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TBHB 1935-01-25

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Textdaten
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Autor: Hans Brass
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Titel: TBHB 1935-01-25
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Entstehungsdatum: 1935
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Originaltitel: Freitag, den 25. Januar 1935.
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung: Ungekürzte Tagebuchaufzeichnungen vom 25. Januar 1935
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Einführung

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Der Artikel TBHB 1935-01-25 zeigt die ungekürzten Tagebuchaufzeichnungen von Hans Brass vom 25. Januar 1935. Diese Aufzeichnungen erstrecken sich über drei Seiten.

Tagebuchauszüge

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[1]
Freitag, den 25. Januar 1935.     

[1]      Bis Mittag an der Darstellung eines frühchristlichen Altares für Dr. Tetzlaff gearbeitet nach einer Photographie der Chiesa di S. Clemente aus Rom. Sehr groß.

     Mittags bei Maria W. Ich war müde schlief nach Tisch. Wir besprachen einen Brief, den sie von Frau Dr. Bunte aus Ahrenshoop bekommen hatte u. der Vorwürfe gegen sie enthielt. Frau Dr. B. geht es offenbar recht schlecht u. sie sucht jemanden, den sie dafür verantwortlich machen kann. Ich werde versuchen, den Brief zu beantworten. – M. W. ist vorgestern in Spandau bei dem Ehepaar Studienrat Breitenbach gewesen, dieser ist Anhänger der Deutschen Glaubensbewegung des Prof. Hauer aus Tübingen. Er ist sonst ein ernsthafter Mensch. Man kann sich das nur so erklären, daß diese Leute, sofern sie überhaupt ernst zu nehmen sind, vom Protestantismus enttäuscht sind, aber eine Sehnsucht nach Religion haben. Die einfachste Lösung, nämlich zurück zum Katholizismus, finden sie nicht, weil sie den Katholizismus nicht kennen u. zu sehr verhetzt sind, um sich um diese Kenntnis zu bemühen.

     Ich erzählte Maria W. von der Antwort, die ich von P. Petrus bekommen habe u. freute mich, zu sehen, daß sie sich inzwischen mit meinen Gedanken vertraut gemacht hat u. nun selbst für mich große Möglichkeiten darin erblickt.

     Abends nach der Kirche fand ich einen Brief von meiner Schwester Elsbeth Kausel aus Magdeburg vor. Antwort auf [2] meinen Brief vom 1. Dez. 34. Sie verwahrt sich dagegen, daß sie Anhängerin der Rosenbergschen Gedanken sei, sie sei vielmehr „deutsche Christin“ u. habe das Christentum u. Bibel mit altem Testament u. Bekenntnis zur Grundlage. – Nun, wenn das der Fall wäre, dann müßte sie eben Katholisch sein. Entweder bekennt man sich zu Christus ohne Vorbehalt, oder man bekennt sich nicht. – Sie nennt uns Katholiken „unduldsam“. Natürlich sind wir das, sofern wir nicht laue Katholiken sind. Ein lauer Christ ist eben lau u. duldsam gegen jede Häresie u. jeden Irrtum. Ein Katholik dagegen ist sich dessen gewiß, daß er die Wahrheit besitzt. Diese Gewißheit erfordert der Glaube. Da es nur eine Wahrheit geben kann, müssen eben alle anderen irren. Unsere Wahrheit aber beruht auf der Offenbarung Gottes, sie muß also irrtumslos sein. Wenn ich aber weiß, daß andere irren u. ich sage ihnen die Wahrheit nicht, dann bin ich gewissenlos; also muß ich unduldsam sein! – Aber zu machen ist da vor der Hand garnichts – u. Gott weiß ja viele Wege. –

