Tafellied des Vereins für Geschichte Dresdens 1894
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Zum Jubelfeste müssen wir
Ein zweites Lied noch singen –
Die Melodie ist nicht ganz neu,
Drum laßt es froh erklingen!
Wir sind ja hier im engern Kreis
Und Jeder singt nach seiner Weis’,
So gut er kann –
’s kommt nicht drauf an,
Wenn Einer singt daneben!
Fünf Lustra sind vergangen schon,
Seit der Verein gegründet
Und wie man heute deutlich sieht,
Sich auch ganz wohl befindet.
Mitglieder traten zahlreich ein
Und das Lokal wird bald zu klein.
Wenn’s Geld wär’ da,
So läg’ es nah’,
Ein eignes Heim zu gründen.
Doch auch Kreuzstraße Nr. 10
Bot uns viel schöne Stunden
Und Anregung für Geist und Herz
Ward immer dort gefunden.
So manches Bild aus alter Zeit
Stieg vor uns auf in Herrlichkeit,
Und mit dem Blick
Oft weit zurück
Wuchs Liebe zu der Heimath.
Geforscht ward hier mit Bienenfleiß
In Sammlungen, Archiven
Und alte Schmöker aufgeweckt,
Die staubbedeckt längst schliefen.
Die Wahrheit brachte man an’s Licht,
Plagiate zog man vor’s Gericht –
Und nicht genug –
Ein Bilderbuch
Ward Jedem auch bescheeret.
Lag auch das Gute hier so nah’,
Wir schweiften in die Ferne –
Nach Leisnig, Stolpen, Altenzell’,
Nach Meißen und nach – Pirna.
Die Bibliothek ward auch besucht,
Selbst Dach und Keller untersucht.
Nach Königstein
Sollt’ es nicht sein,
Es wär’ zu schön gewesen!
Lang blühe der Geschichtsverein
Für Dresden fröhlich weiter,
Lang’ bleib’ ihm auch erhalten noch
Sein treubewährter Leiter!
Den „rothen Richter“ ich nicht mein’,
Heut’ kann es nur der „schwarze“ sein, –
Rathsarchivar,
Bibliothekar,
Hoch unser Dr. Richter!