Was unser Herr Präsident am Feste der Reformation seiner Kirche zu sagen hat

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Autor: Hermann von Bezzel
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Titel: Was unser Herr Präsident am Feste der Reformation seiner Kirche zu sagen hat
Untertitel: Predigt über Ebr. 13, 7. 8. gehalten am Sonntag den 6. November 1910 in der Johanneskirche zu München
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Entstehungsdatum: 1910
Erscheinungsdatum: ca. 1911
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Was unser Herr Präsident am Feste der
Reformation seiner Kirche zu sagen hat.



Predigt
über Ebr. 13, 7. 8.
gehalten am Sonntag den 6. November 1910
in der Johanneskirche zu München


von
D. Dr. Hermann von Bezzel
Präsidenten des K. Prot. Oberkonsistoriums.




Herausgegeben vom Evangelischen Verein St. Johannes München r. d. Isar zum Besten der Kinderbewahr-Anstalt
Wörthstraße 20.


| In dem allen überwinden wir weit um des willen, der uns geliebet hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserem Herrn. Amen.

 Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

 „Gedenket an Eure Lehrer, die Euch das Wort Gottes gesagt haben, welcher Ende sehet an und folget ihrem Glauben nach. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ Amen.

 Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis. Alle Erdenfeste werden in der Vollendungszeit vollendet durchlebt und gefeiert. Wenn Du ein Fest mit Gedanken und Worten begangen hast, deren Du in Reue Dich schämen mußt, so werden Dir in der Ewigkeit bekannte Gedanken und Worte wieder begegnen, ob Du sie auch aus Deinen Augen bannen möchtest. Und was reine heiligende Festesfreude auf der freudenarmen Erde war, das darfst Du im Glück der Ganzheit durchfeiern ohne Angst es zu verlieren und ohne Sorge, daß Du Dich in ihm verlierst.

 Am Reformationsfeste werfe ich in Deine Mitte, Gemeinde des Herrn, einen Namen, der eine ganze Weltanschauung in sich schließt, den volkstümlichsten bei Freund und Feind, den seit der Apostel Zeiten, wie Bengel sagt, am meisten geschmähten und am höchsten gepriesenen. Titanenhaften Zerstörer, Räuber des Seelenfriedens, der Glaubenseinheit Feind schelten ihn die einen, ihren Vater und Führer, Freund und Hirten, der sie zu Jesu gebracht hat, erblicken in ihm die andern. Im Lichte der Ewigkeit bei den Festen der Heimat wird sich das Rechte zeigen. Gedenkt Eures Martin Luther, des gottgesandten Lehrers, des gottbegeisterten Propheten, des gottinnigen Beters, nicht mit tönenden Worten, die mehr verbergen als bekennen, noch mit welkenden Kränzen, die Prophetengräber vergeblich zieren, sondern in Tat und Kraft und Wahrheit, indem ihr ihm nachfolgt. Christus hat viele Diener, aber wenige Nachfolger (J. Arnd), Luther hat viele Verehrer, aber wenig Jünger. Damit wir solche werden, fragen wir

nach dem Warum? und nach dem Wie?

 der Nachfolge und beten: Heilige uns Herr, in Deiner Wahrheit! Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.


