunion, – ich empfand, wie sehr mir das gefehlt hat – es scheint, daß ich ohne dieses nicht mehr leben kann.

     Da ich ohne dieses in A. leben mußte, war mein Aufenthalt dort getrübt durch diesen Verzicht. Um so schwerer wurde es mir, die sonstigen Unzulänglichkeiten in Geduld zu ertragen. Maria war in den letzten beiden Tagen nicht wohl u. meine Geduld bestand diese Probe sehr schlecht, da sie gern übermäßig klagt u. jammert wenn sie zu leiden hat. Sie wird in dieser Beziehung noch viel lernen müssen, – aber auch ich werde Geduld üben müssen! – Wie ich mir selbst den Opferberuf gestellt habe, so wird es vor allem meine nächste Aufgabe sein, ihr den Opfersinn des Leidens nahe zu bringen. Sie wird lernen müssen, diese häufigen Kopfschmerzen, von denen sie Gott nun eine ganze Zeitlang ziemlich befreit hatte, nicht egozentrisch als eigenes Leiden aufzufassen u. somit schlecht zu ertragen. Solches Leiden, wie ich es ebenfalls zu ertragen habe mit den vielen Schmerzen, die mein gebrochenes Bein verursachen, mit Hunger u. Armut, – mit der schrecklichen Sommerhitze in meiner Dachwohnung u. der vielleicht noch schrecklicheren Winterkälte, dies alles sind Gnaden Gottes. Er sendet solches Uebel, damit wir dadurch Gelegenheit haben, diese Leiden mit den Leiden des Heilandes am Kreuze zu vereinigen. Nur dann werden diese Leiden fruchtbar. Auch die Bösen leiden. Leiden allein ist nicht fruchtbar, man muß in Christus leiden! Vereinigen wir aber unser Leiden mit den Leiden des Heilandes am Kreuze, dann wird das Leiden in übernatürlicher Weise fruchtbar dann wirkt auch unser Leiden mit zur größeren Ehre Gottes u. zur Erlösung der Welt. Und deshalb ist jedes Leiden das Gott uns schickt eine Gnade, über die wir nur immer glücklich sein sollen, für die wir Gott danken müssen. Je mehr wir leiden dürfen u. dieses Leiden innig mit dem Leiden Christi vereinigen um so mehr haben wir Anteil an der Welterlösung u. an der Uebernatur. Und das ist Gnade.

     Man muß nur immer recht deutlich die Lehre des hl. Paulus vom mystischen Leibe Christi vor Augen haben, um diesen übernatürl. Sinn des Leidens zu verstehen. Denkt man nur an sich u. sein Leiden, [2] dann klagt u. jammert man freilich immer, dann flieht man das Leiden. Fühlt man sich aber recht lebendig als Glied des mystischen Leibes Christi, dann will man gern leiden, dann freut man sich, leiden zu dürfen! Denn dann fühlt man sich als Teil eines übernatürlichen, göttlichen Leibes u. alles Leiden ist mir Krampf des Irdischen, Kreatürlichen u. Kampf um das Göttliche. Im recht verstandenen u. recht ertragenen Leiden offenbart sich erst unsere Verbundenheit mit diesem lebendigen, geheimnisvollen u. einheitlichen Organismus, den wir Kirche nennen u. der nichts anderes ist, als der durch die Jahrhunderte fortlebende Christus. Das dieser mystische Christus lebe, wachse u. sich immer voller u. reicher entwickle, das ist der Sinn eines recht verstandenen Leidens. Der Sinn des Leidens ist der, daß dieser mystische Christus sich voll entfalte. Der mystische Christus umfaßt Jesus, unser Haupt, und uns, die Glieder seines Leibes. Es genügt nicht daß Jesus in Bethlehem, Nazareth u. Jerusalem gelebt hat, u. es genügt auch nicht, daß dieser Jesus in der hl. Eucharistie unter uns weiterlebt, – u. es genügt auch nicht, daß wir rein körperlich diese hl. Eucharistie empfangen, – sondern vielmehr müssen wir wahrhaft u. lebendige Glieder dieses fortlebenden Christus sein u. so den mystischen Leib des Herrn fortwährend neu aufbauen, wie der hl. Petrus sagt: Bauet euch auf als lebendige Steine, ein geistiges Haus, ein heiliges Priestertum, darzubringen geistige Opfer, die Gott wohlgefallen durch Jesus Christus (I Petr. II,5) u. der hl. Paulus: Ich beschwöre euch Brüder, um der Barmherzigkeit Gottes willen, daß ihr eure Leiber darstellt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, auf daß euer Gottesdienst geistig sei. (Röm. XII,1)

     Wenn die Kirche der mystische Leib Christi ist, Christus totus, dann ist sie auch der lebende, wirkende, – dann aber auch der leidende Christus. Was soll also alles Klagen u. Jammern, wenn wir leiden? Ist das nicht Verrat an Christus? Sünde? –

     Alles Leben wehrt sich gegen den Tod, also auch die lebendige Kirche. Leben heißt, fortwährend gegen den Tod kämpfen. Aber mit diesem Negativen ist der Begriff Leben nicht erschöpft. Leben ist vor allem positiv, d.h. Leben will wachsen, – aber alles, was wächst, leidet auch Wachsen ist unbedingt mit Leiden verbunden. Wenn Christus in uns wachsen soll, müssen wir selbst absterben [3] der mystische Leib Christi ist Leben, unser Leib aber ist der Tod. Diesen Leidenskampf hat uns Jesus vorgekämpft. Christförmig können wir nur werden, wenn wir als die Glieder des mystischen Leibes den Kampf unseres Hauptes nachkämpfen. Nur dann sind wir Seiner würdig. Er sagt es selbst: Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt u. mir nachfolgt ist meiner nicht wert. (Mt. X,38.). Der Leidenskampf der Kirche ist also etwas Natürliches u. Notwendiges, er ist der Leidenskampf Christi. Papst Leo der Große sagt: Das Leiden des Herrn wird fortgesetzt bis zum Ende der Zeiten. Und Pascal: Die Todesangst Jesu dauert bis zum Ende der Welt.

     Das Mitleidendürfen mit Christus ist ein Gnadengeschenk Gottes an uns, denn durch dieses Mitleiden nehmen wir direkt Teil an der Erlösung der Welt. Deshalb sollen wir freudig u. siegesbewußt leiden u. nicht mit Wehklagen u. Jammern. Durch unser Leiden sind wir ja in der Lage u. dazu berufen, an unserem Fleische das zu ergänzen, was dem Leiden Christi noch mangelt für Seinen Leib, die Kirche, – wie Paulus im Kolosserbrf I,24 sagt. – Wir tragen mit unserem Leiden die Erlösung weiter u. setzen sie fort, falls wir nicht darauf verzichten wollen, Glieder des mystischen Leibes Christi zu sein. Durch unser Leiden in Christus nehmen wir ja erst Teil an Christi Leiden, aber auch an seiner Erlösungstat. Deshalb müssen wir freudig u. siegeszuversichtlich u. voll Hoffnung leiden.

     Leiden müssen wir so oder so. Wenn wir aus unserem Leiden ein Sühneleiden machen, dann leiden wir mit Christus, – im anderem Falle mit dem Teufel. Wenn wir aber mit Christus u. in Christus leiden, dann machen wir die Erlösungsgnade fruchtbar – nicht bloß für uns selbst, sondern für alle Glieder des Leibes Christi, für Seine ganze Kirche. Also tapfer, – nicht so furchtsam u. kleinmütig u. kläglich! Gerade der Gedanke daß wir mit unseren Leiden andere erlösen, – oder wenigstens zur Erlösung der anderen mithelfen, soll uns freudig leiden lassen. Das ist Opfer!

     Da war in Ahrenshoop dieser Maler Baumann. Wirklich ein ekler Mensch voll Gemeinheit u. Niedrigkeit. Der Aussatz seiner Seele hatte schon sein Gesicht zerfressen. – Ich habe nichts als Abscheu u. [4] Ekel empfunden u. vermied es, mit ihm zu sprechen oder ihm gar die Hand zu geben. Wie schlecht war das doch von mir! Der hl. Franz von Assisi hat den Aussätzigen geküßt u. diese Kranken gepflegt. Der hl. Pfarrer von Ars wäre in bitterliche Tränen des Mitleids ausgebrochen, wenn er diesen unglücklichen u. bedauernswerten Menschen gesehen hätte, u. ich habe mich voll Ekel abgewendet. Wie viel muß ich noch lernen! Wie kann ich glauben, zur Erlösung der Welt etwas beizutragen, wenn es mich ekelt, den Tod zu sehen! – Mein Jesus, verzeih mir! Liebe Mutter Gottes, mache Du wieder gut, was ich so schlecht gemacht habe u. nimm diesen jungen, verkommenen Menschen, der im Sündenschmutz schon fast erstickt ist, in Deinen besonderen Schutz. Ihn, u. all die anderen häßlichen Seelen, die ich in Ahrenshoop sah u. die wie verirrte Schafe umhergehen.

     Aus dem Blute der Martyrer ist stets der Same neuer Christen hervorgegangen. Martyrer ist aber nicht bloß der, der für Christus sein Leben läßt sondern schon jedes für Christus, in Christus u. durch Christus freudig ertragene Leiden ist ein solches Martyrium, aus dem neue Christen hervorgehen. Ein solches Martyrium aber zurückzuweisen, ist eine Kränkung Christi. Mein Jesus, – verzeih mir die vielen Kränkungen, die ich Dir aus solchem Anlaß schon zugefügt habe. Mein Jesus, gib mir, daß ich niemals ein Leiden zurückweisen möge, – gib mir, daß immer u. zu jeder Zeit der Gedanke ganz hell u. klar vor mir stehen möchte, daß mein Leiden eine mystische Stellvertretung an den Gliedern Deines mystischen Leibes ist u. sein soll Gib mir mein Jesus, daß ich von diesem Gedanken ganz voll werde u. keine andere Aufgabe mehr in meinem Leben sehe, als nur diese eine: durch Gebet u. Opfer mit Dir mitzuwirken an der endlichen Erlösung dieser Welt.