TBHB 1948-10-12
Einführung
[Bearbeiten]Der Artikel TBHB 1948-10-12 zeigt die ungekürzten Tagebuchaufzeichnungen von Hans Brass vom 12. Oktober 1948. Diese Aufzeichnungen erstrecken sich über eine Seite.
Tagebuchauszüge
[Bearbeiten][1] Heute ist wieder mal ein Tag, an dem sich die Unannehmlichkeiten häufen. Es fing morgens früh damit an, daß ich beim Erwachen nicht wußte, wie spät es ist, da ich gestern abend vergaß, die Uhr aufzuziehen. Nach Freud soll das ja wohl eine symbolische Handlung des Selbstmordes sein. Ich blieb infolgedessen liegen u. ging nicht zur Frühmesse. – Als ich mir dann Frühstück bereiten wollte, gab es keinen Strom, sodaß ich das Brot ohne Kaffee essen mußte. Als es dann Strom gab, wurde aus dem Kaffee, den ich aus dem gebrannten Roggen bereiten wollte, ein hellbraunes Wasser. Man muß sehr viel mehr Roggen nehmen als sonst Kaffee=Ersatz. – Ich fing dann das große Bahnhofsbild an, kam damit auch ganz gut vorwärts, stellte später aber fest, daß es im Format zu groß ist u leere Stellen hat, die ich nun irgendwie ausfüllen muß. – Ehe ich zu malen begann, ging ich noch ins Rathaus, um mir im Kulturamt den vorgeschriebenen Stempel für den Lebensmittelkartenabschnitt zu holen. Dies klappte wenigstens ohne Zwischenfall, im Gegenteil, Herr Wäsch war sehr höflich u. dankte mir für die Zusendung des Güstrower Prospektes. – Als ich von dort zurück kam, sagte mir Alice, daß sie fortgehen müsse u. erst spät wiederkäme, auch Vera wäre fort. Sie stellte mir einen Topf mit gekochten Haferflocken mit Aepfeln als Mittagessen bereit. Ich war dann den ganzen Tag allein zuhause, fror schrecklich, wollte nachmittags schlafen, was nicht gelang u. hatte einen benommenen. Kopf. Jetzt eben um 5 Uhr nachm. kommen Alice u. Vera zurück, um 6 Uhr will ich zur Rosenkranz-Andacht.
Mittags bekam ich nochmals zwei Bücherpakete von Fritz. Ich brauchte sie nicht abholen, sie wurden von der Post hergefahren.