|  I. halte im Gedächtnis Jesum Christum, so mahnt die apostolische Weisheit zur Gewinnung wahrer Lebensweisheit. Ein Entdecker ohne Gleichen und Maßen hat Er die Heimat, die so ferne im Nebel der Sünde und in der Nacht des Unglaubens entrückt war, den Trost der Tränen, die selige Antwort auf unzählige Fragen, das Glück des Habens aus der Welt des Suchens wieder entdeckt. Vom Vater ausgegangen, hat Er die Fremde gewählt, um sie ihrer Fremdlingschaft zu entkleiden und der Zeit den Wert der Ewigkeit eingestiftet, weil Er ihre Ewigkeitsflucht am Kreuze gebüßt hatte. Und als Erfinder hat Er in Gottes Kraft (Ebr. 9, 12) eine ewige Erlösung erfunden. Den Weg hat Er in Selbstverleugnung gebrochen und die Bahn der Freiheit, aus der Er Mühselige und Beladene, Sorgenvolle und Freudenlose, zweifelnde und im Irrtum Erschlaffte zu Sich nahm, klärlich gezeigt: der königliche Weg des Kreuzes ist nicht Selbstbehauptung, sondern Selbstverleugnung, nicht Weltseligkeit, sondern Weltüberwindung, nicht Ichliebe, sondern Hingabe des Ich an andere.
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 Jesu nach wandeln die großen Führer, Apostel und Väter, Kirchenlehrer und Seelsorger, Hirten und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Ob ein Paulus den Herrn vor Augen malt oder ein Jakobus den König der Herrlichkeit preist, ob die alten Bekenner Kranz und Glanz des Sieges feiern: dem Mann von Damaskus am nächsten mit dem Rufe im Herzen: „Was willst Du, daß ich tun soll?“ steht der Mann von Wittenberg, der Beter auf der Wartburg und Bekenner zu Worms. Haben sie zu seinen Tagen Länder entdeckt und Sonnen und Sterne wiedergefunden, Gesetze ihres Weges und Wandels aufgezeigt und Erden und Sonnen in rechte Beziehung zu einander gesetzt, größer als Kopernikus hat er die wahre Sonne dem Auge nahe gebracht, „die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ.“ In ewig gewaltiger Majestät bringt sie wahres Licht des Glaubens, Licht, Leben, Lust und Wonne, also daß alle Sterne ihr das Licht verdanken und alle Welten um sie hingezogen kreisen, jeder Strahl nach ihr heimbegehrt, jede Kraft von ihr zu ihr eilt, Großes, Reiches, Reines ihr sein alles dankt. Und mächtiger als Kolumbus, der ferne Welten erschloß, hat Luther die Heimat mit ihren vielen Wohnungen, Genüge jeder Individualität, Trost jeder Seele eröffnet und aufgetan. Wo Vergebung der Sünde ist, da ist Heimat; wo der Tränen Trauer schwindet, da ist Leben und Seligkeit. Die Burg der Väter, im Glanz der Verheißung erstrahlend, die sichere feste Heimstätte mit Wohnlichkeit und Wohligkeit hat er gezeigt. Sie haben zu seinen Zeiten die Kunst entdeckt und erfunden, daß eherne Lettern ihren Mund auftaten und stumme düstere Zeichen lichten Frühling verkündeten: Der Engel Gottes mit dem ewigen Evangelium ist Johann | Gutenberg viel genannt worden. Aber Luther hat Größeres erfunden. Propheten groß und Patriarchen hoch, Heilige und Helden, ihnen allen voran Christum, hat er deutsch und deutlich sprechen lassen und unserem Volke seine Bibel von der Kette, das Erfurter „Rote Buch“ aus dem Verließ genommen, des sollen wir alle froh sein, daß ein Eroberer mit friedsamen Waffen, ein Entdecker mit der Weisheit, die von oben ist, ein Erfinder in tausendfacher und viel tausendmal gesegneter Kunst unser Führer geworden ist.

