The Life and Works of Christopher Dock/5 Geistliches Magazien/No. 41a

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Textdaten
Autor: Christopher Dock
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Titel: The Life and Works of Christopher Dock
Untertitel: V. Geistliches Magazien. No. 41 (1. Teil)
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Entstehungsdatum: 1908/vor 1771
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Verlag: J. B. Lippincott Co.
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Erscheinungsort: Philadelphia & London
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Geistliches Magazien. Num. 41.


Hundert christliche Lebens-Regeln, für Kinder.

Zweyter Theil.

I. Regeln, von dem Verhalten gegen GOtt.

I.

BEdencke, daß zwischen dir und dem dreyeinigen GOtt ein Bund aufgerichtet sey, in welchem er versprochen hat dich zu lieben und zu segnen; du aber hinwiederum verpflichtet, ihn zu lieben und ihm kindlich zu gehorchen.

2. Nimm dir einmal genugsame Zeit dazu, in der Stille vor dem Angesichte Gottes dich zu prüfen, ob du bisher das alles treulich und beständig beobachtet, was dein Tauf-Bund von dir erfordert? Ob du Gott kindlich geliebet, gefürchtet und ihm gehorchet.

3. Wirst du in solcher Prüfung in deinem Gewissen uüberzeuget, daß du dich von GOtt durch wissentliche Sünden wieder los gerissen, und Trotz, Faulheit, Ungehorsam, Lügen, Frechheit und andere dergleichen Unarten bey dir zur Herrschafft kommen lassen; so säume dich nicht deinen Tauf-Bund zu erneuern.

4. Erkenne deine sündliche Unarten und dein angebohrnes tiefes Verderben, mit hertzlicher Schaam und Reue vor deinem Schöpffer; wende dich mit einem zerschlagenen Hertzen zu JEsu Christo deinem einigen Gnaden-Stuhl, suche in seinem Blut durch den Glauben die Vergebung deiner Sünden, und fasse einen neuen Vorsatz, nicht mehr der Sünde, sondern JEsum Christum zu dienen, und dich durch seinen Geist regieren zu lassen.

5. Wirst du aber in deinem Gewissen überführet, daß du zwar deinen Tauf-Bund noch nicht wissentlich und vorsetzlich übertreten, aber doch in den Pflichten der Gottseligkeit zuweilen traäge und nachlässig gewesen, und hie und da mannigfaltig gefehlet, so suche gleichfals mit reuendem und glaubigem Hertzen dich in dem Blute JEsu zu waschen und dich hinfort eines grössern Ernstes in seine Nachfolge zu befleissigen.

6. Meyne aber ja nicht, daß du solches mit eigenen Kraäfften ausrichten werdest; sondern bitte GOtt taäglich um seinen guten Geist, daß derselbe deinen guten Vorsatz stärcken und dich unsträfflich bewahren wolle.

7. Nebst solchem täglichen Gebät wache beständig über dich selbst. Traue deinem Hertzen nicht zu viel, denn es ist sehr betrüglich, habe acht, wohin deine Gedancken und Begierden sich neigen, und halte Augen, Ohren und Zunge in guter Ordnung.

8. Nimm dich insonderheit in acht, daß du von der Sünde, dazu du am meisten geneigt bis, nicht übervortheilet werdest. Fliehe alle Gelegenheiten zu derselben, und suche sie durch den erbätenen Beystand GOttes immermehr zu entkräfften.

9. Lege dich keinen Abend zu Bette, bis du dein Gewissen geprüfet, und wegen der begangenen Fehltritte, durch gläubige Ergreiffung des Verdienstes JEsu Christi dich mit Gott ausgesöhnet.

10. Befleissige dich, GOtt aufrichtig zu fürchten nicht aus knechtischer Furcht vor der Strafe, sondern aus kindlicher Liebe, die sich scheuet etwas zu tun, was dem geliebten mißfallen könte.

11. Wilst du aber Gott von Hertzen fürchten und lieben, so must du ihn recht kennen lernen; dazu dir die H. Schrifft die beste Anweisung gibt.

12. Laß keinen Tag hingehen, da du nicht etwas aus dem Wort Gottes lesest und betrachtest, gleich wie du keinen Tag ohne Essen und Trincken vorüber gehen lassest.

