The Life and Works of Christopher Dock/3 The Schul-Ordnung

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Textdaten
Autor: Christopher Dock
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Titel: The Life and Works of Christopher Dock
Untertitel: III. The Schul-Ordnung
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Entstehungsdatum: 1908/vor 1771
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Verlag: J. B. Lippincott Co.
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Erscheinungsort: Philadelphia & London
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Eine
Einfältige und gründlich abgefaßte


Schul-Ordnung,


Darinnen deutlich vorgestelt wird, auf welche
Weiße die Kinder nicht nur in denen in Schulen
gewöhnlichen Lehren bestens angebracht,
sondern auch in der Lehre der Gottseligkeit
wohl unterrichtet werden mögen.


Aus Liebe zu dem menschlichen Geschlecht aufgesetzt durch den wohlerfahrnen und lang geübten Schulmeister,


Christoph Dock.


Und durch einige Freunde des gemeinen Bestens
dem Druck übergeben.



Germantown:
Gedruckt und zu finden bey Christoph Saur, 1770.
Vorrede des Druckers.


Geliebter Leser!

Es ist unstreitig eine der grösten Pflichten welche Eltern und Vorgesetzte zu besorgen haben, ihre Kinder und Untergebene göttlich zu erziehen und zu regieren, welches allerdings unsern grösten Fleiß und Sorgfalt erfordert auf eine zwey ja dreyfache Weise: Vor erst, sollen wir sie ansehen als theure Pfänder die uns von GOtt vertrauet sind, nicht daß wir nur mit ihnen spielen, und unsere fleischliche Ergötzlichkeit an ihnen haben sollen, sondern daß wir allen Fleiß anzuwenden schuldig sind, sie aufzuziehen in der Zucht und Ermahnung zum HErrn, Ephes. 6, 4. gewißwissende, daß wir von allem was uns anvertrauet ist, auch werden Rechenschafft geben müssen, dann welchem viel gegeben ist (welcherley es auch ist) bey dem wird man auch viel suchen. Luc. 12, 48. Ein gottseliger Lehrer schreibt, daß Eltern an ihren Kindern die Hölle und den Himmel verdienen können, je nachdem sie solche erziehen. Hierzu gehöret dann zweytens nicht nur eine äusserliche Ermahnung: Nicht so meine Kinder, thut nicht so übel, wie der alte Priester Eli thät, I Buch Sam. 2, 23. etc. auch nicht ein stetes zancken oder schlagen, als wodurch die Kinder nur zum Zorn gereitzet werden, sondern eine ernste Ermahnung zum HErrn, mit gehöriger Züchtigung wann die Ermahnungen nicht hinlänglich sind das Böse zu unterdrücken, und unumgänglich ein guter Wandel in der Gottseligkeit; dann böse Exempel verderben mehr, als alle gute Ermahnungen erbauen können. Kinder sehen scharff auf die, welche ihnen vorgesetzt sind, es seyen Eltern, Lehr- oder Schulmeister. Hier nun keines von den kleinen zu ärgern, welches mit so hoher Straffe belegt ist, Matth. 18, 6. 10. erfordert es Drittens, ein unermüdetes Gebät vor sich selbst und vor die anvertrauete Pfänder, daß GOtt doch sein Gedeyen dazu geben wolle, daß solche zu seinen Ehren erzogen werden mögen: Dann ob wir auch allen Fleiß anwendeten, das Gute durch gute Ermahnungen in unsere Jugend zu pflantzen, und durch sorgfältige Zucht zu begiessen, so muß doch GOtt das Gedeyen dazu geben, sonst wird doch nichts drauß; dann wir können unsern Kindern doch keine andere Hertzen geben, GOtt aber kan es thun; wir sollen derhalben ernstlich bey ihm darum anhalten mit einem tag und nächtigem bäten und flehen, und wann dieses einmal das Hauptwerck und höchster Fleiß aller Eltern und Vorgesetzten würde, ihre Kinder und Anvertraute so zu GOttes Ehren zu erziehen, und es mit ihnen so zu machen wie der HErr schon im alten Bund es den kindern Israel auferlegt hatte, 5 Buch Mos. 6, v. 6. 7. und diese Worte die ich dir heute gebiete solt du zu Hertzen nehmen, und solt sie deinen Kindern einschärffen/ und davon reden wann du in deinem Hause sitzest oder auf dem Wege gehest/ wann du dich niederlegest oder aufstehest. So würde man in wenig Jahren eine gantz andere Welt sehen. Und ob es schon nicht in der Eltern Macht ist ihren Kindern neue Hertzen zu schaffen, so würde ihre Arbeit doch nicht ungesegnet bleiben, sondern GOtt würde auch das Gedeyen zu ihrem Fleiß schencken, und solte es bey allem ihrem Fleiß und denen heilsamen Züchtigungen der Gnade GOttes ohngeachtet, dennoch bey einigen mißrathen, so hätten sie doch ihre Seelen gerettet. Im natürlichen Leben geht es gemeiniglich so, wie eine Haußhaltung eingerichtet ist, und was hauptsächlich in derselben getrieben wird, es sey ordentlich, oder unordentlich, das wird man sehen, daß es denen Kindern ihre gantze Lebens-Zeit einigermassen anhänget daher der weise Salomon wohl sagen mag im 22 Cap. seiner Sprüche v. 6. Wie man einen Knaben gewöhnet/ so läßet er nicht davon wenn er alt wird. Solte nicht auch eben so wohl viel gutes, und beförderliches zum Reich GOttes und Einpflantzung der GOttesfurcht von Jugend auf können in sie eingepflantzet werden? wann ihnen bey allen Gelegenheiten die Laster verhaßt und abscheulich, die Tugenden und die Gottseligkeit hingegen, in gebührender Hochachtung vorgestelt würde? Daher solten Eltern besonders darauf sehen zu was vor Gesellschaften sie ihre Kinder und Anbefohlene gehen lassen, und hauptsächlich was sie vor Schulmeister vor solche annehmen, denn was sie von denselbigen sehen und hören, präget sich gar tief in ihre zarte Gemüther ein.

Dieses hatte mein geliebter Vater wohl eingesehen, und hatte daher schon vor schier zwantzig Jahren ein Verlangen, daß doch diesem Mangel so viel möglich, möchte abgeholffen werden, und weil ihm ein solcher Mann bekannt war, der gewißlich von gantzem Hertzen sichs liesse angelegen seyn der Kinder Bestes zu suchen nach Seel und Leib, oder der äussern Lehre nach, und die Gottseligkeit zugleich so viel möglich wäre mit einzuflößen, und sich nach dem Rath des Apostels Pauli Tit. 2, v. 7. allenthalben zu einem guten Vorbild dargestellet hat, und auch von GOtt mit besondere Gaben hierzu ausgerüstet war, so war er verlangend etwas schriftliches von seiner Schul-Ordnung zu haben, um es durch den Druck bekant zu machen, damit sich auch andere Schulmeister, denen es darum zu thun ist, ihre Kinder wohl anzuführen, und selbst die Gabe nicht so reichlich haben, darinnen etwas finden mögen, daß sie noch besser unterrichtet werden, und andere, denen es so gleichgültig ist, ob sie die Kinder etwas lernen oder nicht, wann sie nur ihr Geld haben, solches zu einer Beschämung dienen möge, wann sie sehen, daß die Eltern doch auch wissen wie eine wohl eingerichtete Schule soll geführet werden, und dann endlich auch die Eltern selbst zu berichten, wie man mit den Kindern zu verfahren hat die man gerne was gutes lernen wolte, weil doch viele Eltern hier zu Lande ihre Kinder Noth halber selbst lernen müssen, (und noch viele es lieber thun solten, als ihre Kinder zu solchen Schulmeistern schicken, die mit einem lasterhaften Leben befleckt sind,) diese und noch mehr andere Betrachtungen haben dann meinen geliebten Vater dahin bewogen an einen seiner guten Freunde zu schreiben, wie in folgendem Briefe zu ersehen.

So liesse sichs dann auch damals der werthe Freund Dock gefallen solch Werck auszufertigen, da es aber fertig war, konte er sich nicht entschliessen es dem Druck zu übergeben, aus einer gewissen Blödigkeit, daß es möchte angesehen werden als wolte er sich eine Ehren-Säule aufrichten, und möchte ihm zum Schaden gereichen, und um solcher Ursache wegen wolte er nicht, daß es bey seinem Leben solte gedruckt werden, und so blieb es neunzehen Jahre liegen, bis endlich einige Wohlwünscher des gemeinen Besten, ihn inständig bathen zu verwilligen daß es in den Druck möchte gegeben werden; welches er dann zuletzt gethan, und wurde diese Schrifft im vorigen Jahr zum drucken übergeben. Und nachdem ich es gelesen, und vieles Vergnügen darinnen gefunden, versprach ich es zu drucken; ehe ich es aber in die Arbeit nehmen konte, wurde es verlegt, daß ich es nicht wieder zu finden wuste, und meinete, es wäre etwan vor weiß Papier verkauft worden, weßwegen ich es in der Zeitung bekant machte und eine Belohnung darauf setzte, wer mirs wieder brächte, und da sichs lange nicht finden wolte, so fehlete es bey einigen nicht an argen Gedancken, als hätte ich etwas darinnen gefunden das mir nicht gefallen, und hätte es mit Fleiß auf die Seite geräumt: Dieses muste ich so eine geraume Zeit tragen, und hatte nichts zu meiner Rechtfertigung als mein gutes Gewissen. Der Author dieser Schrifft aber war darüber nicht verlegen daß seine Schrifft nicht in den Druck kommen solte; sondern tröstete mich mit einer Bottschaft die er mir sagen ließe, daß ich mich nicht bekümmern solte wegen dem Verlust solcher Schrifft, es wäre niemahls sein Sinn gewesen, daß es bey seinem Leben in Druck kommen solte, und so wäre er gar wohl zu frieden, daß es verlohren wäre. Da ich aber wie es scheinet, meine Schmach lange genug getragen hatte, so funde sich diese Schrifft wieder, an einem solchen Ort, wo ich und meine Leute zuvor manchmahl sorgfältig gesucht hatten, ohne etwas davon zu sehen, nachdem sie über ein Jahr verlohren verlohren gewesen, und also habe ich nun keinen fernern Aufschub machen wollen, sondern übergebe sie dir lieber Leser, so wie sie der aufrichtige, allen Menschen wohl wünschende Author aufgesetzt hat, zu aller Menschen Besten, denen es in die Hände kommen mag, und sichs dazu wollen dienen lassen, und ist hoffentlich kein Schade geschehen daß es so lange stille gelegen hat; Dann es wäre, wann es damahls gedruckt worden, vielleicht bey denen meisten beygelegt und vergessen worden, daß man zu dieser Zeit wenig mehr davon wüste, da es doch zu unserer Zeit gewißlich so nöthig, oder noch nöthiger ist, als jemahls zuvor: Dann die Erfahrung erweißt es, daß wie das Ende dieses Welt-Lauffs sich nähert, so nimmt auch die Sorglosigkeit um das Gute überhand, und die Menschen gerathen in göttlichen Dingen, und nützlichen Unterrichtungen in eine solche Gleichgültigkeit, als es wohl kaum in denen Zeiten Noä mag gewesen seyn, von welchen es heißt: sie achtetens nicht. Und man siehet fast allerwegen daß unendlich mehr Fleiß angewendet wird, die Kinder in der Gleichstellung der Welt, und unnützen Dingen zu unterrichten als in nützlichen, und zur Gottseligkeit reitzenden Verrichtungen.

Daß dann dieses kleine Werck seinen erwünschten Zweck, wozu es zu erst ist verlangt, und von dem Author verfasset worden, erlangen möge, und da es lange ausgeblieben, dann um so viel sorgfältiger möge angewendet werden, ist das hertzliche wünschen eures getreuen und aller Menschen Heyl wünschenden Freundes,

Christoph Saur.

Germantown den 27 Mertz 1770.

Anlaß zu Ausfertigung dieses Büchleins.


 Freund Dielman Kolb,

ES ist mir schon manchmal in den Gedancken gelegen, vergangen, und wiederkommen, nehmlich, daß du mir sollest einmahl wann du Zeit hast aufschreiben, Die Art und Weise; wie der Freund Dock Schule hält? Wie er die Kinder in die Schule aufnimmt? Wie er mit verschiedenen, auch verschiedene Zucht hält? Wie er sie vom Freundlichkeit und Liebe tractirt, daß sie ihn lieb haben, und fürchten? Daß sie einander lieb haben. Auch von ihrem Brief-Wechsel miteinander. Wie er sie vom Schwätzen zur Stille gewöhnet? Wie er sie mit Scham gewöhnet daß sie fleißig lernen? Auch wie er ihnen kindliche Bilder vormahlet damit sie sich üben? In Summa: Es wäre mir lieb, wann du mir es kurz, oder umständlich, beschriebest: auf solche Weise, daß, wann er etwa solte auß der Zeit gehen, man eine Beschreibung von ihm machen könne: theils GOtt zum Preyß, theils andern Schulmeistern zur Lehre; und denen Nachkommenden zum Unterricht; wie eine Jugend könne wohl erzogen und gelernet werden. Welches wohl wehrt ist, daß man es drucke, es sey mit seiner Bewilligung noch bey seinem Leben, oder hernach: wenigstens möchte ich es nach Teutschland schicken, wann ers nicht gern bey Leibes-Leben gedruckt sähe. Ich halte es vor etwas wichtiges, weilen viel daran gelegen ist, wie die Jugend im Buchstaben und Gottesfurcht unterwiesen wird. Weil du nicht die Feder gebrauchen kontest, habe ich dich gerne verschonet; nun aber solt du keine Entschuldigung haben, als wann du kranck bist. Ich habe nur etliche Puncten gemeldet, die mir so eben sind eingefallen: du wirst es umständlich machen; und ich dencke, es sey kein Punckt seines Betragens, mit Kindern und Alten, der nicht anmerckens werth sey. Womit ich dich und deine Frau hertzlich grüsse: und bleibe euch mit Dienst in Liebe verbunden.

Germantown, den 3ten Aug. 1750.  Christoph Saur.


Sollford, den 8ten August 1750.


Vorerinnerung des Verfassers.


Salutem, Liebwerther Freund.


MIt gegenwärtigen Zeilen berichte, daß ich heute gewisser Ursach wegen, den Freund D. K. zu besuchen bin genöthiget worden, welcher mir zu erkennen gegeben: daß ihm nemlich ein Schreiben von Freund Christoph Saur zu handen kommen; der Inhalt dessen sey überhaupt, wegen meiner Schul-Uebung, daß er gerne gewisse Nachricht hätte: Von der Art und Weise, wie ich nicht nur die Kinder aufnehme; sondern auch, wie ich bißher die Regel und Ordnung unter ihnen eingerichtet. So hat sich Freund Dielmann gegen mich also erklärt: daß er dem Freund Saur zu lieb gerne solche Liebes-Bezeugung erweisen wolte; weilen ihm aber meine Schul-Uebungen nicht in allen Stücken bekant seyen, und deßwegen nicht in seinem Vermögen stünde solchem Begehren Genüge zu thun; wie es von Freund Saur an ihn begehrte. Als hat Freund Dielmann an mich begehret, ich solte diese Bürde die ihm auferlegt sey, auf meine Schultern nehmen, und Freund Saur aus sein Begehren Nachricht geben: Welches ich Freund Saur, und Freund Dielmann zu lieb nicht gantz abschlagen kan; jedoch befinde ich dißfalls verschiedene Schwürigkeiten, worüber ich mich vorher etwas erklären muß.

Was anbelangt daßjenige zu berichten, was Freund Saur an Fr. Dielmann, und Fr. Dielmann an mich begehrt, solches könte zu einem Theil ohnschwer thun, weilen mir meine tägliche Uebung mit der Jugend besser bekannt, als einem andern. Die Schwierigkeit aber die ich dißfals hierüber befinde, ist diese: Daß es dadurch das Ansehen haben würde, als ob ich mir selbst vor, oder bey der Welt, ein Ansehen, Attestatum, und stinckende Ehren Säule aufrichten wolte, welches mir, wann es in der That so wäre, vor GOtt und allen frommen Christen-Herzen gantz keine Ehre, sondern vielmehr Spott und Schande verdienet, und mir auch zu meiner Seelen Heyl und Seligkeit nicht nützlich sehn könte. Es wäre nur Futter vor die Eigen-Liebe: Aber, das lasse der HERR ferne von mir seyn. Und weilen schon gar viel fromme Hertzen von diesem Räuber überfallen, wordurch sie verlohren, waß sie durch die Gnade GOttes erarbeitet hatten. Ja selbst der weise Salomon, der seines gleichen nicht hatte in Weisheit, Reichthum, Ehr und Herrlichkeit, welches er alles von GOtt erlangete durchs Gebät, und noch mehr als er gebeten. Summa: er war durch Göttliche Erleuchtung in Erkäntniß, Weisheit und Verstand dermassen hoch kommen, das seines gleichen nicht war, er grünete wie die Bäume an den Wasser-Bächen. Von seiner Weisheit, und was er dadurch gewürcket, findet sich nach der Länge zu lesen im 1 Buch der Kön. vom 3ten biß zu Ende des 10ten Capitels. Jedoch nachdem sich Salomo durch die Eigenliebe überwinden hat lassen, so ist zwar dieser schöne Baum annoch in Ehre und Herrlichkeit da gestanden: aber die Eigenliebe hat durch ihre Bruth so viel Raupen-Nester ausgebrüthet, daß viele von Salomonis ersten Früchten dadurch sind welck worden, welches GOtt übel gefallen, als zu lesen 1 B. der Könige im 11 Cap.

Dieses ist in allen meinen Verrichtungen und Uebungen mit der Jugend, das schwereste Gewicht welches mir auf dem Hertzen liegt, und alles überwieget was sichtbar ist, es habe Namen wie es wolle: nemlich, wie ich meine Haußhaltung regieren und führen möge, daß ich dermaleins aus Gnaden ein gut Zeugniß und Attestatum erlangen möge, von dem grossen Hirten der Schaafe, welcher mit in die 26 Jahr lang die jungen Lämmergen vertraut, wiewohl sie mir schon 36 Jahr anvertrauet, durch einen Beruff den niemand besser weiß als ich; weilen ich aber hier zu Land diesen Beruf zehen Jahr beyseit gesetzet, worüber ich auch in währender Zeit die strafende Hand GOttes gefühlet, die mir doch GOtt sey Danck bißher zum besten gedienet; der HErr wolle es in Gnaden übersehen was ich in solcher Zeit versäumet an der Jugend.

Was nun ferner das an mich verlangte Begehren betrifft, so stehe ich hierinnen wie in einem tieffen Thal, wo ein hohes Gebürge vorlieget, welches ich besteigen soll, so, daß ich meiner Seits viel lieber in diesem Thal, in der Einsamkeit, die wenige Tage des Lebens zubringen wolte, wans nach GOttes Willen geschehen könte; als diesen Berg zu steigen. Ich hoffe, der Freund wird mich begreiffen können. Weilen ich aber den Freund in seinem Schreiben so vermercke, daß es ihm überhaupt in dieser Sache um die Ehre GOttes, und um eine gute Auferziehung der Jugend zu thun ist, so kan und will ich mir nicht wegern, nach dem Maaß meiner geringen Gaben mit beyzutragen, was in meinem Vermögen ist. Insonderheit, weilen ich diese sterbliche Hütte bald, doch ists GOtt bekant, wann ich sie ablegen muß. Ach! es solte ja billig allen Menschen höchst angelegen sehn, die Ehre GOttes, und das allgemeine Beste der Menschen zu befördern; welches uns hier in Zeit, und auch in Ewigkeit glückselig machen kan. Hierzu werden wir ja in H. Schrifft so ernstlich an vielen Orten ermahnet, ich will nur der Kürtze nach hier anführen was uns der H. Apostel Petrus hievon in seinen Schrifften nachgelassen zur Lehre 1 Pet. 4, v. 10. 11. mit diesen Worten: Und dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe die er empfangen hat, als die guten Haußhalter der mancherley Gnaden Gaben GOttes. So jemand redet, daß ers rede als GOttes Wort. So jemand ein Amt hat, das ers thue als aus dem Vermögen, das GOtt darreichet; auf daß in allen Dingen GOtt gepriesen werdedurch JEsum Christ, welchem sey Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.

Geliebter Freund, diese Vermahnung des Apostels verpflichtet mich zum Preis GOttes auch meinem Nächsten zu dienen mit der Gabe die ich von GOtt empfangen habe, so fern ich auch als ein treuer Haußhalter vor GOtt erfunden werden will; welches wie oben gemeldt, das vorgesteckte Ziel ist wornach ich mich sehne, und solches zu erlangen mir lieber seyn wird, als alles was sichtbar ist. Dieweilen mir bewust, daß ich aus und von mir selbst nichts vermag aus eigenen Kräften zu thun das wesentlich gut ist, ohne GOttes gnädige Hülffe und Beystand, und seines H. Geistes Kraft und Stärcke, und daß alle meine besten Wercke unvollkommen sind, so gebe ich diese meine bißher geführte Schul-Uebung mit der Jugend auf folgende Condition, sage ich, übergebe es so an den Freund, findet er etwas darinnen das zur Ehre GOttes und zu Auferbauung und Nutzen des gemeinen Besten gereichen kan, so will ich, daß es der Freund gleichfals an seinen behörigen Ort bestättigen soll, und GOtt geben, was GOttes ist. Ps. 115, v. 1. Auch stehe ferner also, so der Freund annoch bey meiner Lebens-Zeit mir und meinen Schülern einige nützliche Anweisung, (wodurch die Ehre GOttes befördert werden könte) anzeigen will, so bin ich meiner Seits, so willig als schuldig, dasselbe in Liebe anzunehmen.

Um nun zu des Freund Dielmanns seinem Begehren an mich zu gelangen, könte ich sogleich den Anfang machen, ohne etwas sonsten weitern Bericht zu thun: weilen aber der Freund Christoph Saur an Dielmann begehret, von allem Bericht zu haben, auch von dem Briefwechsel der Schüler gegen einander; so muß ich Freund Saur hierüber einen Vorbericht thun, damit wann es an solchen Punckten kommt, er einen Aufschluß davon hat.

Nachdeme ich, wie oben gemeldet: die Schul auf Schipbach welche ich zehen Jahr bediente, auf Seit gesetzet, und zehen Jahr auf dem Land gwohnet, und nach meinem geringen Vermögen Bauren Arbeit gethan, so haben sich in der Zeit verschiedene Gelegenheiten zum Schulhalten hervorgethan, und bey mir dißfalls angesucht; biß es endlich wieder dazu gekommen, daß ich in denen beyden Taunschips Schipbach und Solford, in jeglicher Taunschip wöchentlich drey Tag Schul gehalten. Dieweilen mir aber das Schulhalten in diesem Land schon vorher bekant war, daß es weit anders damit bestelt als in Teutschland, da die Schule auf solchen Pfeilern stehet, die der gemeine Mann nicht wohl umstossen kan, wann ich mir dann zu Gemüth führete, die Pflichten welche dieser Beruff in sich hält, und ich mir auch den ernsten Vorsatz gefasset, diesen Pflichten treulich nachzuleben, sahe aber auch den verdorbenen Zustand der Jugend an, und die viele Aergernisse dieser Welt, wodurch die Jugend verdorben und geärgert wird von den Alten, und betrachtete darneben meine eigene Unwürdigkeit; auch hinwieder die ungleiche Wichtigkeit der Eltern in der Kinder Zucht, da einige, mit Lehr und Leben, ihrer Kinder Hehl und Seligkeit von gantzem Hertzen suchen, und allen Fleiß anwenden, die Ehre GOttes, und das Heyl ihrer Kinder zu befördern. Da hingegen aber andere gantz contra mit Lehr und Leben sind: ihren Kindern mit bösen Exempeln vorgehen; wodurch es dahin kommen kan, daß nicht nur zwischen dem Schulmeister, und Kindern dieser ungleichen Kinder Zucht, so fern er anders seinen Beruff treu und aufrichtig vor GOtt und Menschen führen will, auch ungleichen Ernst und Zucht-Ruthen führen und gebrauchen muß; woraus dann sogleich dem Schulmeister dieser Name zugeeignet wird, er gehe nach Gunst; er halte das eine Kind harter, als das andere; welches er auch in der That Gewissens halben um deßwegen thun muß, damit die Kinder guter Art, nicht von den Kindern böser Art verdorben werden. Sonsten ist es freylich eines Schulmeisters Pflicht unpartheyisch zu seyn, und nichts nach Gunst und Ansehen zu verrichten, das arme Bettel-Kind in Grind, Lumpen und Läuß wann es sonst guter Art, oder sich unterweisen lassen will, muß ihm so lieb seyn (wann er auch schon in diesem Leben keinen Pfenning davor bekommen solte,) als des Reichen, wovon er eine reichliche Belohnung in diesem Leben zu gewarten; des armen Kindes reiche Belohnung folgt in jenem Leben. Summa, es solte zu weitläuffig fallen, alle Pflichten zu beschreiben, so einem Schulmeister obliegen, treulich an der Jugend auszuüben; aber noch weitläufftiger ist es zu beschreiben, alle Widerwärtigkeiten die ihn deßwegen zu Haus besuchen, wann er gerne seinen Pflichten gemäß haushalten will. Als ich dieses alles in Erwägung genommen, so habe ich schon voraus gesehen, solte und wolte ich etwas erbauliches ausrichten an der Jugend, daß es mir dißfals täglich und stündlich höchst nöthig wäre, mit David meine Augen aufzuheben zu den Bergen um Hülffe, Ps. 121, so fern ich etwas in diesem Zustand, wie es nun zur Zeit in der Welt stehet ausrichten wolte zum Preiß GOttes, und der Jugend ihrem besten, und also habe ich mich wieder in diese Arbeit gestellt, und bisher darinnen gestanden; ich wünschte zwar, daß ich es weiter hätte bringen können, doch habe auch Ursach, dem grossen GOtt hertzlich zu dancken daß er mir geholffen, daß ich es so weit bringen können.

Was nun Freund Saurs erste Frag betrifft, nehmlich, wie ich die Kinder zur Schul aufnehme? Solches geschiehet auf folgende Weise. Erstlich wird es von den andern Schülern bewillkommt mit reichung der Hand, dann wird es von mir gefragt, ob es auch fleissig lernen und gehorsam seyn wolle? wann es mir dann solches verspricht: so wird ihm dann vorgestellt wie es sich verhalten muß, und wann er das A B C ordentlich nach einander sagen, und auch in der Probe alle verlangte Buchstaben mit dem Zeigfinger weisen kan, so thut man ihn ins Ab. Wann er dahin kommt, so ist ihm der Vater einen Pfenning schuldig, und die Mutter muß ihm zwey Eyer backen vor seinen Fleiß; und solche Belohnung wird ihm wann es weiter, nemlich in die Namen kommt, u. s. w. Wann es aber ins lesen kommt, so bin ich ihm (wann es fleissg gelernet, und in solcher Zeit, die ihm bestimmt wird kan,) ein Zeugniß schuldig; und am ersten Tag, als dieses Kind zur Schul kommt, so bekömt es einen Zettul, woraus nur diese Zeile stehet: (Fleissig, einen Pens.) diesen Zettul bekomt es, daß es zur Schul ist aufgenommen als ein Schüler; darneben wird ihm aber auch vorgestelt: so ferne es träg im lernen, oder sonst ungehorsam seyn würde, solchen Kindern würde ihr Zeugniß wieder genommen, wenn sie sich auch ferner, in keinem Stück unterweisen lassen wollen und störrig verbleiben, solche werden alsdann vor allen Schülern, vor faul und untüchtig ausgeruffen, und ihnen gesagt, daß solche in eine andere scharffe Zucht-Schule gehöreten: alsdann frage ich das Kind nochmahls, ob es fleissig und gehorsam seyn will? wann es dann solches mit Ja beantwortet: so zeige ich ihm den Ort wo es sich niedersetzen soll, ist es ein Knab, so frage ich unter den Schuljungen: ist es ein Mägdlein, so frage ich unter denen Mägdchen: welches sich unter allen dieses neuen Schul-Kindes annehmen, und es lehren und unterweisen will? nachdeme nun das Kind fremd oder bekant, oder nach dem Ansehen, angenehm oder nicht angenehm aussiehet, nachdem offenbahren sich auch öffters viel oder wenig die heraus treten, um das Kind zu lernen; finden sich keine freywillige, so frage ich: wer um eine Vorschrift, oder Vogel, solche und solche Zeit das Kind unterweisen will? dann fehlet es nicht leicht. Dieses so viel zur Nachricht, wie ich die Kinder zur Schul aufnehme.

Fernerer Bericht wegen Versammlung der Kinder zur Schul.

So geschiehet diese Versammlung solchergestalt, weilen einige hier zu Land einen fernen Weg, einige aber nahe zur Schule haben, so, daß die Schüler nicht so gleich auf bestimmte Zeit und Glockenschlag beysammen seyn können, als wie an denen Orten wo die Menschen in einer Stadt oder Dorff beysammen wohnen. So ist die Weise und Verordnung, daß die ersten, wann ihrer etliche beysammen sind, alle die im Testament lesen können, sich auf eine Banck niedersetzen; jedoch die Knaben besonders auf eine Banck, und die Mägdlein auch besonders. Denen wird sogleich ein Capitel aus dem Testament zu lesen aufgegeben, welches sie unüberlernet der Reyhe nach lesen, in währender Zeit schreibe ich ihnen vor, welche nun ihren Vers ohne Fehler gelesen, die setzen sich an die Tafel und schreiben, die aber gefehlet, müssen wieder zurück sich zu unterst an die Banck setzen. In währender Zeit was von Schülern komt, setzt sich zu unterst an die Banck, waß sich wie gemeldt, frey macht setzt sich an die Tafel, solches continuiret biß sie alle beysammen; wer das letzte überbleibt auf der Banck, das ist ein fauler Schüler.

Wann sie dann beysammen sind und visitirt, ob sie sich gewaschen und gekämmt, so wird ihnen ein Morgen-Gesang oder ein Psalm zu singen aufgegeben, und mit ihnen gesungen und gebätet; auch so viel ihnen begreifflich kan eingepflantzet werden, über das Gebät des HErrn, und zehen Gebott (nach den Gaben so GOTT mitgetheilet) deßwegen eine Erinnerung und Ermahnung an sie gethan. Denen gantz kleinen, werden kurtze Gebätlein und Sprüche vorgesprochen. So viel zur Nachricht wegen Versammlung der Schüler. Jedoch dienet wegen dem Gebät noch diese Erklarung: Weilen viele Kinder was sie zu Haus vor Gebäter gelernet, nur mit halben Worten, und in solcher Geschwindigkeit aussprechen, insonderheit das Vater-oder Unser Vater, welche Gebats-Form der HErr JEsus seine Jünger gelehret, und alles in sich begreifft von GOtt zu erbitten, was uns an Leib und Seel nöthig ist. Als habe im Gebrauch solches Gebät kniend ihnen selbst vorzusprechen, welches sie allesammt kniend mir laut nachsprechen. Nach verrichteter Gesang und Gebäts-Uebung, begeben sich diejenigen so schreiben, wieder an solche Uebung. Diejenigen aber, so nicht im Testament bey Sammlung der Schul mit lesen können, haben die Zeit über Frist gehabt ihre Lection zu lernen, solche werden so gleich nach verrichtetem Gebät vorgenommen, ihre Lection aufzusagen. Welche dann ihre Lection wohl können, die bekommen mit Kreiden eine 0 auf die Hand, diß ist daß Zeichen, daß er nichts gefehlt: die aber ihre Lection nicht fertig können, so, daß die Fehler über 3 geloffen sind, solche werden zurück gewiesen, um die Lection noch besser zu lernen, biß die kleinen alle aufgesagt haben: kommt dann ein solcher und und fehlet wieder so viel als 3 so wird es nur mit diesem Wort geoffenbahret an die Schüler, daß der 3 gefehlt: so ruffen alle über ihn aus, Faul! und alsdann wird sein Name aufgeschrieben. Betrift nun dieses ein Kind, es mag auch sonst von Natur seyn, daß es die Ruthe fürchtet oder nicht fürchtet, so weiß ich doch aus Erfahrung, daß dieser blosse Schall der Kinder ihnen weher thut, und sie mehr zum lernen an treibet, als wann ich ihm allezeit die Ruthe vorhalten und gebrauchen würde. Wann dann solches Kind, in solchem Fall Freunde in der Schule hat die es lernen können und wollen, die wird es fleissiger besuchen, als zuvor. Die Ursach ist diese: wird sein Name nicht ausgethan des Tages biß die Schul zu Ende, so haben die Schüler Freyheit, des faulen Schülers Namen auch aufzuschreiben und mit nach Hauß zu nehmen; findet sichs aber: daß das Kind künftig seine Lection wohl kan, so wird sein Name abermahls den Schülern bekant gemacht, und zu erkennen gegeben: daß es seine Lection wohl gekönt habe, und nichts gefehlet. Alsdann ruffen sie Fleissig! über ihn auß. Wann dieses geschehen: so wird sein Name an der faulen Schüler-Tafel ausgelöschet; und die vorige Missethat ist vergeben.

Was die Kinder betrifft so im buchstabieren sind: solche werden auch taglich auf die Probe gestellt wegen der Aussprach. Welche, ob sie wohl im buchstabieren bey dem Aussagen, wo ein Wort mehr als eine Sylbe hat, alles im ausprechen nachholen müssen, so findet sichs doch zuweilen in der Probe, daß sie, ob sie wohl die Buchstaben ordentlich wissen zu nennen, aber wegen Ermanglung der Ausspruch nicht so bald ans lesen können gesetzt werden. Zu dem Zweck desto eher zu kommen, so muß das Kind seine Lection nochmahls repetieren; und solches geschiehet auf folgende Art. Das Kind gibt mir das Buch: Ich buchstabiere, und es muß aussprechen: kan es aber nicht geschwind damit fort, so muß ein anderes seines gleichen die Aussprache thun; dadurch höret es doch, und lernet den Unterscheid, wie es sich im aussprechen nach dem Buchstaben, und nicht nach seiner eigenen Meynung richten muß.

Was die A. B. C. Schüler anbelangt, solchen die Buchstaben am ersten bekannt zu machen, wäre der nächste Weg, ihnen erstlich nur eine Reihe aufzugeben, um solche vor- und hinterwärts zu lernen und zu prüfen, um sie den Buchstaben besser nennen und kennen zu lernen; damit sie das a b c nicht zuerst auswendig lernen, wann man nur ein Kind in der Schul hätte. Hat man aber mehr dergleichen: so laß ich sie das a b c nach einander aufsagen, aber wann das Kind aufgesagt hat, so frage ich es: Ob es mir nicht den Buchstaben (welchen ich dann sage) mit dem Finger zeigen könne? finde ich, daß das Kind blöde oder unwissend, so frage ich ein anderes seines gleichen, oder so viel ihrer sind. Welcher Finger den Buchstaben am ersten anzeiget, solchen Finger ergreiffe ich mit der Hand, und halte denselben so lang, bis ich vor solch Kind einen Strich mit Kreide gemacht; alsdann frage ich wieder nach einem andern Buchstaben, u. s. f. Welches Kind nun den Tag über die meisten Striche bekommen hat, das hat auch die meisten Buchstaben angezeigt; solchem bin ich auch etwas schuldig, etwa eine Blum auf Papier gemahlet, oder einen Vogel. Sind sie aber mehrentheils gleich, so gehen sie ins Loos, so giebt es desto weniger Verdruß. Durch diese Praxin wird nicht nur denen allzu blöden ihre Blödigkeit (welches eine grosse Hindernis im lernen,) etwas benommen, sondern auch die Lust und Liebe, um gern in die Schul zu gehen vermehret. So viel zur Nachricht auf sein Begehren, wie ich die Kinder zur Schul aufnehme: auch wie vor dem Gebät bey Versammlung der Kinder, und auch nach dem Gebät die Schul-Uebung fortgesetzt wird; auch durch was vor Mittel, die allzu unachtsamen und sorglosen zur Achtsamkeit und Sorge ihre Lection wohl zu lernen angetrieben werden; auch wie den allzu Blöden so viel möglich Beyhülffe geschiehet.

Zu feinerer Fortsetzung dienet zur Nachricht: Daß, wenn die kleinen das erstemahl aufgesagt, so gebe ich den Testament Schülern wieder ein Capitel zu lernen auf. Was Zeitung und Briefe lieset, sitzen besonders; was rechnet desgleichen. Finde ich aber unter den kleinen daß sie im lesen so weit gekommen, daß sie auch bald tüchtig im Testament zu Lesen sind, solche werden dann denen Testament-Schülern angezeigt daß sie probieren wolten, wann sich ein guter Leser unter den Testament-Schülern ihrer annehmen wolte, mit Unterweisung: die alsdann darzu gewilligt, die treten heraus, ergreiffen gemeldte Schüler bey der Hand, und setzen sie neben sich; wann dieses geschehen, wird ihnen ein Capitel ausgetheilt, so, daß jeglichem 2 Vers zu lernen zugetheilet werden. Findet sich aber, das man noch ein und anderer Uebung benöthiget, (als Sprüch und Capitel zu suchen, oder Sprüch auswendig zu lernen, bey welcher Uebung gleichfals ein jeder einen Vers lesen muß,) so theilt man ihnen nur einen Vers aus, welches dann denen, die probieren im Testament zu lesen, auch nicht zu schwer fält. Findet sichs dann, daß solche Schüler in der Probe sich wohl und fleissig in Erlernung ihres zugetheilten Verses befunden, so wird ihnen eine Woche zur Probe gegeben; in welcher Woche sie ihreLection im a b c Buch, mit den kleinen lernen und aufsagen müssen, auch mit den Testament-Schülern ihren Vers lernen und aufsagen müssen. Halten sie die Probe wohl aus, so kommen sie die nächste Woche darnach aus dem a b c Buch ins Testament, und dann wird ihnen erlauben das schreiben auch mit an Hand zu nehmen; welche aber die Probe nicht aushalten, müssen noch eine gesetzte Zeit bey denen a b c Schülern verbleiben, ehe sie wieder zur Probe kommen. Nachdem die Testament-Schüler aufgesagt, werden die kleinen auch wieder vorgenommen. Wann dieses geschehen, so werden sie dann an das vorgelesene Capitel erinnert, und zu mein, und ihrem Unterricht die darinnen enthaltene Lehre zu bedencken gegeben: weilen es alsdann nicht fehlet, daß solche Lehrstücke an andern Orten H. Schrifft auch beschrieben so werden solche ausgesucht und gelesen; und nachgehends ein Gesang aufgegeben, welches diese Lehrstücke auch in sich hält. Ist nachdem noch Zeit übrig, so wird ihnen sämtlich ein kurz Sprüchlein auswendig zu lernen aufgegeben. Nachdem dieses geschehen, müssen sie ihre Schrifften aufweisen, welche, nachdem sie übersehen und numerirt, wird dem ersten in der Nummer ein hart Wort zu buchstabieren aufgegeben: kan ers nicht, so fällt es auf den 2ten und so fort, welcher es kan, der empfängt seine Schrifft; und dann kommt wieder ein hart Wort auf den ersten, und dieses continuirt biß sie alle ihre Schrifften durch buchstabieren empfangen.

Weilen die Kinder ihr Mittag-Essen bey sich haben, wird ihnen nach dem Essen eine stunde Freyheit vergönnet; dieweilen sie aber gemeiniglich diese Freyzheit mißbrauchen, wann man nicht stets bey ihnen ist; so muß, so lang ich ihnen vorschreibe, einer oder zween im alten Testament eine nützliche Historie, (oder aus Mose und den Propheten, oder aus Salomon, oder Sirachs Sprüchen) lesen, biß die Schul angehet.

Es dienet auch dieses zur Nachricht: weilen Kinder Noth halben aus der Schul fragen, und man ihnen auch solches erlauben muß, will man nicht den Unrath und Gestanck in der Schul haben. Und aber das Geschrey um Erlaubniß hinaus zu gehen, den gantzen Tag continuiret, auch wohl ohne Noth hinaus fragen, daß zuweilen 2 biß 3 draussen die Zeit mit spielen zubringen, so habe dieses zu verhüten, einen Nagel an den Thür-Pfosten eingeschlagen, woran ein höllzern Häcklein hängt. Welchem dann etwas von nöthen ist, der stehet nach dem Häcklein, ob es an der Thür hängt: wann das Häcklein da hänget, so ist der Paß auch da daß es darf hinaus gehen ohne gefragt, dann nimmt es das Häcklein und gehet hinaus, kommt ein anders dem was von nöthen, das darf auch weiter nicht fragen: sondern es stellt sich an die Thür, so bald der kommt mit dem Häcklein so nimmt es solches von dem andern, und gehest hinaus, bleibt das Häcklein was zu lang, so dringet die Noth dessen, der an der Thür wartet, solches anzuzeigen: dann wird gefragt, wer am letzten draussen gewesen? der weiß dann, wer ihm den Paß abgenommen; so, daß keiner zu lang verweilen kan.

Um die Unwissenden die Ziffern und Zahlen zu lernen: so schreibe ich ihnen auf die Noten-Blanck (welche hänget daß sie alle darauf sehen können) diese Ziffer-Zahl

1     2     3     4     5     6     7     8     9     0

weit von einander vor, daß man andere Ziffern darvor und darhinter setzen kan, dann setze ich eine 0 vor das 1 und bedeute ihnen, daß ob wohl die 0 vor 1 stehet dennoch nichts an der Zahl vermehret werde, dann lösche ich die 0 vor dem 1 aus und setze sie hinter das 1 so macht es 10 aus, folgen zwey Null so sinds 100 folgen drey so sinds 1000, u. s. w. solches zeige ich ihnen durch alle die vorgesetzte Ziffer-Zahl. Wann dieses geschehen, so wird zu der ersten Ziffer 1 noch 1 zugesetzt, so sinds 11. wird aber zwischen die 11 eine 0 gesetzt, so sinds 101, wird aber die 0 zu hinterst befunden, so sind es 110. auf dergleichen Art und Weise gehe ich wieder durch vorgesetzte Ziffern mit ihnen durch. Wann dieses geschehen, so gebe ihnen etwas zu suchen auf, es sey im Testament, oder Gesang-Buch; die dann am fertigsten damit sind, die haben vor ihren Fleiß bey mir, oder zu Hauß etwas zu erlangen.

Weilen auch im lesen (um verständlich zu lesen) nöthig ist, daß man wohl auf die Comma achtung gebe, und aber die im lesen noch nicht wohl bewährt sind, solches zu schwer fält, als habe desfals solche Verordnung. So jemand unter den Testament Schülern nicht fort liefet, sondern hält still ehe er hin kommt wo daß Strichlein oder Püncktlein stehet, das ist ¼ gefehlt, wiederum wer über solches ohne einzuhalten fort liefet, ist gleichfals ¼, wer ein Wort zweymahl spricht, ist ½ als dann werden alle Fehler und insonderheit, was ein jeder gefehlet hat angemercket. Wann sie dann alle aufgesagt haben, so müssen alle die, so gefehlt haben heraus treten, und nachdem die Fehler seyn, in eine Reihe stehen; die dann nichts gefehlt haben, die rücken hinter die Tafel zusammen; die andern setzen sich wieder zu unterst an die Tafel.

Was nun daß Brief wechseln gegen einander betrift, so ist dieses zu mercken, daß ich 12 Jahr lang zwey Schulen wie schon gemeldt versehen, und auch 4 Sommer (nehmlich 3 Monat die ich wegen der Erndte frey hatte) in Germantown Schul gehalten, als haben die Schüler in Schipbach, wann ich wieder nach der Schul in Sollfort gegangen Briefe mitgegeben, wann ich wieder zurück gekommen, so haben die Sollforter Schüler desgleichen gethan, die Sache war so eingerichtet, das die Schreiber so in gleichem Gewicht stunden einander geschrieben. War es aber, das hernach einer den andern überwogen, so schrieb er an einen andern welchem er dachte gleich zu werden. Die Ueberschrift war nur dieses: Meinen freundlichen Gruß an N. N. Der Inhalt des Briefs war ein kurtzes Reimgen, oder ein Spruch aus der Bibel, nebst dem wurde etwas von ihrer Schul-Uebung (was sie vor einen Denckspruch vor diese Woch, und wo er beschrieben, und dergleichen) angeführt, auch gab etwan dieser, jenem in seinem Schreiben eine Frage auf, welche er gern mit einem Spruch aus H. Schrift beantwortet hätte. Ich zweifle nicht, wann zwey Schulmeister, (sie möchten gleichfalls an einem Ort wohnen oder nicht,) ich sage: wann sie solche Liebe gegen einander hätten, und wolten auch gern Liebe unter ihrer Jugend pflantzen, daß, so fern es in hertzl. Liebe zu GOtt, und dem gemeinen Besten der Jugend ins Werck gerichtet würde, es Liebe gebähren würde.

So viel wäre in Stückweiß zur Anleitung und Anführung, die Jugend die Buchstaben zu lernen, und wie sie darinnen von Staffel zu Staffel, ihre Tritte und Schritte thun müssen, ehe man sie zu dem Zweck bringen kan, den man zur Ehre GOttes und ihrem Heyl im Augenmerck hat, welches zuletzt folget.

Was nun seine zweyte Frage oder Begehren anbelangt: nemlich, Wie mit verschiedenen, auch verschiedene Zucht, und nach dem Maaß der Uebertretung, auch die Straffe vermehret oder vermindert wird?

Solches wolte dem Freund zu lieb hertzlich gerne in allen Stücken aus treuem Hertzen offenbahren: weilen aber dieses alles, einen solchen weiten Begriff in sich hält, so weiß ich wegen der Weitläuffigkeit nicht wohl, wo ich anfangen oder enden soll. Die Ursache kommt daher, weilen der verdorbene Zustand der Jugend sich in so vielen Dingen offenbahret, und die Aergernisse desgleichen mannigfaltig sind, wodurch die Jugend geärgert wird von denen die älter als sie sind, und weilen GOtt selbst bezeuget: 1 B. Mos. 8, v. 21. Daß das dichten und trachten des menschlichen Hertzens sey bös von Jugend auf, so daß aus dieser unreinen Quelle, (wo nicht täglich durch gute Einpflantzungen daran gearbeitet wird das Böse zu unterdrücken und zu dämpffen) wenig Hoffnung zur Besserung herausfliessen, das Verderben ist zu groß, und mehret sich zu dieser Zeit noch täglich auf allerhand Weise, daß ich es so gar davor ansehe, daß es gantz nicht mehr zulänglich ist aus eigenen Kräfften etwas zu verbessern. Wo der HErr nicht dieses Hauß hilfft bauen, so werden wohl umsonst daran arbeiten alle, die daran bauen. Die Handplatsch, Haßelnstrauch und Birckenstock, sind wohl Mittel dem bösen Ausbruch zu wehren, aber sie sind keine Mittel das boßhaftige Herz zu verändern, welches uns allesammt von Natur nach dem Fall in solcher Eigenschafft hält, daß wir mehr zum Bösen als zum guten geneigt, so lang das Hertz in solchem Zustand unverändert bleibt, und nicht durch GOttes Geist erneuert wird. Jedoch, obwohl der Saame auch von Jugend auf in dem Menschen daß er zum Bösen geneigt, so könte es doch so weit nicht in demselben zur Ausübung kommen, wann unser alter Schade recht erkant und gefühlet würde, so würden wir auch dahin mit Ernst arbeiten, daß derselbe nicht nur von uns allein, sondern auch von unserem Neben-Menschen, und von unserer Jugend ausgerottet und vertilget werden möchte; weilen dieser alte Schaden und Schlangen-Biß einerley ist, so würden wir auch allesamt den rechten Wund-Artzt vor diese Wunden mit Ernst suchen, und auch die Mittel, die er uns vor solchen Schaden zu gebrauchen verordnet, vor uns und unsere Jugend zum Genesungs-Mittel anwenden, weilen wir ohne diese Geneßmittel nicht zur wahren Ruhe kommen konnen, sondern den nagenden Wurm, der durch diesen Schlangen Biß allzeit das Gewissen naget, fühlen zu unserem ewigen Verderben. GOTT wolle uns allesamt in Gnaden beystehen, daß wir die Verheissung, einzukommen zu seiner Ruhe, nicht versäumen und unser keiner dahinten bleibe, Amen.

Weilen wie gemeldt, alle vorfallende Begebenheiten zu weitläuftig fallen würden, so will ich doch dem Freund etliche anzeigen: und auch die Mittel die ich gegen solche anzuwenden gesucht habe; welche Mittel aber den Schaden nicht heilen können. Dem HErrn aller HErren, der alles in seiner Hand hat, und um dessen Hülffe und Beystand man in solchen Fällen Ursach hat hertzlich zu bitten, dem gebühret auch die Ehre, wann man siehet und spühret, daß etwas zur Besserung anschläget.

Erstlich, ist bey vielen Kindern das fluchen und schwören so gemein, welches in so viel schandbaren Worten sich auf allerhand Art und Weise offenbahret: So fern nun diesem Uebel und bösen Gewohnheit nicht mit Ernst gewehret wird, so versäuert solcher Sauerteig den gantzen Teig, als werden diejenigen Schul-Kinder so hierinnen schuldig befunden werden erstlich untersuchet, ob sie auch dieses verstünden was sie sprechen, da es dann öffters gantz klar an den Tag kommt, daß sie es nicht verstehen was es in sich hält, fragt man sie aber, ob sie die Worte selbsten erdacht, oder von jemand anders gehört hätten? so zeigt es sich wieder bey vielen Kindern, daß Der, oder Die so sagten: Fragt man sie ferner: Warum sie dann solches auch sagten? so ist gemeiniglich wiederum die Antwort: Weil Der oder Die so sagten. So findet sich dann bey vielen die Unwissenheit, daß sie nicht wissen, warum sie es thun: Solchen wird dann vorgestelt daß sie sich wohl in Acht nehmen, und dergleichen Worte nicht mehr sprechen solten, daß es wider GOttes Wort und Willen sey; auch wann sie Den, oder Die, von welchen sie diese Flüche gehöret, noch mehrmals hören würden, so solten sie ihnen sagen: Daß selbige hierinnen sich doppelt versündigten, sie seyen darüber in der Schule in Straff kommen, weilen sie solche Flüche von ihnen gelernet. Versprechen dann solche Kinder, daß sie dergleichen Worte nicht mehr gebrauchen wollen, so kommen sie daß erstemal frey; findt sichs aber, daß nach dem sie gewarnet sind, selbige dannoch bey solcher bösen Gewohnheit verharren, so werden solche nachdem man der Sache gewiß ist, daß sie sich wieder mit solchen Worten verschuldet, eine Zeitlang auf die Straff-Banck alleine gesetzt, und zum Zeichen daß dieselbe in der Straff sind, daß Joch am Halß tragen. Versprechen sie dann daß sie künfftig fürsichtiger seyn wolten, so kommen sie mit etlichen Handstreichen frey, kommen sie wegen solchen Flüchen wieder auf die Straff-Banck, sowird die Straffe vermehret, kommen auch nicht frey ohne Bürgen, und jemehr sie sich verschulden, jemehr Bürgen sie stellen müssen, da dann die Bürgen dieses in acht zu nehmen haben, daß sie selbige an ihr Versprechen erinnern, sie auch vermahnen, mit allem Ernst sorgfältig zu seyn und sich vor Straffe zu hüten. Dieses ist der Zaum und Gebiß so man ihnen wegen solcher bösen Gewohnheit in den Mund legen muß, aber das Hertz zu ändern, das muß von einer höhern Hand kommen, und mit ernstlichem Flehen bey dem gesucht werden, der Hertz und Nieren prüffet; auch muß ihnen, und allen Schülern zur Warnung aus GOttes Wort vorgestelt werden: Was dieses alles (so man muthwillig darinnen verharret, und biß ans Ende darinnen befunden wird,) vor ein schweres Gewicht hat, und daß die Menschen müssen Rechenschafft geben am jüngsten Gericht, von einem jeglichen unnützen Wort das sie geredet haben. Solche und dergleichen Sprüche müssen sie aufsuchen und lesen, auch wird ihnen zu fernerer Lehr ein Lied oder Psalm zu singen aufgegeben, die dasselbige gleichfalls bezeugen.

Ob nun wohl Pennsylvanien von dieser ansteckenden und bösen giftigen Seuche, vor diesem nicht so angesteckt gewesen als die Länder, die schon lange durch den blutigen Krieg beängstet und überzogen sind, da dann unter den rauhen und ungezogenen Soldaten weder Zucht noch Erbarkeit beobachtet wird, sondern ohne einigen Scheu und Furcht vor GOtt noch Menschen mit Worten, Geberden und Wercken allerhand böse Stücke ausüben, wodurch die arme unschuldige Jugend geärgert wird, und fluchen und schwören so gemein wird daß es bey vielen nicht mehr vor Sünde gehalten wird, sage bey vielen Alten: Die arme unschuldige Jugend lehret solches nachsagen, sie sind und werden, wie uns allen bekannt, in solchem elenden Zustand auf diese Welt gebohren, da sie nicht sprechen können, so, daß man sie deßwegen gar nicht beschuldigen kan, als wan dieselben solche böse Eigenschafften von schändlichen Worten mit auf die Welt bringen, ach nein! wann sie sprechen lernen, so lernen sie die Worte nachsagen die sie zuvorgehöret, der Verstand ist nicht da, sie wissen nicht ob es bös oder gut ist was sie nachsagen. Und weilen wie gemeldt, dieses Land unter göttlichem Schutz bißher von Kriegsverheerungen befreyet, auch viele von den ersten Einwohnern und Anfängern in diesem Land solche Menschen waren, die GOtt vor Augen hatten und in seiner Furcht wandelten, so hat man auch zu der Zeit wenig unter Jung und Alt von dergleichen Worten gehöret. Aber je mehr sich Menschen nach diesem Land begeben, je mehr auch solcher Waare mit kommt, und ob sie allhier schon nicht vor Kauffmanns-Waar gültig erkannt wird, so wird es doch so vermischet, daß sie je länger je mehr gebrauchet wird, zu grossem Schaden der nachkommenden Jugend.