 Nicht an ihn wollen wir denken, er schüttelt unmutig das Haupt, wenn er Menschenvergötterung und Menschenkultus verspürt und empfängt, sondern an sein Werk. „Nicht Euch, sondern Euere Werke meint und will der Herr“, sagt der alte Schriftausleger zu Matth. 5, 16 – „die Euch das Wort Gottes gesagt haben“ in seiner unveralteten Altertümlichkeit, in seiner schlichten Größe und heilsamen Schlichtheit, in dem Reichtum, der dem Weisesten Geheimnisse aufgibt und den Ärmsten erbarmend die Not wendet. Das Wort Gottes ist nicht eine starre, kalte Größe, in Hoheit und Weltferne übermenschlicher Unerfaßlichkeit kunstvoll geprägt, voll neuerwachter Schmerzen und neues Leid gebärend, keine hoch über Niederung und Nacht einsam ziehende Lichtflut, da niemand zukommen kann. Liebe hat es ersonnen, Barmherzigkeit gesprochen, Treue geborgen und Segen es bewahrt. Das ist das Wort, das unter uns verkündigt ist. Jahrhunderte haben an seinen stillen Quellen sich gelabt, sind vorübergezogen, segnend und dankend, und der Quell rauscht und rieselt weiter, Labung gebend, Freude spendend, Leben schenkend. Das Wort Gottes sagen – ein kurzes und ein langes, ein kleines und ein großes, kein und alles Werk: Gelobt sei Gott, der dem Worte den Geist geliehen und gelassen, dem Geist das Wort zum Gefäß gestiftet hat, daß im goldenen Bibelkelch Trank für alle, Friede und Seligkeit zu finden ist.

 Wir kennen alle Ausstellungen an Luthers Bild, seine Schwächen leugnen wir nicht und lieben sie, seine Irrungen verkennen wir nicht und ehren sie, seinen Widersprüchen stehen wir nicht mäkelnd und bemängelnd entgegen, sondern nehmen den ganzen, vollen, echten Menschen tief in Herz und Haus und Gewissen: Der Herr segne Dich für Alles, was Du Deinem, Seinem Volke getan hast. Er vergelte Dir Führertreue, Hirtensorge, Evangelistenwerk. Er hat aus Sündentiefen, die er in einsamer Zelle, auf dem Lehrstuhl, in weiter Fahrt erschaute und bebend erkannte, den Weg zur Heimat, Christum, Seine Leutseligkeit, Sein gnädiges Erbarmen erschaut, die Heimat dem Einzelnen und der Kirche gezeigt. Wir gedenken Luthers, der uns so viel gegeben hat, über ihm aber des Herrn, der uns in Seinem Knecht so Großes hat schenken wollen.


