TBHB 1948-08-05
Einführung
[Bearbeiten]Der Artikel TBHB 1948-08-05 zeigt die ungekürzten Tagebuchaufzeichnungen von Hans Brass vom 5. August 1948. Diese Aufzeichnungen erstrecken sich über zwei Seiten.
Tagebuchauszüge
[Bearbeiten][1] Brief von Martha u. Zeitschriften von Fritz. Martha klagt über Rückenschmerzen, die sie, wie sie schreibt, schon lange Zeit hat, das macht mir Sorge. Sonst ist ihr am Freitag geschriebener Brief aber klar u. ordentlich. Vor allem hat sie nun wirklich eine Pause gemacht, sie versichert wenigstens, daß sie erst am Montag in den Laden gehen wolle.
Fritz schickt mir einen Brief vom Kulturbund in Güstrow mit, wo man ja im vorigen Jahre eine Ausstellung machen wollte u. dann auf Betreiben der Landesleitung Schwerin ziemlich [2] brüsk davon zurück trat. Jetzt schreibt man mir einen langen u. sehr liebenswürdigen Brief ohne jene Sache zu erwähnen. Man teilt mir mit daß der Ku-Bu. jetzt dort ein eigenes Haus hat u. in der Lage ist, würdige Ausstellungen zu machen, u. der erste soll ich sein nach mir Barlach. Man frage, ob die Ausstellung schon im September sein könne u. ob ich einen Vortrag halten wolle, man bittet mich, mehrere Tage dort zu sein, um an den zu erwartenden Diskussionen teilzunehmen. Ich habe sofort geantwortet, daß ich bereit wäre, daß aber der Ku-Bu. sämtliche Kosten übernehmen müsse u. mir einen Verkauf von mindestens 500,– M. garantieren müsse. Die Dinge des Vorjahres habe ich auch nicht erwähnt. – So könnten also zwei Ausstellungen hintereinander in Güstrow u. in Boizenburg sein, was ja sehr begrüßenswert wäre. Es wird sich zeigen, wie weit das Gottes Wille ist, wenn Er will, wird es geschehen, sonst eben nicht –, ich habe da keinen eigenen Wunsch.
Fritz schreibt, daß er einen Koffer voll Bücher u. ein großes Paket einem Schofför mitgegeben hat, der mir die Sachen herbringen will. Das wäre ja wirklich sehr schön.
Heute machte ich das kleine Bild fertig u. signierte es. Aus Freude darüber u. über die guten Briefe kaufte ich mir wieder Zigaretten u. kochte mir Kaffee-Ersatz. Die Beschaulichkeit dieser Stunde bewirkte, daß ich mit rauher Hand nochmals an das anscheinend vollendete Bild ging u. sehr radikal hineinmalte. Und das war gut. Ich habe vieles total zerschlagen u. bin nun auf eine neue Lösung gekommen, die unvergleichlich besser ist. Es ist das ein Beweis, daß eine Zigarette eben doch ihren großen Nutzen haben kann.
Gestern abend traf ich übrigens Frau Hermann, die mir freudestrahlend erzählte, daß ihre jetzigen Mieter, die sie seiner Zt. durch das Wohnungsamt bekommen hat, nach Berlin ziehen wollen, weil der Mann dort arbeitet. Sie hofft, daß die Wohnung frei wird u. ich sie dann doch noch bekomme. – Es wäre in räumlicher Beziehung sehr schön hier ist es doch furchtbar eng u. ein Aufenthalt von Martha ist hier nur sehr schwer möglich. Dort hätte sie ihr abgeschlossenes Zimmer, das ich zum Essen usw. mitbenutzen kann. Der Arbeitsraum selbst wäre dort zwar kleiner als hier, aber ich brauchte ihn eben nur zum Arbeiten u. zum Schlafen. Aber auch dies muß so gehen, wie Gott es will, ich habe da keinen Wunsch. –
Heute Abend in der Kapelle „Heilige Stunde“ mit Pfr. Thiede, den ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Er machte einen erschreckend schwachen Eindruck. Auf der Straße sprach er mich nachher an, er hatte wieder allerhand Plage mit Potsdam, was ihn sehr angreift.
Das Wetter ist weiterhin kühl u. angenehm, in der letzten Nacht schlief ich wieder prächtig.