Zweytens, offenbaret sich das tieffe Verderben auch an der Jugend, daß, wann sie eine Missethat begangen und sie deßwegen angesprochen werden, sie solches gemeiniglich mit Lügen verbergen oder zudecken wollen: Welches, so es nicht mit Ernst an den Kindern bestraffet und solches Schlangen-Gifft nicht abgewöhnet wird, sie dadurch ins zeitliche und ewige Verderben gerathen, weßwegen Eltern und Schulmeister, so fern sie der armen Kinder ihr Heyl und Seligkeit zu befördern suchen, und sich solches mit Ernst angelegen seyn lassen schuldig sind, dieses frühzeitig zu verhüten. Zwar ist diese böse Gewohnheit schon sehr alt, indem sich solche gleich nach dem Fall an Adams erstgebohrnen Sohn dem Cain an Tag gegeben, als derselbe wegen seiner grossen Sünde die er an seinem frommen Bruder Habel ausgeübt, von GOtt gefraget wurde: Wo ist dein Bruder Habel? so antwortete er wider sein besser Wissen und Gewißen, und sprach: Ich weiß nicht, soll ich meines Bruders Hüter seyn. 1 Buch Mos. 4, v. 9. So daß man hieraus sehen kan, daß sich dieser Schlangen-Saamen kurtz nach dem Fall geoffenbahret, und noch täglich Früchte zum Tod und zum Verderben bringet, welches Eltern und Schulmeister schwer zur Verantwortung stehen wird, wann sie nicht ihre anvertraute Jugend dißfalls mit Ernst davon suchen abzuhalten. Wie sehr mir dieses offt am Hertzen lieget, weiß niemand besser als ich: Dis beykommende Schüler Lied wird etwas davon an Tag legen. Es bezeuget der HErr JEsus selbsten Joh. 8, v. 44. daß der Teufel der Lügen Vater sey. Und weilen zu der Zeit die Schrifftgelehrten und Pharisäer welche, ob sie wohl äusserlich den Schein hatten von Gottseligkeit, aber alles was sie thäten nicht in der Wahrheit zur Ehre GOttes geschahe, sondern ihre eigene Ehre suchten, so schmückten sie ihre Sache mit Lügen gegen die Wahrheit, weswegen sie Christus wie in gemeldten Vers zu sehen, mit folgenden Worten anspricht: Ihr seyd von dem Vater dem Teufel, und nach eures Vaters Lust wollet ihr thun. Derselbige ist ein Mörder von Anfang, und ist nicht bestanden in der Wahrheit: Denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lügen redet, so redet er von seinem eigenen; denn er ist ein Lügner, und ein Vater derselbigen. So lauten des HErrn JEsu eigene Worte. Johannes der Täuffer nennet sie um solcher bösen Eigenschafft willen Ottergezüchte, als zu sehen Matth. 3, v. 7. Man lese ferner und betrachte mit Ernst und Andacht das 23. Cap. Matthäi, so wird man finden, was die lügenhaffte und ehrsüchtigen Ausübungen vor Wehe nach sich ziehen. Der letzte Ausspruch der Wehe, wird in dem 33 v. mit folgenden Worten ausgesprochen: Ihr Schlangen, ihr Otterngezüchte, wie wollt ihr der höllischen Verdammniß entrinnen?

So nun wie gemeldt, solche böße Zweige und Pflantzen an der Jugend mit Ernst gedämpffet und an statt dessen etwas gutes gepflantzet, auch GOtt hertzlich darum ersuchet wird, daß er zum pflantzen und begiessen sein gnädiges Gedeyen geben wolle, so ist Hoffnung, mit der Hülffe GOttes etwas gutes an der Jugend zu ihrem Besten ins Werck zu richten. Dann die Jugend an sich selbst ist allezeit am meisten zu entschuldigen; denn sie ist wie Wachs, in welches man allerley Formen drucken kan. Lässet man aber solche böse Wurtzel ausschlagen und unverhindert fort wachsen, so werden gleichfalls solche böse Früchte an den erwachsenen Bäumen, verstehe an solchen erwachsenen Menschen zum Vorschein kommen, die dem Wehe und höllischen Feuer zugeeignet werden. Denn die Art ist dem Baum schon an die Wurtzel gelegt, daß, welcher Baum nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Nun ist die Lügen eine solche Frucht die ins Feuer gehütet. Sie ist auch der Schlupffwinckel worinnen sich die anderen Sünden verbergen, daß man sie nicht sehen noch finden soll, damit ein Betrüger seine Betrügerey fort treiben kan, und dannoch ein ehrlicher Mann sey, oder davorgehalten seyn will, so schmücket er seine Sache mit Lügen. Daß eine Hure doch die Ehre als eine Jungfrau haben und behalten will, darzu gebraucht sie die Lügen. Ein Dieb, Mörder und Ehebrecher machts eben so, und wann nicht offenbare Zeugnisse genug vorhanden sind, werden wohl die Sachen mit Lügen so verdeckt und vertheidiget werden, daß man dißfalls vor der Welt dannoch ein ehrlicher Mann bleibet. Aber wo nicht in Zeit der Gnaden solche Sünden vor GOtt durch hertzliche Busse bereuet und bekennet werden, so wird solcher Schlupffwinckel nichts verbergen können, das Ende wird die Last tragen müssen. Dann wer seine Missethat leugnet, dem wirds nicht gelingen: Wer sie aber bekennet und läßt, der wird Barmhertzigkeit erlangen. Sprüchw. Salom. 2, v. 13. 1 Ep. Joh. 1, v. 8. 9.

Was nun die Mittel belanget, solchen üblen Ausbruch zu hindern daß er nicht überhand nehme, so sehe ich zwar, daß es nicht in menschlichen Kräfften stehet die Wurtzel im Grund zu vertilgen: GOtt allein, durch seines H. Geistes Krafft muß diesen Seegen in uns ausführen. Jedennoch ist Predigern und Vorstehern, Eltern und Schulmeistern ihre Pflicht, erstlich an ihnen selbst, an ihrem Nächsten und Neben-Menschen, und auch an der Jugend zu arbeiten, diesen befleckten Rock des Fleisches nicht nur zu hassen, sondern auch auszuziehen, so viel sie durch GOttes Gnade vermögen ins Werck zu richten: Und ist nach meiner Erkäntniß das erste und nöthigste Mittel, ein hertzliches und inbrünstiges Gebät zu GOtt um Hulffe und Beystand; auch weilen die Unwissenheit und der Unverstand noch bey der Jugend, daß sie das grosse Verderben nicht begreiffen können, so ist von nöthen sie erstlich in hertzlicher Liebe zu erinnern: Welche Eigenschafften uns zu GOtt fuhren, und welche uns von GOtt abführen; welche einen Geruch des Lebens zum Leben, und welche einen Geruch des Todes zum Tode in sich haben. Wie die guten Eigenschafften vom guten her, und auch wieder nach dem guten zufliessen, und wieder in ihren guten Ursprung führen, und wie im Gegentheil das Böse, ursprünglich vom bösen kommt und zum bösen führet, auch wieder zu seinem bösen Ursprung fähret; und daß das Gute mit Gutem belohnet werde, und das Böse mit Bösem. Daß GOtt das höchste Gut und der Ursprung alles guten sey: Der Satan aber, seye der böse Feind wodurch alles böse gestifftet werde; und wie GOtt ein GOtt der Wahrheit sey, also seye hingegen der Satan ein Vater der Lügen; daß man derowegen die Wahrheit lieben, sich auch mit Ernst der Wahrheit befleißigen müste mit Worten und Wercken, wann wir zu GOtt in den Himmel kommen und ewig glückselig seyn wolten, dann der Lügner ihr Theil seye die Hölle und der feurige Pfuhl. Wann man solche und dergleichen Ermahnung mit ihnen ins Werck gerichtet, so ist man auch schuldig die Zeugnisse heiliger Schrifft ihnen bekandt zu machen die solches bezeugen. Ferner, so hat man nöthig ihnen dieses vorzustellen, daß, so fern sie künfftighin nicht Sorge tragen würden sich vor solchen bösen Stücken zu hüten, sondern unvorsichtig, oder wohl gar muthwillig dergleichen treiben würden, daß man sie dann dißfalls nicht dürffte ungestrafft hingehen lassen, wolte man anders seine Seele erretten. Findt sichs denn, daß nach geschehener Warnung dergleichen Uebertrettung zum Vorschein kommt, daß solche offenbahr, und der Schüler dennoch solches muthwillig leugnet, so wird die Straffe der Uebertrettung in zwey Theil getheilet, und die Lügen wird am ersten, und auch am härtsten gestrafft, es wird auch vor eine Lügen kein Bürge angenommen, vor die Uebertrettung nach dem sie ist, wird doch die Straffe durch Bürgschafft gemindert, oder ohne Bürgen auf Versprechen sich künftig in acht zu nehmen gar geschencket, auch werden nach geschehener Straffe, die gedrohete Straffen über solche Missethat in heiliger Schrifft wiederholet.

Daß Stehlen will sich auch frühzeitig bey etlichen Kindern offenbahren, und wann sie in solcher That ergriffen, so wollen sie sich auch gemeiniglich der Lügen bedienen, geben vor, dieses oder jenes habe es ihnen gegeben oder vertauschet, oder sie hättens gefunden: Und dieses wird offtmahls so verwirrt durch einander verdrehet, daß man genug zu thun findet solches wieder zu recht zu bringen. Als habe dieses zu verhüten solche Verordnung gestellt, daß kein Kind in der Schul, auch auf dem Weg oder zu Hauß, ohne Vorwissen mein, und ihrer Eltern etwas verschencken oder vertauschen soll, auch wann sie etwas in der Schul, oder auf dem Weg, oder wo es seyn mag finden würden, so solten sie es mir anzeigen: Dann was sie fünden, das gehöre ihnen noch nicht vor eigenthümlich zu, sondern dem, der es verlohren; wann sich aber niemand findet, nachdem es eine Zeit lang bekant gemacht worden sey, alsdann gehöret es dem, der es gefunden. Durch dieses Mittel habe es doch GOtt lob dahin gebracht, daß dißfalls wenig zu bestraffen vorkommt.

Die eigene Ehrsucht betreffend, so offenbaret sich solches auch bey den Kindern, sie ist aber doch nicht zu vergleichen in der Maaß, wie sie sich bey den erwachsenen und alten offenbahret, da öffters um eine blosse Ehrenstelle und Titul, viel Krieg und Blutvergiessen angerichtet wird, nicht nur unter hohen Standes Personen, sondern auch unter Menschen vom geringen Stand, es erhebet sich offt dißfalls grosser Streit, ja nur das eintzige Wörtlein Du, bringt offtmahls Streit, auch wohl gar Schläg darzu: Aber unter Kindern ist diesem Uebel viel leichter zu steuren: Findet sich ein Kind, welches die Oberstelle besitzen will, und seinen behörigen Ort verlässet, und sich mit Gewalt eindringen will das oberste zu seyn, ohne einiges Recht darzu weder im schreiben, lesen u. d. g. so wird es andern zur Warnung gantz unten an gesetzt, biß es durch seinen Fleiß wieder an den Ort kommt, den es verdienet; wann die Kinder dieses einmahl wissen, so ist der Sache schon geholffen. Wer will aber die Alten so weit herunter bringen wie die Kinder, wann sie sich nach Christi Lehr nicht selbst erniedrigen wollen? Matth. 20, v. 26. 27. c. 23, v. 12. Luc. 14, v. 11. c. 18, 14.

Mit der Kinder ihren Streithändeln ist es gleichfalls so, sie sind auch viel besser zur Vereinigung zu bringen als die Alten. Wann die Kinder unter einander in Unzufriedenheit kommen, es sey in der Schul oder auf dem Weg, und es wird untersucht, und befunden, daß in der Sach aus beyden Seiten gefehlet, und eines so wohl in Schuld sey als das andere, so wird ihnen ihre Uebettrettung auf beyden Seiten, und auch die deswegen verdiente Straffe vorgestellt und einem jeden die seine zuerkandt, so fern sie sich nicht wieder mit einander in der Güte vertragen. Hierauf wird ihnen angesagt: So fern sie nicht geneigt wären sich mit einander zu versöhnen, so solten sie sich sogleich von den andern Schülern absondern und solang neben einander auf der Straff-Banck sitzen, biß sie sich mit einander vertragen, wo nicht, so würde die dißfalls verdiente Straffe folgen. Aber es kommt selten darzu daß sie sich absondern, und auf die Straff-Banck kommen: Sie reichen lieber einander die Hand, und damit ist die Sach aufgehoben, und der Proceß hat ein End. Geschähe dieses so leicht unter den Alten, und wäre auch so bald vergeben und vergessen wie bey den Kindern, so würde

Durch processen der Beutel nicht leer
Dem Advocaten der Beutel nicht schwer.
     Das nagend Gewissen käm auch zur Ruh,
     Liebe und Fried käm auch dazu;
Es brachte nicht so viel gequäl
Vor Leib und Seel.

Es wird ferner an mich begehret, nach Inhalt seines Schreibens einen Bericht zu thun, nehmlich: Durch welche Mittel ich die Kinder vom Schwätzen ab, und zur Stille bringen kan.

Hierauf antworte: Daß solches denen Kindern die schwereste Lection ist, welche sie schwerlich aus freyem Willen lernen wollen. Es währet lang bis sie sprechen lernen, und wann sie es einmahl können, so wollen sie sich nicht leicht davon abhalten lassen. Weilen man aber unter den Kindern in der Schul nichts ordentliches erbauen noch zur Besserung pflantzen kan, es sey dann, daß das Reden seine Zeit, und auch das Schweigen seine Zeit haben muß, und aber solche Ordnung so schwer bey den Kindern fällt sich darein schicken zu lernen; und es scheinet, wir Alten hatten diese Lection selbst noch nicht recht fertig gelernet, daß reden und schweigen seine Zeit hat, die wir uns offt besser in acht nehmen solten in reden und schweigen; auch lässet sich das kleine Glied die Zunge so leicht nicht zähmen, man kan es auch nicht mit der Ruthen züchtigen wie die andern Glieder am Leibe; und die Missethaten die mit Worten geschehen, werden durch die Zunge verrichtet, nach Inhalt und innerlicher Beschaffenheit des Hertzens Matth. 12, v. 25. Ob nun wohl bey denen Kindern das reden und sprechen welches sie untereinander treiben, bey vielen nicht aus so bösem Vornehmen entstehet, so kan man doch nichts fruchtbarliches ausrichten, oder es muß wie gemeldt, reden und schweigen seine Zeit haben. Um sie nun darzu zu bringen, habe schon gar viel Mittel und Wege an ihnen probieret, welche zwar eine Zeit lang gut gethan, wann es aber zur Gewohnheit worden, so habe wieder etwas anders ins Werck gerichtet sie dadurch in Stille zu bringen: Meine Ordnung und Weise womit ich sie bißher zur Stille gebracht, ist diese:

Erstlich, wann ihnen ihre Lection aufgegeben ist, so lernen sie dieselbe nach hiesigem, wie auch nach Engellands Brauch und Gewohnheit mit lauter Stimme, um sie dann sämtlich am lernen zu halten, gehe ich in der Schule hin und her, biß ich dencke sie haben Zeit genug gehabt ihre Lection zu lernen: Alsdann thue ich einen Streich mit der Ruthe an die Noten blanck oder Tafel, so ists mit einmahl still, dann fangt der erste an aufzusagen: Alsdann muß einer als Wächter (welcher dazu verordnet wird) auf eine Banck oder sonst erhabenen Ort stehen in der Schul, daß er sie alle übersehen kan, dieser muß alle mit Vor- und Zunamen anzeigen, und nachdem er sie angezeigt, auch aufschreiben die da plaudern oder laut lernen, oder sonst etwas treiben das verbotten ist. Weilen aber befunden, daß, wann man sie nach der Reyhe zu Wächtern brauchen will einige nach Gunst oder Ungunst anzeigen, als werden diejenigen abgestelt die hierinnen untreu erfunden worden, und kommen auch künfftig nicht mehr an diese Stelle, es sey dann, daß sie sich selbst anmelden und versprechen künfftig treue Aufsicht zu haben, desgleichen, wann einer wegen Lügen auf die Strafbanck komt, so wird solcher auch nicht zum Wächter gestellt, es wäre dan daß er sich eine geraume Zeit wohl verhalten, daß man dergleichen nichts an ihm gespühret: Wann dann die Schul mit einem treuen Wächter bestellt ist, so wird es still, daß man sie kan Aufsagen lassen, auch sonst etwas erbauliches mit ihnen vornehmen, nach verrichtetem Aufsagen stehet es so, will man es darbey lassen so vergißt mans, wann aber solches etlichemahl geschehen, und verspührt wird, daß sie es gering achten, so müssen diejenigen so der Wächter angezeigt heraus tretten und nach der Reyhe auf die Straff-Banck sitzen, dann wird ihnen die Wahl gegeben, ob sie lieber eines nach dem andern das Joch am Hals tragen, oder lieber Handstreich haben wollen, aber sie erwählen selten das Joch, sondern strecken gemeiniglich die Hand aus nach der Ruthe.

