Topographia Westphaliae: Werden

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Werden
<<<Vorheriger
Warberg
Nächster>>>
Werle
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1647, S. 70.
Wikisource-logo.png Essen in Wikisource
Wikipedia-logo.png Essen-Werden in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[T35]
Werden (Merian).jpg
[70]
Werden / Werdena,

Ligt zu Eingang deß Landes Westphalen / an den Gräntzen der Graffschafft Marck / deß Hertzogthumbs Bergen / vnnd deß Ertzstiffts Cölln / an dem Wasser Rur / von welchem sie jeweilen Rura genannt worden: Miraeus in Fastis, pag. 159. Ist wegen deß von S. Lutgero allhie angerichten Klosters / entstanden; wie dann desselben 42. Abt / Wilhelmus von Hardenberg / Anno 1317. diese Statt erbawet / vnd dieselbe Graff Engelbrecht von der Marck / mit Bürgerlichen Freyheiten / deren sie noch geniesset / begabet hat. Die ansehenliche / vnd sehr berühmbte Abtey allhie / ist zu Ehren der Welt Heyland / wie auch der H. Jungfrawen Mariae, S. Petri vnd Pauli, vnd anderer Heiligen / geweyhet / vnd mit vielen der König / vnd Keyser Privilegiis, vnnd Freyheiten / versehen / vnnd vermehret worden. Wie dann der Abt allhie / ein Stand deß Reichs / vnnd Monatlich auff zwey zu Rossz / vnd sechs zu Fuß / in der Reichs-Matricul belegt ist: Wiewol er seine Schäden / vnd Vnvermögenheit prätendierte / vnd daher vmbs Jahr 1602. nichts geben haben solle. Beym nächsten Reichstag zu Regenspurg / in Anno 1641. ist Abt Hugo zu Werden / vnd Helmstatt / durch Bottschafft erschienen. Obgedachter erster dieses Klosters Stiffter / vnd Vorsteher / S. Lutgerus, ein Frießländer / ist der erste Bischoff zu Münster gewesen / so zun Zeiten der heiligen Bonifacii, vnd Willibrordi gelebt hat; Anno 809. gestorben / vnd allhie / wie auch sein leiblicher Bruder / der heilige Hildegrinus, der erste Bischoff zu Halberstatt / so Anno 817. sein Leben geändert / begraben worden ist; nach deme er zuvor auch besagtem Benedictiner Kloster / die Statt Helmstatt im Braunschweigerland / so ihme gegeben worden / vberlassen hatte: Welche Statt aber folgends / wider vom Kloster kommen / gleichwol den Aebten der Titul derselben blieben ist. Die Bürger zu Werden ziehen viel Viehes / daher auch ihre meiste Nahrung; wie auch auß den Fruchtbaren Aeckern / vnnd Feldern / sehr hohen / vnnd waldechten Bergen / auff welchen bißweilen vnglaubliche Herden Schweine zusehen; daher dann die Westphälische Schüncken / vnd geräucherte Hammen / in der Menge kommen. Die Bächlein / so von den Bergen herunter fallen / geben ein gar lieblich angenehmes Geräusch. So haben sie / wegen der vorbey fliessenden Ruhr / oder Roer / gute Gelegenheiten zu ihren Sachen / vnd bekommen darauß gute Fisch / vnd sonderlich faiste / vnd wolschmeckende Ael. Beyde Gestad der Ruhr / seyn allda mit einer steinern Brücken vereiniget; vnd hat der Landsfürst daselbst auch ein Schloß. Stehe hievon insonderheit G. Braun / im dritten Theil seines Stättbuchs / vnd die Beschreibung Helmstatt / im Theil vnsers vorhabenden Wercks / vom Nider-Sächsischen Craiß.

Es ligt nicht weit von Essen / vnnd Werden / Ketwyck / an den Bergischen Gräntzen / vmb deren Brücken allda vber die Ruhr / in dem jetzigen Teutschen Krieg / man sich sonderlich angenommen hat.