13. Lies aber Gottes Wort niemals anders, als mit tiefster Ehrerbietigkeit, weil darinn die höchste Majestät mit dir, einem so armen Sünder redet.

14. Dein redlicher Zweck bey deinem Bibel-Lesen muß dieser seyn, daß du alles einfältig glauben wollest, was sie lehret, alles thun, was sie gebietet, alles hoffen, was sie verheisset.

15. Komm zu der Schrifft, als einer, der noch gantz unwissend ist in göttlichen Dingen; so wirst du am meisten daraus lernen. Denn denen Unmündigen will es der Vater im Himmel offenbahren.

16. Lerne insonderheit JEsum Christum, deinen lieben Heyland, aus der H. Schrifft besser erkennen, damit du an ihn glaubest, und in sein Bild verkläret werdest.

17. Präge dir aus der H. Schrifft die göttlichen Eigenschafften tief in dein Hertz.

18. Weil GOtt ein Geist ist, so diene ihm im Geist und in der Wahrheit, und suche dich mit ihm durch Glauben und Liebe zu einem Geiste zu verbinden.

19. Weil GOtt ewig und unveränderlich ist, so hange ihm auch mit unveränderlicher Treue an, und verleugne gern um seinet willen die Zeitliche und vergängliche Dinge.

20. Weil er heilig ist, so must du dich auch vor der Befleckung der Sünde bewahren, wenn du mit ihm wilst Gemeinschafft haben.

21. Weil er barmhertzig und gütig ist, so fasse zu ihm in aller deiner Noth ein gutes Vertrauen, und sey auch gütig und barmhertzig gegen die Elenden.

22. Weil er gerecht ist und das Gute belohnet, so befleissige dich auch dessen was recht ist. Weil er aber auch das Böse bestraffet, so hüte dich vor der Sünde, welche die Strafe nach sich ziehet.

23. Weil er wahrhafftig ist, so glaube seinen Verheissungen und fürchte dich vor seinen Drohungen.

24. Weil er allmächtig ist, so wage es getrost auf seinen Beystand, er wird dir alle Schwierigkeiten überwinden helffen.

25. Weil er allein weise ist, so suche bey ihm allein die wahre Weißheit, und überlaß dich gantz seiner Regierung.

26. Weil er allwissend ist, so unterstehe dich nicht durch Heucheley ihn zu betrügen, und hüte dich auch vor heimlichen Sünden.

27. Weil er an allen Orten gegenwärtig ist, so wisse, daß du auch in der Einsamkeit nicht allein seyest, sondern daß dein künfftiger Richter alles sehe und höre, was du redest und vornehmest.

28. Da der allgegenwärtige GOtt auch gern in deinem Hertzen wohnen will, so laß es durch deinen Glauben reinigen und durch seinen Geist beherrschen; so wird er sich dir mit grosser Freundlichkeit und Liebe offenbahren.

29. Wandle stets in der heiligen Allgegenwart GOttes mit einem steten Andencken seiner Liebe. So offt sich deine Gedancken und Begierden von ihm abkehren, so lencke sie wieder zu ihm, solte es auch tausendmahl in einem Tage geschehen.

30. Den heiligen Namen GOttes und JEsu führe niemahls ohne Ehrerbietigkeit in deinem Munde, und laß alles leichtfertige Fluchen und Schwören ferne von dir seyn.

31. Unterstehe dich niemals, Sprüche der heiligen Schrifft auf eine eitle und lächerliche Weise zu mißbrauchen und zu verkehren; GOtt wird diesen Frevel nicht ungerochen lassen.

32. Halte Gott nicht nur in deinem Hertzen recht hoch, wegen seiner unendlichen Macht, Güte und Weißheit, sondern suche auch solche Hochachtung durch Mund und That an den Tag zu legen.

33. Brauche deinen Mund ihn um seine Hülfe in allen Nöthen anzuruffen, seine Liebe zu rühmen, und ihm für alle erzeigten Wohlthaten demüthigst zu dancken.

34. Richte aber auch in der That dein Thun und Lassen also ein, daß GOtt dadurch verherrlichet werde.

35. Heilige den Tag des HErrn mit aller Sorgfalt, bringe ihn nicht mit Spielen und Müssiggang, sondern mit heiligen Verrichtungen zu.

