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Weg nach Berlin – Birkenwerder, Juni 1949

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Autor: Hans Brass
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Titel: Weg nach Berlin – Birkenwerder, Juni 1949
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Entstehungsdatum: 1949
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung: Tagebuchauszüge zum Thema Weg nach Berlin – Birkenwerder, Juni 1949
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Einführung

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Der Artikel Weg nach Berlin – Birkenwerder, Juni 1949 zeigt die von Stefan Isensee im Rahmen seines Werkes „Weg nach Berlin – Birkenwerder“ zusammengestellten Tagebuchauszüge vom Juni 1949. Textauslassungen wurden mit [...] gekennzeichnet, eingefügte Erläuterungen von Stefan Isensee in eckigen Klammern kursiv [Erläuterung].

Tagebuchauszüge

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[1]
Sonnabend, 4. Juni 1949.     

[...] [1] Vom Ulenspiegel Honorar für den letzten Beitrag erhalten, aber nur 100,– M. Es wird immer weniger. Zuerst waren es 150,– M., dann 125,– jetzt nur noch 100,– [...]

[2]
Pfingst-Montag, 6. Juni 1949.     

[...] [2]      Vom „Deutschen Kultur=Ring“ habe ich wegen meiner Anfrage nach der religiösen Ausstellung Antwort erhalten. Die Ausstellung soll erst im Spätsommer stattfinden. Der Kulturring ist eine erst im Entstehen begriffene Organisation, welche sich die große Aufgabe gestellt hat, „auf der Grundlage des Glaubens an den allmächtigen Schöpfer aller Dinge“ für die Beseitigung der herrschenden Unmoral zu wirken, um so mitzuhelfen, ein neues Deutschland aufzurichten. Das ist ganz interessant u. es mögen sich dort ganz brauchbare Menschen zusammenfinden. Ich werde mir das ansehen. [...]

[3]
Montag, 13. Juni 1949.     

[...] [3]      Noch immer haben wir keine Fahrkarten für den Omnibus nach Berlin bekommen. [...]

[3]      Mit der Pariser Außenminister-Konferenz sieht es ebenfalls schlimm aus. Man hat sich bis jetzt in nichts einigen können u. es ist zu erwarten, daß die Konferenz in dieser Woche auffliegt. Da nun inzwischen die Bildung des Westdeutschen Staates Tatsache geworden ist u. nur noch die endgültige Wahl eines Parlamentes aussteht, welches dann eine Regierung bilden wird, so ist klar, daß die Westmächte mit dieser Regierung dann einen Separatfrieden schließen werden. Damit ist dann die Teilung Deutschlands zunächst einmal Tatsache geworden. Was dann aus Berlin werden wird, kann man sich kaum vorstellen, es ist schwer, dann noch eine Begründung für das Verbleiben der Westmächte in dieser Stadt zu finden. [...]

[4] Ich zweifle zuweilen an einer Zukunft, wie ich sie noch vor nicht langer Zeit erwartete. Ich lese hier in den Zeitungen wiederholt große Besprechungen der Ausstellung „Mensch u. Arbeit“ u. finde oft Reproduktionen von zuweilen sehr mäßigen, manchmal direkt schlechten Bildern dieser Ausstellung, aber mein Name ist noch nie genannt worden. Ich fürchte fast, daß meine Bilder dort überhaupt garnicht ausgestellt worden sind. [...]

[4]
Donnerstag, 16. Juni 1949.     
Fronleichnam.     

[...] [5] Es lag ein Brief vom 31.5. auf dem Tisch, der durch Boten abgegeben worden war, Absender: Volksbildungsamt Birkenwerder, also Herr Schirmer. Er bittet mich, für das jetzt eben fertig gestellte hiesige Altersheim irgendwelchen Wandschmuck zu stiften. – Dieses Ansinnen ist mir eine willkommene Freude, erstens wegen des guten Zweckes, zweitens aber auch, weil ich mir den Gemeinderat dadurch verpflichte. [...]

[6]      Ich ging dann nachhause u. nahm gleich die Sache für das Altersheim vor. Ich suchte drei alte Naturstudien heraus, zwei aus Ahrenshoop vom Jahre 1931 u. eine Zeichnung aus dem Jahre 1933. Ich überging dieselben mit Buntstiften u. fand dafür auch passende Passepartouts, sodaß die drei Bilder nun bereits fertig sind. Sie sehen sehr anständig aus u. werden gewiß gefallen. [...]

[7]
Mittwoch, 22. Juni 1949.     

