Was das Leben und die Gesundheit des Menschen erhält?

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Autor: Carl Ernst Bock
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Titel: Was das Leben und die Gesundheit des Menschen erhält?
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aus: Die Gartenlaube, Heft 39, S. 423–425
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Lebens- und Nahrungsmittel
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Was das Leben und die Gesundheit des Menschen erhält?

Lebens- und Nahrungsmittel.

Das Leben des Menschen besteht in einem ununterbrochenen Wechsel seiner Materie (d. i. der Stoffwechsel). Jeder, auch der kleinste Theil des menschlichen Körpers, setzt nämlich fortwährend neue Substanz an, während die alte theilweise abstirbt und entfernt wird, so daß nach einiger Zeit der Körper, obschon er äußerlich noch ganz derselbe zu sein scheint, doch ein durchaus anderer, aus jüngeren Stoffen gebildeter ist. Geht dieses immerwährende Neuerzeugtwerden, Altern und Absterben (Mausern) der Körperbestandtheile in der gehörigen Ordnung vor sich, so erfreuen wir uns der Gesundheit; ist dasselbe aber in Unordnung gerathen, dann erleiden wir eine Krankheit, und diese wird organischer Fehler genannt, sobald der richtige Stoffwechsel und durch diesen die frühere Beschaffenheit des kranken Theiles gar nicht wieder herzustellen ist. Hört dieser Wechsel nun gar im ganzen Körper vollständig auf, so tritt der Tod ein, oder der Brand (d. i. örtlicher Tod), sobald blos in einem einzelnen (dem brandigen) Theile des Körpers der Stoffwechsel aufgehoben ist. Die Quelle des Stoffwechsels, welche das Material zum Neuerzeugtwerden der Körperbestandtheile liefert, ist das Blut, der Ort, wo dieses Material aus dem Blute austritt, sind die Haargefäße (s. Gartenlaube Nr. 9, S. 92).

Zu den Bedingungen, unter denen der Stoffwechsel zu Stande kommen kann und welche deshalb zum Leben durchaus unentbehrlich (also Lebensmittel) sind, gehören: Wärme, Luft, Wasser und Nahrung. - Die Wärme ist insofern eine äußerst wichtige Lebensbedingung, als durch ihre Vermittelung, besonders bei Kindern und Greisen, alle in unserm Körper vor sich gehenden Prozesse, vorzugsweise die Ernährungsprozesse, zu Stande kommen. Deshalb bedarf aber auch der Mensch zu seinem Gedeihen nicht blos der äußern Wärme, sondern muß auch selbst noch innerhalb seines Körpers die Eigenwärme bereiten. (Ueber die Quelle der Eigenwärme s. Gartenlaube Nr. 17, S. 184; über die Wirkung der Wärme und Kälte auf den menschlichen Körper s. einen spätern Aufsatz). – Daß die atmosphärische Luft zum Leben ganz unentbehrlich ist, haben dem Leser die Aufsätze über das Athmen (s. Gartenlaube Nr. 16, S. 171 und Nr. 17, S. 184) und über den Sauerstoff der atmosphärischen Luft (s. Gartenlaube Nr. 28, S. 303) deutlich zu machen gesucht. – Vom Wasser braucht aber nur gesagt zu werden, daß fast vier Fünftel des menschlichen Körpers aus Wasser bestehen und daß derselbe fortwährend eine ziemlich große Menge Wassers verliert, um sofort einzusehen, daß der Mensch täglich eine hübsche Portion von Wasser genießen muß, um sich in seiner richtigen Zusammensetzung und gesund zu erhalten. Die meisten Menschen trinken viel zu wenig Wasser, zumal die, welche gern, viel und gut essen. (Ueber Getränke und Wasserkuren s. einen spätern Aufsatz). – Was die Nahrungsmittel betrifft, so sind, wie der Aufsatz in Nr. 22, S. 232 u. Nr. 32, S. 349 der Gartenlaube gezeigt hat, nur diejenigen pflanzlichen und thierischen Substanzen darunter zu rechnen, welche, ohne für den Menschen schädliche Substanzen beigemischt zu haben, diejenigen Materien in sich enthalten, aus denen unser Körper selbst zusammengesetzt ist. Diese Materien waren aber außer dem Wasser noch eiweißartige, fettige und fettähnliche Stoffe, Salze, Kalk und Eisen. Ein großer Theil dieser Nahrungsstoffe, vorzugsweise die fettigen und fettähnlich zusammengesetzten, dienen nicht blos zur Ernährung des Körpers, sondern auch zur Entwickelung der Eigenwärme (s. Gartenlaube Nr. 17, S. 186). Zur leichtern Beurtheilung der einander ähnlichen thierischen und pflanzlichen Nahrungsstoffe, sowie des Nahrungswerthes unserer Speisen folgt hier vorläufig, selbst auf die Gefahr hin, wegen der Wiederholung vom Leser getadelt zu werden, eine kurze Uebersicht der in den gebräuchlichen Nahrungsmitteln vorhandenen Nahrungsstoffe.

