TBHB 1949-02-08
Einführung
[Bearbeiten]Der Artikel TBHB 1949-02-08 zeigt die ungekürzten Tagebuchaufzeichnungen von Hans Brass vom 8. Februar 1949. Diese Aufzeichnungen erstrecken sich über zwei Seiten.
Tagebuchauszüge
[Bearbeiten][1] Nach einer guten Nacht auch heute fieberfrei. Martha war vormittags im Rathaus, um von Herrn Schirmer den Lebensmittelkarten-Abschnitt stempeln zu lassen. Herr Sch. hat ihr bei dieser Gelegenheit wiederum seine Sympathie für mich bezeugt. Er regte an, ich möchte doch ein oder zwei Bilder in seinem Dienstzimmer aufhängen, er wolle sich bemühen, etwas zu verkaufen. M. sprach auch mit der Sekretärin aus dem Kulturamt u. hat sie zusammen mit Frau Jung von der Kartenstelle aufgefordert, am Sonnabend Nachmittag zu einer Tasse Tee herzukommen u. meine Bilder anzusehen. Beide Damen waren natürlich [2] sehr geehrt u. hocherfreut. Für solche Sachen ist M. überhaupt unübertrefflich, meine soziale Stellung hier im Ort wird durch sie sehr gefestigt.
M. fuhr dann nach Bln. u. ich arbeitete heute recht gut an der neuen Zeichnung. Es wird ein sehr gutes Blatt werden. Später schlief ich etwas, bis Herr Schirmer gegen 4 Uhr erschien. Er nahm Bezug auf seine morgendliche Unterhaltung mit M. u. rückte dann mit dem Vorschlag heraus, daß ich den Vorsitz des hiesigen Kulturbundes übernehmen solle. Ich verschanzte mich hinter Krankheit u. Alter u. lehnte dankend ab, aber es ist doch ein Beweis, wie fest ich hier sitze. – Ich zeigte dann Herrn Sch. meine Bilder, zuerst die neuen Zeichnungen, die ihm ausnehmend gefielen u. von denen er meinte, daß sie für die Ausstellung in Birkenwerder grade richtig seien. Er war hoch erfreut. – Ich zeigte ihm dann auch die Ölbilder u. war überrascht, mit wieviel Verständnis er die Bilder ansah. Das Bild „Straße in Birkenwerder“ fand seinen stärksten Beifall. Dadurch ermutigt, zeigte ich ihm zum Schluß auch noch den Paulus u. den Bettler. Dieses letzte Bild begeisterte ihn gradezu, sodaß er die Meinung äußerte, man solle dieses Bild während der Ausstellung mit zeigen. Ich redete ihm das aus, freute mich aber doch, so viel Verständnis zu finden. – Herr Sch. war anderthalb Stunden bei mir. Als er ging, versprach er mir, dafür zu sorgen, daß ich wenigstens Kohlengruß bekäme, auch sonst wollte er mir in allem behilflich sein, ich sei bei weitem der beste Künstler in Birkenwerder. Er versicherte mir, daß die hier von ihm geplante Ausstellung für mich ein großer Erfolg werden würde.