Dieses ist auf sein Begehren die Nachricht wie ich sie vom schwätzen zur Stille bringen kan, es hat aber bey mir die Meynung gantz und gar nicht, daß ich hiermit jemand anders eine Regul vorschreiben wolte, wornach er sich reguliren solte: Ach nein! es mag dißfalls ein Jeder in seiner Haußhaltung thun, und dieselbige führen, wie er es am besten vor GOtt und Menschen zu verantworten gedencket. Solte mir aber meine bißher geführte Schul-Uebung die ich hier auf Begehren, und nicht aus eigenem Triebe beschrieben habe, darinnen vor unregelmäßig angenommen werden, weilen sie in verschiedenen Dingen gegen die gewöhnliche Ubung in Teutschland und andern Orten ist, denen gebe so viel zur Nachricht: Daß es in hiesiger Provintz unter den freyen Einwohnern in Pennsylvanien, auch gleichfalls in verschiedenen Dingen unterschieden ist, was die Schul betrifft: Dann welchem der Schuldienst durch die hohe Obrigkeit bestättiget ist in Teutschland, und ihm der Schulstuhl vestgesetzet, den kan der gemeine Mann nicht leicht versetzen, daher es auch nicht so leicht mit ihnen in Gefahr stehet vor Menschen, wann sie schon etwas zu scharff gehen mit der Jugend. Jedoch bekenne frey, ob ich schon auf gemeldte hohe Verordnung bestättiget wäre, so wäre es doch in Wahrheit in solcher Beschaffenheit damit, daß, ob man wohl die Macht von GOtt und hoher Obrigkeit hätte die Schärffe zu gebrauchen, so ist sie doch nur zur Besserung gegeben, und nicht zum Verderben. Nun bringet es die Erfahrung beym Schulhalten, daß ein Kind welches blöde ist, solches, wann es mit Schärffe, es sey in Worten oder mit scharffer Zucht-Ruthen bestrafft worden, daß dasselbige Kind dadurch mehr solte verdorben als gebessert werden; soll nun etwas an solchem Kind verbessert werden so muß es durch andere Mittel geschehen. Desgleichen, ein Kind das dumm ist, wird durchs schlagen mehr verdorben als gebessert. Ein Kind, das zu Hauß zu viel mit Schlägen tractirt wird und derselben gewohnt ist, solches wird in der Schul nicht mit Schlägen zu recht gebracht, sondern noch mehr verdorben. Soll nun solchen Kindern etwas zur Besserung gereichen, so muß es durch andere Mittel geschehen.

Was hartnäckige Kinder sind, die das Böse zu treiben keinen Scheu tragen, solche müssen mit scharffer Zucht-Ruthen heimgesucht, und darneben auch mit ernster Ermahnung aus GOttes Wort angesprochen werden, ob man dadurch etwa das Hertz treffen möchte. Aber die blöden und dummen im lernen, müssen durch andere Mittel gebessert werden, wodurch selbige so viel möglich freymüthiger gemacht, und sie die Lust selbsten zum lernen antreibt. Wann es dann mit den Kindern so weit kommt, dann fällt es den Kindern und dem Schulmeister nicht mehr schwer, dann wann alle diejenigen, die mit mir in solchem Beruff stehen recht erwägen, wie theuer solche junge Seelen in den Augen GOttes sind, und daß wir auch deßwegen von unserem Haußhalten werden Rechnung thun müssen, sage solche: ob sie wohl die Macht haben zu straffen, so werden sie doch mit mir viel lieber dahin arbeiten, daß es mit der Jugend in den Zustand kommen möchte, daß sie dasjenige aus freywilliger Liebe thun, worzu man sie sonsten mir der Ruthen antreiben muß, dann das Wort Du solt und must, und das Wort Ich folg mit Lust, führet nicht einerley Thon, auf den letzten Klang braucht der Schulmeister keine Ruthe, und ist lieblicher zu hören und leichter zu verantworten. Ps. 110, v. 3. stehets also: Nach deinem Sieg wird dir dein Volck williglich opffern im heiligen Schmuck. Was nun in leiblichen und geistlichen Verrichtungen willig geschicht, dazu hat man keinen Zwang noch Treiber nöthig. Ferner stehet Ps. 32, v, 8. 9. also; Ich will dich unterweisen, und dir den Weg zeigen, den du wandeln solt: Ich will dich mit meinen Augen leiten. Seyd nicht wie Roß und Mäuler, die nicht verständig sind: Welchen man Zaum und Gebiß muß ins Maul legen, wann sie nicht zu dir wollen. Hier ist abermahl zu ersehen, daß diejenigen die sich unterweisen, und mit den Augen leiten lassen, die haben solchen Zaum und Gebiß nicht nöthig. Man siehet solchen Unterscheid an den unvernünfftigen Thieren: Der eine Fuhrmann braucht nicht das halbe harte zuruffen, geisseln und schlagen an seinen Pferden, als ein anderer thut, und führet doch eben so schwer, ja zuweilen schwerer über Berg und Thal, so wohl als der andere: Und nach verrichteter Arbeit, habens die willigen Pferde und auch der Fuhrmann am leichtesten gehabt; die Pferde haben die Schläge am wenigsten gefühlet, und der Fuhrmann hats nicht nöthig gehabt sie mit strenger Strasse zu tractieren, sie haben willig gethan, was andere durch die Schärffe haben thun müssen.

Was nun ferner von mir begehret wird an den Freund zu berichten, nehmlich: Wie ich die Kinder in Liebe tractiere, daß sie mich lieb haben, und auch fürchten.

Hierauf antworte so viel: Daß ich mir was dieser Punckten in sich hält, sage, daß ich mir dißfals im geringsten nichts zu eignen kan: Ich halte es vor eine gantz unverdiente Gnade von GOtt, so hierinnen etwas fruchtbarliches zwischen mir und der Jugend (es sey im lernen, und auch in einigen Uebungen zur Gottseligkeit) ausgeübet wird. Erstlich habe ich es dem lieben Gott hertzlich zu dancken, daß nachdem ich zu solchem Beruff von ihm verordnet bin worden, er mir auch die Gnade mitgetheilet hat, daß ich eine sonderliche Liebe zu der Jugend habe; dann wäre diese Liebe nicht, so wäre es eine unerträgliche Last unter solcher Jugend, aber die Liebe trägt, und wird nicht müde. Hätte eine natürliche Mutter keine Liebe zu ihren Kindern, das Kinder ziehen, was eine Mutter von der Geburt an, durch allerhand Zufälle an ihrem Kind ausüben muß, solte eine unerträgliche Last seyn, aber die Liebe, welche sie zu ihren Kindern träget, machet diese Last leicht, wann der Apostel Paulus seine Liebe gegen die Gemeine zu Thessalonich recht an Tag geben will, so drückt ers mit folgenden Worten aus, 1 Thess. 2, v. 1. bis zu Ende des 13ten Verses. Im 7. und 8ten Vers vergleicht er seine Liebe einer Mutterliebe, wann er spricht: Gleichwie eine Amme ihrer Kinder pfleget, also hatten wir Hertzens Lust an euch, und waren willig euch mitzutheilem nicht allein das Evangelium GOttes, sondern auch unser Leben; darum, daß wir euch lieb haben gewonnen. Mein werther Freund. Diese Worte des Apostels drücken eine solche Liebe aus, die nicht nur willig war das Evangelium, sondern auch das Leben mitzutheilen: Aber ist es wohl bey allen Predigern in der sogenanten Christenheit, von der Apostel, biß auf diese Zeiten, so in des Apostels Geist in hertzlicher Liebe, und in solchem Stande geblieben? Es haben ja alle an den vorgemeldten Worten des Apostels ein fürtreftlich Vorbild gehabt: Ja er ruffet uns allen zu, und spricht: Folget mir, lieben Brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Philip. 3, v. 17. Wie es aber zu der Apostel Zeit gestanden, und wie es auf gegenwärtige Zeit in der so genanten Christenheit stehet, können die am besten einsehen, denen die Augen des Geistes eröffnet sind. Ich will es dabey lassen, und meinen Sinn dem Freund auf sein Begehren hiermit an Tag geben, ich zweifle nicht, der Freund hat gute Absichten der Jugend zum Besten. Gesetzt nun, es wäre eine natürliche Mutter, die gleichfalls solche Absichten, wegen ihrer geführten Liebes-Zucht mit ihren Kindern hätte, so, daß sie solches gerne schrifftlich verfassen wolte, wie sie ihre Kinder erzogen, darmit nach ihrem Absterben die Waage in gleichem Ausschlag bleiben möchte: Die Kinder aber bekämen nach ihrer Mutter absterben eine andere Mutter, die würde gar leicht zu den Kindern sagen: Eure vorige Mutter hat euch nach ihrem Sinn gezogen, ich aber, werde euch nach meinem Sinn ziehen und regieren. Und dann könte das wenig helften, was die vorige Mutter aus lauter Liebe zu der Kinder ihrem Besten ins Werck gerichtet: Jedoch die Mutter hat das ihre gethan, gleich wie der Apostel das seine, mit den Worten: Folget mir, lieben Brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Die nun nach Inhalt gemeldten 17ten v. nicht folgen wollen, sondern lieber dem Gegentheil folgen, wie der 18. und 19. v. anzeiget; welches der Apostel schon dazumahl mit weinen sagte, solche folgen ihrem Sinn. Jedoch hatte der Apostel das seine gethan, und seine Seele errettet.

Ich habe wie gemeldt, dem Freund auf sein Begehren, nemlich: Wie ich die Kinder mit Liebe tractiere, daß sie mich lieb haben und auch fürchten, zu erkennen gegeben; daß ich mir selbst dißfalls nichts zueignen kan. Die Liebe ist eine göttliche Würckung, nachdem man sie begehrt, und von Hertzen darnach strebet, kan man derselben durch GOttes Gnade theilhafftig werden, nachdem man sie bewahrt und gebraucht, kan sie vermindert oder vermehret werden. Jedoch kan man wohl so viel Nachricht geben: Durch welche Eigenschafften man förderlich oder hinderlich, Vortheil oder Verlust haben kan, an der Liebe. Die göttlichen Fußstapffen, wann man der rechten Liebe nach spühren will, die bezeugens, daß seine Liebe allgemein sey, und sich an alle Geschöpffe mittheilet, er lässet seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, und lässet regnen über Gerechte und Ungerechte: So fern nun der Mensch der Liebe GOttes will theilhafttig werden, und darinnen wachsen und zunehmen, so muß er solchen Fußstapffen nachfolgen; die werden ihn in der Liebe leiten und führen, von einer Liebe zur und in die andere, durch Betrachtung der Geschöpffe, und Erhaltung derselben.

Das grosse Werck der Liebe in Erlösung des menschlichen Geschlechts, ist auch ins allgemeine geschehen, wäre es auch ins allgemeine von uns Menschenkindern angenommen, geglaubet, und in der Liebe denen Fußstapffen Christi nachgewandelt, so würden wir auch durch die Liebe Christi vest gegründet werden, daß wir auch mit allen Heiligen begreiffen könten: Welches da sey die Breite, und die Länge, die Tieffe und die Höhe, solcher unendlichen Liebe, und würden auch erkennen und erfahren, daß Christum lieb haben besser sey, denn alles wissen. Cristi Fußstapffen zu folgen, sind alle Christen beruffen, und solchem zu folgen in der Liebe, hat er uns ein Vorbild gelassen. 1 Pet. 2, v. 21. Joh. 13, v. 13. 14. 15. 16. 17. und anderer Orten mehr.

So wir nun im Gegentheil uns zu dem allen bekennen, folgen aber denen Fußstapffen der Welt, in Augen-Lust, Fleisches-Lust und höffärtigen Leben, so werden wir wenig Wachsthum in der Liebe GOttes zu hoffen haben, es sey wer es wolle, er sey auch von aussen betitult wie er wolle, und wann er auch den Allerchristlichsten Titul vor der Welt hätte. Dann so jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. 1 Joh. 2, v. 15.

Diese Welt-Liebe ist nicht rein,
Sie führt auch nicht ins Allgemein,
     Sie führet nur ins Mein, und Dein.
     So lang das Mein, und Dein geehrt,
So lang bleibt diese Lieb bewährt.
Kommts Eigen-Lieb, und Ehr zu nah,
     So ist gleich Krieg, und Aufruhr da.

Der natürliche Liebesfuncken, welchen GOtt nach dem Fall nicht gantz erlöschen laßen, sondern sich in vernünfftigen, und unvernünfftigen Creaturen, nach ihrer Natur und Eigenschafft sehen und spühren läst, solcher wird auch durch die unordentliche Welt-Liebe, in vielen Dingen geschwächt und unterdrückt. Ich will nur anführen, die natürliche Liebe unter natürlichen Menschen: Die durch diesen Liebesfuncken in ihren Hertzen entzündet werden, sich ehelich mit einander zu verbinden, solche, so lange dieser natürliche Liebesfuncken zwischen beyden Eheleuten die Oberhand behält, so wird solche Liebe nicht vermindert, sondern vermehret, so, daß sie in solchem Band je länger je mehr an einander verbunden, mit einander leben, Kinder zeugen, und sie auch mit einander ernähren; dann dieses ist ihnen in dieser natürlichen Liebe eingepflantzet, auch unter Heyden, und dergleichen Natzionen. Dann ohne dieses, könte sich das menschliche Geschlecht nicht in Ordnung vermehren. Es ist auch den unvernünfftigen Creaturen eine natürliche Liebe eingepflantzet, ihre Jungen zu ernähren. Christen haben nicht nur das natürliche Füncklein, ihre Kinder zu erziehen, sondern sie auch nach GOttes Willen in der Zucht und Vermahnung zum HErrn zu erziehen, nach Anweisung GOttes ernstlichen Befehls, alten und neuen Testaments, und wo solche Kinder Zucht, aus hertzlicher Liebe bey Eltern und Schulmeistern, nach Christlicher Pflicht um die Ehre GOttes, und das gemeine Beste, an der Jugend zu befördern ins Werck gerichtet wird, so wird es auch nicht ohne Segen bleiben. Dann Liebe, Zucht und Vermahnung zum HErrn, ist zusammen eine dreyfache Schnur, welche nicht leicht zerreisset. Hat bey Eltern und Schulmeistern eine aufrichtige Vaterliebe den Vorgang zu den Kindern, so ist zu hoffen, daß solches wieder bey den Kindern eine aufrichtige kindliche Liebe gebähren möge: Komt solche Liebe bey den Kindern zum Vorschein, so ist zu hoffen, daß, wann solcher Saame nicht erstickt wird, sondern im Wachsthum bleibet, daß endlich eine gesegnete Erndte erfolgen werde. Will aber die Freyheit diese Liebe überwältigen, und mit wild Feuer anstecken und entzünden, so muß wie gemeldt, Liebe, Zucht und Vermahnung zum HErrn zusammen geflochten, und zu einer stetigen Geissel oder Liebes-Ruthen gebraucht werden, so ist zu hoffen, daß hieraus Liebe, Furcht und Gehorsam entstehen werde; aber alles durch GOttes gnädigen Seegen, Hülffe und Beystand, dann er muß darum ersucht werden, daß er zum pflantzen und begiessen, Gedeyen geben wolle.

An GOttes Gnad, und milden Seegen,
Ist alles gantz und gar gelegen:
Und ohne seine Hülff und Gunst,
Ist aller Menschen thun umsonst.

Der Seelen-Mörder suchet allezeit die wahre aufrichtige Liebe zu bestreiten mit seiner falschen Delila, der Welt-Liebe, die mit ihrer Lustbegierde zum Guten erstorben, so, daß sie auch den natürlichen Liebes-Funcken der nach dem Fall noch übrig geblieben, suchet auszulöschen, und auch schon bey vielen ausgelöschet hat, woraus, und wodurch dann alles ungöttliche Wesen folget, wodurch der Zorn GOttes, auf den Tag des Zorns gehäuffet worden und noch wird; als zusehen ist an der ersten Welt: wie auch an Sodom und Gomorra, an Dathan und Abiram, wie auch an der Zerstörung Jerusalem, und andern Orten mehr. Was vor Wercke der Finsterniß schon vor langen Zeiten ausgewircket wircket worden, davon zeuget die heilige Schrifft an vielen Orten: Ich will der kürtze nach nur anführen, Röm. 1, v. 18. bis zu Ende. Item 2 Pet. 2, v. 4. 5. 6. Judä v. 7. Und was vor dergleichen Wercke zu unseren Zeiten noch täglich ausgeübet werden, solches lehret uns leider! die tägliche Erfahrung.

Wann man eines Christen Stand und Pflicht, auf die rechte Waagschale leget, auch in den ehelichen Pflichten, so findet sich dieser Ausschlag richtig, die Liebe muß in allen Dingen den Ausschlag geben, und wo diese mangelt, da wird auch viel an der Zucht, an guter Ordnung und Vermahnung zum HErrn, in der Kinderzucht bey Eltern und Schulmeistern ermanglen. Es hat seine Richtigkeit in heiliger Schrifft, daß der Mann des Weibes Haupt sey. Es ist aber auch dieses auf des Mannes Seiten wohl in acht zu nehmen, was der Apostel Paulus denen Christlichen Ehemännern wissend macht, wenn er spricht: 1 Cor. 11, v. 3. Ich lasse euch aber wissen, lieben Brüder, daß Christus ist eines jeglichen Mannes Haupt; der Mann aber ist des Weibes Haupt. Nun ist gar nicht zu zweiffeln, wann der Mann mit Lehr und Leben Christo seinem Haupt folget, und das Weib dem Mann, die Kinder ihren Eltern und Schulmeistern unterthänig folgen und gehorsam sind; so wird die aufrichtige Liebe, den Ausschlag am Gewicht Christlicher Pflicht reichlich darlegen. Und alsdann hat man dennoch bey diesem allen nichts mehr gethan, als was man zu thun schuldig, und die Seligkeit ist, und bleibet dennoch ein unverdientes Gnadengeschenck. Jedoch weil alle Christliche Pflichten Staffeln sind, worauf auch wir, von Staffel zu Staffel, unsere Tritte und Schritte setzen müssen. Wollen wir dieser Gnade theilhafftig werden, so hat uns der HERR JEsus auch dißfalls verschiedene Lehre und Warnung hinterlassen. Ob nun wohl kein Mensch dem andern GOttes Gnade absagen kan, weilen der eine so wohl als der andere ohne GOttes Gnade nicht leben kan: So findet sich doch in der Lehre Christi dieser ausdrückliche Unterscheid; zwischen dem thörichten Mann, und thörichten Jungfrauen; und zwischen dem klugen Mann, und klugen Jungfrauen; zwischen dem treuen und untreuen Knecht; sage zwischen diesen beyden, findet sich ungleiche Arbeit, und auch ungleiche Belohnung der Gnade und Ungnade. So ist es ja demnach weit besser, daß man sich hier in Zeit der Gnaden auf den Weg begibt, auf welchem GOtt seine Gnade verheissen und zugesagt, als daß man es darauf ankommen lasse, auf GOttes Gnade zu sündigen, und in der Sünde zu beharren, auf daß die Gnade desto mächtiger werde, besiehe Röm. 6, v. 1. 2. Ist nun wie gemeldt eines Christen Stand also beschaffen, wie ich auch bekenne, und glaube, daß Christus ist das Haupt seiner Gemeine, und also auch eines jeglichen Mannes Haupt, so findet sich solches ja von selbsten, daß es des Mannes schuldige Pflicht sey, daß er dasjenige, was ihn sein Haupt, HErr, und Meister selbsten lehret, er auch das Weib solches lehre, worüber er zum Haupt gestellet ist; und so dann beyde Christliche Eheleute ihrer Kinder Heyl und Seligkeit von Hertzen suchen, so werden sie auch alle Gebotte, die ihnen der HErr gebietet zu Hertzen nehmen, und sie ihren Kindern einschärffen, nach GOttes Befehl so uns schrifftlich hinterlassen, 1 B. Mos. 18, v. 19. 5 Mos 6, v. 6. 7. Ps. 78, v. 1. 2. 3. 4. Eph. 6, v. 4. Coloss. 3, v. 21. und andern Orten mehr.

