Vorstellung der ganzen Fürther Judenschaft und aller Jüdischen Einwohner in Franken an den Fränkischen Kreisconvent, dictirt Nürnberg den 17ten Febr. 1792

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Autor: Anonym
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Titel: Vorstellung der ganzen Fürther Judenschaft und aller Jüdischen Einwohner in Franken an den Fränkischen Kreisconvent, dictirt Nürnberg den 17ten Febr. 1792
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 4, S. 354–358
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
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Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Quelle: UB Bielefeld, Commons
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VI.
Vorstellung der ganzen Fürther Judenschaft und aller Jüdischen Einwohner in Franken an den Fränkischen Kreisconvent, dictirt Nürnberg den 17ten Febr. 1792.

 Hochansehnliche Kreis-Versammlung!

Die in dem 9ten Berathungs-Puncte aufgeworfene Frage: wie ist der sittliche und bürgerliche Zustand der Juden im Fränkischen Kreise zu verbessern? legt abermahl den ruhmwürdigsten Beweis von der allumfassenden Sorgfalt und Menschenliebe des Hochfürstl. Fränkischen Kreis-Auschreib-Amts der Welt vor Augen.

 Wir und alle Jüdischen Einwohner vom Fränkischen Kreise insbesondere fühlen den hohen Werth dieser großen Fürstenwürdigen Aufmerksamkeit auf uns zu tief in unsern Herzen, als daß der ehrfurchtsvolleste Dank gegen Höchstdasselbe in uns und unsern Nachkommen je verlöschen könnte. Wir sind auch voll Vertrauen und voll freudiger Hoffnung auf einen guten Erfolg, da die nähere Berathung dieses wichtigen Gegenstandes, einer hochlöblichen Kreis-Versammlung überlassen ist, Hochwelche| zum Glück für uns und den ganzen Fränkischen Kreis, nach den allgemeinen Stimmen, aus den weisesten, einsichtsvollesten, menschenfreundlichsten und thätigsten Staatsmännern besteht.
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 Desto getroster wagen wir es aber auch im Namen der zahlreichen Jüdischen Gemeinde in Fürth und der ganzen Jüdischen Nation in Franken, einer hohen Kreis-Versammlung unser Schicksal in Allgemeinen ehrerbietigst zu empfehlen. Wir wollen uns keine bestimmte Bitte erlauben, theils um auch den Schein einer Unbescheidenheit zu vermeiden; theils aber, um der eigenen Weisheit und Menschenliebe einer hochansehnlichen Kreis-Versammlung nicht im mindesten vorzugreifen. Nur so viel sey uns erlaubt zu bemerken, daß bey aller Duldung, Gelindigkeit und Gerechtigkeit unserer jetzigen hohen Obrigkeiten, wofür wir sie segnen und Gott preisen, doch immer noch Gesetze und Anstalten im Ganzen der Verbesserung unsers sittlichen und bürgerlichen Zustands am meisten im Wege liegen. Wir wollen zwar nicht läugnen, daß manchen unter uns die Vorwürfe von Betrug im Handel und Faulheit in Arbeiten mit Recht vorzüglich treffen; wir glauben, daß die Menschen, im ganzen betrachtet, unter einerley Himmels-Strich mit gleichen Neigungen, Anlagen und Fähigkeiten geboren werden, und wir schmeicheln uns, daß einer hochansehnlichen Kreis-Versammlung mehrere durchaus edelmüthige, redliche und| uneigennützige Männer aus unserer Nation bekannt seyn werden, und daß selbst Gelehrte, wie Moses Mendelssohn, viele Ärzte und manche Künstler von unserer Religion unsere natürliche Geistes-Kräfte beweisen können. Aber freylich so lange wir vom Ackerbau, von Handwerken und von allen andern rechtmäßigen Erwerbs-Mitteln ausgeschlossen und bloß auf den Handel eingeschränkt sind, müssen unsere Neigungen und Fähigkeiten auch nothwendig eine einseitige Richtung nehmen, und sie können nie so veredelt und ausgebildet werden, wie bey den Christen, denen jeder Weg zum Erwerb offen steht. Und auch der für uns noch allein übrige Nahrungszweig, die Handlung, wie sehr ist diese nicht für uns beschränkt und beschwert! So dürfen wir viele Städte und Gebiete theils gar nicht betreten, theils müssen wir mit einem schweren Zoll erst den Zugang erkaufen, und doch vor Einbruch der Nacht wieder auswandern; an manchen andern Orten sind uns selbst die besten Zweige der Handlung untersagt, und allenthalben müssen wir den drückenden Leibzoll entrichten, der uns, politisch betrachtet, unter das Vieh herabwürdiget, uns mit Schmach und Verachtung deckt, und oft den kleinsten Verdienst doppelt und dreyfach verschlinget, den wir uns mit Mühe und Gefahr an fremden Orten zu verschaffen suchen. Wir müssen ausserdem den zahlreichen armen Theil unserer Nation größtentheils ganz allein erhalten, und ausser den herrschaftlichen| Abgaben auch noch synagogische Steuern entrichten, so daß auch der vermögende Theil viel erwerben muß, wenn er mit den Seinigen fortkommen will, und daß der sinkende bey dem mindesten Unglück gleich zum Bettler wird, weil er sich aus Mangel des Vermögens, ohne welches keine Handlung getrieben werden kann, mit nichts zu ernähren weiß, und nicht einmahl ein Botenlohn verdienen kann, indem der Leibzoll mehr als sein Verdienst betragen würde.