|  II. Wie aber sollen wir unserer Lehrer gedenken? Wahrlich nicht urteilslos, von andern überredet, von der Begeisterung der flüchtigen Stunde berauscht und des nüchternen Urteils beraubt. Der Apostel heißt alles prüfen und erst das Erprobte behalten und sein Herr heißt den Willen tun des Wahren, um der Wahrheit inne zu werden. „Welcher Ende sehet an!“ Langsam wie es der Sache geziemt, bedächtig, wie das Unübersehbare es fordert, lasset uns des Wandels Ausgang betrachten, den Er selbst genommen hat. Der frei öffentlich vor allem Volke und nicht im Verborgenen, von der Kammer zu den Dächern, von der Nacht des Nikodemus zum Verklärungsberge gelehrt hat, der umhergegangen und hat wohlgetan und gesund gemacht, der des Tages wandelte und wirkte, so lange es Tag war, bietet sich unserer Prüfung dar. Sein Ende ruhmlos, lichtlos, scheinbar gottverlassen, hat alles ausgerichtet und mit Ehre und Schmuck ist Er dem Gericht entnommen: Sein königliches „Es ist vollbracht“ hat die arme Erde zur Zeugin und Stätte des Sieges und die trauernde Welt zum Gottesgarten erhoben. Lasset uns aufsehen auf Jesum, den Heerführer des Glaubens, den Vollender des Lebens im Schauen und Besitzen. Legt, ihr Zweifler, Eure Hand in Seine durchbohrte Seite, ihr Fragenden sagt Ihm eure Nöte, kleine und große, wirkliche und vermeintliche, dem Aufrichtigen läßt Er’s gelingen. Die Sorgen schweigen, die Zweifel zerrinnen: es wird Tag. Gerade Sein Ende ist Seines Lebens Bewährung und Seine Armut der Gottheit Ehrenkleid und Seine Bezweiflung der Gewißheit Herold: Kommt her, prüft und forscht. Er ist allein der Herr, der höchste, Jesus Christus.
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 Sehet auch Luthers Wandelungen und Ausgang an: Nichts Glorioses, aber Echtes, nichts was in die Augen gleißt, aber die Ehre des ganzen Mannes, wie des ganzen Christen. Er hat viele Weisen, aber Einen Ton, viele Worte, aber Einen Preis, mancherlei Wandelungen, aber Eine entschiedene, Eine entscheidende Wendung zu Seinem Heiland: „Allein aus Gnaden, allein aus Glauben.“ „So oft ich bete, kommt mir der Mann am Kreuz!“ Da liegt er am Tage Konkordiä, den 18. Februar 1546 – unsere Väter haben wohl geklagt, „an diesem Tag sei die Eintracht gestorben“ – ein wegemüder, aber auch ein wegefertiger Mann. Ein Friedenswerk hat er vollbracht, den kleinlichen Streit seiner Mansfelder Landesherrn treulich geschlichtet, nun kann er in Frieden fahren. Über sein Lieblingswort, die „kleine Biblia“, hat er noch gepredigt, nun darf er ruhen. Dem Freund Rentmeister hat er von denen, die den Tod nicht scheuen, ewige, wundertiefe Worte ins Bibelbuch geschrieben. Nun schläft er ein, es geht zu Ende. Der mehr gearbeitet hat als sie alle, dessen | Werke wohl zwanzig große Bände füllen, ein Doktor, der eine ganze Fakultät in sich schließt, ein Seelsorger der suchenden Welt, darf zur Ruhe kommen. Noch einmal nahen ihm die Freunde; sein Jonas, Cölius wollen der Lehre letztes Wort, der Lebensweisheit letzten Schluß von ihm hören: „Ehrwürdiger Vater, wollet Ihr auf diesem Glauben, den Ihr geglaubt und bekannt habt, getrost sterben?“ Daß „Ja“ des Sterbenden kein sterbendes „Ja“: als die Sterbenden und siehe wir leben! Seht sein Ende an! Er ist von den Verheißungen der Gottestreue für’s Alter getragen: Ich will heben, tragen, erretten. Wer so stirbt, der stirbt wohl. – „Bitten Sie Gott, hat vor 60 Jahren der große Erlanger Theologe dem großen Gegner Luthers, Hofmann an Döllinger, geschrieben, daß Er Ihnen einst solch ein Ende schenke.“

 Wir sehen das Ende und folgen nach nicht in sklavischer Nachahmung, nicht in wohlfeiler Einschwörung auf jedes Wort und auf äußere Weise. Luther sagt einmal: Wer Christum wollte nachahmen, ein selbiger müßte sich Nägel in Hände und Füße lassen schlagen und ans Kreuz sich heften lassen. Der Herr will nicht, daß wir in Ärmlichkeit Zug um Zug Ihm ablauschen, was uns ja doch nicht gelänge, sondern unser Kreuz Ihm nachtragen, gesinnet sein, wie Er war. – Wir wissen bei Luther kein liber conformitatum zu schreiben, die wohl 50 Ähnlichkeiten mit Christo, aber wir sehen seine Treue und ehren seine Ernstlichkeit, wissen ihn von Jesu heilig gesprochen durch den Rechtfertigungsprozeß der Gnaden, der alle Sünden vergibt, alle Gebrechen heilt.

