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Ueber die Erzeugung von Tönen durch getrennte Eindrücke, mit Beziehung auf die Definition des Tones

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Annalen der Physik und Chemie
Band LXIII, Heft 11, Seite 368–380
August Seebeck
Ueber die Erzeugung von Tönen durch getrennte Eindrücke, mit Beziehung auf die Definition des Tones
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[368]
II. Ueber die Erzeugung von Tönen durch getrennte Eindrücke, mit Beziehung auf die Definition des Tones; von A. Seebeck.

Um die im vorhergehenden Aufsatze behandelte Grundfrage der Akustik noch vollständiger zu beleuchten, werde ich die Theorie der Tonerzeugung durch getrennte Eindrücke an dem Beispiele der Sirene ganz allgemein ausführen. Ich schlage dabei denselben Weg ein, wie Ohm (diese Ann. Bd. LIX S. 513[WS 1]), indem ich jedoch die Beschaffenheit der einzelnen Eindrücke ganz unbestimmt lasse. Ungeachtet dieser Unbestimmtheit ist es möglich zu einigen Resultaten zu gelangen, welche mir für jene Frage ziemlich entscheidend zu seyn scheinen.

Die Sirene sey einfach, d. h. sie enthalte eine Anzahl gleich abstehender Löcher, welche mit einer Röhre angeblasen werden. Es ist hinreichend diesen Fall zu betrachten, da die Wirkung ungleich abstehender Eindrücke sehr leicht auf die in diesen Annalen, Bd. LX S. 461[WS 2], von mir angegebene Art daraus hergeleitet werden kann.

Bei der einfachen Sirene wird der Luft eine periodische Bewegung mitgetheilt. Es sey v die dadurch erzeugte [369] Geschwindigkeit der Luft an irgend einer Stelle. Bezeichnet man mit 2l die Dauer jener Periode, so kann gesetzt werden:

v=12C0+C1cos⁡πtl+C2cos⁡π2tl+C3cos⁡π3tl+…Cicos⁡πitl+D1sin⁡πtl+D2sin⁡π2tl+…+D3sin⁡π3tl+…Disin⁡πitl+…} (1)

wo:

Ci=1l∫−1+1vcos⁡πitl.dtDi=1l∫−1+1vsin⁡πitl.dt

Die Gleichung (1) kann auch geschrieben werden:

v=12C0+E1cos⁡πt−θ1l+E2cos⁡π2t−θ2l+…Eicos⁡πit−θil+…} (2)

wo:

tang⁡πθil=CiDi

und:

Ei2=Ci2+Di2.

Dieser letzte Werth würde nach Ohm’s Ansicht die Stärke des Tones vorstellen, dessen Schwingungsmenge i2l ist[1].

Wenn die Eindrücke getrennt sind, wie dieß bei [370] hinreichenden Zwischenräumen der Löcher der Fall ist, so findet wirkliche Bewegung nicht während der ganzen Periode 2l statt, sondern nur während eines Theiles derselben, welcher 2λ heiße. Die während dieser letzteren Zeit stattfindende Geschwindigkeit heiße φ(t). Wie nun auch diese sich wiederholenden Eindrücke beschaffen seyn mögen, so kann, wenn man die Zeit von der Mitte des Eindrucks rechnet,

φ(t)=c0+c1cos⁡πtλ+c2cos⁡π2tλ+c3cos⁡π3tλ+…+d1sin⁡πtλ+d2sin⁡π2tλ+d3sin⁡π3tλ+…} (3)

gesetzt werden, wo die Constanten c0, c1, c2 … d1, d2 … von der Beschaffenheit jener Eindrücke abhängen.

Indem v von −l bis −λ und wieder von +λ bis +l=0 ist, gehen die obigen Werthe von Ci und Di in folgende über:

Ci=1l∫−λ+λφ(t).cos⁡πitl.dtDi=1l∫−λ+λφ(t).sin⁡πitl.dt.