Was nun der Eltern ihre Pflicht ihrer Kinder wegen in sich hält: Eben dasjenige wird auch von einem Schulmeister erfordert, deme solche Jugend übergeben und anvertrauet ist. Und ob man wohl so viel als zum Haupt gestellet wird uber solche Jugend, so ist auch dißfals Christus unser Haupt, nach dessen Befehl wir unsere Haußhaltung mit der Jugend regieren und führen sollen. Hat nun der HErr JEsus dazumahl, als er zu uns auf diese Welt gekommen, zu suchen und selig zu machen, was veilohren war, die Kinder so sonderlich auß Liebe zu sich geruffen, sie gesegnet und aus Liebe gehertzet, und ihnen das Himmelreich verheissen: als zu sehen Marc. 9, v. 36. 37. So kan es uns nicht wohl ablauffen, wann wir tyrannisch mit ihnen umgehen; wiewohl sie müssen in der Zucht und Vermahnung zum HErrn erzogen werden. Erwägen wir ferner mit Ernst und Andacht, wie der Herr JEsus dazumahl seine Jünger gelehret, welches uns allen, die wir uns Christen nennen, zur Lehre schrifftlich hinterlassen worden, als im Evangelio S. Matth. 18 Cap: vom 1ten bis 6. v. folgender massen zu lesen: Zu derselbigen Stunde traten die Jünger zu JEsu, und sprachen: Wer ist doch der grösseste im Himmelreich? JEsus rieff ein Kind zu sich, und stellete es mitten unter sie, und sprach: Warlich, ich sage euch: Es sey dann, daß ihr umkehret, und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich nun selbst erniedriget, wie diß Kind, der ist der grösseste im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget würde, und ersäuffet würde im Meer, da es am tieftsten ist. Aus angeführten Worten des HErrn JEsu, haben wir alle genug zu erlernen: So fern wir wollen ins Himmelreich kommen, und ewig glückselig seyn, dürffen wir uns nicht einbilden daß dieses der Weg darzu sey, wann wir die Kinder feindselig ansehen, oder wohl gar darum schelten und bestraffen, wann sie uns in Worten und Gebärden nicht Ehre genug geben, noch Complimenten genug machen können. Ach nein! diß ist der Weg nicht zum Himmelreich. Wann wir aber von solcher eigenen Ehrsucht umkehren, nach Christi Lehr, und werden so niedrig wie die Kinder; das befördert nicht nur zum Reich GOttes, sondern, es bringet auch eine kindliche Gemeinschafft; welches alles viel mehr Nutzen schaffen kan, als alle das hochhalten von sich selbst: Dann wer sich hier selbst erhöhet, der wird erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden.

Es wären hierüber noch sehr viele Eigenschafften anzuführen, die theils nützlich und beförderlich waren Liebe zu pflantzen, wodurch die Ehre GOttes vermehret, und das gemeine Beste befördert werden könte: Auch wären viele dergleichen Eigenschaften beyzufügen, welche gerade das Gegentheil pflantzen, dadurch die Ehre GOttes vermindert, und die verdorbene eigene Ehre vermehret wird, zum Schaden und Nachtheil des gemeinen Besten: Ich will es aber wegen diesem Punckten dabey bewenden, und anderen zu fernerer Prüfung überlassen.

Nun folgen noch etliche nützliche Schul-Uebungen, welche nicht mir, sondern dem einigen GOTT und seinem Wort zu Ehren/ nach schuldiger Pflicht mir, und meiner anvertrauten Jugend/ in Lehr und Uebung zu bringen mich verpflichtet finde.

Erstlich dienet zur Nachricht, daß in währender Zeit ich hier im Lande Schul gehalten, ich Kinder von verschiedenen Religions Meynung und Uebung zur Schul bekommen, so, daß ich sie nicht in einerley Form des Catechismi unterrichten können, auch ist mir solches nicht mit eingebunden worden, sondern wann sie im lesen, schreiben und dergleichen Schul-Uebungen wohl bewährt, währt, so haben die Eltern zu Haus die Kinder den Catechismus selbsten gelehrt; mir ist auch im Gesang, wegen Lieder und Psalmen zu singen Freyheit gelassen worden: Also habe ich dann auch Lieder und Psalmen mit ihnen gesungen, weilen von beyden theilen, als nehmlich, von geistreichen Liedern und Psalmen, der H. Geist der Werckmeister.

Neben dieser Uebung habe gearbeitet, um es dahin zu bringen, daß ihnen das neue Testament, mit Capitel suchen und aufschlagen recht bekant werden möge, welches auch wohl bey ihnen von statten gegangen, so, daß wann man zur Lehre und Ermahnung einen Spruch anfuhren will, sie von selbsten, ohne Anweisung gemeldten Spruch aufschlagen und lesen.

Als ihnen nun diese Thür eröffnet, so habe getrachtet sie dahin zu bringen, das sie die Blümlein in diesem edlen Paradies Garten H. Schrifft, nicht nur wegen ihrer Schönheit, sondern auch wegen ihres lieblichen Geruchs reichlich sammlen möchten, wozu ich ihnen, so viel nach meinem geringen Vermögen behülfflich seyn können, Anweisung gegeben, welche einen Geruch des Lebens zum Leben in sich haben, wenn man sie so gebrauchet, wie sie geoffenbahret sind, nach ihrer Krafft und Würckung. Auch hingegen, welche einen Geruch des Todes zum Tode, in sich haben, daß sie von beyden Eigenschafften eine Erkäntniß aus H. Schrift haben, und sehen möchten. Dann gleichwie die Wahrheit das Leben in sich hat, und ein Geruch des Lebens zum Leben ist, wann man der Wahrheit folget; also im Gegentheil, hat die Lügen den Tod in sich, und ist ein Geruch des Todes zum Tode, und führet zum Tod wann man der Lügen folget: Dann der Lügner Theil und Lohn ist der feurige Pfuhl, welches ist der andere Tod. Offenb. 21, v. 8. Die Wahrheit aber, wer ihr folget, machet hiervon frey, besiehe hierüber im Evang. Joh. Cap. 8, v. 31. 32. 33. 34. 35.

Wie nun gemeldte Eigenschafften einander zuwider sind, so, daß die eine das Leben mit sich, und zum Leben führet, und die andere den Tod in sich hat, und zum Tode führet, also verhält es sich auch zwischen der Liebe, und ihren Eigenschafften; solche ist gleichfalls ein Geruch des Lebens, zum Leben, wer ihr folget: Aber Haß, Neid und Feindschafft, haben einen Geruch des Todes zum Tode in sich, und führen zum Tode und Verderben wer ihnen folget; dann sie sind das Gegentheil, und der Liebe zuwider.

Also ist es auch mit Glauben und Unglauben, ferner zwischen Barmhertzigkeit und Unbarmhertzigkeit, zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, zwischen Keuschheit und Unkeuschheit, zwischen Demuth und Hochmuth. Summa: Alle göttliche Eigenschafften haben das Leben in sich, und führen auch einen Geruch zum ewigen Leben mit sich, wer sich durch ihre Krafft und Würckung will bearbeiten und regieren lassen, der kommt dadurch zur Wiedergeburt, und aus dem Tod ins Leben. Hingegen alles ungöttliche Wesen nebst deren Eigenschaften, geben einen Geruch des Todes von sich, einen tödtlichen Geruch des Todes zum Tode und Verdammniß, wer ihnen biß in den Tod folget.

Als ihnen nun dieses auch zum Theil eröffnet: So haben sie Sprüche von dieser oder jener Eigenschafft, so, wie es an sie begehret wird aufsuchen müssen: Welcher dann den ersten Spruch von solcher Eigenschafft hat, so an sie gefordert worden, der trit heraus und strecket die Hand aus, und wie sie Sprüche von solcher Eigenschaft finden, so treten sie eines nach dem andern hervor, und stellen sich in eine Reyhe, eines hinter das andere, die Knaben besonders, und die Mägdlein besonders: Dieses continuiret bis sie alle Sprüche haben. Alsdann liefet der erste seinen Spruch: Findet sichs aber, daß jemand in der Reyhe ist, der den Spruch auch hätte, der gelesen ist, so tritt es aus der Reyhe und suchet sich einen andern, und tritt alsdann wieder zu unterst in die Reyhe. Dieses geschiehet darum, daß die edlen Honigblumen alle besucht werden: Auch findet es sich von selbsten, daß je mehr Sprüche von solcher Eigenschafft so an sie begehrt worden vorkommen, je mehr die Wahrheit desjenigen deutlicher an Tag kommt, so, daß ein Spruch den andern nicht nur befestiget, sondern auch erklähret und ausleget. Nach geschehenem lesen der Sprüche werden etliche Fragen an sie gestellt, welche dieselbe von selbsten erklären; dann werden sie wieder auf gemeldte Sprüche zurück gewiesen, und nochmahls wiederholet; da dann insgemein verschiedene Anmerckungen vorkommen, und auß angeführten Sprüchen klar vor Augen liegen, theils zur Lehre, theils zum Trost und Stärckung des Glaubens, theils zur Straffe und Warnung.

Ferner wann sie wohl geübt im suchen, so läßt man es zuweilen bey ihnen auf die Probe kommen, und erinnert sie: Daß das äusserliche Suchen an sich selbst nicht verwerflich sey, jedoch solten sie solches auch auf eine andere Gestalt probieren, sie solten nun gantz stille sitzen und auf ihre Gedancken Achtung geben, und alle eitle Gedancken fahren lassen; aber den ersten Spruch der ihnen ins Gemüthe käme, den solten sie aufsuchen und lesen. Bey dieser Uebung habe ich mich offtmahls sonderlich verwundern müssen, wie sich GOtt, aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge ein Lob zugerichtet hat, um den Feind und den Rachgierigen zu vertilgen.

Nachdem es nun GOttes ernstlicher Befehl ist, daß man den Kindern die Gebotte, die er uns gebotten, auch einschärffen, und dieselben in der Zucht und Vermahnung zum HErrn erziehen soll, so finden sich in H. Schrift so viel schöne und herrliche Zeugnisse von dem einigen GOtt, und dessen göttlichen Eigenschafften, wie sich GOtt durch seine Allmacht und durch die Schöpffung aller Dinge geoffenbahret, auch wie er alle Dinge durch das Wort seiner Krafft und durch den Geist seines Mundes, durch seine unerforschliche Allmacht und Weisheit erschaffen und gemacht hat. Die H. Schrift gibt ferner Zeugniß, wie durch des Teufels Neid der Tod, und das zeitliche und ewige Verderben in die Welt kommen, und wie das menschliche Geschlecht, durch des Satans List, in Sünde und Uebertretung gefallen, und daß durch diese Uebertretung, die Sünde in die Welt kommen, und durch die Sünde der Tod; und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gesündiget hatten.

Die heilige Schrift unterweiset uns ferner, daß GOtt nach feiner grossen Barmhertzigkeit, dem gefallenen menschlichen Geschlecht die Verheissung gethan, daß des Weibes-Saamen der Schlangen den Kopf zertreten solle, damit sie wieder aus dem Fluch und Verdammniß solten erlöset werden, durch eine ewige Erlösung. Von diesem allen findet man in H. Schrift viel tröstliche Verheissungem so zu den Vätern geschehen beschrieben, welche von Zeit zu Zeit, durch Mosen und die Propheten, theils durch Figuren und Vorbilder, theils durch Gesichte und Weissagung bestättiget worden; wovon in heiliger Schrift alten Testaments sehr viele Zeugnisse vorhanden. Ferner, wie solche Verheissung durch Christum, als den verheissenen Weibes-Saamen zur erfüllten Zeit, durch Wüirckung des H. Geistes, dieses, nach menschlicher Vernunfft unbegreiffliche göttliche Geheimniß-Werck der Erlösung, durch CHristi Geburt, Lehr und Leben, Leiden, Sterben, Auferstehung und Himmelfahrt ins Werck gerichtet, und vollbracht worden ist; von diesem allen gibt uns die heilige Schrift neuen Testaments gründlichen Bericht: Auch findet sich darinnen ausführliche Nachricht, wie man solcher Erlösung theilhaftig werden kan. Auch wie ein Christ seinen Beruf, wozu er beruffen ist, durch Uebung der Gottseligkeit in Christlichen Tugenden, von Staffel zu Staffel, seine Tritte und Schritte setzen muß, zum täglichen Wachsthum und Zunehmen in Lehr und Leben, nach dem Ebenbilde dessen, der ihn geschaffen und erlöset hat. Ich sage: Von diesem allen, lehret und unterweiset uns die Lehre Christi und seiner Apostel ausführlich im neuen Testament.

Nun solte von jeglicher Uebung insbesondere, nach obigem Inhalt schrifftlich aufgesetzt werden: wie es bey der Jugend zur Lehr und Ermahnung gebräuchlich, daß sie Sprüche von dieser oder jener Eigenschaft, wie es an sie begehrt wird aufsuchen, und nachdem ein jeder seinen Spruch gelesen, werden auch Fragen an sie gethan, und jede Frage wird mit einem Spruch beantwortet, da dann ein Spruch den andern theils befestiget, theils erkläret und ausleget. Sage, von solchem allen schrifftlichen Bericht zu ertheilen, wie es an mich begehret worden, solte eine grosse Weitläuffigkeit in sich begreiffen: Weilen aber die H. Schrift alles in ich hat und heilt, so wird es alda zu suchen und auch zu finden seyn; und weilen in Christo JEsu alle Schätze der Weisheit und der Erkäntniß verborgen liegen, wovon uns die H. Schrift gewissen Bericht gibt; so weise ich mich, und andere Menschen dahin zu suchen, in der Hoffnung, so wir von gantzem Hertzen suchen, daß wir auch finden werden. Jerem. 29, v. 13. Matth. 7. v. 7. Die Welt suchet ja mit Ernst und Begierde nach Ehr und Gut, nach Gold, Silber, Edelgesteinen und dergleichen Schätzen, die bey der Welt in grossen Würden und Werth gehalten werden, welche doch vergänglich, und gegen die unvergängliche Schätze, die uns GOtt in seinem Wort anerbietet, gar nicht zu vergleichen sind. Wie nun das suchen ist, so wird auch das finden seyn. Suchet man die Welt in Augen-Lust, Fleisches Lust und hoffärtigem Leben, man wird sie so finden, man wird auch mit an der Welt Theil nehmen, und endlich auch mit der Welt Theil und Lohn davor finden. Wer aber GOtt und das ewige Leben suchet, und Christi Fußstapffen getreulich nachfolget, der wird auch finden und nicht vergeblich suchen; sein suchen wird ihm nicht ungefunden, auch nicht unbelohnet bleiben. Joh. 12, v. 26. c. 14, v. 3. c. 17, v. 24.

Die Weitläuffigkeit zu vermeiden berichte wie schon gemeldt: Daß ich viele nutzliche und erbauliche Uebungen und Anweisung zur Gottseligkeit nicht umständlich beschreiben kan: Von Glaube, Liebe, Hoffnung, Gedult. Summa, alle Uebungen der Tugend, die in H. Schrift zur Gottseligkeit anweisen, wie solche nutz zur Lehre, zur Straffe, u. d. g. hinterlassen, und aufgezeichnet stehen: Sage solche, wie sie von jedem insbesondere, auf gewisse Zeit, mit der Jugend vorgenommen werden sollen, von alle dem allhier außführlichen Bericht zu thun, solte zu lang fallen.

Jedoch, weilen der wahre seligmachende Glaube alles ergreiffen muß, was zum Leben und göttlichen Wandel dienet, und ja nichts gültigers bey und in JEsu Christo ist, als der Glaube der durch Liebe thätig sich beweiset, der wahre Glaube an den HErrn JEsum, dem ist von dem HErrn JEsu selbst der Schild gegeben, daß er Christi Waffenträger ist, nicht nur die Welt zu überwindem als zu sehen 1 Joh. 5, v. 5. 6. sondern auch auszulöschen alle feurige Pfeile des Bösewichts, wie wir lesen können Eph. 6, v. 16. Will demnach nur mir und andern zur Aufmunterung und Stärckung des Glaubens, alhier etwas von den Eigenschafften des Glaubens beyfügen, so viel ich vor diese Zeit, nach dem Maaß meiner geringen Gaben, durch des HERRN Gnade zu thun vermag. Dann ohne seine Gnade und Gunst, ist unser Thum und alles umsonst. Weilen ich dieses bey mir so befinde, so finde mich auch verpflichtet; dieses einizig und allein zum Preiß GOttes, und zur Ehre seines heiligen Namens aufzusetzen. Dann niemand, als dem lieben GOTT haben wir es zu dancken, daß er uns in dieser finstern Welt, bißher sein heiliges Wort, als ein Licht auf dem Leuchter hat stehen lassen, wann nur unsere Füsse auf den Weg des Friedens gerichtet sind; so können wir auch mit David sagen: Ps. 119, v. 105. HERR dein Wort ist meines Fusses Leuchte, und ein Licht auf meinem Wege.

