Versuch einer mokscha-mordwinischen Grammatik

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Autor: August Ahlqvist
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Titel: Versuch einer mokscha-mordwinischen Grammatik
Untertitel: nebst Texten und Wörterverzeichniss
aus: Forschungen auf dem Gebiete der ural-altaischen Sprachen I
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Erscheinungsdatum: 1861
Verlag: Eggers et Comp.
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Erscheinungsort: St. Petersburg
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[I]
FORSCHUNGEN
AUF DEM GEBIETE
DER URAL-ALTAISCHEN SPRACHEN
VON
Dr. August Ahlqvist.


ERSTER THEIL.
VERSUCH EINER MOKSCHA-MORDWINISCHEN GRAMMATIK.


St. Petersburg 1861.
Commissionäre der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften:
in St. Petersburg
Eggers et Comp.,
in Riga
Samuel Schmidt,
in Leipzig
Leopold Voss.


[III]
VERSUCH
EINER
MOKSCHA-MORDWINISCHEN GRAMMATIK
NEBST
TEXTEN UND WÖRTERVERZEICHNISS
VON
Dr. August Ahlqvist,
Docenten der finnischen Sprachen an der Universität zu Helsingfors.


St. Petersburg 1861.
Commissionäre der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften:
in St. Petersburg
Eggers et Comp.,
in Riga
Samuel Schmidt,
in Leipzig
Leopold Voss.

Preis: 90 Cop. = 1 Thlr.


[IV] Gedruck auf Verfügung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Im Oktober 1861.

K. Vesselovski,
beständiger Secretär.


[V]
VORWORT.

Während der Jahre 1853 bis 1858 hatte der Unterzeichnete Gelegenheit unter den in Russland wohnhaften Völkerstämmen von finnischer und türkischer Herkunft ethnographisch-linguistische Forschungsreisen zu unternehmen, während welcher er hintereinander die ingermannländischen Finnen, die Woten, die Ehsten, die Wepsen (im Gouvernement Olonetz), die Tschuwaschen, die Mordwinen, die Wogulen und die Ostjaken besuchte. Ein Theil der auf diesen Reisen angestellten Forschungen und Beobachtungen ist in schwedisch und finnisch herausgegebenen Schriften niedergelegt worden, nämlich: Wiron nykyisemmästä kirjallisuudesta (über die neuere ehstnische Litteratur, in dem zu Helsingfors erscheinenden Jahrbuch Suomi 1853), Wotisk Grammatiken (in den Acta Societatis scientiarum fennicae T. V.) und Muistelmia matkoilla Wenäjällä vuosina 1853 bis 1858, (Erinnerungen von Reisen in Russland während der Jahre 1853 bis 1858) Helsingfors 1859. Den grössern Theil meiner Ausbeute, das eigentlich linguistische Material gedenke ich allmählich unter dem vorstehenden allgemeinen Titel herauszugeben.

Die Mordwinen, deren Sprache ich vornehmlichst in den Gouvernements Simbirsk und Pensa fast das ganze Jahr 1857 zum Gegenstand [VI] meines Studiums hatte, haben ihre Wohnsitze zu beiden Seiten des obern und mittlem Laufs des in die Wolga fallenden Flusses Surá oder zwischen den Flüssen Oká und Wolga, in den Gouvernements Nishnij-Nowgorod, Simbirsk, Pensa, Tambow und Saratow. Ein kleinerer Theil dieses Volks lebt auch in den Gouvernements Kasan, Samara, Orenburg und Astrachan und ist durch Colonisation in neuerer Zeit dahin gekommen; denn die obengenannten Wohnsitze an der Surá sind als Urheimath der Mordwinen anzusehen; wenigstens kann die Geschichte keine Spuren ihres frühern Aufenthalts an irgend einer andern Stelle nachweisen. Aus der Reihenfolge in Nestors Völkertafel kann man schliessen, dass sie zu seiner Zeit das Land inne hatten, in dem sie noch jetzt am zahlreichsten vorkommen und der arabische Reisende Ibn Foszlan traf sie ebenfalls in dem südlichen Theil der mittlern Wolgagegend, vieler anderer späterer Zeugnisse zu geschweigen. In politischer Hinsicht waren die Mordwinen während der Blütezeit des Bolgarenreichs an der Wolga wahrscheinlich den Bolgarenfürsten tributpflichtig, geriethen bei dem Untergange dieses Reichs unter das allgemeine tatarische Joch, von welchem sie darauf befreit wurden, als die russischen Grossfürsten ihre Herrschaft ostwärts auszubreiten anfingen und kamen auf diese Weise allmählich zu den Herrschern Russlands in ein Unterthanenverhältniss, in welchem sie sich bis auf diesen Tag befinden. Nach Herrn v. Koeppens Angabe[1] betrug die Anzahl dieses Volks im Jahre 1852 480,241 Personen beiderlei Geschlechts.