 Wir folgen dem Glauben nach, der nicht Sammlung von Einzelbegriffen, noch Registrierung der Bekenntnisse anderer, nicht Genußleben von fremder Arbeit noch Selbstberuhigung ist. Der heilige Geist führt den Glauben in den Fortschritt, verklärt von einer Klarheit zur andern, zeigt Neues auf altem Grund, baut auf und aus. Wir sollten uns da weigern und versagen? Er ist mit 1577 und mit dem letzten verfaßten Bekenntnis unserer Kirche nicht zum Ende mit Seiner Weisheit gekommen, wie der Orthodoxismus in wohlfeiler Treue lehrt, sondern der uns Geschichte gibt, erleben und dann leben heißt, erhebt aus dem Bekenntnis der Väter die vergängliche Form und den bleibenden Inhalt: die Form mag zerbrechen, was hat’s denn für Not? Aber die Arbeit der Väter um Hebung, Bergung, Wahrung des Kleinods soll nicht vergeblich gewesen sein, denn sie war in Gott getan. Wir nähren uns von ihrer Arbeit: Glauben ist Rückkehr zu den Quellen und froher Ausblick zu den Höhen, ist haben und halten. Man schelte neue Weise nicht, wenn sie der alte Ton regiert, man tadle neue Worte nicht, wenn sie der alte Geist gebiert: wir leben, weil wir haben, wir schreiten nicht ins Unendliche fort, was ein Unding ist, aber wir schreiten hurtig weiter fort, | bis wir gelangen zu der Stadt Jerusalem dort droben, zur Theologie der Seligen.

 Im Jahre 1848 traten zu Ansbach edle Bekenner, Löhe von Neuendettelsau, Brandt von Kattenhochstadt, Trenkle von Weissenburg, der Reformierte Buirette unter dem Vorsitze des unvergessenen Professors Thomasius zusammen, um über Pflicht und Recht an die neue Zeit zu reden. Da erhob sich der treue Mann Thomasius: „Wenn der heilige Geist weiter bauen und weiter schenken will, wollen wir dienen und danken.“ Und wir ihm nach. Vielleicht schenkt Gott unserer Zeit, die trotz dem Trüben die Sonne und trotz der Gegensätzlichkeit die heilige Einheit kennt, bessere Erkenntnis der menschlichen Lebensseite Jesu Christi, aus der Seine Einzigartigkeit und Göttlichkeit noch mehr erstrahlen müßte, vielleicht sollen wir Wert und Wesen der Kirche deutlicher erschauen, die Bedeutung des Einzelglaubens näher ergründen. – Wenn nur Glauben gehalten wird, Erfassung, nachdem die Seele erfaßt ist, Treue gegen das alte ewige Heilsgut, das uns rechtfertigt und recht fertig macht zu treiben das Evangelium des Friedens. Alte Waffen mit neuen Handgriffen, das edle Geistesschwert des Gotteswortes gegen alte und neue Gegner, der blanke Schild gegen listige Geschosse!

 Die Lehrer sinken dahin und ihr Leben ist verborgen mit Christo in Gott, die Reformatoren schweigen, ob sie gleich im Glauben zeugen, aber Ein Lehrer und Verneurer des Heiligtums, aus dem Er Krämergeist und Mördersinn austrieb, Ein Heiland bleibt, der ewige Gottessohn, der Christus ward, der Menschensohn, der Gott blieb, der das Gestern in’s Heute legte und beides in ewigen Segenshänden umschloß, der mit Weisheit und Kraft Gesalbte, der am gestrigen Tage litt, der heute die Herrlichkeit eingenommen hat und hält, will bleiben. Vor Ihm beichten wir reuig das verlorne und versäumte Gestern, unprotestantische Lässigkeit und Treulosigkeit, Ihm befehlen und geloben wir das Heute der Heiligungsarbeit, die Fröhlichkeit des Glaubenskampfes, die Ehrlichkeit der Freiheitstat aus heiliger Gebundenheit. Der Gesegnete segne und wie Er das Heute unsrer Väter zu Sich, aller Sünden frei erhoben hat, so wolle Er, wenn die Stürme verweht und die Wellen vergangen, das Ungestüm sich gelegt haben wird, unsere Augen Ihm entgegen richten, daß wir niemand sehen als Jesum allein. Amen.