 Diese wahrhafte Schilderung unserer eingeschränkten und drückenden Lage ist schon von vielen christlichen Regenten, Philosophen und Staats-Männern mit Wärme anerkannt worden und nöthigt uns, unsere fortwürige Erhaltung nur dem Gott, der aller Menschen Vater ist, und dem unsere sparsame und eingezogene Lebensart, so wie unsere Emsigkeit und Genügsamkeit an kleinem Profit bekannt ist, zu verdanken.

 Sollte nun auch bey manchen unter uns der Ruf des Gewissens von der Stimme der Noth erstickt werden; so glauben wir doch, daß, wenn uns der volle Schwung der Industrie, die das Erbgut aller Menschen ist, erlaubt würde, auch alle unrechtmäßigen Mittel zum Lebens-Unterhalt aufgegeben, und nur diejenigen genützt werden würden, welche die Ehrlichkeit laut gestehen darf.

 Wir wollen es nicht wagen, die wohlthätigen Folgen für uns und die ganze Menschheit zu| berechnen, die aus einer weisen Mäßigung und Erleichterung unsers harten Schicksals entstehen müßten. Wir sind aber überzeugt, daß politischer nun schon so viele Jahrhunderte angedauerter Druck, Geist und Herz verderben, und daß vorzüglich nur durch Aufhebung oder Milderung desselben der sittliche und bürgerliche Zustand eines Volks nach und nach verbessert werden kann. Wir preisen uns glücklich, daß wir den Zeitpunct endlich erlebt haben, wo die Judenschaft selbst von weisen christlichen Fürsten und Ständen wieder als Menschen mit Liebe angesehen und behandelt wird, und wir hoffen dereinst vor dem Thron des Gottes, den auch wir im Staub und in der Asche anbeten, und der alle Menschen, die Recht thun, liebt, noch denjenigen Menschenfreunden einen feurigen Dank zu bringen, welche die Erleichterung und Verbesserung unsers sittlichen und bürgerlichen Zustandes auf dieser Erde mit Wärme umfaßt, und mit Weisheit und Thätigkeit befördert haben.

 Der Klugheit und Menschenliebe einer hochansehnlichen Kreis-Versammlung stellen wir nun unser Schicksal lediglich vertrauungsvoll anheim mit der ehrfurchtsvollen Versicherung, daß unsere heise Dankbarkeit so wenig, als diejenige tiefste Ehrerbietung je in unsern Herzen erlöschen soll, womit wir uns unterschreiben, als

 Einer hochansehnlichen Kreis-Versammlung,

Fürth,
den 14ten Febr.
1792.
unterthänigst gehorsamste
im Namen der ganzen jü-
dischen Gemeine in Fürth
und aller jüdischen Ein-
wohner in Franken,

Wolf Neuburger.
Isaac Marx.
Jacob Henle.