Setzt man für φ(t) seinen Werth aus (3) ein, so erhält man:

Ci=2λ2iπ.sin⁡π.λil{c0λ2i2+c1l2−λ2i2−c24l2−λ2i2+c39l2−λ2i2−…} (4)
Di=2λlπ.sin⁡πλil.{d1l2−λ2i2−2d24l2−λ2i2+3d39l2−λ2i2−…} (5)

Hierdurch würden nun die sämmtlichen Glieder der Gleichung (1) oder (2) bekannt seyn, wenn man die Werthe der c und d hätte. Obgleich diese Werthe bei der Sirene offenbar durch die Art des Anblasens bestimmt [371] sind, so würde es doch bei unserer mangelhaften Kenntniß der pneumatischen Gesetze nicht möglich seyn, sie auf dem Wege der Theorie zu berechnen, und da es auch schwierig oder unmöglich seyn würde, sie auf dem Wege des Versuchs mit einiger Zuverlässigkeit zu ermitteln[2], so muß man versuchen ohne diese Bestimmung aus den für Ci und Di gefundenen Ausdrücken einen Schluß zu ziehen.

Es kann λ nur = oder <l seyn. Im ersteren Falle, wo die Eindrücke nicht getrennt sind, wird Ci=ci und Di=di. Mehr läßt sich von dem Falle sagen, wo die Eindrücke getrennt sind, d. h. λ<l, und, wie wir annehmen wollen, beträchtlich kleiner als l.

Nehmen wir zuerst den Werth Ci und lassen i von 1 an wachsen, indem wir für i seine Werthe 1, 2, 3 … einsetzen. Ci besteht aus drei von i abhängigen Factoren. Der erste 2λ2iπ wächst beständig mit i. Der zweite sin⁡πλil wächst anfangs mit i, so lange, bis λi= oder >12l; er wird also für das zweite, dritte, vielleicht vierte, fünfte … Glied noch mit i wachsen, wenn λ einigemal größer ist, als λ. Der dritte Factor, welcher durch die in der Klammer enthaltene Reihe der Gleichung (4) vorgestellt wird, besteht aus lauter Gliedern, welche, mit Ausnahme des ersten, bei wachsendem i anfänglich ebenfalls wachsen; daraus folgt nun freilich nicht, daß auch die algebraische Summe dieser Glieder mit i wachsen müsse; allein es wird doch, ganz allgemein zu sprechen, wenn für λ, so wie für die c und d bestimmte Werthe eingesetzt werden, mindestens eben so leicht treffen können, [372] daß diese Summe bei wachsendem i wachse, als daß sie abnehme. Kann aber das angenommen werden, dann hat man, wegen der beiden andern Factoren, eher Grund zu erwarten, daß Ai bei wachsendem i zunehme, als daß es abnehme, so lange wenigstens, als i nicht über ein gewisses Maaß (l2λ oder etwas weiter) wächst. Fast dasselbe gilt auch von Bi, nach Gleichung (5), indem der Factor sin⁡πλil mit i anfänglich wächst, und die Reihe in der Klammer je nach Umständen entweder wachsen oder auch abnehmen kann. Bildet man daher Ci2+Di2[WS 3], was nach Ohm’s Ansicht das Maaß für die Stärke des Tones i2l seyn würde, so ist, wenn λl ziemlich klein ist, eher zu vermuthen, daß dieser Werth für den zweiten Ton größer als für den ersten, für den dritten größer als für den zweiten, vielleicht auch für den vierten, fünften … Ton noch größer ausfallen würde. Allerdings könnte durch besondere Umstände auch das Gegentheil herbeigeführt werden, und ich läugne nicht die Möglichkeit, daß bei einem Sirenenversuche zufällig diese Umstände getroffen seyn könnten. Höchst unwahrscheinlich aber ist es, daß man bei allen Abänderungen des Versuchs immer diesen Fall in gleichem Maaße treffen sollte. Ich habe die Versuche vielfältig abgeändert, weil es mir schien, daß dadurch die Unsicherheit, mit welcher, wie ich nicht verkenne, die so eben gezogenen Folgerungen noch behaftet sind, auf ein sehr viel geringeres Maaß zurückgeführt werde.

Ich habe nämlich erstens die Löcherabstände in allen Abstufungen vom 1- und 1½fachen bis zum mehr als 60fachen des Löcherdurchmessers variirt. Dadurch ändern sich, wenn die Abstände noch klein sind, so daß keine Perioden der Ruhe eintreten, die Werthe der c und d, oder, wenn jene größer werden, das Verhältniß von [373] λ zu l. Es hält nicht schwer λ sehr viel kleiner als l zu machen, so daß die einzelnen Eindrücke durch verhältnißmäßig lange Ruhe getrennt sind. Führt man nämlich die enge Röhre, durch welche der Wind kommt, möglichst nahe an die Scheibe heran, so geht durch das Loch der Scheibe nicht merklich Wind, außer wenn dasselbe sehr in die Nähe der Röhre kommt; dieß ist noch mehr der Fall, wenn man den Löchern einen etwas erhöhten Rand[WS 4] giebt, oder in dieselben ganz kurze Röhrenstückchen einsetzt, welche der Windröhre zugekehrt sind, weil dann der Luftstrom, wenn er sich an dem nicht durchbrochenen Theile der Scheibe ausbreitet, nicht in die Oeffnung treten kann. Setzt man dann nur wenige Löcher (etwa sechs) auf eine Scheibe von 9 bis 12 Zoll Durchmesser, so kann man die Periode der Ruhe beträchtlich länger machen, als die der Bewegung. Ich hatte den Sireneton noch recht deutlich, da erstere mehr als 20 Mal länger war, als letztere, so daß λ weniger als 120l betrug. Ich habe mich davon durch das von Ohm angewendete Verfahren mit der Lichtflamme überzeugt, indem ich ein Loch der Sirene, vor welches die Flamme gehalten wurde, langsam vor dem Windrohr vorüberführte; befand sich das Loch vor dem Rohre, so war der Wind so stark, daß er das Licht ausblies; wurde das Loch etwas weiter geführt, so verschwand sehr bald jede Spur von Bewegung an der Flamme; der Abstand, wo dieß Verschwinden eintrat, wurde zu beiden Seiten gemessen und mit dem Löcherabstande verglichen; der letztere Abstand ist l, der erstere λ, sofern wenigstens angenommen werden darf, daß auch bei schneller Drehung der jedesmalige Luftstoß nur so lange dauert, als Wind durch die Oeffnung selbst strömen kann.

Ich habe ferner die Werthe der c und d dadurch abgeändert, daß ich den Löchern verschiedene Gestalt gab, länglich statt der runden, die ich gewöhnlich angewendet habe; oder nach einer Seite spitz zulaufend, [374] um die beiden Hälften des Eindrucks unsymmetrisch zu machen. Eben so habe ich auch, um dieß noch zu steigern, die Oeffnung des Windrohrs abgeändert und ebenfalls nach der einen Seite spitz zulaufend gemacht, und habe hierauf die Scheibe so gedreht, daß zuerst die spitzen und zuletzt die breiten Seiten der beiderlei Oeffnungen einander gegenüber kamen, oder umgekehrt. Die einzelnen Schläge bei langsamer Drehung klingen in diesem Falle ganz anders, als bei den runden Oeffnungen. Auch bei diesen abgeänderten Löchern habe ich die Abstände kleiner und größer genommen.

Ich habe ferner eine Kartenblattspitze in die Löcher schlagen lassen, deren Schläge also die Stelle der Luftstöße vertreten. In diesem Falle sind offenbar nicht nur wiederum die c und d ganz anders bestimmt, sondern auch wohl λl noch viel kleiner, wie ich besonders daraus schließe, daß der Klang beim Blasen dem beim Anschlagen um so ähnlicher wird, je mehr in jenem Falle die Luftstöße getrennt sind.

