Tag, schein herein, und Leben, flieh hinaus!

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Textdaten
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Autor: Conrad Ferdinand Meyer
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Titel: Tag, schein' herein und, Leben, flieh hinaus!
Untertitel:
aus: Gedichte, Seite 108
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von H. Haessel
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
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 „Tag, schein’ herein und, Leben, flieh hinaus!“[1]
  Shakespeare.

Tag, schein’ herein! Die Kammer steht dir offen!
Holdsel’ger Lenzesmorgen, schein’ herein!
Schon glitzert, von der Sonne Strahl getroffen,
Das Tintenfaß, der eichne Bücherschrein.

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Vogt Winter muß dem Lenze Rechnung geben,

Dem schönen Erben über Hof und Haus –
Auch mir zu gut geschrieben ist ein Leben –
Tag, schein’ herein und, Leben, flieh hinaus!

Ich war von einem schweren Bann gebunden.

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Ich lebte nicht. Ich lag im Traum erstarrt.

Von vielen tausend unverbrauchten Stunden
Schwillt ungestüm mir nun die Gegenwart.
Aus dunkelm Grunde grüne Saat zu wecken
Bedarf es Sonnenstrahles nur und Thaus,

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Ich fühle wie sich tausend Keime strecken.

Tag, schein' herein und, Leben, flieh hinaus!

Ein Segel zieht auf wunderkühlen Pfaden,
In Flutendunkel spiegelt sich der Tag.
Was hat die Barke dort für mich geladen?

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Vielleicht ist’s etwas das mich freuen mag!

Entgegen ihr! Was wird die Barke bringen
Durch blauer Wellen freudiges Gebraus?
Entgegen ihr! Mit weitgestreckten Schwingen!
Tag, schein’ herein und, Leben, flieh hinaus!


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Shakespeare: „Romeo und Julia“ 3. Akt, 5. Szene: <poem style="font-style:italic;">Julia das Fenster öffnend (zu Romeo): „Tag, schein herein, und Leben, flieh hinaus!“