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TBHB 1934-09-12

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Textdaten
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Autor: Hans Brass
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Titel: TBHB 1934-09-12
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Entstehungsdatum: 1934
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Originaltitel: Mittwoch, den 12. September 1934 Namen Mariä
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung: Ungekürzte Tagebuchaufzeichnungen vom 12. September 1934
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Einführung

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Der Artikel TBHB 1934-09-12 zeigt die ungekürzten Tagebuchaufzeichnungen von Hans Brass vom 12. September 1934. Diese Aufzeichnungen erstrecken sich über vier Seiten.

Tagebuchauszüge

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[1] Mittwoch, den 12. September 1934 Namen Mariä

[1] Gestern den ganzen Tag an einer Herz-Jesu-Zeichnung gearbeitet. Abends 2 Std. Rosenkranz-Spaziergang, nachher viel Schmerzen am Bein. Nachts ein bemerkenswerter Traum: Ich befand mich in einer ländlichen, dörflichen Umgebung, teilweise Spuren von Zerstörung wie durch Brand oder durch Krieg. Ich selbst war in einer guten, sauberen Bauernstube. Irgendwo sollte jemand sterben. Ich betete für den Sterbenden ein inbrünstiges Vaterunser [2] Dann kam ein Kind, ein Mädchen in einem hellblauen Kleidchen. Es lächelte mich an. Es hatte irgend etwas mit dem Sterbenden zu tun, aber ich selbst mußte ihm erst irgend etwas tun, es berühren, die Hände auflegen oder ähnlich. Dann war das Kind fort u. ich sah den Sterbenden, wie er rasch u. ganz sicher über die Straße ging. Ich wußte daß es mein Vater sei; aber er sah ganz anders aus, wie mein Vater, der ja schon längst tot ist. – Drüben über der Straße war eine Bordschwelle u. der Boden war etwas erhoben. Dort ging auch eine Querstraße ab, irgendwohin. Der Sterbende legte sich ruhig dort auf die Erde. Ich dachte: Sieh, nun legt er sich dorthin um zu sterben, – u. ich eilte hin, ihm zu helfen. Ich hatte eine blaue Jacke an, die zog ich rasch aus, legte sie wie ein Kissen zusammen u. schob sie dem Sterbenden unter den Kopf. Das Ausziehen der Jacke ging schwierig, ich konnte sie nicht leicht abstreifen, irgendwie haftete sie an meinen Armen fest. – Ich kniete neben dem Sterbenden nieder, der ganz ruhig u. friedlich war. Irgend jemand, den ich nicht sah breitete eine braune Decke über den Sterbenden. Ich neigte mich u. brachte mein Gesicht dicht vor das des Sterbenden dessen Augen nun aber gespannt u. schließlich ängstlich wurden. Es schien so, als kämen ihm kurz vor dem Tode Zweifel über das Jenseits u. als frage er mich, ob es wirklich so sei, wie die Kirche lehrt. Ich versicherte es eindringlich u. sagte dabei aber immerfort: Mutti, Mutti, Mutti. – Das ist merkwürdig, denn zu meiner Mutter habe ich nie Mutti gesagt. Die ängstlich aufgerissenen Augen erinnerten mich dann an Maria Wegscheider. – Ich erwachte, war sehr erregt, machte Licht, – es war 1 Uhr 50 Min.

     Wachend sah ich dann, daß der Sterbende garnicht mein Vater gewesen war, sondern meine Mutter. Das Kind war Barbara Kausel, das Kind meiner Schwester Else – u. diese hatte wohl auch die Decke ausgebreitet.

     Heute Mittag kam nun meine Schwester Grete Küntzel, brachte meine Wäsche u. etwas Lebensmittel. Ich erzählte ihr den Traum. Da sagte sie mir, daß sie ebenfalls in dieser Nacht, aber früher, geträumt habe, – es ginge jemand über eine Straße, drüben sei er hingefallen u. gestorben. – Das ist sehr merkwürdig.