Die Sprache der Mordwinen zerfällt in zwei Mundarten: das [VII] Ersä, welches in den Gouvernements Nishnij-Nowgorod und Simbirsk vorkommt, und das Mokscha, welches seinen Sitz in den Gouvernements Pensa, Tambow und Saratow hat; (s. hierüber meinen dritten Reisebericht an das Consistorium der Helsingforser Universität in der Zeitschrift Suomi, Jahrgang 1857, S. 1–3.) Durch einen Irrthum einiger Gelehrten ist es in ethnographischen Werken der neuern Zeit ziemlich allgemein geworden noch von einer dritten Mordwinenart und einer dritten Mundart ihrer Sprache, den Karalaien und dem Karataischen zu sprechen; welche in einigen Dörfern des Gouvernements Kasans existiren sollten. Ich habe mich jedoch durch einen Besuch an Ort und Stelle davon überzeugt, dass diese vermeintlichen Mordwinen nichts anders als getaufte Tataren sind (s. hierüber einen näher eingehenden Bericht in meinem vierten Reisebericht an das Consistorium der Helsingforser Universität, Suomi, 1857 S. 261 bis 266) und dass die Mundarten des Mordwinischen nur die obengenannten zwei sind.

Es dürfte überflüssig sein zu erwähnen, dass das Mordwinische eine Litteratur entbehrt. Mitten in einer fruchtbaren und freigebigen Natur ist der Mordwine körperlich und geistig ebenso arm als zu der Zeit, da er seinen Nacken unter das tatarische Joch beugte. Der religiöse Eifer, welcher sich zu Anfang des zweiten Jahrzehents dieses Jahrhunderts bemerkbar machte, liess das so ziemlich einzige Werk, welches in dieser Sprache vorhanden ist, eine Uebersetzung des Neuen Testaments ans Licht treten. Dieses mordwinische Sprachdenkmal ist jedoch voll der entsetzlichsten Unrichtigkeiten, welche sowohl durch die mehrfältige Unwissenheit der Uebersetzer als auch durch die bei dem Druck von den Correctoren verschuldete Nachlässigkeit verursacht worden sind. Diese in die Ersä-Mundart [VIII] gemachte Uebersetzung, welche wahrscheinlich nicht den geringsten Einfluss auf Entwicklung und Läuterung der christlichen Ansichten der Mordwinen ausgeübt hat, hat jedoch das Gute gehabt, dass sie Anlass und Material gab zur ersten linguistischen Bearbeitung dieser Sprache, indem der bekannte Sprachforscher Herr Conon von der Gabelentz aus den in dieser Uebersetzung vorkommenden Sprachformen eine kleine mordwinische Grammatik verfasste, welche in die Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes Bd. II, S. 235 bis 284 und S. 383 bis 419 aufgenommen ist. Natürlich ist es, dass, da Herr von der Gabelentz nicht Gelegenheit hatte auch nur einen einzigen Laut des Mordwinischen sprechen zu hören, seine Arbeit mangelhaft sein und an den Gebrechen seiner Urquelle leiden muss. Ich muss jedoch mit Dankbarkeit bekennen, dass ich bei meiner Untersuchung des Mordwinischen durch die Arbeit des Herrn von der Gabelentz vielfachen Nutzen gehabt habe und dass meine gegenwärtige Arbeit vielleicht nicht einmal die relative Vollständigkeit und Correctheit, die sie jetzt hat, erreicht haben würde, wenn das Werk des Herrn von der Gabelentz nicht vorhergegangen wäre. Dasselbe kann ich nicht von einem noch unmittelbareren Vorgänger, nämlich dem Geistlichen Paul Ornatow behaupten, welcher im Jahre 1838 eine Grammatik der Mordwinischen Sprache unter dem Titel: Мордовская Грамматика, составленная на нарѣчіи мордвы-Мокши in Moskau hat drucken lassen. Diese Arbeit, mit der ich erst nach meiner Rückreise ins Vaterland bekannt wurde, leidet an denselben Fehlern als so viele andere von nicht gehörig sprachgebildeten Geistlichen ausgegangene Versuche über fremde Sprachen, dass sie nämlich auf das Gewaltsamste den fremden Sprachstoff in die Kategorien der russischen Grammatik zu zwängen sucht, was die Folge hat, [IX] dass eine Menge eigenthümlicher Erscheinungen des Mordwinischen, welche der Verfasser sich nicht aus dem Wesen der russischen Sprache erklären konnte, ganz übersehen worden und dagegen anderes, weniger Wesentliches mit grösserer Weitläufigkeit als nöthig gewesen wäre, behandelt worden ist. An diese arme Litteratur für das Mordwinische schliesst sich noch meine im Jahr 1859 in Helsingfors gedruckte Abhandlung Läran om Verbet i Mordvinskans Mokscha-Dialekt an, welche zum grössten Theil in die vorliegende Arbeit aufgenommen worden ist.

