Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Berlin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Berlin
<<<Vorheriger
Bergen
Nächster>>>
Bernaw
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1652, S. 26–29.
Wikisource-logo.png Berlin in Wikisource
Wikipedia-logo.png Berlin in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[26]
Berlin /

Es wollen etliche / daß diese Churfürstliche Brandeburgische Residentz-Stadt / Albertus, zugenandt der Beer / Graff zu Anhalt / erbauet habe. Johan. Angelius à Werdenhagen schreibet part. 3. de Rebusp. Hanseat. cap. 23. fol.338. daß dieser Albertus von Anhalt / Marggraff zu Brandeburg / diese alte Stadt erweitert / und mit Mauren umbgeben / und habe sie alsdann / wie man sage / den Namen nach ihm bekommen. Er habe damals auch andere Städte / und Schlösser / die seinen Namen Beer führen / als Bernau / Beerwald / Bernstein / etc. gebauet. Er hat zun Zeiten Käysers Conradii III. gelebt. Als nun diese Stadt / wegen ihres guten Lagers / der Burger Fleiß / und Arbeit / in kurtzem zimblich zugenommen; so hat sie darauff im Jahr 1380. ein grosse Feuersnoth gehabt / daß fast alle Häuser [27] daselbsten verbronnen seyn. Der aber Churfürst Sigismund von Brandeburg / hernach Römischer Käyser / so solches Land von seinem Bruder H. Wentzeln / bekommen / gewaltig wieder auffgeholffen / und sie mit mehrern Freyheiten versehen hat. Anno 1440. seynd die Burger / deß guten Glücks halber / so sie mit Kauffmannschafften gehabt / frecher worden / und haben sich / mit grossem Schaden der Stadt / gröblich an ihrem Rath vergriffen; und damit verursacht / daß Marggraff Friderich ihrer Freyheit ein Gebiß eingelegt / und ein Schloß dahin erbauet. Und haben folgends die Churfürsten von Brandeburg ihr Hofflager alhie angestellet. Es ligt Berlin an dem Fluß Spree / oder Sprea, welchen als Pirckheimerus, Dresserus, Willichius, Maginus, Bertius, etc. für deß Ptolomaei Suevus halten; so aber nicht seyn kan. Dann Ptolomaeus setzet deß Suevi Außfluß an das Balthische Meer; aber die Spree kompt gar nicht in dasselbe / sondern ergeusset sich bey Spandau in die Havel / und läuffet mit derselben bey Werben in die Elbe / und von dannen gehet sie mit der Elbe in die West-See. Und hält Micraelius lib. 1. Pomer. cap. 20. den Gellen bey Stralsunde für den Suevus, und sagt / auß den alten Pommerischen Chronicken / daß solcher vorzeiten tieffer / als jetzund / gewesen / und endlich durch der Holländer Ballast fast sehr verschüttet worden sey: welches der Stadt Stralsund nicht wenig geschadet hätte / wenn durch das Neue Tief / so durch einen Wasserriß umbs Jahr 1317. gemacht worden / ihr nicht eine Neue Fahrt eröffnet wäre. Dieser Gellen / schreibet er ferners / führet uns bey dem Denholm / und der Stadt Stralsunde / gerade durch das Neue Tieff / biß an den Ruden / welches Eyland / oder Insulchen / gerade für der Peenemünde liget / und ist gewiß / daß da jetzund das Neue Tieff ist / ein groß Stücke Land von der Insul Rügen vorzeiten gewesen / zwischen welchem / und dem festen Land in Pommern / ein breiter Fluß gegangen / der gerade biß in die Peene sich hinein gestrecket / also / daß man auß der Oder durch das grosse Haff / und die Peenemünde in den Gellen hat schiffen können. Würde also der Gellen eben der Außfluß deß Suevi seyn / und die Oder / die sich auß der Peene / beym Ruden hin / nach dem Gellen gestrecket / wäre besagter Weise der Suevus selbst. Welches auch darauß abzunehmen / daß noch heutiges Tages der Arm der Oder / der zwischen Usedom / und Wollin / ins Meer fleusset / die Schwine / oder Schwene / bey welchem die Sueones, oder Suevi gewohnet / genandt wird. Gewiß ist es / daß die alten Suevi vorzeiten haben in Pommeren / und der Marck / an beyden Seiten deß Suevi gewohnet. So fleusset aber kein groß berühmter Fluß in diesen Provincien / als die Oder / darumb haben entweder die Suevi ihren Namen dem berühmten Oderstrom gegeben / oder sie haben sich von demselben genennet. Von dem Suevo, biß zum Viadro, setzet Ptolemaeus ein wenig über drithalb Grad. So weit liget auch fast der Gellen von der Divenaw / dem letzten Außfluß der Oder. Wäre also die Divenaw unzweifentlich eben der Viadrus; und weil die Divenaw einen Arm der Oder zu sich nimpt / also folget drauß / daß die Oder auch der Viadrus sey. Und würde also der Oderstrom / beydes deß Suevi, und deß Viadri, Namen gehabt haben. Und daß dieser Suevus nicht die Spree / so Schiffreich / sondern / wie gesagt / die Oder seye / das beweiset auch Philippus Cluverius l. 3. Antiq. German. cap. 25. Aber wieder auf die Stadt Berlin zu kommen / so seynd da die Häuser auff die Art / wie zu Spandau / mit den Bäncken vor den Thüren gebaut. Seynd alle mit Gibeln vornen herauß; und die Gassen daran breit und sauber. Das Hauß / darin die alten Churfürsten vorhin Hoff gehalten / ist in der Closterstrassen / so hernach D. Raiger ingehabt. Es ist diese Stadt nicht sonderlich groß / und ist von schlechten Gebäuen. Sie hat drey Thor / alte Mauren / aber doppelte Gräben; und wird in vier Kirchen geprediget.