Nun kann man nach den obigen Bemerkungen nicht umhin, anzunehmen, daß unter diesen vielfachen Abänderungen des Versuchs es sich sehr häufig getroffen haben müsse, daß Ci2+Di2[WS 5] für einen oder den andern Werth von i, vielleicht für viele Werthe zugleich, größer war, als für i=1, so daß, wenn jene Quadratsumme das Maaß für die Stärke des Tones i2l wäre, man den Grundton mit einer sehr auffallenden Beimischung von harmonischen Obertönen hätte hören müssen. Allein dieß war nie der Fall, und ich konnte bei allen diesen Versuchen, welche ich theils früher, theils jetzt hundertfältig angestellt habe, nie mehr als ein äußerst schwaches Mitklingen eines oder des andern Beitones erkennen, und dieß nur bei sehr geschärfter Aufmerksamkeit. Ich wiederhole hierbei, daß wenn ein solcher [375] Beiton gehört wird, er zu verschwinden pflegt, wenn man die Stellung des Ohrs verändert. Der einzige Unterschied, der bei allen jenen Abänderungen bemerkt werden kann, bezieht sich auf den Klang, welcher bei getrennten Eindrücken mehr schnarrend, und bei solchen, welche ineinanderfließen, mehr pfeifenartig ist[3].

In diesem Verhalten, daß nämlich an der Sirene die Beitöne, welche, der engeren Definition zufolge, in der Regel vorhanden seyn, und oft sehr stark zu erwarten seyn würden, der Erfahrung zufolge jederzeit entweder fehlen oder nur ganz schwach vernommen werden können, scheint mir ein sehr starker Grund gegen die Annahme jener engeren Form zu liegen.

Ich werde jetzt die Theorie dieser Klasse von Tonerzeugungen für einen besonderen Fall, nämlich für sehr getrennte Eindrücke, noch einen Schritt weiter führen.

Man kann die Gleichungen (4) und (5) folgendermaßen schreiben:

Ci=2λ2iπl2.sin⁡πλil.{c0l2λ2i2+𝛴i}Di=2λπl.sin⁡πλil.Si

wo:

𝛴i=c11−λ2i2l2−c24−λ2i2l2+c39−λ2i2l2−…Si=d11−λ2i2l2−2d24−λ2i2l2+3d39−λ2i2l2−…

Jetzt nehme man an, daß die Eindrücke sehr getrennt sind, so daß nicht nur λl sehr klein ist, sondern auch [376] λil für die niedrigeren Werthe von i ziemlich klein ist. Alsdann kann bis zu dieser Gränze angenähert πλil anstatt sin⁡πλil gesetzt werden[4], und es wird:

Ci=2λl{c0+λ2i2l2𝛴i} (6)
Di=2λl.λilSi (7)

Es können aber die vorigen Gleichungen für 𝛴i und Si auch so geschrieben werden:

𝛴i=c1−14c2+19−c3…+(iλl)2(c1−116c2+181c3−…)+(iλl)4(c1−164c2+1729c3−…)+(iλl)6(c1−1256c2+16561c3−…)+etc. etc.} (8)

und:

Si=d1−12d2+13d3−…+(λil)2(d1−18d2+127d3−…)+(λil)4(d1−132d2+1243d3−…)+(λil)6(d1−1128d2+12187d3−…)+etc. etc.} (9)

[377] Aus der Gleichung (8) sieht man immer unter der Annahme, daß λil klein sey, daß 𝛴i nicht sehr groß werden kann in Vergleich zu den Werthen der c, weil die Factoren der ersten Reihe dieser Gleichung sehr convergent sind, und die übrigen Glieder wegen der Factoren (λil)2, (λil)4 … sehr klein seyn müssen. Indem also 𝛴i nicht sehr groß werden kann, muß λ2i2l2𝛴i sehr klein seyn. Es ist daher, wie man aus der Gleichung (6) sieht, entweder Ci nahe gleich für verschiedene Werthe von i (bis zu der genannten Gränze), oder es ist Ci und selbst Cil2λ nur sehr klein; das Letztere nämlich, wenn c0 sehr klein ist, das Erstere, wenn dieß nicht der Fall ist. – Was ferner Si betrifft, so kann diese Größe unter geeigneten Umständen einen ziemlich beträchtlichen Werth annehmen; allein man sieht aus (9), daß, so lange λil klein ist, Si entweder nahe gleich ist für verschiedene i, oder sehr klein, das Letztere nämlich, wenn d1−12d2+13d3−… sehr klein ist, das Erstere, wenn dieß nicht der Fall ist. Daraus aber folgt in Verbindung mit (7), daß entweder Di und selbst Dil2λ äußerst klein ist, oder daß Di mit wachsendem i wächst.

Faßt man jetzt zusammen, was über Ci und Di gefunden worden ist, und bildet man Ci2+Di2, so erhält man folgenden Satz:

Bei hinreichend getrennten Eindrücken ist für die niedrigeren Werthe von i die Größe Ci2+Di2 entweder 1) nahe gleich, oder 2) sie wächst mit i, oder 3) sie erlangt nur einen höchst geringen Werth.

Nur im letzten dieser drei Fälle würde Ci2+Di2 bei [378] wachsendem i wohl abnehmen können, wozu aber, wie man sich auf eine ähnliche Weise leicht überzeugt, das Zusammentreffen folgender Umstände erforderlich seyn würde: c0 müßte zwar sehr klein, aber doch nicht zu klein seyn, c1−14c2+19c3−… müßte entgegengesetztes Zeichen als c0 haben, und beträchtlich größer als d1−12d2+13d3−… seyn, wodurch sich Ci2+Di2 auf einen höchst geringen Werth reduciren würde. Dagegen bleibt für die höheren Werthe von i immer die Möglichkeit, und selbst die Wahrscheinlichkeit, daß jene Quadratsumme eine beträchtliche[WS 7] Größe erlangt[5].

Wäre nun die von Ohm vertheidigte engere Definition richtig, also Ci2+Di2 das Maaß der Stärke des Tones i2l, so würde der vorher erlangte Satz so lauten:

Bei hinreichend getrennten Eindrücken muß entweder 1) der erste, zweite, dritte … Ton von nahe gleicher Stärke seyn, oder 2) der erste schwächer seyn als der zweite, dieser schwächer als der dritte, oder 3) wenn keiner der beiden vorhergehenden Fälle stattfindet, können diese ersten Töne überhaupt nur äußerst schwach seyn. In den beiden ersten Fällen würde man den Hauptton auffallend von seinen Beitönen begleitet hören, im letzten aber würde er fast gar nicht zu hören seyn, und nur die sehr viel höheren Beitöne würden erkennbar bleiben.

[379] Ganz das Gegentheil hievon beweist die Erfahrung, denn nicht nur ist an der Sirene, in Fällen, wo die vorhergehende Rechnung auf den zweiten, und selbst auf den dritten Ton mit hinreichender Annäherung anwendbar zu seyn scheint, das Verhalten ganz eben so wie bei wenig oder gar nicht getrennten Eindrücken, sondern es gilt dasselbe auch bei den Savart’schen Zahnrädern, bei den Klirrtönen, beim Trevelyan-Instrument u. dergl., wo höchst wahrscheinlich die Eindrücke noch getrennter sind. In allen diesen Fällen ist von allen Beobachtern nur der eine Ton gehört worden, welcher der Anzahl der Schläge entspricht, und von den Beitönen, welche nach der engeren Definition hier stets in beträchtlicher Stärke hätten vorhanden seyn müssen, kann nur zuweilen eine Spur bemerkt werden. Auf diese Weise steht der engeren Definition des Tones eine große Anzahl von Erfahrungen entgegen.

