Tafellied zum 1. Mai 1877
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Gaudeamus igitur,
Jubeln heute Alle;
’s liegt in der Quondams Natur,
Daß recht laut das schalle!
Schon zehn Jahre sind vorbei
Seit der letzten Kneiperei,
:,: Darum Gaudeamus! :,:
Manches Haar ist weiß und grau
Unterdeß geworden,
Viele lockten Aeuglein blau
In den Eh’standsorden,
Der ward Pastor, der Jurist,
Jener Arzt, der Hellenist
:,: Manchen deckt die Erde. :,:
Doch das kümmre uns nicht heut’,
’s lebt sich hier ja bene!
Wer Duckmäuser, bleit weit,
Jeder ihn verhöhne!
Pereat tristitia!
Vivat amicitia
:,: Quondam Budissina! :,:
Altes Bautzen, trauter Ort
Unsrer Jugendträume,
Stehst noch hoch als Musenhort!
Darum Keiner säume,
Hoch die Stadt, die uns erzog!
Manch’ Jahrhundert blüh’ sie noch!
:,: Vivar alma mater! :,:
Ach, wie ist die Zeit entfloh’n,
Als mit Cäsar zogen
Wir einst übern Rubicon,
Oder wenn wir flogen
Zum Olymp auf’m Pegasus,
Als uns wollt’ Ovidius
:,: Metamorphosiren! :,:
Theures, altes Thürmchenhaus,
Nichts dein Sein mehr kündet,
Nur in der Erinnrung Strauß
Sich dein Bild noch findet!
Doch zur Freud’ der alten Herrn
Grüßt anheimelnd schon von fern
:,: Noch das alte Glöckchen. :,:
Gar ein stattliches Daheim
Bauten sich die Musen,
Drinn doctrina Wissenskeim
Pflanzt in junge Busen.
Jugend, warst uns auch nicht dumm!
Drum denkt an’s Stipendium!
:,: Schola semper crescat! :,:
Amo, amas, im Latein
Declinirt man „Lieben“.
Liebe ist von allem Sein
’s Schönste stets geblieben!
Doch, Freund, gieb ja Acht genau:
„Jeder liebe eine Frau,
:,: Aber nur die seine!“ :,:
Aber was wär’ unser Fest,
Wenn’s nicht Jacob gäbe?
Er besorgte uns das Nest,
Braten, Beiguß, Bäbe!
Er schrieb Briefe Kreuz und Quer,
Wälzte Akten und Grammaire,
:,: Daß man’s richtig schreibe! :,:
Er berief ein Comité,
Junge und Bemooste;
Oftmals that der Leib ihm weh,
Dacht’ er an die Toaste.
Mancher Seufzer aus der Brust
Trübte ihm des Tages Lust
:,: Beim Budgetformiren! :,:
Aufruf’ und Annoncen groß
Mußt’ er concipiren,
Was das Comité beschloß,
Auch protocolliren.
Doch gekrönt ist heut’ sein Fleiß,
Drum gebührt ihm Dank und Preis!
:,: Unser Jacob lebe! :,:
Nun zum Schluß geloben wir:
Freu’n wir uns des Lebens,
Nach zehn Jahren uns nach hier
Ruft man nicht vergebens!
Kein quondam discipulus
Fehle bei dem Abschiedsgruß:
:,: „Frohes Wiedersehen!“ :,: