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TBHB 1949-01-06

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Hans Brass
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Titel: TBHB 1949-01-06
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Entstehungsdatum: 1949
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Originaltitel: Donnerstag, 6. Januar 1949 Hl. Drei Könige.
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung: Ungekürzte Tagebuchaufzeichnungen vom 6. Januar 1949
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Einführung

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Der Artikel TBHB 1949-01-06 zeigt die ungekürzten Tagebuchaufzeichnungen von Hans Brass vom 6. Januar 1949. Diese Aufzeichnungen erstrecken sich über zwei Seiten.

Tagebuchauszüge

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[1]
Donnerstag, 6. Januar 1949     
Hl. Drei Könige.     

[1]      Gestern gemalt u. um 3 Uhr nach Reinickendorf gefahren, wo wir um 5 Uhr bei Dr. Helfferich eingeladen waren. Dr. H. ist Chefredakteur der Wochenzeitung „Der Sonntag“, die vom Kulturbund herausgegeben wird. Er ist also eine sehr gewichtige Persönlichkeit. Wir kennen ihn von Ahrenshoop her, wie auch seine Frau. Beide sind sehr nette Menschen, keineswegs Kommunisten u. es wundert mich, daß ein Mann seiner polit. Einstellung, die in allen Stücken der meinen entspricht, Chefredaktör an einer Zeitung des Kulturbundes sein kann. Es spricht für seine Tüchtigkeit. Er war früher Lizenzträger für den Kurier unter französischer Regie, hat sich aber bald mit der französ. Besatzungsmacht verkracht. Aus jener Zeit stammt seine sehr schöne Wohnung im französ. Sektor Reinickendorf.

     Dr. H. holte uns vom Bahnhof ab. In seinem Hause, bzw. seiner Etage war es sehr schön warm dank der Geschicklichkeit des Hauswirtes, der genug Kohlen beschafft hatte, um die Zentralheizung in Gang zu halten. Die Wohnung ist gut eingerichtet mit Möbeln, die erst neuerdings bei den Deutschen Werkstätten gekauft sind. Das kann man also schon wieder.

     Dr. H. ist Hesse aus der Bergstraßengegend, seine Frau Berlinerin, anscheinend vermögend. Sie haben einen reizenden Jungen Claus von drei Jahren, der der Mittelpunkt ist. Auch bei Sandbergs traf ich, als wir dort waren, solch ein reizendes Kind, ein Mädchen. – Dr. H. ist Katholik, praktiziert ihn aber nicht.

     Wir haben uns angeregt unterhalten über aktuelle, politische Fragen, besonders, nachdem Martha mit Frau H. im Nebenzimmer waren. Ich habe in diesem Gespräch viel gelernt u. manchen Einblick getan in Dinge, die mir bisher verschlossen waren. Während dieser Zeit hat M. Frau H. für mich näher interessiert, sodaß diese in nächster Zeit hier herauskommen will, um meine Bilder zu sehen. Bei Dr. H. gab es mancherlei Genüsse, vorzüglichen Kaffee u. ebenso guten Kuchen, später Bratkartoffeln mit Krautsalat u. Büchsenfleisch, sogar gab es ausgezeichnete Cigarren, von denen er eine ganze Kiste anbot, reine Friedensqualität.

     Die Zeit verging sehr rasch u. es war im Nu 11 Uhr u. damit allerhöchste Zeit zum Aufbruch. Das Ehepaar brachte uns wieder zur Bahn. In Schönholz, wo wir umsteigen mußten, bekamen wir noch den letzten Zug nach Birkenwerder. Hier in B. war der Bahnhof bereits stockdunkel u. es passierte mir ein Unfall. Der Zug fuhr sehr langsam ein, sodaß man zuletzt die kleinen Erschütterungen des Fahrens nicht mehr spürte. [2] Es war so dunkel, daß auch das Auge nicht feststellen konnte, ob der Zug noch fuhr oder schon hielt. Erst als ich ausstieg merkte ich, daß er noch fuhr u. ich stürzte böse hin.

     Diese Dunkelheit überall ist furchtbar, besonders in den Westsektoren, die von den Russen absichtlich nicht mit Kohlen u. Strom versorgt werden. Bei Helfferichs brannte eine kleine Petroleum-Funzel, sodaß ich Frau H., die gegen das Licht sah, den ganzen Abend über tatsächlich nicht gesehen habe. Da ich sie aus Ahrenshoop auch nur sehr flüchtig kannte, würde ich sie heute, wenn ich ihr irgendwo begegnete, tatsächlich nicht wieder erkennen.

     Die Rückfahrt war zeitraubend, da die Züge Verspätung hatten. Wir waren erst nach 1 Uhr zuhause, um 1/2 2 Uhr endlich im Bett. Unter diesen Umständen verzichteten wir heute früh auf die hl. Messe besonders, weil ja heute Nachmittag um 1/2 6 Uhr ein feierliches Hochamt stattfindet, zu dem ich gehen werde. Aber auch sonst hätte ich nicht zur Messe gehen können, denn ich merkte erst heute früh, daß der gestrige Sturz doch unangenehmer war, als ich gedacht hatte. Meine gebrochene Hüfte, auf die ich gefallen war, schmerzt sehr, dazu schmerzt das rechte Handgelenk u. an der Brust eine Rippe, sodaß ich glaube, daß diese mindestens angeknackst ist. Sowas dauert dann einige Wochen.

     Als Pflaster auf diesen Unfall erhielt ich überraschenderweise ein Paket von einem mir gänzlich unbekannten Dr. Felix Gutzwiller aus Plauen im Vogtland oder aus Hof in Bayern. Es in nicht ganz klar, woher es kommt, da es den Poststempel aus Plauen hat, aber lt. Abschnitt von einer Speditionsfirma in Hof im Auftrage dieses Dr. G. an mich gesandt worden ist. Es enthält keinerlei aufklärendes Begleitschreiben, aber es waren 1 kg. Rohkaffee darin, sowie eine Kg-Büchse mit Margarine. – Ich bemerke immer deutlicher, daß meine drei Schutzpatrone meinem anhaltenden Gebetssturm nachgeben. Auch bei Dr. Helfferich, war das zu merken.

     Das Heraufschleppen des Sägemehl-Kastens für den Ofen war mir heute früh unmöglich, aber die freundliche Brigitte tat es für mich.

     Und dann nach einigen Pinselstrichen war plötzlich mein Bild fertig. Ich nenne es .„Durchlaß“. Es ist das erste Bild im Jahr 1949 u. ist sehr hübsch geworden.

     Martha ist Mittags wieder zur Stadt gefahren u. wird vielleicht erst morgen Abend wieder zurück sein.