     Meine Schwester behauptet, sie bemühe sich redlich, näher zu Gott zu kommen u. räumt mir ein, daß sie die entscheidende Hilfe dazu von mir bekommen hätte. Sie stellt ferner einen Erfolg ihrer Bemühung fest u. das ist ja sehr schön. Nur ist zu fürchten, daß sie auf dem Wege der Deutschen Christen langsam wieder verlieren wird, was sie gefunden hat, denn wenn man Gott suchen will, dann muß man ihn ausschließlich suchen u. darf nicht die Nebenabsicht haben, auch noch einen National= oder Rassestolz zu suchen. Diese Nebenabsicht wird dann bald Hauptsache werden. –

     Heute bespricht Joh. v. K. über unser Verhältnis zu den Heiligenbildern, Statuen, Oratorien u. Zeremonien u. er entwickelt da Gedanken, die meine freudigste Zustimmung erregen.

     Er sagt, daß diese Dinge vorzügliche Anregungen sind, den Willen zur Andacht zu stimmen, andererseits aber auch Anlaß zu Eitelkeit u. eitler Freude sein können. Grade die sog. Gebildeten sehen bei Bildern u. Statuen sehr viel mehr auf die künstlerische Ausführung als auf den Inhalt.

     Die Bilder haben doch nur den Zweck, zur Andacht anzuregen. Je mehr ein Bild diesen Zweck erreicht, um so geeigneter ist es. Ein sehr kitschiges u. süßliches Bild erreicht diesen Zweck ebenso wenig, wie ein Bild von sehr bedeutendem, künstlerischem Wert. Denn das ist ja das Wesentliche am echten Kunstwerk, daß es den Geist des Künstlers ausstrahlt. Je eigenwilliger u. fesselnder dieser Geist des Künstlers ist, um so größer ist der Kunstwert des Bildes, aber um so weniger ist es geeignet, die Andacht auf Gott zu richten. Gute Heiligenbilder sind deshalb in erster Linie die alten Bilder, denn hier haben wir uns durch die Jahrhunderte hindurch so an den Geist des Künstlers gewöhnt, daß wir über ihn hinweg sehen, oder aber, – was noch mehr zutrifft, – diese Künstler, wie Fra Angelico, waren wirklich so fromm, daß ihre Werke den Geist der Frömmigkeit ausstrahlen. Moderne Bilder sind selten gute Heiligenbilder, entweder sind sie Kitsch oder der Geist des Künstlers ist zu stark, indem nämlich diese Geist nicht (oder selten) fromm ist.

     Besonders bei modernen Heiligenbildern werden die Sinne des Beschauers angeregt, nicht aber die Liebe zu Gott. Die Sinne aber lassen den Geist der Andacht nicht aufkommen, ganz gleich, ob die Sinne durch Kitsch verletzt oder durch Kunst ergötzt werden.

     Die Andacht richtet sich auf das Unsichtbare. Gute Heiligenbilder sollen mehr das Göttliche, als das Menschliche zum Ausdruck bringen. Konsequenterweise muß man schon sagen, daß dieses um so mehr der Fall sein wird, wenn man das Bild in seinem Inneren trägt, als wenn man es an der Wand hängen hat. Es wird im Allgemeinen zu viel Unfug damit getrieben. Je größer die Anhänglichkeit an solche Bilder ist, um so [3] weniger erhebt sich das Gebet zu Gott. Ich selbst werde, wenn ich mir ein neues Zimmer vielleicht im Christ-Königs-Hause einrichten werde, die Wände weiß streichen u. garnichts an die Wände hängen außer einem kleinen Kruzifixus, der dann aber garkeinen künstlerischen Wert haben soll. Einen solchen mag mir Maria W. schenken, etwa denselben, den ich ihr einmal geschenkt habe. –

     Ein Heiligenbild, welches die Sinne reizt, kann nicht zur Andacht stimmen, denn mein Wohlgefallen oder auch mein Mißfallen am Kitsch wird sofort zum Hindernis der Andacht.

