Unsere Abbildung von Frankfurt am Main

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Titel: Unsere Abbildung von Frankfurt am Main
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aus: Die Gartenlaube, Heft 28, S. 464
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[476]
Die Gartenlaube (1880) b 476.jpg

Frankfurt am Main.
Nach der Natur aufgenommen von W. Klusmeyer.
1. Städel’sches Institut. 2. Irrenanstalt. 3. Neues Opernhaus. 4. Neue Börse. 5. Eschenheimer Thurm. 6. Katharinenkirche. 7. Friedberger Warte. 8. Paulskirche. 9. Römer. 10. Leonhardskirche. 11. Nicolaikirche. 12. Hauptsynagoge. 13. Thurm von Bornheim. 14. Saalhof. 15. Dom. 16. Städtisches Archiv. 17. Fürsteneck. 18. Zoologischer Garten. 19. Alte Mainbrücke. 20. Städtische Bibliothek. 21. Gerbermühle. 22. Deutschherren-Haus. 23. Sachsenhäuser Wasch- und Badeanstalt. 24. Dürerstraße.

[480] Unsere Abbildung von Frankfurt am Main. In der auf Seite 476 und 477 gegebenen Illustration entrollt unser Zeichner ein sehr anschauliches Bild von dem heutigen Frankfurt am Main. Mit Recht hat derselbe das linke untere Mainufer (Schaumainquai) nahe der (hier nicht sichtbaren) Eisenbahnbrücke als Aussichtspunkt gewählt, denn von hier aus präsentirt sich die Stadt am vortheilhaftesten. Was sich zunächst im Vordergrunde des Bildes ausbreitet, die Dürerstraße mit ihren stattlichen Villen und Gärten, gehört zu der Vorstadt Sachsenhausen, welche von Frankfurt durch den Main geschieden ist. Der große Bau, welcher links vom Beschauer die Ecke des Vordergrundes füllt, enthält das erst seit Kurzem dahin verlegte Städel'sche Kunstinstitut, eine weitberühmte Gemälde- und Kupferstichsammlung. Lassen wir von hier aus den Blick auf das andere Stromufer wandern und den Ziffern folgen, womit der Zeichner über dem gegen Berge und Himmel sich abgrenzenden Stadtprofil die bemerkenswertesten Gebäude hervorgehoben hat, so finden wir weiter links zunächst die Irrenanstalt, einen Prachtbau im gothischen Stil, genannt „zum Affenstein“; ferner das großartige der Vollendung nahe neue Opernhaus am Bockenheimer Thor, mit Raum für mehr als 2000 Zuschauer, dessen Bau an 6 Millionen Mark gekostet. Ein Stück weiter rechts ragt die neue Börse (hinter dem alten Theater), welche den Erbauern auch nicht eben billig zu stehen kam – der Bau verschlang 3 Millionen. Der Eschenheimer Thurm ist ein Ueberbleibsel der alten Stadtbefestigung, um 1350 erbaut; die Katharinenkirche, inmitten der Stadt an der Zeil gelegen, entstand zwischen 1678 und 1680; die Friedberger Warte, ein Wartthurm aus dem Mittelalter, begrenzt das Weichbild der Stadt im Norden. Ein den Lesern der „Gartenlaube“ vertrauter Name ist derjenige der Paulskirche, welche der Sitz des ehemaligen deutschen Parlaments in den Jahren 1848 und 1849 gewesen ist; nicht minder aber derjenige des weltberühmten Römers, der einst mit seinem Kaisersaal die Stätte der Krönungsmahle war und jetzt der Stadt als Rathhaus dient. Die nahebei gelegene katholische Leonhardskirche, die lutherische Nicolaikirche und die Hauptsynagoge am Ausgange der Judengasse zählen zu den hervorragenderen kirchlichen Gebäuden der Stadt; der benachbarte Kirchthurm gehört zur Vorstadt Bornheim (ehedem selbstständige Ortschaft, jetzt zur Stadt gehörig). Der Saalhof, das heißt die einstige Sala Ludwig's des Frommen, ist die Geburtsstädte Karl's des Kahlen, zugleich der Sterbeort Ludwig's des Deutschen; später Kaufhalle, birgt er jetzt das Conservatorium für Musik. Der Dom ist, als Wahl- und Krönungskirche der deutschen Kaiser, wohl das historisch merkwürdigste Gebäude Frankfurts; sein Thurm heißt im Volksmunde „Pfarrthurm“. Das städtische Archivgebäude am Weckmarkt enthält ein historisches Museum, während das Fürsteneck am Farthor ein altes herrschaftliches Absteigequartier ist. Ein Stück weiter hin folgt der neue zoologische Garten, im Ostend, auf der ehemaligen Pfingstweide. Der „Palmengarten“, eines der berühmtesten Institute Frankfurts, ist, weil im äußersten Westende gelegen, auf unserem Bilde nicht sichtbar. Die alte Mainbrücke, aus dem Jahre 1342 stammend, ist dieselbe, welche Hutten in seinen Distichen erwähnt. Die städtische Bibliothek bietet nichts besonders Bemerkenswerthes, wogegen die Gerbermühle am jenseitigen Ufer, oberhalb Sachsenhausens, durch Goethe's Verkehr mit Marianne v. Willemer („Suleika“) bekannt ist. Das Deutschherren-Haus an der alten Brücke war im Mittelalter ein unantastbares Asyl für verfolgte Ritter des deutschen Ordens. Die Wasch- und Bade-Anstalt mit dem hohen Schornstein sowie die Dürerstraße gehören zu Sachsenhausen, und die letztere führt uns wieder zu unserem Ausgangspunkte, dem Städel'schen Institut, zurück.