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Tafellied zum 1. Mai 1877

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Titel: Tafellied zum 1. Mai 1877
Untertitel: Gewidmet von einem alten discipulus quondam Budissinus
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Entstehungsdatum: 1877
Erscheinungsdatum: 1. Mai 1877
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Erscheinungsort: Bautzen
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Stadtarchiv Bautzen, Bestandː 62008, Signaturː 922
Kurzbeschreibung: Abendunterhaltung der discipuli quondam Budissini am Jahrzehntfeste der lateinischen Schule den 1. Mai 1877 um 7 Uhr in Laue’s Hotel zu Bautzen
Tafellied
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Tafellied


zum 1. Mai 1877.




Gewidmet von einem alten


discipulus quondam Budissinus.




Melodie des: Gaudeamus.


Gaudeamus igitur,
Jubeln heute Alle;
’s liegt in der Quondams Natur,
Daß recht laut das schalle!
     Schon zehn Jahre sind vorbei
     Seit der letzten Kneiperei,
:,: Darum Gaudeamus! :,:

Manches Haar ist weiß und grau
Unterdeß geworden,
Viele lockten Aeuglein blau
In den Eh’standsorden,
     Der ward Pastor, der Jurist,
     Jener Arzt, der Hellenist
:,: Manchen deckt die Erde. :,:

Doch das kümmre uns nicht heut’,
’s lebt sich hier ja bene!
Wer Duckmäuser, bleit weit,
Jeder ihn verhöhne!
     Pereat tristitia!
     Vivat amicitia
:,: Quondam Budissina! :,:

Altes Bautzen, trauter Ort
Unsrer Jugendträume,
Stehst noch hoch als Musenhort!
Darum Keiner säume,
     Hoch die Stadt, die uns erzog!
     Manch’ Jahrhundert blüh’ sie noch!
:,: Vivar alma mater! :,:

Ach, wie ist die Zeit entfloh’n,
Als mit Cäsar zogen
Wir einst übern Rubicon,
Oder wenn wir flogen
     Zum Olymp auf’m Pegasus,
     Als uns wollt’ Ovidius
:,: Metamorphosiren! :,:

Theures, altes Thürmchenhaus,
Nichts dein Sein mehr kündet,
Nur in der Erinnrung Strauß
Sich dein Bild noch findet!
     Doch zur Freud’ der alten Herrn
     Grüßt anheimelnd schon von fern
:,: Noch das alte Glöckchen. :,:

Gar ein stattliches Daheim
Bauten sich die Musen,
Drinn doctrina Wissenskeim
Pflanzt in junge Busen.
     Jugend, warst uns auch nicht dumm!
     Drum denkt an’s Stipendium!
:,: Schola semper crescat! :,:

Amo, amas, im Latein
Declinirt man „Lieben“.
Liebe ist von allem Sein
’s Schönste stets geblieben!
     Doch, Freund, gieb ja Acht genau:
     „Jeder liebe eine Frau,
:,: Aber nur die seine!“ :,:

Aber was wär’ unser Fest,
Wenn’s nicht Jacob gäbe?
Er besorgte uns das Nest,
Braten, Beiguß, Bäbe!
     Er schrieb Briefe Kreuz und Quer,
     Wälzte Akten und Grammaire,
:,: Daß man’s richtig schreibe! :,:

Er berief ein Comité,
Junge und Bemooste;
Oftmals that der Leib ihm weh,
Dacht’ er an die Toaste.
     Mancher Seufzer aus der Brust
     Trübte ihm des Tages Lust
:,: Beim Budgetformiren! :,:

Aufruf’ und Annoncen groß
Mußt’ er concipiren,
Was das Comité beschloß,
Auch protocolliren.
     Doch gekrönt ist heut’ sein Fleiß,
     Drum gebührt ihm Dank und Preis!
:,: Unser Jacob lebe! :,:

Nun zum Schluß geloben wir:
Freu’n wir uns des Lebens,
Nach zehn Jahren uns nach hier
Ruft man nicht vergebens!
     Kein quondam discipulus
     Fehle bei dem Abschiedsgruß:
:,: „Frohes Wiedersehen!“ :,:




Druck von E. M. Monse in Bautzen.