     Ich füge noch hinzu, daß ich nach dem Erwachen ein Vaterunser u. ein Ave betete. Ich machte mir Vorwürfe, daß ich nur immer wie ein dummes Kind „Mutti, Mutti“ gesagt hatte, anstatt bei dem Sterbenden zu beten. Es ist so furchtbar schwer im entscheidenden Augenblick stets das Richtige zu tun. Das kommt daher, weil man in solchen Augenblicken zu sehr vom irdischen Geschehen gefangen genommen ist. Nachher, wenn das Ereignis vorbei ist u. wenn man Abstand gewonnen hat dann fällt einem ein, was man hätte tun sollen. Ich muß noch vielmehr [3] lernen Abstand von den irdischen Vorgängen zu gewinnen u. in allem Gottes Willen zu erkennen.

     So ist es auch mit all dem, was ich in Ahrenshoop erlebt habe. Warum ekelte mich diese offene Triebhaftigkeit dieser Menschen dort? Grade sie sind es ja, mit denen ich mich befassen muß, wenn ich Jesus nachfolgen will, denn Er sagt selbst, daß Er nicht zu den Gerechten gekommen sei, sondern zu den Sündern, – zu suchen, was verloren war! Für die Sünder hat Jesus sein Sühn= u. Erlösungsopfer gebracht. Nachfolge Christi verlangt von mir, daß auch ich dasselbe tue! Der Gedanke, daß ich mich, – mein ganzes Leben, – vereinigen muß mit dem göttl. Hohenpriester zur Teilnahme an seinem Erlösungs= u. Sühnopfer, dieser Gedanke muß noch viel stärker in mir werden. Dieser Gedanke muß so stark werden, daß er mich vollständig beherrscht, mich ganz ausfüllt u. keine Hohlräume in mir zuläßt. Mein Gott u. Vater! gib mir, bitte, diesen großen Gedanken!

     Mein Entschluß, Opferseele zu werden, setzt diesen alles ausfüllenden Gedanken voraus. Denn der Zweck meines Opfers soll ja doch grade sein, Seelen zu retten, die verloren sind, sowohl die Gottlosen wie auch die von Gott Abgefallenen, also alle, die modernen Heiden. Ich denke dabei nicht an die eigentlichen Heiden in Afrika usw, sondern an die abtrünnigen Christen hier in Europa, einschl. der russischen Bolschewisten. Wie will ich diesen Beruf erfüllen, wenn ich mich mit Ekel von diesen Menschen abwende.

     Diesen Ekel zu überwinden, muß meine besondere Aufgabe sein. Die Ueberwindung dieses Ekels setzt Bereitschaft zum Leiden voraus. Ich muß mich also noch mehr, als bisher, zum freiwilligen Leiden erziehen. Der Umgang mit Gottlosen bringt demjenigen, der dies unternimmt, viel Spott, Kränkung, ja, Lächerlichkeit ein. Dies alles muß ich um Jesu Willen ertragen lernen – u. nichts fällt meiner Eitelkeit schwerer, als Lächerlichkeit zu ertragen. Mein Gott, Vater, gib mir den Heiligen Geist, daß ich stark werde im Ertragen solcher Leiden, gegen die ja alle körperlichen Schmerzen nichts sind! – Selbstverleugnung! – Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst u. nehme sein Kreuz auf sich u. folge mir nach, – verlangt Christus! –

     Die Selbsterziehung zum freudigen Ertragen solch seelischer Leiden kann ihre Nahrung nur aus einer ganz großen Liebe zu Gott schöpfen. Entzünde, o Gott meine Liebe! Wer Gott liebt, trägt freudig alle schwersten Prüfungen u. Leiden, wer Gott nicht liebt, oder nur schwächlich liebt, ist leidensscheu.

     Wie schwächlich liebe ich Gott. Zwar mache ich jeden Morgen am Schluß der Frühmesse den sog. heroischen Liebesakt, aber wenn ich mich auf Herz u. Nieren prüfe, dann sehe ich, wie leer dieses Gelübde doch stets ist, – denn sonst wäre es ja unmöglich, daß ich mich meinen Pflichten [4] gegenüber den seelisch Häßlichen so gern entziehe. Vielmehr würde ich solche Menschen suchen, anstatt sie zu fliehen. – Es genügt eben keineswegs, nur theoretisch seine Sühnewerke aufzuopfern für das Heil der Seelen der Verlorenen, sondern nachgehen muß ich den Verlorenen, wie Christus den Verlorenen nachgegangen ist.