Topographia Hassiae: Gudensberg

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aus Topographia Hassiae, Text von Martin Zeiller, Illustrationen von Matthäus Merian
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Gudensberg (Merian).jpg
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Gudensberg.


In Nieder-Hessen / nahend Kirchberg / Fritzlar / vnnd Felßburg / gelegen; so ein Ambt hat; stöst oberhalb mit etlichen Dorffschafften / als auch vnderhalb an die Eder / auff der andern seyten aber gräntzet es an die Mäyntzische / vnnd Waldeckische Gebiet / wie auch an das Ampt Wolffhagen / zum Diemelstrohm gehörig. Wird vor die rechte Schmaltzgrube / da die meiste Frucht wächset / gehalten. Käyser Carl der Grosse hat bey dieser Statt mit den Sachsen ein denckwürdige Schlacht gehalten / vnd ihnen obsieget. An hiesigem Orth sind erstlich zwey Schlösser gestanden / deren das eine das Kleine / das ander aber das Grosse / genannt worden. Auff dem kleinen wohneten Edelleuth / die von Gudensperg genannt. Auff dem grossen Schloß wohneten vnderschiedene vom Adel / deren Geschlecht außgestorben. Vnd weil die Edle von Gudenßberg gegen LandGraff Henrich feindlich sich verhielten / vberkam er das kleine Schloß / vnnd verheerete es im Jahr 1281. in der Johanns-Nacht.

Das vbrige Schloß liget auff einem hohen Felsichten Berge / in einem grossen weiten Felde. Ist noch vor wenig Jahren bewohnt gewesen; nach der hand aber abgebrochen / vnnd die Steine zu andern Fürstlichen[ws 1] Gebäwen gebraucht worden. Die Statt ligt daran / vnnd vergleicht sich fast mit der Statt Felsberg; Vnnd ob Sie wol etwas besser gebawet gewesen / ist Sie doch des Jahrs 1640. gantz / vnnd gar / biß auff die Kirchen / vnd sehr wenig Häußlein / eingeäschert worden. Das Ampt bestehet in mehr / als etlich vnd zwantzig Dorffschafften / vnnd ist weit umbfangen; aber in dem leydigen Kriegswesen / mehrentheils abgebrant worden. Hat sonst vberauß stattliche Dorffschafften gehabt: vnnd begreift allenthalben grosse / weite / ebene / sehr fruchtbare Felder / wenig Gebürg / aber viel vnterschiedene höhe / spitzige Hügel / daran dickes Gebüsche / vnnd Steinfelsen / so ihre vnderschiedene Namen haben; hat auch wenig Wildbahnen / ohne zur seiten / gegen Cassel / den Langenberg / welches ein schmales / hohes Gebürge ist. Dieses Ampt wird mitten durch den starcken Fluß Embs / welches ein sehr stattliches Fischwasser / getheilet / vnd erstrecket sich an den Habichswalde. Ermeltes Wasser Embs hat seinen Vrsprung hinder dem Langenberg / in einem grunde / nicht weit von dem alten verwüsten Schloß Falckenstein / denen Edelleuthen die Hunde zu Kirchberg genant / zuständig; fleust förters durchs Closter [81] Merxhausen / vnnd ergeust sich underhalb Felsperg / bey dem Dorff Böddingen / in die Eder. Gedachtes Kloster Merxhausen / ist von dem alten löblichen Fürsten zu Hessen / zu einem der hohen Hospitalien verordnet worden / daß / gleich wie zu Heyna / Mannspersonen; also allhie etlich hundert arme / gebrechliche / lahme / blinde / taube / stumme / tolle / vnnd wahnwitzige Weibspersonen / ernehret werden sollen. Dieses Closter hat seine stattliche Einkommen; vnnd ist in der Ringmawer weit vmbfangen; hat auch viel Gebäw / als / Scheuren / Ställe / Braw: vnd Backhäuser / vnd andere gute Bequemlichkeiten / vnd vnter andern auch diese / daß man in der Embs / welche durch die Kuchen fleusset / die stattlichsten Forellen von etlichen Pfunden fangen kan. Ligt sonst in einer enge / zwischcn 2. hohen Bergen. In dem besagten Ampt / zwischen dem Langenberge / vnnd Falckenstein / ligt auch das vhralte Stättlein Niedenstein. Auch hat es in diesem Ampt Gudensperg stattliche grosse Teiche / insonderheit einen bey dem Dorff Weren / allda Jährlich / vor allen andern Orthen deß Landes / ein grosser Sprienen / oder Stahrenfang / gehalten wird. In dieser Gegend ligt die Chur-Mäyntzische Statt / vnd Stiffte Fritzlar / gantz auff Hessischem Boden. Es gräntzet auch ferners an das Ampt Gudensperg / zwischen den Dörfferen Bahlhorn / vnnd Elben / das Chur-Mäyntzische Schloß / Stättlein / vnd Gebiet / die Numburgk genant. Es hat vmb solches / vnnd das Stättlein Züschen / so zwischen Fritzlar / vnnd Numburg / an dem Wasser Elbe gelegen / vnnd denen von Meisebug gehörig; wie auch beym gedachten Closter Merxhausen / vnd dem Stättlein Wiedenstein / dieses Ampt Gudensperg / noch etliche Gebürge / vnd Gehöltze; sonst aber ist es mehrentheils eben.

Es seyn Anno 1249. 1270. vnnd 1350. Schlachten nahend dieser Statt geschehen. So ist sie An. 1312. in Grund außgebronnen. Ferners hat Anno 1368. Herr Gerlach / Ertzbischoff zu Mäyntz / diese Statt bestritten / vnnd erobert / die Weinberg abgebrannt / ist aber dannoch von dem Obern Schloß / mit grossem Spott / vnnd Schaden / zurück getrieben / vnnd abgehalten worden. Vnnd ob auch gleich nach ihm Ertzbischoff Adolph im folgenden 1382. Jahr / diß Schloß mit einer geschwinden Belägerung angetastet / so hat er doch vngeschafft abziehen müssen. Von dem Jahr an ist Gudensperg / innerhalb 7. Jahren / zweymahl außgebrannt / vnnd zu dem deß Jahrs 1389. dermassen zugerichtet vnnd eingeäschert worden / daß deßwegen / vnnd sonsten auch / der vielfältigen KriegsSchäden halber die grossen Vorstätte nicht wider auffgebawt werden können. Der Orth / darauff die Vorstätte gestanden / wird noch theils an jetzo die Freyheit genennet. Letzlich hat diese Statt in Anno 1586. noch einen schweren Brandschaden / so durch Muthwillen eines Knabens vervrsacht worden / außgestanden / in welchem bey 80.Gebäwe durchs Fewer verderbt worden seyn. Siehe die Franckenbergische am 49. vnnd die Limpurgische Chronicken / am 10. vnd 42. Blättern.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Fnrstlichen
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