Gegen Berlin über dem Wasser ligt die Stadt Cöln / zugenandt an der Spree / so der Stadt Berlin Colonia, und von ihr erbauet worden ist. Man kan in beede Städt über zwo Brücken kommen. Es seyn in dieser Neuen Stadt 2. Kirchen / nemblich der Dom / zur H. Dreyfaltigkeit genandt / (auß welchem Ann. 1615. alle Altär / Tauffstein / [28] und Bilder geraumet worden seyn; wie davon / und dem Tumult / der darüber entstanden / unter andern / auch Nicol. Helduaderus part. 2. Sylvae Chronol. p. 292. seq. zu lesen) und die zu S. Peter. Von Weltlichen gebäuen / ist insonderheit zu Cöln das Churfürstliche Schloß / und Residentz / an dem Wasser / zimlich Regalisch / und weitläufftig mit 2. Höfen erbauet / zusehen. In dem Neuenbau ist die Stallung / in welcher / vor dem nächsten Teutschen Krieg / viel schöne Pferde; in den Rüstkammern / viel Küraß / oder Küris / auf Roß und Mann / auch zum Scharffrennen; viel inventionen, und Schlitten / mit welchen man biß für die Losamenter hinauff fahren können; In der Schloß-Kirchen viel Gemählde von Lucas Kranach / und andern Mahlern gemahlet / die zuvor in der gedachten Domkirchen gewesen / zusehen waren; die neben andern Sachen / sonderlich der Schatz / als ein gantz guldener Altar / die zwölff Apostel Lebens-Grösse / von getribenem Silber; Bischöffshüte / Stolen / Stäbe / etc. alles mit Perlen versetzt / sonder Zweifel / beyzeiten / von dannen / in die beyde Churfürstliche Vestungen Cüstrin / und Spandau / geflehnet worden seyn werden. Man solle nirgends so viel Gemälde von gedachtem Lucas Kranach / als alhie / beysammen gefunden haben / so eines grossen Schatzes wehrt. Auff dem Thurn / an der Schloß-Kirche hängt ein grosse Glock / davon theils sagen / sie sey so groß / als die Erffurtische / und etwas höher: aber man muß sie tretten. In der Kirchen drinnen ist Churfürst Johansen / und seines Sohns Joachimi I. monument von Messing / in Churfürstlichem Habit / zusehen. So ligen auch da Churfürst Hans Georg / und Churfürst Joachim Friderich. Im innern Schloßhof ist ein schöner / grosser / und künstlich durchbrochener / und außgehauener Schnecken / von Quaderstucken / oben mit einer Altanen / unten mit einem Stüblein: und kan man durch verborgene Gäng und Thüren auß- und einreiten. Das alte Gebäu ist 3. Gaden / das Neue 4. Gaden hoch / hat ungefähr 40. Stuben / und Cammern. Unten herumb seynd meistentheils Hoffstuben. Unter dem grossen Thor wohnen die Wächter / und Hauß-Vögt; darneben ist ein Gewölb / in welchem obgedachter Schatz auffbehalten worden: Item die Cantzley / und Cammer zu den Archivis, oder Original: und Geheimen / auch sonderbaren Schrifften. Denen folget die Rentey. Unter dem grossen Saal sind zwo grosse Hoffstuben / auff der andern Seiten daran die Silberkammer. Dann die Capell. Zwischen der Küchen der grosse Wendelstein / da man biß in andere Gaden reiten kan. Durch den grossen Schnecken / oder Wendel / kommet man auff den grossen Saal / der so lang und breit / als das Schloß auff derselben Seiten ist / auff Art deß Saals zu Padua / und deß Lustshauß zu Stutgart / alles am Dachstul hangend. In deß Herrn Churfürsten Losamentern hiengen Käyser- König- Chur- und Fürstliche Conterfethe / vor dem besagten Krieg / alle Lebens-Grösse. Die Deckin ist gemahlet mit Emblematibus oder Sinne-Bilden; andere Losamenter von Historien / und