[...] [7] Gegen Abend besuchte ich den Kollegen Bremer. Seine Schwester, bei der er wohnt, seitdem er in Berlin ausgebombt ist, 1945, empfing mich. Ihr gehört das sehr große Haus hier, das in einem völlig verwahrlosten Zustand ist. Der Mann der Schwester ist lange verstorben u. muß wohl sehr reich gewesen sein, jetzt ernährt sich die Witwe kümmerlich vom Klavierunterricht. Die Schwester, die übrigens eine bescheidene, recht sympatische Dame ist, führte mich in ein großes Zimmer, das anscheinend Musik=Eß= u. Wohnzimmer in einem ist, wenn es nicht auch noch als Schlafzimmer dient. Sie rief ihren Bruder, der alsbald mit einem sehr großen eben angefangenen Blumenstück in Aquarell herbei kam u. noch zwei andere ähnliche Aquarelle mitbrachte, die er, wie er sagte, in letzter Zeit gemacht hatte. Ich fand sie fürchterlich, akademisch, trocken u. technisch ganz ungeschickt. Er zeigte mir diese Sachen, aber ich konnte mich nicht überwinden, sie zu loben. Er schien das auch nicht weiter übel zu nehmen. Er lebt hier so einsam, daß er ganz glücklich über meinen Besuch war. Er sprach sehr viel über Kunst, Literatur u. Musik u. er entpuppte sich als ein Mann, der viel gelesen hat u. gut bescheid weiß, besser als ich. – Aber wie sah er aus! – Daß er stets dreckige Finger hat, wußte ich schon. Jetzt trug er ein ebenso dreckiges Hemd u. darüber einen schwarzen Anzug, der, so weit ich sehen konnte, aus einer Hose u. einem alten Mantel bestand. Toll sah er aus! Aber er hat ein kluges Gesicht u. ist ein Mensch ohne Falsch. [...]

[8]
Freitag, 24. Juni 1949.     

[...] [8]      Von Sandberg erhielt ich einen längeren Brief, in dem er mir mitteilt, was ich von je wußte, nämlich daß meine Zeichnungen nicht in den Ulenspiegel passen u. daß er Bedenken hat, die beiden Feder-Zeichnungen, die er noch hat, den Familienskat u. das Musikertrio, zu bringen. Mein Stil paßt eben durchaus nicht in diese Zeitschrift, die nur allein auf beißende Satire abgestellt ist. [...]

[8] Ich habe S. heute Abend geantwortet, ohne Groll u. ohne verletzt zu sein, denn er hat ja Recht, – ich bin ihm sehr zu Dank verpflichtet, daß er trotzdem hier u. da etwas von mir gebracht hat, er hat mir damit sehr geholfen. [...]

[8]
Sonnabend, 25. Juni 1949.     

[...] [8]      Mit der Ernährung ist es doch recht schwer. Am Donnerstag aß ich Kohlrabi, am Freitag aß ich Kohlrabi, heute aß ich Kohlrabi, u. zwar abends nochmals, damit er fort kam, u. heute hat Brigitte schon wieder Kohlrabi gekauft u. zurechtgemacht, den ich morgen essen müßte, doch werde ich streiken u. ihn erst Montag kochen. Dazu immerfort Salat in Massen. In der Zeitung steht, daß jetzt die Ernährung besser werden soll u. zum Beweise dessen erhielt ich heute 100 gr. Fleisch, doch war davon noch ein Teil Knochen. Ich schnitt das Fetzchen Fleisch in den Kohlrabi u. den Knochen kochte ich schon vorher in etwas Wasser, so hatte ich die Illusion von Fleisch. [...]

[9]
Sonntag, 26. Juni 1949.     

[...] [9] Mittags bereitete ich mir Bratkartoffeln mit einem Ei darüber u. grünen Salat, als Nachtisch Haferflockenbrei mit Fliederbeersaft. Später Zeitung gelesen u. entnommen, daß der S=Bahnstreik am Dienstag beendet werden wird. Er handelte sich bei diesem Streik der in den West=Sektoren Berlins wohnenden Eisenbahner darum, daß sie in Westgeld bezahlt werden wollten, da sie ja auch ihre Miete in Westgeld u. ebenso alle Lebensmittel u. sonstigen Bedürfnisse in dieser Währung bezahlen müssen. Daß sie dies nicht können, wenn sie in Ostgeld bezahlt werden, liegt auf der Hand, nachdem heute z.B. eine Westmark gleich 5,80 Ostmark ist. Ein Angestellter, der eine Miete von 50,– Westmark monatlich bezahlen muß, muß daher 290,- Ostmark bezahlen. So viel bekommt er garnicht. – Die Eisenbahn-Direktion, die unter russischer Verwaltung steht, hat sich von Anfang an bereit erklärt, den Angestellten u. Arbeitern 60% ihres Lohnes in Westmark zu zahlen, wenn der Berliner Westmagistrat sich bereit erklärte, die übrigen 40 % im Verhältnis 1 zu 1 in Westgeld umzutauschen. Dies hat der Westmagistrat nicht getan, erstens, weil er kein Geld hat u. zweitens, weil dann ein Präzedenzfall gegeben wäre, indem dann ja auch alle anderen Menschen u. Berufe denselben Anspruch erheben würden, was ja tatsächlich inzwischen schon geschehen ist. Nun hat der Westmagistrat sich bereit erklärt die Forderung der Eisenbahner zu erfüllen, nachdem der Streik jetzt 38 Tage gedauert hat u. sehr viel Geld verschlungen hat. Ich bin gespannt, welche Wirkung [10] das nun auf all die anderen Menschen haben wird, die ebenfalls im Westsektor wohnen u. im Osten ihr Geld verdienen. Auch diese Menschen haben doch denselben Anspruch; aber wo soll der Magistrat dieses Geld hernehmen? Er kann jetzt schon an seine eigenen Angestellten die Gehälter nicht mehr auszahlen. Es ist aber dieser selbe Magistrat gewesen, der die Verfügung erlassen hat, daß im Westsektor nur noch Westgeld Geltung hat. Er hat dabei wohl nicht genügend bedacht, zu welchen Schwierigkeiten das führen wird. [...]