     Interessanterweise sagt Joh. v. K. dasselbe von Rosenkränzen. Da sehe ich manchmal Damen in der Kirche mit goldenen Rosenkränzen, mit Edelsteinen usw. Ich hab schon manchmal gedacht, ob diese Damen wohl dem Werte ihrer Rosenkränze entsprechend wertvoller beten als die armen Leute. –

     Dasselbe gilt auch davon, daß manche Leute sich einbilden, vor einem ganz bestimmten Bilde sei ihr Gebet wirksamer, als vor einem anderen. So ist es z.B. mit der „immerwährende Hilfe“. Ich gebe gern zu, daß die Katholiken sich infolge von Erziehung u. Gewöhnung von diesem Bilde besonders andächtig stimmen lassen mögen. Mir aber, der ich diese Erziehung nicht gehabt habe, bleibt es einfach unverständlich, wenn ich Katholiken ihren Platz in der Kirchenbank verlassen sehe, um extra vor der „immerwährenden Hilfe“ zu beten. Dazu muß man wohl katholisch geboren u. erzogen sein. Ich meine aber, daß Gott nur auf den Glauben u. die Herzensreinheit des Beters sieht u. daß es ihm egal sein wird, ob er in der Kirchenbank, oder zu Hause vor garkeinem Bilde, oder vor der „immerwährenden Hilfe“ betet. – Jedoch kann man wohl grade von diesem Bilde sagen, daß es mehr zur Andacht stimmt, als viele andere u. daß deshalb die Gebete vor diesem Bilde andächtiger gesprochen werden u. darum eher Erfüllung finden. Joh. v. K. sagt, daß die Andacht entflammt u. das Gebet beharrlich sein müsse, dann gewähre Gott Erhörung, – u. hierfür ist das Bild der immerwährenden Hilfe sicher sehr geeignet, wie auch manche andere sog. Gnadenbilder. Es ist aber einfach Aberglaube, wenn manche Katholiken glauben, Gottes Gnade hinge davon ab, daß man grade vor einem ganz bestimmten Bilde beten müsse. Gott gibt seine Gnade nicht wegen des Bildes, sondern wegen des Gebetes.

     Joh. v. K. weist, die Gnadenbilder betreffend, auch noch darauf hin, daß man zu ihnen gewöhnlich einen weiten Weg zurücklegen müsse, wodurch die Liebe wächst u. die Frömmigkeit inniger wird, besonders, wenn man dazu nicht große Wallfahrtszeiten benutzt, die mit ihrem Lärm u. Trubel ablenken. Man soll sich zum Gebet eben von der Welt entfernen, wie Christus es ja auch tat. Aber kein noch so berühmtes Gnadenbild kann fehlende Frömmigkeit ersetzen. Joh. v. K. sagt sehr treffend, daß der Heiland, als er auf Erden wandelte, daß größte Heiligenbild aller Zeiten gewesen sei; aber wer nicht an ihn glaubte, der hatte keinen Nutzen davon.

     Eigenartig ist es mit der Lourdes Statue. Ich kenne nur die üblichen Gipsfiguren, die mich wegen ihrer Kitschigkeit stets abstoßen u. eine Andacht umöglich machen. Im Garten des Exerzitien-Hauses in Biesdorf dagegen steht diese selbe Statue in einer künstlichen Grotte, davor eine Kniebank, – u. hier hat mich dieses Bild ergriffen. Ich habe oft davor gebetet u. es hat sich meinem Geiste eingeprägt, sodaß ich oft daran denke u. dann sehr angeregt werde.

     Ueber die oft erwähnte Eigentümlichkeit, daß Bilder sich zu bewegen scheinen u. ihre Züge verändern, meint Joh. v. K., daß dergleichen wohl gelegentlich echt sein könne; aber häufig sei dergleichen auch dem bösen Feinde zuzuschreiben, der die Seele irre führen will. Er dürfte wohl in den meisten Fällen recht damit haben.