A. Blut- und Fleischbildner,

d. s. eiweißartige, stickstoffhaltige Substanzen, welche vorzugsweise das Blut, Fleisch und die Knochen, also die Grundlage des Körpers bilden.

a. Thierische Fleischbildner. b. Pflanzliche Fleischbildner.
  1. Thierisches Eiweiß (Albumin) findet sich: im Blute, im Safte des Fleisches und aller Eingeweide; im Weißen der Eier und (unter dem Namen Vitellin) zwischen Fett im Eidotter.
  2. Thierischer Faserstoff (Fibrin), kommt vor: im Blute (das Gerinnende, den Blutkuchen bildend) und im Fleische, wo die Fasern aus diesem Stoffe bestehen.
  3. Thierischer Käsestoff (Casein), in der Milch (Käse) und im Blute.
  4. Thierischer Leim oder Gallerte: in den Knorpeln, Knochen, sehnigen Theilen und Häuten.
  1. Pflanzen-Eiweiß findet sich in den Säften der Pflanzen, vorzugsweise in den Gemüsepflanzen und in den Samen der Getreidearten.
  2. Pflanzen-Faserstoff oder Kleber kommt vor: in den Samen der Getreidearten (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Reis und Buchweizen).
  3. Pflanzen-Käsestoff oder Legumin: in den Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen, Linsen).
  4. Pflanzenleim: stets in Verbindung mit Kleber, besonders in den Getreidesamen.

Sonach würden von unsern Nahrungsmitteln die wichtigsten Fleischbildner folgende sein: Blut, Fleisch, Eingeweide, Käse, Eiweiß, Gallerte, die Getreidesamen und die Hülsenfrüchte. Alle diese Stoffe werden (wie in Nr. 22, S. 232 bei der Verdauuung besprochen wurde) mit Hülfe des Magen- und Darmsaftes in eine dem flüssigen Eiweiß ähnliche Flüssigkeit (Peptone) umgewandelt und sodann vom Magen und Darmkanale aus durch die Saugadern in das Blut gebracht, wo sie dann durch den Sauerstoff aus der eingeathmeten Luft zur Bildung der eiweißartigen Bestandtheile des Körpers vorbereitet werden. In den thierischen Nahrungsmitteln [424] finden sich weit mehr blut- und fleischbildende Stoffe, als in den pflanzlichen, und von den letzteren sind nur die Hülsenfrüchte und die Getreidesamen von Werth.

B. Fettbildner und Heizungsstoffe (Respirationsmittel),

d. s. stickstofflose Substanzen, die entweder fettige oder wenigstens dem Fette ähnlich zusammengesetzte (kohlenwasserstoffige) sind.

a. Fettige thierische Substanzen. b. Fettige pflanzliche Substanzen.
  1. Thierisches Fett genießen wir mit dem Fleische, als Schmalz und Talg, als Butter und Eidotter; in den fettig entarteten Gänselebern, im Fisch- und Leherthrane, sowie im Marke der Knochen.
  1. Fette Oele gewinnen wir zur Nahrung vorzugsweise aus den Früchten des Olivenbaumes und aus dem Mohnsamen, als Baum- u. Mohnöl, ferner noch aus dem Rübsen, Raps und Hanf, aus dem Mandel- und Buchenkern etc.

Die genannten thierischen wie pflanzlichen fetten Substanzen erleiden im Körper eine sehr einfache Umwandlung; sie werden nämlich im Darmkanale, nicht etwa schon im Magen, mit Hülfe der Galle und des Darmsaftes (vielleicht auch des Bauchspeichels) in solch feine Kügelchen zertheilt, daß nun das flüssig gewordene und mit Wasser gemischte Fett einer Mandelmilch ganz ähnlich ist und so leicht von den Saugadern des Darmes aufgesogen und in’s Blut geführt werden kann (s. Gartenlaube Nr. 22, S. 235). Der Nutzen des Fettes ist ein sehr bedeutender, denn abgesehen davon, daß alles im Körper vorkommende Fett zum großen Theile von den genossenen fettigen Nahrungsstoffen gebildet wird, so dient dasselbe ja auch noch mit dem Eiweiße zur Grundlegung aller Gewebe (mit Hülfe der Zellenbildung), sowie zur Entwickelung der Eigenwärme, indem das Fett innerhalb des Blutes durch den Sauerstoff der eingeathmeten Luft unter Freiwerden von Wärme zu Kohlensäure und Wasser verbrannt wird. – Es ist sonach sehr falsch, wenn man fette Speisen für schädlich hält, und es erregt Lachen, wenn Aerzte Butter verbieten und Leberthran verordnen.

a. Thierische fettähnliche Substanzen. b. Pflanzliche fettähnliche Substanzen.
  1. Milchzucker findet sich nur in der Milch aufgelöst; am reichlichsten in der Pferdemilch; auch ist die Milch der Frauen reichlicher damit versehen als die der Kühe, weshalb beim Aufziehen kleiner Kinder mit Kuhmilch diese stets noch mit Milchzucker zu versetzen ist. – Beim Sauerwerden der Milch verwandelt sich dieser Zucker in Milchsäure und ein kleiner Theil derselben ist dann bei höherer Temperatur im Stande, den noch in der Milch vorhandenen unverwandelten Milchzucker in Krümelzucker umzusetzen, welcher durch die Gährung in
  2. Alcohol übergeht. Auf diese Weise, durch Zusatz saurer Kuhmilch zu Stutenmilch, bereiten sich die Tartaren, Mongolen und andere Nomadenvölker Asiens branntweinähnliche berauschende Getränke, den Kumiß und den Aracu. – Der Milchzucker wird im Körper aus den mit der Nahrung genossenem Zucker und der Stärke gebildet.
  3. Honig wird von der Honigbiene durch Verarbeitung des Blüthenstaubes geliefert und durch Umbildung im Körper dieser Insekten in Wachs umgewandelt.
  4. Milchsäure bildet sich hauptsächlich in der Milch durch längeres Stehenlassen derselben, besonders in warmer Luft, sowie durch Zusatz eines Stückchens Kälbermagens (Lab), und zwar bildet sie sich hier aus dem Milchzucker (s. oben). Außer in saurer Milch findet sich diese Säure auch noch im Safte des Fleisches und im Magensafte.
  1. Stärke: in der Kartoffel, den Samen der Getreidearten, in den Hülsenfrüchten, den Moosen (isländischem), im Sago, Arrowroot, Tapioka (s. Gartenlaube Nr. 32, S. 349).
  2. Zucker: als Rohrzucker, Trauben- oder Krümelzucker und Schwammzucker (s. Gartenlaube Nr. 32, S. 350).
  3. Pflanzengallerte oder Pectin: in dem Safte der meisten fleischigen Früchte und Wurzeln.
  4. Pflanzenschleim oder Bassorin: in der Salepwurzel, dem Leinsamen, Eibischwurzel, Quittenkernen, Caraghenflechte, im Tragant- und Kirschgummi.
  5. Gummi: im arabischen Gummi, sonst nur in geringer Menge in den Pflanzen vorhanden.
  6. Alcohol oder Spiritus: Aus dem Krümel- oder Traubenzucker mit Hülfe der Hefe (durch die weinige oder geistige Gährung) entstanden, findet sich im Weine, Branntweine, Rum (aus Zuckerrohrsaft), Arac (aus Reis), Cognac (aus Wein), Kirschwasser und Bier. – Mit Hülfe des Sauerstoffs kommt in alcoholhaltigen Flüssigkeiten die saure oder Essiggährung zu Stande und so bildet sich dann die
  7. Essigsäure: im Weinessig, Frucht- oder Getreideessig (aus Gerste, Weizen, Kartoffeln) und Branntweinessig.
  8. Milchsäure: im Sauerkraute und in den sauren Gurken.


