Topographia Austriacarum: Judenburg

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Topographia Germaniae
Judenburg
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1679, S. 43.
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Judenburg.

Diß ist die Hauptstatt in Ober-Steyer / an der Muer gelegen / nach welcher man 14. Meilen hinab auf Grätz / zu Land / hat / nemlich 6. gen Leubm / und von dar noch 8. auff Grätz. Und fähret man von Judenburg biß nach Leubm allbereit mit Flössen / auff der Muer / daselbsten man so dann / neben den Flössen / auch Schiff hat. Ubers Gebürg aber seynd von Judenburg nur acht Meilen auff Grätz / nemlich 1. Meil gen Weissenkirchen, von hinnen über die Stuben Alben / auff welcher zu oberst ein schönes Wirtshauß / dahin ein starcke Meil. Ferners den Berg herab auff Lancowitz / so ein Herbersteinisch Schloß / sampt einem Franciscaner Closter 1. Meil; von dannen zur Stadt Voitsperg / 2. Meilen: von welchem Ort noch 3. Meilen auff Grätz sind. Und solcher Weg wird viel gebraucht. Es ist Judenburg ein schöne / und wolerbaute Statt / so auff 3. Seiten / vorauß gegen der Muer / an einer zimlichen Höhe / und also gar schön liegt. Hat / neben andern 8. Gassen / sonderlich zwo Hauptgassen / die zu beyden Seiten durch die Statt gehen / und durch welche / beederseits der Länge deß Platzes / zwey Bächlein fliessen: Und ist solcher Platz schön / groß / weit / und lang / darauff jährlich zweymalen / als am H. Aufffarths- und S. Ursulae Tag / ein grosser Jahr- und Viehmarckt gehalten wird / welcher allezeit 8. Tag (doch der Viehmarckt nur einen Tag) wehret. Der Thor sind fünffe / sampt einem Thörlein. Es hat auch ein schön Fürstliches Schloß in der Statt / die Burg genant / allda auch bißweilen eine Fürstliche Hoffhaltung / sonderlich wann es zu Grätz gestorben / gewesen; daran nächst das Franciscaner Closter liegt / also / daß man auß der Burg / durch einen kleinen Gang / oder Galeria, in das Closter / und Kirchen / und auff eine sonderliche Vorkirchen / für die Fürstliche Personen erbaut / kommet. Die Jesuiter haben das Dominicaner Closter / sampt etlichen daneben liegenden schönen Häusern / zu einem stattlichen Collegio gemacht / und ein Schul darinn auffgericht. Und sind biß an dieses Collegium hinauff beederseits Adeliche Freyhäuser / oder Wohnungen erbauet; und stehet auch in selbiger weiten Gassen / so wol ein Platz möchte genennet werden / der Saltzburgische Kasten. Unter der Herren- und deß Adels Häusern ist auch / Herrn Christoph Friederichs Zähen / zu Groß Globming / Hauß / an der Stattmauer / Zähenburg genant; und gegen über das Wagnisch ansehenlich Hauß / oder Pallast; darzwischen S. Martinskirchen / auff einem lustigen Platz gantz frey liegt / in welcher / vor der Religionsänderung / die Evangelischen ihre Geistliche Ubungen / und Gottesdienst / gehabt / und verrichtet haben: Der Zeit aber wird solche Kirch deß Jahrs ein oder zweymal von dem Statt Pfarrer allhie besungen. Die Pfarrkirche ist ein schönes grosses Gebäu / darinn vornehme Herren / und vom Adel / ihre Epitaphia haben: Wie dann vor diesem ein grosser Adel allda gewohnt. Es hat auch ein schönes Spital / zum H. Geist genant / in der Statt; und gleich unter der Statt / bey der Muer / ein schönes Frauen-Closter / S. Clarae Ordens. Das Rathhauß ist auch zu sehen. Und hat die Statt selbsten Bann / und Acht / und wird zum Malefitzrecht nur der Ankläger / und Scharff-Richter / von Grätz herauff erfordert / und solches nicht auff öffentlichen Gassen vor dem Rathhauß / wie in andern Stätten gebräuchlich / sondern auff dem Rathhauß / in einer weiten Stuben / dahin man die arme Sünder führet / gehalten. Das Regiment der Statt bestehet bey Burgermeister / Richter / und Rath. Die Land-Stände haben sonsten allhie kein besonders Landhause / Landshauptmannschafft / und Verordnete / als wie in Ober-Oesterreich / sondern es wird alles nach Grätz gerichtet. Es hat ferners auch vier schöne Röhrkästen / oder springende Brunnen / in der Statt; und gegen oberwehntem Marcktflecken Weissenkirchen liegt eine Vorstatt / so sich unten gegen der Muer erstreckt / über welchen Fluß da eine Brücke gehet; jenseit deren eine Kirch / und kleines Vorstättlein / sampt etlichen Mühlen / zu sehen. Und ist der gantze Muerboden / oder Judenburger Feld / biß gen Knitelfeld / über die massen ein schöne lustige Gegend / da viel stattliche Schlösser / und Dörffer seynd. Auß Großgünstiger Communication H. S. F. Z. Z. G. etc. Lazius hält Judenburg für alt / wie lib. 12. Reip. Rom. sect. 6. cap. 4. zu lesen / der von dannen fünff Meilen nach Friesach rechnet; aber sich in dem irret / daß er den Flecken Kobentz / so Er ein oppidulum nennet / sampt dem Feld / auffs nächste bey Judenburg setzet. Dann solcher Ort noch weit davon liegt.