36. Gehe gerne in die Schule und zum Gottes-Dienst, damit du lernen, was zu deinem Frieden dienet, und beweise dich still, aufmercksam und ehrerbietig gegen die heilige Gegenwart GOttes.

II. Regeln von dem Verhalten gegen den Nächsten.

37. Liebes Kind, im Umgange mit deinem Nächsten, er sey Freund oder Feind, habe jederzeit die Ermahnung Pauli vor Augen: Seyd niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch untereinander liebet. Röm. 13, 8.

38. Alles, was du wilst, daß dir die Leute thun sollen, das thue ihnen auch. Und was du wilst daß dir die Leute nicht thun sollen das thue ihnen auch nicht. Luc. 6, 31.

39. Nächst GOtt bist du niemanden mehr Liebe und Ehrerbietigkeit schuldig als deinen Eltern, von welchen du das Leben empfangen hast.

40. Deine Liebe und Ehrerbietigkeit aber gegen die Eltern, kanst du durch nichts besser an den Tag legen, als durch einen willigen Gehorsam, daß du ihren Befehl vollbringest, ihren Züchtigungen dich unterwerffest, ihre Schwachheiten mit Geduld tragest, und sie niemals vorsetzlich beleidigest. Das alles bist du auch deinen Groß- und Stief-Eltern, Vormündern und andern Vorgesetzten schuldig.

41. Deinen Schulmeistern kanst du die Mühe und Treue, die sie an dir bewiesen, nimmermehr gnugsam vergelten. Liebe und Ehre sie daher, wie deinen leiblichen Vater, und suche ihnen ihre saure Mühe durch Gehorsam, Fleiß und Aufmercksamkeit zu versussen.

42. Zwischen dir und deinen Geschwistern laß niemals Feindschafft und Zanck aufkommen.

43. Gegen deine Mit-Schüler suche dich freundlich und dienstfertig zu beweisen. Erwähle aber nur diejenige zu deinen Freunden, die GOtt fürchten und andern mit guten Exempeln vorgehen.

44. Alle böse Gesellschafft fliehe und meide, als ein recht gefährlicher Strick des Satans und bitte GOtt täglich daß er deine Seele für Aergernissen bewahre.

45. Gegen alte und vornehme Leute bezeuge dich Ehrerbietig und höflich, und suche täglich mehr, alle grobe und unanständige Sitten abzulegen.

46. Hüte dich, daß du dich nicht an Fremden, Armen und Gebrechlichen versündigest, ihrer spottest, oder sie sonst kränckest; sondern erweise dich gegen sie mitleidig und dienstfertig.

47. Gegen deine Freunde und Wohlthäter laß bey aller Gelegenheit ein danckbares Hertz blicken.

48. Deinen Feinden, die dich auslachen oder sonst beleidigen, vergilt nicht Böses mit Bösem, noch Schelt-Wort mit Schelt-Wort; sondern bitte GOtt, daß er ihnen ihre Sünde vergebe, und sie bekehre, und laß keine Gelegenheit, ihnen Gutes zu thun, aus den Händen.

49. Achte es für eine unverdiente Ehre, wenn du um deiner Stille und Gottesfurcht willen von andern verachtet und gehasset wirst. Lerne die Schmach Christi von Jugend auf hoch schätzen.

50. Will ein zorniger und rachgieriger Gedancke in dir aufsteigen, so dämpfe ihn durch das Andencken der Liebe und Sanfftmuth JEsu Christi.

51. Laß dich nicht den Zorn überwinden, jemand der dir etwas zuwider gethan hat, zu Schelten, ihm Böses zu wünschen, ihn zu schlagen, oder auf andre Weise dich an ihm zu rächen. Denn GOtt hat gesagt: Die Rache ist mein, ich will vergelten. Röm. 12,19.

52. Laß dich nicht durch Menschen-Furcht abhalten das Böse zu bestraffen. Bestraffe es aber aus Liebe, mit grosser Bescheidenheit und Vorsichtigkeit.

53. Sey nicht traurig und Verdrießlich bey den Leuten, sondern freundlich und munter, und zwar aus einer innerlichen Empfindung der Freundlichkeit und Leutseligkeit GOttes.

