Topographia Sueviae: Liebenzell

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Topographia Germaniae
Liebenzell (heute: Bad Liebenzell)
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Liechtenstain
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 119–120.
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Liebenzell / Liebecella,

An der Nagolt / im Schwartzwald gelegen. War vorhin Badisch: Ist aber / sampt dem gantzen Ampt / durch Tausch / an Hertzog Friederichen von Würtenberg kommen. Erckinger von Mercklingen / der sich den grossen Tyrannen genant / hatte dieses Stättlein vnd Schloß / Liebenzell innen / wider welchen der Marggraf von Baden zu kriegen sich zu schwach befande; deßwegen Pfaltzgraf Ruprechten vmb Hülff angeruffen; welche dann mit gesampter Hand / diß Liebenzell eyngenommen / vnnd den Tyrannen von dem höchsten Thurn deß Schlosses herunter gestürtzet; vnd stehet solcher Thurn noch; deß vber dem Stättlein gelegenen Schlosses aber / ist noch das zerfallen Gemäwer vbrig. Das Mercklingen aber / darvon [120] sich obgedachter Erckinger genandt / ist nicht weit von der Reichsstatt Weyl / gegen Tieffenbrunn / vnnd Pfortzheim wärts / an der Wyrms; welcher Felck grösser / vnd Volckreicher ist / als Brackenheim / ein sehr lustiger / vnd wasserreicher Ort / welchen Anno 1296. die Grafen von Zweybrück den Mönchen zu HerrenAlb / mit aller Herrligkeit / sampt der Dube / vnd Alpse / vmb vierhundert vnd fünfftzig Pfundt Heller / verkaufft haben. Der Vogt wohnet im Fronhoff / daselbst 2 Häuser mit einer Mawer vmbgeben seyn / vnd hat 4. Flecken vnter sich. Es ligt nicht weit von dem gedachten Stättlein Liebenzell / das berühmbte Zellerbad / dessen Wasser Alaun / Kupffer / vnd ein wenig Schwefel hält / vnd vnter den Bädern / so gewärmet werden müssen / den Vorzug hat. Dann es dienet wider die Verstopffungen der Leber vnnd Miltz / sonderlich die Gelbsucht / langwürige Fieber / so von zähem Schleim / vnd der Gallen jhren Vrsprung: Item / wider die viertägige; Item / böse Farb / Hundshunger / bösen Magen; Bluten Geschwär: Glaichschmertzen / vnd andere Zustände; sonderlich aber ist solches Bad denen nutzlich / die eines hitzigen / vnnd truckenen Temperaments seyn.

Rulandus sagt / daß solches den Verstand wider zurecht bringe: Auch die Lungensucht heile. Führt Alaun / Kupffer / vnd ein wenig Schwefel. Ist etwas law / vnd dienet für den vnersättlichen Hunger / vnd Frässigkeit / verbessert die böse Vnrichtigkeit deß Magens / wann mans im Trincken gebraucht. Wie Bauhinus in der Histori vom Bollerbade berichtet: Auch sagt / daß es diene getruncken für die böse Gestalt deß Leibs / vnnd für die Wassersucht.

Bey anderthalb Stunden ohngefähr von diesem Bad / ligt das berühmbte Kloster Hirschaw / an der Nagolt; davon oben bey Calw gesagt worden. Crusius in Annalibus Suevicis, & Johannes Guintherius Andernacus de balneis & aquis medicatis.