GOtt aber, der ein Licht ist, in welchem keine Finsterniß, wolle uns sein Licht und seine Wahrheit senden, daß sie uns leiten und führen, durch dieses finstere Thal und Schatten des Todes, zu seinem heiligen Berg, und zu seiner Wohnung; daß wir auch in Wahrheit mit David sagen können: Ps. 36. In deinem Licht sehen wir das Licht. O! daß wir mit Glaubens-Augen dieses Licht nicht nur beschauen, sondern auch in solchem Licht wandeln, und dadurch endlich alle Macht der Finsterniß überwinden und besiegen möchten; wozu ich von Hertzen wünsche und bitte, um Hülffe und Glaubens-Krafft aus der Höhe, Amen.

Einige Fragen vor Kinder/ wodurch ihnen die furcht GOttes, durch Anführung vieler vortreflicher Schrift Sprüche bekant gemacht wird.

Fr. 1. Was ist der Glaube?

A. Eine gewisse Zuversicht des, das man hoffet, und nicht zweifelt an dem, das man nicht siehet. Ebr. 11, 1.

Fr. 2. Woraus kommt der Glaube?

A. So komt der Glaube aus der Predigt; das predigen aber durch das Wort GOttes. Röme. 10, 16.

Fr. 3. Zum Anfang des Glaubens zu kommen, aus was vor einen Lehrmeister hat man zu sehen?

A. Auf JEsum, den Anfänger und Vollender des Glaubens.

Fr. 4. Was würcket der Glaube wann er rechtschaffen ist?

A. Und wisset, daß euer Glaube, so er rechtschaffen ist, Gedult würcket. Jac. 1, 3.

Fr. 5. Was muß ein Christ in seinem Glauben darreichen?

A. So wendet allen euren Fleiß dran, und reichet dar in eurem Glauben Tugend, und in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mässigkeit, und in der Mässigkeit Gedult, und in der Gedult Gottseligkeit, und in der Gottseligkeit brüderliche Liebe, und in der brüderlichen Liebe gemeine Liebe. 2Pet. 1, 5. 6. 7.

Fr. 6. Wer aber solches nicht hat darzureichen?

A. Der ist blind, und tappet mit der Hand, und vergisset die Reinigung seiner vorigen Sünden. 2 Pet. 1, 9.

Fr. 7. Kein man nicht auch ohne Glauben GOTT gefallen?

A. Ohne Glauben ists unmöglich GOtt zu gefallen: Dann wer zu GOTT kommen will, der muß glauben, daß er sey, und denen die ihn suchen, ein Vergelter seyn werde. Ebr. 11, 6.

Fr. 8. Wie köstlich ist es demnach um den rechten Glauben?

A. Aus daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewähret wird, u. s. w. 1 Pet. 1, 7.



Fr. 9. Was vor Trost bringt es glaubigen Seelen, wann sie im Glauben wandeln?

A. Wir, die wir glauben, gehen in die Ruhe, u. s. w. Ebr. 4, 3.

Fr. 10. Was vor Versicherung bringt es den Unglaubigen?

A. Welchen schwur er aber, daß sie nicht zu seiner Ruhe kommen solten, den Unglaubigen? Und wir sehen, daß sie nicht haben können hinein kommen, um des Unglaubens willen. Ebr. 3, 18. 19.

Fr. 11. Worzu werden glaubige Seelen durch den Glauben bewahret?

A. Euch, die ihr aus GOttes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist, daß sie oftenbar werde zu der letzten Zeit. 1 Pet 1, 5. besiehe v. 21.

Fr. 12. Durch welche Eigenschafft erlangt man die wahre Gerechtigkeit?

A. So du mit deinem Munde bekennest JEsum, daß er der HErr sey, und glaubest in deinem Hertzen, daß ihn GOTT von den Todten auferwecket hat, so wirst du selig. Dann so man von Hertzen glaubet, so wird man gerecht, und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig. Dann die Schrift spricht: Wer an ihn glaubet, wird nicht zu schanden. Röm. 10, 9. 10. 11.

Fr. 13. So man durch den Glauben an Christum JEsum, solcher

Gerechtigkeit theilhaftig wird, wie steht es dann zwischen GOTT

und solchen Seelen?

A. Nun wir dann sind gerecht worden duich den Glauben, so haben wir Friede mit GOtt, durch unsern HErrn JEsum Christum. Röm. 5, 1.

Fr. 14. Ist zu dieser Gerechtigkeit zu gelangen, der blosse Mund-Glauben, ohne Früchte, Geist und Leben genug?

A. Gleichwie der Leib ohne Geist todt ist, also auch der Glaube ohne Wercke ist todt. Jac. 2, 26.

Fr. 15. Worinnen bestehet die Haupt-Summa aller Gebotte, und was ist ihre Eigenschafft?

A. Die Haupt-Summa des Gebotts ist: Liebe von reinem Hertzen, und von gutem Gewissen, und von ungefärbtem Glauben. 1 Tim. 1, 5.

Fr. 16. Wann aber das Hertz nicht rechtschaffen, so ist der Glaube

gefarbt: Hat man in solchem Zustande auch Theil an solchen

Verheissungen?

A. Du wirst weder Theil noch Anfall haben an diesem Wort; dann dein Hertz ist nicht rechtschaffen vor GOTT. Darum thue Busse für diese deine Boßheit, und bitte GOtt, ob dir vergeben. werden möchte der Tück deines Hertzens. Apost. Gesch. 8, 21. 22.

Fr. 17. Die H. Schrifft gibt Zeugnis, das Simon der Zauberer, wovon gemeldt, auch glaubig worden?

A. Du glaubest, daß ein einiger GOtt ist: Du thust wohl daran; die Teufel glaubens auch, und zittern. Jac. 2, 19. seq.

Fr. 18. Welches: Glaube ist gültig vor GOtt, in Christo JEsu?

A. Abraham hat GOtt geglaubt, und es ist ihm gerechnet zur Gerechtigkeit. Gal. 3, 6.

Fr. 19. Wie soll man aber thun, wann man noch bey sich befindet, daß man noch in seinem verlohrnen Sündenstand gefangen lieget?

A. Die Zeit ist erfüllet, und das Reich GOttes ist herbey kommen: Thut Busse, und glaubet an das Evangelium. Marc. 1, 15. Matth. 3, 2. c. 4, 17.

Fr. 20. Was verkündiget dann das Evangelium den armen bußfertigen Sündern?

A. Also hat GOTT die Welt geliebet, daß er seinen eingebohrnen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verlohren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh. 3, 16. ließ auch Luc. 15 gantz. 1 Tim. 1. 15. Luc. 19, 10. Matth. 18, 11. Matth. 11, 28. 29. 30.

Fr. 21. Finden sich in H. Schrifft noch mehr Zeugnisse daß die bußfertigen

Sunder, durch den Glauben an Christum JEsum, Vergebung

der Sünden empfahen solten?

A. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen. Apost. Gesch 10, 43.

Fr. 22. Gehet diese Verheissung alle wahre glaubige bußfertige Sünder an, oder ist noch ein Unterscheid?

A. Es ist hie kein Unteischeid unter Juden und Griechen: Es ist aller zumal ein HERR, reich über alle, die ihn anruffen. Dann wer den Namen des HERRN wird anruffen, soll selig werden. Röm. 10, 12. 13.

Fr. 23. Hat dann GOtt seinen Sohn darum in die Welt gesandt, uns armen Sündern das gnadenreiche Evangelium zu verkündigen.

A. Der Geist des HErrn ist bey mir, derhalben er mich gesalbet hat, und gesandt zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstossene Herzen, zu predigen den Gefangenen, daß sie loß seyn sollen, und den Blinden das Gesicht, und den Zerschlagenem daß sie frey und ledig seyn sollen. Und zu predigen das angenehme Jahr des HERRN. Luc. 4, 18. 19. Joh. 3, 17. 18. 1 Joh. 4, 9. Gal. 4, 4. 5.



Fr. 24. Weilen nun GOTT aus Liebe vor uns arme Sünder, seines

einigen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn vor uns alle dahin gegeben, so, daß alle die an ihn glauben nicht sollen verlohren werden, sondern das ewige Leben haben: So fragt sichs ferner, weilen auch der wahre Glaube eine Würckung des H. Geistes in uns seyn muß: Worauf dann unser Glaube an Christum JEsum gegründet seyn soll, wann wir den H. Geist zum Werckmeister haben und behalten wollen? ob wir hiervor auch in H. Schrifft gewisse Nachricht und Anweisung haben? oder ob es hieran nichts gelegen sey, man glaube nach seinem eigenen Willen, Gutdüncken und Wahn,

was, und wie man wolle?

A. Wer an mich glaubet, wie die Schrifft saget, von dessen Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fliessein. Das sagte er aber von dem Geist, welchen empfahen solten, die an ihn glaubeten; dann der H. Geist war noch nicht da, dann JEsus war noch nicht verkläret. Joh. 7, 38. 39. siehe auch 2 Pet. 1, v. 16. bis 21.

Fr. 25. Wann man aber bey sich befindet, daß man mehr auf die klugen

Fabeln gesehen und denen gefolget, als der H. Schrifft; wodurch man sich selbst verhindert, daß der H. Geist den wahren lebendigen Glauben an Christum JEsum nicht hat würcken können, und man ist darum von Hertzen betrübt, und wolte gerne desselben wieder theilhafftig werden, durch welch

Mittel kan uns geholffen werden?

A. Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgethan. Dann wer da bittet, der empfähet, und wer da suchet der findet, und wer da anklopfet, dem wird aufgethan. Matth. 7, 7. 8.

Fr. 26. Hat dann GOtt solchen armen und elenden Menschen auch Verheissung gethan, daß er sich wolle finden lassen?

A. Wendet euch zu mir, so werdet ihr selig aller Welt Ende, dann ich bin GOTT, und keiner mehr. seqq. Jesaja 45, 22. auch Jerem. 29, 11. 12. 13.

Fr. 27. Weilen gemeldte Zeugnisse es kräfftig beuzeugen, daß GOtt

solchen bußfertigen Sündern, die sich mit bitten und flehen im Glauben zu GOtt wenden, in seinem Wort Erhörung zugesagt: So fragt sichs nun,

warum, oder um was, sie am ersten zu bitten nöthig?

A. Verbirge dein Antlitz von meinen Sünden, und tilge alle meine Missethat. Schaffe in mir GOtt ein reines Hertz, und gib mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Tröste mich wieder mit deiner Hülffe, und der freudige Geist enthalte mich. Ps. 51, 11. 12. 13. 14.

Fr. 28. Wen soll man anbäten?



A. Da sprach JEsus zu ihm: (dem Teufel) hebe dich weg von mir, Satan, dann es stehet geschrieben: Du solt anbäten GOtt deinen HErrn, und ihm allein dienen. Matt. 4, 10.

Fr. 29. In welchem Namen soll man den himmlischen Vater anbäten?

A. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird ers euch geben. Bisher habt ihr nichts gebäten in meinem Namen. Vetter, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sey. Joh. 16, 23. 24.

Fr. 30. Wie soll unser Gebät ferner geschehen?

A. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebät, glaubet nur, daß ihrs empfahen werdet, so wirds euch werden. Marc. 11, 24. Jac. 1, 3 bis 6.

Fr. 31. Wie soll unser Gebät ferner eingerichtet seyn, daß wir erhöret werden?

A. Das ist die Freudigkeit die wir haben zu ihm, daß, so wir etwas bitten nach seinem Willem so höret er uns. 1 Joh. 5, 14.

Fr. 32. Wann nun der Geist willig, aber die Kräffte des Glaubens zu schwach, wer hilfst dieser Schwachheit auf im Gebät?

A. Der Geist hilfft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht was wir bäten sollen, wie sichs gebühret, sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste, mit unaussprechlichen seufzen. Der aber die Hertzen forschet, der weiß, was des Geistes Sinn sey: Denn er vertritt die Heiligen, nachdem das GOTT gefället. Röm. 8, 26. 27.

Fr. 33. Ist dannoch Gottes Krafft in solchen Schwachen mächtig, wann

sie ihre Schwachheit mit demüthigem und zerknirschtem Hertzen, nach dem Maas ihres Glaubens, mit bitten und flehen, lassen vor GOTT

kund werden?

A. Denn also spricht der hohe und erhabene, der ewiglich wohnet, des Name heilig ist: Der ich in der Höhe und im Heiligthum wohne, und bey denen, so zerschlagenes und demüthiges Geistes sind, auf daß ich erquicke den Geist der gedemüthigten, und das Hertz der zerschlagenen. Ich will nicht immerdar hadern, und nicht ewiglich zürnen, sondern es soll von meinem Angesicht ein Geist weben, und ich will Athem machen. Jes. 57, 15. 16.

Fr. 34. Es ist aus allen angeführten Zeugnissen H. Schrifft klar zu

verstehen, daß es an GOttes Seiten, wegen der Menschen Bekehrung nicht fehlet, ob schon unser Glaube schwach, wann er nur rechter Gestalt vor GOtt

ist, so komt GOtt unserer Schwachheit des Glaubens zu Hülff. Dann der
Glaube ist eine Würckung des heiligen Geistes in uns, wann wir nur

denselben in uns wollen würcken lassen. So lange aber der Unglaube in uns die Oberhand behält, so wircket der böse Geist durch den Unglauben Werke des Unglaubens, nehmlich alle Unreinigkeit, Unfriede, Unwahrheit, Ungerechtigkeit, und alles ungöttliche Wesen in den Kindern des Unglaudens, wodurch GOttes Zorn und Gericht zur Straffe über alles ungöttliche Wesen kommt. Ist nun die Frag: Wann GOttes Gericht, über eine Stadt oder Land gedräuet wird, und noch so viel Erkäntnüs übrig, daß man erkennen kan, daß unsere Sünde und Ungerechtigkeit, durch den Unglauben solche Straffe verursachet, und erkennet und bekennet sein Unrecht, und trachtet nach Recht und Gerechtigkeit, solches wieder durch hertzliche Busse im Glauben aufzurichten, was durch den Unglauben und seine Wercke ist verwüstet worden; ob noch in GOtttes Wort Gnaden-Verheissung

vorhanden?

A. Gehet durch die Gassen zu Jerusalem, und schauet und erfahret, und suchet auf ihrer Strassen, ob ihr jemand findet, der recht thue, und nach dem Glauben frage, so will ich ihr gnädig seyn. Jerem 5, 1. Ezech. 18, 22. 23.

Fr. 35. Wann aber die Bekehrung nicht folget?

A. GOtt ist ein rechter Richter, und ein GOtt der täglich dräuet. Will man sich nicht bekehren, so hat er sein Schwerdt gewetzet, und seinen Bogen gespannet, und zielet; und hat darauf gelegt tödtliche Geschoß, seine Pfeile hat er zugerichtet zu verderben. Ps. 7, 12. 13. 14.

Fr. 36. Weil es nach dem Fall, von Natur mit dem Menschen so bestelt

ist, daß er gern vor weise und klug will gehalten werden: Er aber seine Weisheit öffters in Dingen suchet, die vor GOTT nur für Thorheit gehalten werden; so ist die Frag: Durch welche Eigenschafft man einen

Anfang in der wahren Weisheit nehmen kan?

A. Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang, das ist eine feine Klugheit, wer darnach thut, des Lob bleibet ewiglich. Ps. 111, 10.

Fr. 37. Weil die Furcht des HErrn der Weisheit Anfang, so ist es ja

insonderheit auch sehr nützlich vor die Jugend, wann sie all ihr Vornehmen

in der Furcht GOttes anfangen?

A. Des HErren Furcht ist Anfang zum lernen, die Ruchlossen verachten Weisheit und Zucht. Spr. Sal. 1, 7.

Fr. 38. So man weise und verständig leben will, was muß man meiden?

A. Siehe, die Furcht des HErrn, das ist die Weisheit, und meiden das Böse, das ist Verstand. Hiob 28, 28.

Fr. 39. Kan man auch Nachricht finden, wo die wahre Weisheit ihre Wohnung und Herberge nimmt?

A. Die Weisheit komt nicht in eine boshafftige Seele, und wohnet nicht in einem Leibe der Sünde unterworffen. Dann der heilige Geist, so recht lehret, fleucht die abgöttischen, und weichet von den ruchlosen, welche gestrafft werden mit den Sünden, die über sie verhänget werden. Dann die Weisheit ist so frömm, daß sie den Lästerer nicht ungestrafft läßt. Denn GOtt ist Zeuge über alle Gedancken, und erkennet alle Hertzen gewiß, und höret alle Worte. Denn der Weltkreis ist voll Geistes des HERRN, und der die Rede kennet, ist allenthalben. Darum kan der nicht verborgen bleiben, der da Unrecht redet, und das Recht, so ihn strafen soll, wird sein nicht fehlen. Weish. S. 1, v. 4 bis 8.

Fr. 40. Wo wohnet sie dann?

A. Die Furcht des HErrn ist der Weisheit Anfang, und ist im Hertzengrund allein bey denen Glaubigen, und wohnet allein bey den auserwählten Weibern, und man findet sie allein bey den gerechten und glaubigen. Sirach 1, 16.

Fr. 41. Weilen GOtt seinen Sohn in diese Welt gesandt hat, daß wir

durch ihn leben sollen, welcher uns in Lehr und Leben ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapffen: welcher uns auch von GOTT gemacht ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung. So fragt sichs: Ob man denn auch noch ferner nöthig hat zu forschen nach Weisheit, und auf philosophischen hohen Schulen studieren soll, in den Büchern der Philosophen, und Lehre der Menschen, wie

es in der Welt gebräuchlich?

A. Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophia und lose Verführung nach der Menschen-Lehre, und nach der Welt Satzungen, und nicht nach Christo. Denn in ihm wohnet die gantze Fülle der Gottheit leibhafftig, und ihr seyd vollkommen in ihm, welcher ist das Haupt aller Fürstenthümer und Obrigkeit Coloss. 2, 8. 9. 10.

Fr. 42. Worinnen soll man dann beständig studieren und verbleiben?

A. Du aber bleibe in dem, das du gelernet hast, und dir vertrauet ist, sintemal du weissest, von wem du gelernet hast. Und weil du von Kind auf die heilige Schrifft weissest, kan dich dieselbige unterweisen zur Seligkeit, durch den Glauben an Christo JEsu. Denn alle Schrifft von GOtt eingegeben, ist nütz zur Lehre, zur Straffe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit; daß ein Mensch GOttes sey vollkommen, zu allen guten Wercken geschickt. 2 Tim. 3, 14. bis 17.

