Von einem Wärwolfe

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Textdaten
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Autor: Otto Beneke
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Titel: Von einem Wärwolfe
Untertitel:
aus: Hamburgische Geschichten und Sagen, S. 287–289
Herausgeber:
Auflage: 2. unveränderte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Perthes-Besser & Mauke
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Erscheinungsort: Hamburg
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Originalherkunft:
Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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[287]
97. Von einem Wärwolfe.
(1632.)

Um diese Zeit lebte ein Mann in Hamburg, Hinrich Küsch, ein Brauerknecht, der wegen seiner ingrimmigen Gemüthsart und seines verteufelten Aussehens bei Niemandem wohlgelitten war; denn wen der Kerl mit seinen grünen Augen ansah, den stach es so curios, daß es ihm ordentlich wehe that in Leib [288] und Seele. Es ging auch allgemein die Sage, daß er ein Wärwolf sei, d. h. daß er sich, absonderlich zur Zeit des Neumondes, in einen Wolf verwandeln könne, um dann als solcher nach Gelüsten seines schwarzen Herzens, Bosheit und Uebelthat zu verrichten. Weil nun in einem guten Stadt-Regimente solche Wärwölfe schlechterdings nicht zu dulden sind, indem sie aller Häscherkunst löblicher Polizei spotten, und sich jedesmal, wenn sie etwa als bösartige Wölfe verfolgt werden, in einen Menschen zurückverwandeln und der Nachstellung entziehen können, wie umgekehrt: so hatten Bruchvögte, übrige Gerichtsbediente, Büttel und Henkersknechte sich vorgesetzt, dem Kerl genau aufzupassen, was aber zeither nie gelungen war, indem sie allemal, wenn sie ihn ins Auge fassen wollten, von seinem stechenden Blick getroffen, wieder ablassen mußten. Nun begab es sich im 1631sten Jahre, daß gedachter Hinrick Küsch einen offenbaren Mord beging, und zwar als Brauerknecht, nicht als Wolf, indem er einen fremden Mann, Augustin Brod geheißen, niederstach. Er mochte wohl seine Wolfshaut oder sonstiges Zaubergeräth just nicht bei der Hand haben, und sich auf seinen bösen Blick verlassen, wenn’s Noth thäte. Es fügte sich aber, daß das Blut aus der Stoßwunde des Ermordeten grad’ in die Höhe und ihm ins Gesicht sprützte, also daß es seine Augen gänzlich verdunkelte. Und ehe er sich dessen entledigt hatte, waren der Bruchvogt und seine Diener schon auf ihn zugesprungen, verbanden ihm flugs die blutigen Augen, knebelten ihn und führten ihn in die Hechte und Helden der Büttelei. Und sein Proceß dauerte fast ein Jahr, weil er mehr zu gestehen hatte als ein gewöhnlicher Maleficant, und zu Zeiten des Neumondes mußte er mit den schwersten Ketten und Blöcken belegt werden, wenn seine Wärwolfs-Wuth erwachte. Endlich wußte man genug oder wollte des Gräuels nicht mehr wissen, condemnirte ihn darum zum Tode, [289] und ließ ihn, die schärfere Strafe Gott anheim stellend, bloß einfach und in der Stille enthaupten, zwischen den Thoren, Morgens um 4 Uhr. Das geschah, um die schaulustige Menge abzuhalten, ihr selbst zum Gewinn, damit kein Unheil geschehe durch des boshaften Kerls letzten Blick oder durch einen verspritzten Tropfen seines verteufelten Blutes.

Anmerkungen

[386] Die handschriftl. Beckend. Chronik erzählt den Kern dieser Geschichte. – Wärwolf, nach Adelung vom Altdeutschen War, Mann (vir); also ein Mann-Wolf. S. Tkany, Mythologie II. 183.