Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Cößlin

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Topographia Germaniae
Cößlin (heute: Koszalin)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1652, S. 41–42.
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Cößlin /

Oder / wie die Alten geschrieben / Cüssalin / ist deß Bischofflichen Camminischen Stiffts Residentz-Stadt / ein Meil Wegs von der See / oder dem Meer / gelegen. Es können die Burger alda ihr Korn / und was sie wollen / allenthalben verschiffen / und hergegen / was ihnen mangelt / herzubringen. Gebrauchen sich sonsten der frischen See / die auff eine Meil Weges groß ist / sehr wol zu ihrer Nothdurfft / auff welcher sie offtermalen zur Winterzeit / etliche hundert Tonnen Fische in einem Zuge gefangen haben. Es liget diese Stadt sub latit. 53. et. 54. et longitud. 40. 45. an einem nidrigen Orth / nicht weit von Chollenberge / 1. Meil von Zanau / und 3. Meilen von Cörlin. Ist umbher mit vielen Teichen und Sümpfen umbgeben / und gebrauchet deß Baches / den sie den Nese-Bach nennen / zu unterschiedlichen Korn- Schneide- Walck- und andern Mühlen. Der Acker ist auch gut / und die Hufen gehen umb die Stadt in die Ründe herumb / und ein jede beschläget eine gantze Meile / der fünffte Theil liget jederzeit Brake / oder im Brach. Im Papsthum sind an 3. Oerthern in Hinter-Pommern / da die drey Marien solten auff drey Bergen gnädig seyn / 3. Walfarten gewesen / als nach Polnow / Revekohl / und zu dem Chollenberge bey Cößlin. Aber unter diesen ist die Wallfahrt für Cößlin vor die heiligste gehalten worden. Anno tausend vierhundert und achtzig / seynd die Cößliner hart gestrafft worden / weilen der gemeine Pöbel alda sich schwer an Hertzog Bogislao X. in Pommern / vergriffen / und ihn von seinem Schloß bey Zanow gefangen in die Stadt gebracht haben. Sonsten ist / neben den vier Kirchlein vor den Thören / und der H. Geistes Kirchen / so neulich in der Hohenthorischen Strassen renoviert ist / in dieser Stadt eine Pfarr-Kirche / und dann die wolauß gestaffierte Schloß-Kirche nebenst dem Schlosse / da zuvor das Jungfrauen Closter in der Ehre der Jungfrauen Maria gestanden. Hertzog Franciscus Bischoff zu Cammin / hat die öde Closter-Kirchen durch einen Künstler auß Niderland / sehr schön zurichten Anno 1609. lassen / ist zur H. Dreyfaltigkeit genandt worden. Ingleichem hat die Stadt Cößlin ihre Kirche umb diese Zeit [42] so wol mit einer schönen neuen Orgel / als mit einer künstlichen gemachten Messingischen Krone / so zwölff Centner wiget / außzieren lassen. Es ist sonsten alhie die Fürstliche Bischöffliche Cantzley / und Hoffgerichts-Stadt / dahin alle Stifftische Rechtes-Streitigkeiten gehören. Hat auch alda ein gute Schul / darauß viel gelehrte Leuthe kommen; und diese Stadt ohne das solche vornehme Personen herfür geben hat: unter welchen Herr Johannes Micraelius der Autor der Pommerischen Sachen Beschreibung ist; deren wir uns in diesem Tractat offtermals gebrauchen / und auch dieses gegenwärtige auß derselben nehmen: gleichwol / weilen / wir uns der Kürtze befleissen / etliche Geschichte außlassen. Im 1504. Jahr / ist diese Stadt / an Simonis und Judae Tag sampt dem Rathhause / abgebronnen. Sie hat sich aber bald wieder erholt / und sind die Häuser in guter Ordnung / und feiner Manier wieder außgebaut / (wiewol / wie einer schreibt / solche gar wenig Raum / und enge Höfe / haben.) Ist auch acht Jahr hernach die ansehenliche grosse Tafel in der Kirchen / dero wenig gleich gefunden werden / gebauet worden. Anno 1535. ist in dieser Stadt eine grosse Pest entstanden / daß der Pfarrer / und sein Collega, auch wol 1500. Leuthe gestorben seynd. Es hält diese Stadt zweymal alten Marckt / als Sonnabends nach Esto mihi, und auff Marien Geburt; und auch zweymal neuen Marckt / als Donnerstags nach Laetare, und auff aller Heiligen Tag. Seccervitius schreibet dieser Stadt zu / formosa tecta, culta civum pectora, et Senatum placidum, Principibus obsequiosum. Anno 1530. und 32. ist albereit alhie und zu Colberg die Predigt deß Evangelij erschollen. Man zeiget annoch bey Cößlin einen Hünenberg / in welchen vor diesem das grosse Messingische Horn / das die Wächter deß Nachts blasen / und ein grosses Schwerd / und sonsten grosse Menschen-Knochen / sind gefunden worden. Dann auch Hünen / oder Hungern Hinter-Pommern gewohnt / als König Witzlaff / Boleßlai Sohn / Anno 1026. daselbsten einfiel / den Pommerischen Fürsten erschlagen / und das gantze Pommerische Heer in die Flucht geschlagen / und das zwischen der Weyssel / der Bra / und der Persante / eroberte Land / dem Belae / Königs Ladislai Calvi in Ungarn Sohn / welchen / und seine Brüder / ihr Vetter Petrus vertrieben) eingeben hatte; der solches Land auch bey 35. Jahren besessen.