Tugenden / in denen hin und wieder hüpsche Taflen von besagtem Luca Kranach / auch geconterfehte Bergwerck / Pferd / Hirschen / wilde Schwein / und dergleichen vorhin zu sehen waren / und villeicht theils noch. Das Neu Gebäu über dem Thor / alda auch die Rathstuben / hat fünff Tabular über einander / mit sehr schönen Gemachen / für fremde Herrschafften. Die Schloß-Apothecken ist auch zu sehen / in welcher drey Zimmer voll Büchsen / Flaschen / und Gläser / mit allerley köstlichen Sachen / gar in schöner Ordnung / mit hüpschen Laboratoriis, guten Kellern / und Springwassern / vor diesem vorhanden gewesen. Und dieses Schloß hat Churfürst Joachimus der Ander mit grossem Unkosten auffgeführt: darin man die Churfürsten von Brandeburg biß an die Brust außgehauen / und gemahlet / siehet. Hat keine Gräben herumb. Ausserhalb deß Schlosses ist der Garten / das Vorwerck / Wagenhauß / ein grosses neues Hauß / etlich hundert Schuch lang / weit / und breit; das Jägerhauß; das Ballhauß. Und wird der Orth / wo diese Sachen stehen / der Werder genandt. Es ist auch da ein schöne Wasserkunst / welche an die Altanen deß Schlosses stosset: Item ein eingefaster Platz zum Beerenhatz: und ein hübsche Rennbahn gegen der Stadt. Wir finden / [29] daß dieser Städte Wahrzeichen seyn sollen drey grosse Linden / welche vor einer Kirchen nach einander stehen / jede auff 24. Schritt / die den gantzen Platz / so 90. Schrit lang / und 20. breit / bedecken; welche / an vielen Orthen / Alters halber / mit Ketten gebunden seyn / auff einem hültzern Gerüste ruhen / und unter solchen an der Kirchen ein Predigstul / und viel Bäncke herumb / stehen. Sonsten wird auch der S. Gertruden-Kirch ausser Cöln gedacht. Und wird in dem vierdten Theil Theatri Europaei Meriani fol. 606. gesagt / daß die in Berlin / auß Forcht vor den Schwed-Stalhansischen / die drey Vorstädte zu Cöln an der Spreu / deß Jahrs 1641. theils eingerissen / theils angesteckt / auch das Churfürstliche und andere Vorwercke angezündet / und an der Kirchen zu S. Gerdraut etwas abzutragen angefangen hatten; daß also fast nichts / als das Churfürstliche Reit- und Ballenhauß diß Orths stehend geblieben; welche beede zur defension verschantzt wurden. Dann diese beede Städte albereit vorhero in Anno 1639. erfahren / wie es umb frembde Gäste beschaffen / in deme der Schwedische Obriste Debitz / mit 4. Regiment zu Pferd / und 2. zu Fuß im Augusto / sich an die Stadt Berlin gemacht / und bey derselben eine grosse Summa Gelds gefordert / welche doch / vor beyde Städte Berlin / und Cöln / auf 16. tausend Reichsthaler / und für die Landschafft auff drey tausend / gemittelt; und er / nach solchem Accord / mit diesen 6. Regimentern / alda eingelassen; von der Obrigkeit aber hernach / im Septembri deßwegen eine starcke Inquisition zu Berlin gehalten / und ein Burgermeister nach Spandau gefangen gesetzt worden; wie hievon in gedachtem Theatro fol. 76. seq. zulesen ist. In der Frühlings Relation deß Jahrs 1629. stehet am 60. Blat / daß allhie zu Berlin sich jederzeit / so jemand auß dem Churfürstlichen Hause mit Tod abgehen sollen / ein Gespenst / in einem Weiblichen Trauer-Habit sehen / und dieses im Decembri Anno 28. wieder auff ein neues vermercken lassen / und da es zuvor stumm gewesen / jetzo folgende Wort geredet habe: VenI, JUDICA VIVos, et MortUos.