TBHB 1950-12-11
Einführung
[Bearbeiten]Der Artikel TBHB 1950-12-11 zeigt die ungekürzten Tagebuchaufzeichnungen von Hans Brass vom 11. Dezember 1950. Diese Aufzeichnungen erstrecken sich über eine Seite.
Tagebuchauszüge
[Bearbeiten][1] Gestern Nachmittag ging es mir schon ganz gut, sodaß ich aufstand. Heute bin ich von früh an auf u. spüre keinerlei Beschwerden mehr. Eine Cystitis ist nach den früheren Erfahrungen, die ich gemacht habe, gewöhnlich eine recht langwierige Sache, wenn ich sie diesmal mit einer Woche abmachen konnte, so habe ich das allein der Fürsorge u. Umsicht Elisabeth's zu danken, die nichts versäumt hat, die Krankheit zu überwinden.
Gleich nach dem Frühstück habe ich begonnen, das neue Bild zu untermalen. Ich denke, daß ich es „Kumpane“ nennen werde. Die Krankheit u. die erzwungene Bettruhe sind für dieses Bild sehr gut gewesen. Vor der Krankheit war ich mir über die Farben durchaus nicht klar. Es schwebte mir die Idee eines tiefdunklen, tragischen Hintergrundes vor, vor dem dann die beiden Männer in Gelb bis Dunkelbraun stehen sollten; aber als ich im Bett lag, fing diese Idee an, mich zu ärgern. Die beiden Kerle sollen doch vergnügt u. fröhlich sein u. ganz unbeschwert. So kam ich auf den Gedanken, den zweiten, größeren Kerl ganz weiß anzuziehen u. ihn vor einen hellen Grund mit Hellgrün, Rosa u. Gelb zu stellen. Damit ergab sich dann der blaue Anzug des anderen ganz von selbst. Ich setzte dann dem weißen Kerl noch eine Matrosenmütze auf mit wehenden schwarzen Bändern, steckte ihm eine kurze Stummelpfeife in den Mund u. gab ihm eine Schnapsflasche in die Hand. – Um 1/2 2 Uhr, als Elisab. aus dem Dienst kam, war ich mit der Untermalung grade fertig. Es hat mich zwar sehr angestrengt, aber das Bild ist jetzt aus einem Guß u. sieht sehr gut aus. Es ist das erste lustige Bild, welches ich in meinem Leben male.
Vormittags war Hans Bieschke hier u. holte den Rahmen für das Christkönigsbild, um ihn nach Nikolassee zu bringen u. das Bild dort neu zu rahmen. Morgen wollen Elisab. u. Anni die beiden anderen Bilder nach Charlottenburg bringen, aber ich denke, daß ich das nun schon selbst tun kann.