54. Hast du jemand beleidiget, so schäme dich nicht, es demüthig zu bekennen und abzubitten.

55. Gib niemand Aergerniß durch böse Handlung, häßliche Gebärden und unkeusche garstige Reden. Sage solche niemals nach, wenn du sie von andern gehöret hast, und schäme dich solchen Unflat des Satans wieder in deinen Mund zu nehmen.

56. Sey zufrieden mit dem, was dir GOtt durch deine Eltern zu wendet, und gönne einem jeden ohne Neid und Mißgunst das Seinige.

57. Laß dich nicht gelüsten auch nur das geringste deinen Eltern und Mit-Schülern oder andern Leuten zu entwenden, oder von dem Gelde, dafür du etwas holen solst, zu veruntreuen, es zu behalten oder zu vernaschen; dergleichen kleiner Anfang hat manchen den Weg zum Galgen gebahnet.

58. Hast du dich verführen lassen, andern etwas zu entwenden, Obst und andere Sachen zu rauben u. s. w. so bekenne deinen Fehler mit wahrer Reue, suche es wieder zu ersetzen oder um Erlassung zu bitten, und hüte dich dein Lebetag für solchem schändlichem Laster.

59. Befleissige dich der wahren Aufrichtigkeit, gewöhne dich nicht an das schändliche Lügen, dessen Vater der Teuffel ist, sondern rede die Wahrheit von Hertzen, wenn du auch gleich Schaden und Verdruß davon haben soltest.

60. Wenn du etwas wieder erzehlest, das du von andern gehöret, so setze nichts dazu; damit du dem Lügen-Geist nicht in die Stricke fallest.

61. Richte und tadle niemand, offenbare nicht deines Freundes Heimlichkeiten, sey kein Verläumder, Schmeichler und Ohrenbläser, sondern rede wohl von deinem Nächsten, und entschuldige seine Gebrechen.

62. Wenn andre ihrer Schul- und andrer Sünden sich rühmen, oder über Narrenspossen lachen, so hüte dich, daß du dich nicht durch Mitmachen ihrer Sünden theilhafftig machest.

63. Siehest du etwas Böses an andern, so seuftze darüber, erinnere dich dabey deiner eigenen Fehler, und bitte GOtt, daß er dich vor solchen Versündigungen bewahren wolle.

64. Gib jederman was ihm gebühret, und laß dich durch die heilsame Gnade GOttes züchtigen, gerecht zu leben.

III. Regeln von dem Verhalten eines Kindes gegen sich selbst.

65. Liebes Kind, lerne dich selbst recht erkennen.

66. Alles Gute, das du an dir findest, ist GOttes; alles Böse aber, das du in dir findest, ist dein eigen.

67. Wenn du dich ohne Eigenliebe und Schmeicheley recht betrachtest, so wirst du gewahr werden, daß dein Hertz von Natur ein Abgrund des Bösen sey, und daß der Saame aller Laster in dir verborgen liege, welcher nur auf Gelegenheit wartet, hervor zu brechen.

68. Fliehe also alle Gelegenheiten zum Bösen, wie den Teufel selbst. Denn es sind lauter Kupplerinnen, die dich in seine Gewalt überliefern.

69. Deine unsterbliche Seele ist das edelste Theil deines Wesens, daher must du auch mehr dafür sorgen, als für den sterblichen Leib.

70. Der Adel deiner Seele bestehet in der Vereinigung mit GOtt, daher du nach derselben aus allen Kräfften streben must.

71. Wilst du aber mit Gott vereiniget werden und bleiben, so must du die Sünde ernstlich hassen, und die sündlichen Neigungen deines Hertzens in täglicher Reu und Busse dämpfen, denn die herrschende Sünde scheidet dich und GOtt von einander.

72. Weil aber Gott, der ein verzehrend Feuer ist, keine Gemeinschafft mit einem Sünder haben kan, ohne den Mittler: so must du diesen im wahren Glauben anehmemund ihm dein Hertz zur Wohnung einräumen.

73. Wo aber der Mittler, JEsus Christus wohnet, da wohnet auch sein Geist, der die Seele immermehr zum Bilde GOttes erneuert.

74. Diesen heiligen Geist laß in deinem Hertzen frey und ungehindert würcken, so wird er deinen Verstand erleuchten, deinen Willen zu GOtt lencken, und dein Gewissen mit Friede und Freude erfüllen.