Die aufgezählten thierischen wie pflanzlichen fettähnlichen (kohlenwasserstoffigen) Nahrungsmittel haben für den Körper einen doppelten Nutzen; sie dienen nämlich theils zur Bildung von Fett, theils durch ihre Verbrennung wie das Fett zur Entwicklung der Eigenwärme. Die Stärke wird vorher aber mit Hülfe des Mund- und Bauchspeichels in Zucker umgewandelt (s. Gartenlaube Nr. 22. S. 235). – Da die fettigen und fettähnlichen Nahrungsmittel für sich allein den Körper nicht ernähren können, sondern immer nur erst in Gemeinschaft mit den übrigen (besonders eiweißartigen) Stoffen, so muß es auch ganz falsch sein, die Kartoffeln, sowie Zucker, Sago, Salep, Arrowroot und dergl. für sich als gute Nahrungsmittel zu bezeichnen. Welchen arzneilichen Werth aber das isländische Moos, die Caraghenflechte, die Eibischwurzel und das arabische Gummi haben können, wird nun Jeder selbst beurtheilen können, welcher jetzt gelesen hat, daß diese Stoffe zu den fettähnlichen Nahrungsmitteln gehören. Die Mütter werden hoffentlich auch einsehen lernen, daß die Stoffe, mit denen sie gewöhnlich die kleinen Kinder füttern, wie Sago, Salep, Arrowroot, Zucker und dergl., nur fettmachende Nahrungsmittel sind und, wenn sie nicht mit Blutbildnern (Milch, Fleischbrühe, Ei) verbunden werden, eine falsche und zu Krankheiten (Scropheln, englische Krankheit) führende Ernährung des Kindeskörpers veranlassen.


C. Unorganische Nahrungsstoffe:
Wasser, Salze und Eisen.
a. Unorganische Stoffe der thierischen Nahrung. b. Unorganische Stoffe der pflanzlichen Nahrung.
Von diesen Stoffen finden sich vorzugsweise in der thierischen Nahrung: der phophorsaure Kalk, das kohlensaure und phosphorsaure Kali und Natron, sowie das Eisen. Die Pflanzennahrung enthält mit Ausnahme der phosphorsauren und kohlensauren Talkerde, im Verhältniß zur thierischen Nahrung nur wenig von den nöthigen unorganischen Stoffen. Am meisten enthalten noch die Getreidesamen und Hülsenfrüchte.

[425] Wasser und Kochsalz sind die beiden unorganischen Stoffe, welche in ziemlich großer Menge in den menschlichen Körper geschafft werden müssen, damit derselbe ordentlich ernährt und gesund erhalten werde, denn er besteht ja fast zu vier Fünfteln aus Wasser und alle festen und flüssigen Bestandtheile des Körpers enthalten Kochsalz. Dies sind nun aber gerade diejenigen Stoffe, von denen weder in den thierischen noch pflanzlichen Nahrungsmitteln die hinreichende Menge vorhanden ist, und deshalb muß man gehörig trinken und salzen. Gegen dieses Gesetz fehlen aber die meisten Menschen.

Welche Nahrungsmittel sind nun aber für den Menschen die besten? die thierischen oder die pflanzlichen? Weder die einen noch die andern können für sich allein als richtige Nahrung dienen, und zwar aus dem Grunde, weil die thierische Nahrung zu wenig fette und fettartige Bestandtheile, die pflanzliche dagegen zu wenig eiweißartige und unorganische Stoffe enthält. Eine gemischte Kost ist sonach dem Menschen am zuträglichsten. Die thierischen Nahrungsmittel sind im Allgemeinen weit leichter verdaulich als die viel unlösliche Bestandtheile enthaltenden pflanzlichen; von den ersteren sind Blut, Milch, Fleisch und Ei, von den letzteren die Samen der Getreide und die Hülsenfrüchte am nahrhaftesten. – Die Gewürze tragen nichts zum Ersatze der Gewebe, also zur Ernährung des Körpers bei, sondern dienen nur zur Verbesserung des Geschmackes der Nahrungsmittel oder zur Beförderung des Verdauungsprozesses. Sie stammen sämmtlich aus dem Pflanzenreiche und verdanken ihre Wirkung ätherischen Oelen.

Wer von den Lesern den Werth der einzelnen Nahrungsmittel, über welche spätere Aufsätze handeln werden, sowie die Wichtigkeit der verschiedenen Speisen und Getränke bei Krankheiten richtig kennen lernen will, muß diesen vorliegenden Aufsatz recht ordentlich studiren.

(B.)