Fr. 43. Weilen uns die H. Schrifft, wann man ihr folget, zur Seligkeit
unterweiset, und unser Glaube auf nichts anders, als allein auf den einigen

GOTT, und den er gesandt hat Christum zu gründen, welches der rechte Weg aus dem Tod ins Leben zu gehen, auch die Wahrheit und das Leben ist; so ist nun die Frage: Ob man auch auf diesem Wege, der zum Leben

führet, Creutz und Trübsal zu gewarten hat?

A. Sie stärcketen die Seelen der Jünger, und ermahneten sie, daß sie im Glauben blieben, und daß wir durch viel Trübsal müssen in das Reich GOttes gehen. Ap. G. 14, 22.

Fr. 44. Was schaffet denn die Trübsal vor Nutzen, so man beständig gedultig biß ans Ende verbleibt?

A. Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige und über alle massen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das sichtbare, sondern auf das unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. 2 Cor. 4, 17. 18.

Fr. 45. Weil man den Weg zum ewigen Leben so schmal findet, daß man

durch viel Creutz und Trübsal ins Reich GOttes eingehen muß: So wird

es wohl höchst nöthig seyn, den lieben GOtt täglich um Kraft des Glaubens, und um Gedult und Trost anzuflehen?

A. Gedult aber ist euch noth, auf daß ihr den Willen GOttes thut, und die Verheissung empfahet. Denn noch über eine kleine Weile so wird kommen, der da kommen soll, und nicht verziehen. Der gerechte aber wird des Glaubens leben: Wer aber weichen wird, an dem wird meine Seele kein Gefallen haben. Wir aber sind nicht von denen, die da weichen und verdammt werden, sondern von denen, die da glauben, und die Seele erretten. Ebr. 10, 36. bis 39.

Fr. 46. Hat man auch Anfechtung auf diesem Weg zu erwarten?

A. Und weil du GOTT lieb warest, so musts so seyn, ohne Anfechtung mustest du nicht bleiben, auf daß du bewahret würdest. Tobia 12, 13.

Fr. 47. Dann werden die Frommen durch Creutz und Trübsal bewährt?

A. Denn gleich wie das Gold durchs Feuer, also werden die, so GOtt gefallen, durchs Feuer der Trübsal bewähret. Sir 2, 5.

Fr. 48. Stehet es mit den Christen auf dein Weg zum Leben in solchem

Zustand, daß sie durch das Feuer der Trübsal müssen bewährt und geläutert werden, so hat sich ja ein Christ in dieser Welt nichts anders zu versehen,

als daß er sich zur Anfechtung schicken muß?

A. Mein Kind, wilt du GOttes Diener seyn, so schicke dich zur Anfechtung. Sirach 2, 1.

Fr. 49. Wie hat man sich ferner in solchen Anfechtungen zu verhalten?

A. Meine lieben Brüder, achtet es eitel Freude, wenn ihr in mancherley Anfechtung fallet; und wisset, daß euer Glaube, so er rechtschaffen ist, Gedult würcket. Jac. 1, 2. 3.

Fr. 50. Wird solche Trübsal und Anfechtung den Christen um deßwillen

von GOtt zugeschickt, daß sie allein sollen bewahrt bleiben; oder haben sie

auch noch sonderliche Widersacher, um des Namens Christi willen?

A. Solches habe ich zu euch geredt, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann thun: Es kommt aber die Zeit daß, wer euch tödtet, wird meynen, er thue GOtt einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredt, auf daß wann die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedencket, daß ichs euch gesagt habe. Joh. 16, 1 bis 4.

Fr. 51. So hör ich wohl, man hat auf diesem schmalen Weg des Lebens auch Feinde zu vermuthen?

A. Ach HErr, wie sind meiner Feinde so viel, und setzen sich so viel wider mich. Viel sagen von meiner Seele: Sie hat keine Hülffe bey GOTT Sela. seqq. Ps. 3, 1. 2.

Fr. 52. Wie soll sich aber ein Christ gegen seine leibliche Feinde verhalten, und was hat er in seiner Christlichen Ritterschafft dißfalls vor Ordre von seinem König?

A. Ich aber sage euch; Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen, thut wohl denen die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen. Matth. 5, 44.

Fr. 53. Weilen ein Christ, seine leibliche Feinde durch die Liebe überwinden soll, so fragt sichs, was denn die Liebe vor Gewehr träget, dem Feind Schaden zu thun?

A. Die Liebe ist langmüthig und freundlich, die Liebe eiffert nicht; die Liebe treibet nicht muthwillen, sie blehet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das ihre, sie lässet sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden, sie freuet sich nicht wanns unrecht zugehet, sie freuet sich aber wanns recht zugehet. Sie verträget alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. 1 Cor. 13, 4 bis 7.

Fr. 54. Wie ist es dann bestellt um die geistliche Feinde, was vor Waffen und Gewehr der Christlichen Ritterschafft werden hiezu erfordert?

A. Denn ob wir wohl im Fleisch wandeln, so streiten wir doch nicht fleischlicher Weise, denn die Waffen unserer Ritterschafft sind nicht fleischlich, sondern mächtig für GOtt, zu verstören die Bevestigungen, damit wir verstören die Anschläge und alle Höhe, die sich erhebet wider das Erkäntniß GOttes, und nehmen gefangen alle Vernunfft unter den Gehorsam Christi. 2 Corint. 10, 3. 4. 5.



Fr. 55. Sind die Waffen gemeldter Ritterschafft nicht fleischlich, und

wird auch nicht fleischlich gestritten: so müssen es Feinde seyn, denen auf eine andere Weise Widerstand gethan werden muß. Wer sind nun

alle diese Feinde?

A. Zuletzt, meine Brüder! seyd starck in dem HErrn, und in der Macht seiner Stärcke. Ziehet an den Harnisch GOttes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläuffe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kampfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nehmlich, mit den HErren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Eph. 6, 10. 11. 12.

Fr. 56. Sind das die Feinde alle, die man überwinden muß?

A. Dann alles, was von GOTT gebohren ist, überwindet die Welt, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. 1 Joh. 5, 4.

Fr. 57. Sind noch mehr Feinde, welche wider die Seele streiten?

A. Lieben Brüder, ich ermahne euch, als die Fremdlingen und Pilgrim: Enthaltet euch von fleischlichen Lüften, welche wider die Seele streiten. 1 Pet. 2, 11. und ferner: So lasset nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüsten Röm. 6, 10.

Fr. 58. Worinnen muß man seine Macht und Stärcke vermehren gegen solche Feinde?

A. Zuletzt, meine Brüder! seyd starck in dem HErrn, und in der Macht seiner Stärcke. Eph. 6, 10.

Fr. 59 Hat man auch 9tachricht, daß sich ein Kampf und Streit erhoben?

A. Und es erhub sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache stritt, und seine Engel; und siegeten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr funden im Himmel. Und es ward ausgeworffen der grosse Drache, die alte Schlange, die da heisset der Teufel und Satanas, der die gantze Welt verführet, und ward geworffen auf die Erden, und seine Engel wurden auch dahin geworffen. Off. 12, 7. 8. 9.

Fr. 60. Weil nun dieser böse Feind, im Himmel ist bestritten, und auch

überwunden und ausgestossen, auch ihm keine Stätte im Himmel mehr erfunden ist: Wir aber so lang wir auf Erden wohnen, einen solchen Feind, und Seelen-Mörder zu bestreiten haben, und einen solchen Kampff aus eigenen Kräfften ins Werck zu richten ist vergebens, wo uns GOTT nicht mit der Macht seiner göttlichen Krafft und Stärcke zu Hülffe kommt, und

der starcke Held auß Davids Stamm, der dem Riesen seinen Raub nehmen
kan, uns nicht in seine Beschirmung nimmt, so wird dieser Feind uns den

Weg zum Himmelreich suchen zu versperren. Dann mit unser Macht

ist nichts gethan, wir sind gar bald aus eigenen Kräfften niedergelegt?

A. Und nun spricht der HErr, der dich geschaffen hat, Jacob, und dich gemacht hat Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöset, ich habe dich bey deinem Namen geruffen, du bist mein. Denn so du durchs Wasser gehest, will ich bey dir seyn, daß dich die Ströme nicht versäuffen, und so du ins Feuer gehest, solt du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht anzünden. seqq. Jes 43, 1. 2. u. s. w.

Fr 61. Ist diese Verheissung uns Armen zum Schutz, so sind wir ja recht glückselig in allem, was uns nach GOttes Willen begegnen kan?

A. Was wollen wir denn weiter sagen? Ist GOTT für uns wer mag wider uns seyn? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns alle dahin gegeben: Wie solte er uns mit ihm nicht alles schencken? Röm. 8, 31. 32. und so ferner bis zu Ende.

Fr 62. Wodurch haben die Glaubigen diesen Feind überwunden?

A. Und sie haben ihn überwunden, durch des Lammes Blut, und durch das Wort ihrer Zeugniß, und haben ihr Leben nicht geliebet biß an den Tod. Offenb. 12, 11.

Fr 63. Wann man durch Christi Tod und Blut, zur Ueberwindung

kommen kan, so man sich in wahrem Glauben an Christum übergibt, so hat man ja eine Vestung, worinnen man sicher ist vor diesein Feind

und Seelen-Mörder?

A. Der Name des HErrn ist ein vestes Schloß, der Gerechte läufft dahin, und wird beschirmet. Spr. Sal. 18, 10.

Fr 64. Weilen aber dieser Feind und Seelen-Mörder, unsere ersten

Eltern im Paradies auch in dieser Vestung angetroffen, welche er mit Gewalt nicht hatte einnehmen können, hat sie aber durch List und Betrug dahin gebracht, daß sie diese Vestung von selbsten übergeben; so ist die Frage:

Ob man auch in dieser Vestung noch Ursach hat, auf der Wacht zu seyn?

A. Seyd nüchtern und wachet, denn euer Widersacher der Teufel, gehet umher, wie ein brüllender Löwe, und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet vest im Glauben, und wisset, daß eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. 1 Pet. 5, 8. 9.

Fr 65. Wie lang hat man nöthig wacker zu seyn?

A. So seyd nun wacker allezeit, und bätet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Luc. 21, 36.



Fr. 66. Was haben solche Wächter vor, oder zum Feld-Geschrey?

A. Wachet, stehet im Glauben, seyd männlich, und seyd starck. Alle eure Dinge lasset in der Liebe geschehen. 1 Corinth. 16, 13. 14.

Fr. 67. Was vor Lieverey müssen sie anziehen, und tragen?

A. So ziehet nun an als die Auserwahlten GOttes, Heiligen und Geliebten, hertzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth, Gedult; und vertraget einer den andern, und vergebet euch unter einander, so jemand Klage hat wider den andern: Gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Ueber alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Coloss. 3, 12. 13. 14, u. s. f. biß 17.

Fr. 68. Worinnen bestehet ihre Kriegs-Rüstung, Harnisch und Gewehr

das sie täglich ergreiffen, und in Bereitschafft haben müssen, wann sie diesen

Seelen-Feind bestreiten und besiegen wollen?

A. Ergreiffet den Harnisch GOttes, auf daß ihr, wenn das böse Stündlein kommt Widerstand thun, und alles wohl ausrichten, und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure Lenden mit der Wahrheit, und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit, und an Beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereit seyd. Vor allen Dingen aber eigreiffet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnet, alle feurige Pfeile des Bösewichts. Und nehmet den Helm des Heyls, und das Schwerdt des Geistes, welches ist das Wort GOttes. Und bätet stets in allem Anliegen, mit bitten und sichen im Geist, und wachet dazu, mit allem Anhalten, und Flehen für alle Heiligen. Ephes. 6, v. 13. biß 18.




ENDE.








Kinder-Liedlein.


oder


Aufmunterung der Kinder.


Mel. Ich weiß ein Blümlein hübsch und fein.


KOmmt, liebe Kinder, kommt herbey,
Und lernet JESUM kennen:
Kommt doch und seht, wie gut er sey,
Wie fromm und treu;
Kommt, thut ihn Meister nennen.
   2. O! sehet seine Freundlichkeit,
Die sich zu euch thut neigen,
Wie hertzlich er sich anerbeut
Euch allezeit,
Viel gutes zu erzeigen.
   3. Er will euch lernen, still und fromm
Nach GOttes Wissen leben,
Er ruffet: Liebes Kindlein, komm!
Und werde fromm,
Ich will dir alles geben.
   4. Ey, kommt dann Kinder! gebt doch her,
In JEsu schöne Schule
{Hört, lernt, und folget seiner Lehr,
{Die Lectionen sind nicht schwer,
Da setzt euch her,
Auf seiner Weisheit Stühle.
   5. Wie gut ist es, wie schön und sein,
Wie lieblich anzusehen:
Wann Kinder recht gehorsam seyn,
Und gern allein;
In JESU Schule gehen.
   6. Da lernen sie, mit Lust und Freud,
Recht bäten, lesen, singen.
Und suchen ihre Lebens-Zeit
In Heiligkeit,
Mit JESU hinzubringen.
   7. O! solche Finder habens gut,
Sie werden ewig wohnen,
Im Himmelreich, mit frohem Muth:
Wo JESUS thut,
Den frommen Kindern lohnen.  
   8. Sie werden da, in grosser Freud,
All Tag und Stunden leben,
Kein Anqst, kein Furcht, kein Traurigkeit,
Kein Schmertz und Leid;
Wird sie da mehr umgeben.
   9. Drum, liebe Kinder lernet gern,
Und lieber JEsum kindlich:
Dient·ihm, als eurem GOTT und HERR,
Und fliehet fern;
Von allem, was nur sündlich.
   10. Folat nicht der bösen Kinder Rott,
Der Läuffer, und der Spieler:
Die euren JESUM nur verspott,
Nicht liebet GOTT,
Nicht seyn will JESU Schüler.
   11. Macht euch mit JEsu recht bekant,
Und sitzt zu seinen Füssen:
Da gebet ihm die rechte Hand,
Und sagt: Heyland!
Ach, lasse mich, Dich küssen. · ·
   12. Hangt ihm als kleine Kinderlein,
An seinen Liebes-Armen,
Und sagt: Er solle gnädig seyn,
Euch Kinderlein;
Und euer sich erbarmen.
   13. Er foll euch segnen mit Verstand,
Daß ihr das Böse scheuet,
Er soll euch werden recht bekandt,
Als ein Heyland,
Der euch von Sünd befreyet.
   14. Ja bittet ihn, er wolle doch,
Euch Lust und Liebe schencken:
Sein liebes, sanfftes, süsses Joch,
Als Kinder noch,
Zu tragen mit Bedencken.
   15. Er solle euer junges Hertz.
Mit seiner Liebe füllen,
Das es stets dencke himmelwärts,
Und allen Schertz,
Veracht, um seinet willen.
   16. So, Kinder, hangt ihm hertzlich an,
Ach! hangt ihm an die Hände.
Und sagt: O JESU! führe dann,
Führ uns, fortan,
O, führ uns, bis ans Ende!  
   17. Führ uns, aus dieser Wüsteney,
Des argen Welt-Getümmels,
Ins Vatterland, wo uns erfreu,
O JESU treu!
Die Herrlichkeit des Himmels.




Sterb-Lied.


Mel. Wer nur den lieben GOtt läst walten.


ACH! kommet her, ihr Menschen-Kinder!
Ach kommt, und seht die Nichtigkeit!
Die Nichtigkeit, der stoltzen Sünder,
Und ihres Lebens Eitelkeit.
Dann alles, alles, was ihr seht,
Das träagt die Obschrifft: Es vergeht!
   2. Ich liege hier, im Sterbe-Bette
Vom Sünden-Gifft gantz infiscirt,
Mein Geist weiß keine Ruhe-Stätte,
Die mir die liebe Hand gerüft,
Als nur den Namen JEsu Christ,
Der auch im Tod mein Leben ist.
   3. Mein zeitlich Leben ist verflossen,
Und meine Tage sind vorbey:
Die kurtze Wallfahrt ist beschlossen,
Es ist an mir die Todes-Reyh
Doch bin ich froh, HERR JESU Christ,
Daß du auch mit am Reyhen bist.
   4. Ich hab durch GOttes reiche Gnade,
Der Welt schon längst, gut Nacht gesagt:
Und auf dem schmalen JEsus Pfade,
Nach wahrer Seelen Ruh getracht.
Doch hab ich nicht gethan, was taugt,
Und viel zu wenig Ernst gebraucht.
   5. Ach GOTT! durch deine Liebes-Hände,
Mach du mich jetzo noch bereit:
Daß ich, an meinem letzten Ende,
In deinem Heyl getrost abscheid.
Dein Will sey mir in Ewigkeit,
Ein Centrum der Zufriedenheit.
   6. Hiermit will ich nun Abscheid nehmen,
Von denen, die mich hier gekennt,
Vor erst von denen, die sich grämen.
In ihrem armen Sorgen-Stand,
Fürch't GOtt, und bätet Tag und Nacht,
In ihn vertraut; nun gute Nacht.  
   7. Gut Nacht, ihr Reichen dieser Erden,
Die ihr den Reichtum nennt ein Glück,
Ich wünschte niemals reich zu werden,
Es währt doch nur ein Augenblick,
Und Christus ruft: ein hartes Weh!
Bedenckts doch, bitt ich, zum Adieu.
   8. Gut Nacht, du wilde Schaar der Jugend,
Du unbekehrte Heiden-Zucht,
Die du nichts weißt von Ehr, und Tugend,
Und nur dem Satan bringest Frucht.
Folg GOttes ernstem Wort und Rath,
Sonst findst du ewig keine Gnad.
   9. Gut Nacht ihr Welt gesinnten Hertzen,
Die ihr auf Erden Freude sucht,
In Kurtzweil, Lachen, Spielen, Schertzen:
Und eurem GOTT nicht bringet Frucht.
Ach, thut doch Seelen, thut doch Buß!
Sonst fahrt ihr in die Finsternuß.
   10. Gut Nacht, euch mit einander allen.
Du falsche, böse, arge Welt,
Daß euer Thun mir nicht gefallen,
Hat euch mein Wandel vorgestellt:
Wär solches nicht durch GOttes Gnad,
Schon eh'r geschehn, wärs jetzt zu spat.