75. In dieser Ordnung must du auch selbst die Kräffte deines Gemüths immermehr zu verbessern suchen.

76. Brauche deinen Verstand und dein Gedächtnis etwas nützliches mit demselben zu fassen und zu behalten.

77. Zuvörderst sammle dir einen Schatz der Erkenntniß aus dem Worte GOttes, das dir den Weg zur Vereinigung mit Gott zeiget; nächst dem aber bemühe dich auch andere nützliche Wissenschafften zu lernen.

78. Gewöhne deinen Willen, allezeit das wahrhafftig Gute zu erwählen, und das Böse zu verwerffen.

79. Bringe deine Einbildungs-Krafft in gute Ordnung. Bilde dir die Lust der Welt nicht lieblicher, und das wahre Christenthum nicht schwerer ein, als sich beydes in der That befindet.

80. Lerne bey Zeiten deine Affecten und Gemüths-Neigungen zähmen, damit sie dich nicht zum Sclaven machen.

81. Verunruhige dein Gemüth nicht, weder durch das Verlangen nach irrdischen Dingen, noch durch eitele Hoffnung, noch durch unnütze Furcht, weder durch weltliche Traurigkeit, noch durch üppige Freude.

82. Zorn, Neid und Mißgunst sind Hencker der Seelen, hüte dich daß du nicht unter ihre Gewalt gerathest.

83. Laß keine geile und unflätige Lüste in deinem Hertzen aufsteigen, denn sie verwüsten Leib und Seele.

84. Aus der verderbten Eigenliebe entstehen drey Haupt-Laster, Ehrgeitz, Geldgeitz und Wollust. Prüfe dich wohl zu welchem du am meisten geneigt seyest, und suche solche Neigung bey Zeiten zu unterdrücken.

85. Je mehr du deiner natürlichen Neigung schmeichelst, ihr ihren Willen lästest, und sie verzärtelst, desto tyranischer wird sie dich beherschen.

86. Deine Seele kan nirgends Ruhe finden als in GOtt. Je näher du dich durch Glauben und Liebe mit ihm vereinigest, desto ruhiger wird sie werden.

87. GOtt hat dir aber nebst der Seele auch deinen Leib anvertrauet, und ihn mit Sinnen und Gliedern weißlich gezieret; daher bist du verbunden, auch denselben gesund zu erhalten, und unbefleckt zu bewahren.

88. Sey also vorsichtig, und gib dich nicht in gefährliche Umstände, in welchen Leib und Gesundheit Schaden leyden könte.

89. Gewöhne dich nicht wollüstig, und verzärtle deinen Leib nicht zu sehr, sonst wirst du dein Lebenlang ein elender und kräncklicher Mensch werden.

90. Schäme dich niemals, auch der geringsten Arbeit, sondern thue sie gern, und fliehe als die Pest, den trägen Müssiggang.

91. Hänge dem Schlaf nicht zu sehr nach, damit du nicht in Faulheit gerathest.

92. Ueberfülle deinen Leib nicht mit allzu vielem Essen und Trincken, Denn Mässigkeit erhält Gesundheit.

93. Fliehe insonderheit die mehr als viehische Trunckenheit, und laß dich niemals bereden, mehr zu trincken als dir dienlich ist.

94. Gehe züchtig und schamhafftig mit deinem Leibe um, und bedecke, was die Natur will bedeckt haben, weil deine Glieder Christi Glieder sind, und weil dein Leib ein Tempel des H. Geistes seyn soll.

95. Schickt dir GOtt an deinem Leib etwas zu, so trage deine Schmerzen mit Gedult, und glaube, daß er dich lieb habe, weil er dich züchtiget.

96. Will GOtt daß du in der Welt arm, kranck und verachtet seyn sollst, so gedencke: Er ist der HErr, er the was ihm wohl gefällt.

97. Bedencke daß du nicht immer in dieser Welt leben werdest, und schicke dich bey Zeit zu deinem Abschiede.

98. Stelle dir jeden Tag als den letzen vor, so wird dein letzter Tag dich nicht unvermuthet überfallen.

99. Bitte GOtt, daß er dir eine lebendige Ueberzeugung von der Gewißheit der Auferstehung des künfftigen Gerichts und des ewigen Lebens geben wolle.

100. Fürchte dich nicht vor dem Tode, denn hast du Christlich gelebet, so wirst du auch selig und freudig sterben können.