Die auf die Grammatik folgenden Texte sind grösstentheils von mir unter den Mordwinen aufgezeichnet worden. Nur die erste Fabel, die drei ersten Lieder und fünf Räthsel stammen aus einer Handschrift des Asiatischen Museums der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften unter dem Titel Этнографическія замѣтки о Мордвѣ-Мокшанахъ, welche Handschrift mir zu meinen Zwecken aus dem genannten Museum gütigst mitgetheilt wurde und deren sonstigen Inhalt ich nicht brauchen konnte. Auch die im Text vorkommenden Fabeln sind, mit Ausnahme der oben genannten ersten, nicht ursprünglich mokschanisch, sondern aus Chemnitzer’s bekannter in russischen Versen verfassten Fabelsammlung (Басни и сказки И. И. Хемницера. Ст.-Петербургъ 1841) von mir in russische Prosa übersetzt und darauf von einem schriftkundigen Mordwinen in der Mokscha-Sprache wiedergegeben worden. Das letzte Stück der Texte ist die bekannte Klage eines finnischen Mädchens, welche ich mit Hülfe des genannten Eingebornen übersetzt habe.

Endlich habe ich noch eine Pflicht zu erfüllen. Von dieser Arbeit waren bereits 7 Bogen d. h. mehr als die Hälfte in schwedische Sprache gedruckt, als ich, da ich einsah, dass es sowohl der [X] Wissenschaft als mir erspriesslicher wäre, wenn die Arbeit einen grössern Lesekreis gewönne, den Beschluss fasste dieselbe in deutschem Gewande erscheinen zu lassen. Ich wagte es jedoch nicht selbst an die Verdeutschung zu gehen und kann jetzt hiemit meinen wärmsten Dank gegen den geehrten Freund aussprechen, welcher meine Arbeit in’s Deutsche übersetzte, dessen Rath und grössere Erfahrung mir zu vielfachem Nutzen gereichte und von dessen Hand auch das deutsch-mokschanische Wörterverzeichniss herrührt.

Berlin, den 15. Oktober 1861.

Aug. Ahlquist.     


[XI]
Inhaltsverzeichniss.
Seite.
Mokscha-Grammatik 1
Mokscha-Texte 95
Mokschanisch-Deutsches Wörterverzeichniss 147
Deutsch-Mokschanisches Wörterverzeichniss 181

  1. Ueber die Anfertigung der Ethnographischen Karte des Europäischen Russlands im Bulletin historico-philologique T. IX, p. 333 = Mélanges russes T. II, p. 152.