Ich kann nicht umhin, hier noch einmal auf Ohm’s Vermuthung zurückzukommen, daß das Ohr die Beitöne nur überhöre und zum Grundtone ziehe. Diese Annahme würde jetzt so auszudrücken seyn: Töne, wenn auch in beträchtlicher Stärke vorhanden, werden stets als solche ganz oder fast ganz unhörbar, sobald ein Ton ihrer harmonischen Unterreihe hinzutritt, sie tragen aber zur Verstärkung dieses Untertones bei. Mir scheint dieser Satz einerseits mit der Erfahrung in Widerspruch zu seyn, andererseits aber würde zwischen dieser Erklärung und meiner Behauptung, daß die höheren Glieder der Reihe (1) oder (2) einen Antheil an der Erzeugung des Tones 12l haben können, nur der Unterschied bestehen, daß dieser Antheil und das Verschwinden der höheren Töne, nach meiner Ansicht, an gewisse (wenn auch unvollständig gekannte) Bedingungen geknüpft ist, nach Ohm’s Hypothese aber unbedingt stattfinden würde. Dieß würde darauf hinauskommen, daß die von mir aufgestellte Definition [380] jener Beschränkung, welche ich von Anfang an vorbehalten habe, nicht unterliege. So würde man also durch jene Hypothese, mit der Absicht die Definition des Tones zu beschränken, vielmehr zu einer noch größeren – und gewiß zu großen – Erweiterung derselben gelangt seyn.

  1. ↑ Man beachte, daß die Gleichungen (1) und (2) nicht wie die ähnlichen, dies. Ann. Bd. LIX S. 519 oder Bd. LX S. 462, die Ablenkung im Gehör, sondern die Geschwindigkeit der Luft bezeichnen, ich habe die letztere genommen, weil sie dem Versuche zugänglicher ist.
  2. ↑ Es läßt sich nur sagen, daß φ(0) einen gewissen beträchtlichen Werth hat, welcher V heiße, und daß, wenn λ<l ist, φ(±λ)=0 ist. Daraus folgt:
    c0+c2+c4+…=c1+c3+c5+…=V2.
  3. ↑ Cagniard-Latour fand den Ton der Sirene mehr dem der Trompete, Oboe, Fagott, menschlichen Stimme ähnlich, je nachdem die Entfernung und der Durchmesser der Löcher in verschiedenem Verhältniß stehen. (Ann. de chim. et phys. T. LVI.)[WS 6]
  4. ↑ Man kann auch, wenn man genauer rechnen will, den Sinus durch eine Reihe nach Potenzen des Bogens ausdrücken, doch ist dieß nicht nöthig, da die Verwechslung des Sinus mit dem Bogen im ganzen ersten Drittel des Quadranten eine Differenz von nicht mehr als ein Paar Procent beträgt.
  5. ↑ Denkt man sich z. B. die einzelnen Eindrücke aus symmetrischen Hälften bestehend, so werden alle d=0; nimmt man zugleich an, daß c0=0 sey, so bleibt Ci2+Di2=(2λ2iπl2sin⁡πλil.𝛴i)2, welcher Werth äußerst klein ist, so lange λil klein ist; er wird z. B. 118000000(c1−14c2+19c3−…), wenn λl=120 und i=1 ist. Für größere Werthe von i kann hingegen dieser Ausdruck beträchtlich werden. Dieß ist fast genau der Fall, von welchem ich in §. 26 meiner früheren Abhandlung (Bd. LX S. 473) gesprochen habe. Uebrigens würde gerade in diesem Falle jener Werth gleich anfangs mit i sehr schnell wachsen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. ↑ G. S. Ohm: Ueber die Definition des Tones, nebst daran geknüpfter Theorie der Sirene und ähnlicher tonbildender Vorrichtungen. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 135, Joh. Ambr. Barth, Leipzig 1843, S. 513 Quellen
  2. ↑ Ueber die Sirene. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 136, Joh. Ambr. Barth, Leipzig 1843, S. 449
  3. ↑ Vorlage: Ai2+Bi2 (korrigiert laut Berichtigungen)
  4. ↑ Vorlage: Stand (korrigiert laut Berichtigungen)
  5. ↑ Vorlage: Ai2+Bi2 (korrigiert laut Berichtigungen)
  6. ↑ Extrait d’un Mémoire de M. Cagniard-Latour sur la Résonnance des liquides, et une Nouvelle espèce de Vibration qu’il a nommée Vibration globulaire. In: Annales de chimie et de physique. Bd. 56 (1834), S. 252–280 Gallica
  7. ↑ Vorlage: beträchliche