Weinsberg, vormals freie Reichs-, jetzt württemb. Oberamtsstadt. Chronik derselben/Teil 2

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Weinsberg, vormals freie Reichs-, jetzt württemb. Oberamtsstadt. Chronik derselben
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VII. Abschnitt.
a) Freie Stadt Weinsberg.
Ursprung.

Von einer „Anfangs großen und volkreichen Stadt Weinsberg, welche Probus Valerius, der römische Kaiser, als er die Gegend des Neckars erobert, anfangs (anno 282) erbaut“ (nach dem Privilegienbuch gemeiner Stadt Weinsberg vom J. 1468 p. 152 fg. s. ob.) findet sich, wie wir schon oben p. 5 bemerkt haben, in der Geschichte [69] nicht die leiseste Spur. Nur in einer Urkunde des Klosters Ebrach findet sich, daß der Würzburger Sprengel im 9. Jahrhundert in XII Archidiaconate getheilt gewesen seie, und daß das Vte aus den Kapiteln Weinsberg im Deutschorden’schen und Buchen im Mainzischen Gebiet bestanden habe (Bundschuh, Lexicon v. Franken. Würzburg). Würdtwein in s. subsid. diplom. spricht von einem Capitel Weinsberg, aber im VII. Archidiakonat, wozu unter Anderem gehörten Neuenstadt, Öhringen, Weinsberg, Heilbronn, Neuenstein, Lauffen, und von den jetzigen Bezirksorten: Bitzfeld, Walbach, Brettach, Schwabbach, Mainhard, U.-Hambach, Wüstenroth, Affaltrach, Löwenstein, Hohenriedt, Sulzbach, Ellhofen, Eberstadt, Hölzern. Hier erschiene also Weinsberg als Capitelsstadt im 9. Jahrhundert bedeutender, als das jetzt größere Lauffen, Öhringen, Heilbronn.

Was aber das Landbuch vom Jahr 1609, Msc. I., 342 von einer einst großen Stadt Weinsberg wissen will, welche in einer Fehde Herzog Heinrichs von Schwaben (1038–1045) zerstört und in der Folge nur kleiner wieder erbaut worden seie, wird durch keinerlei Urkunden bestättiget.

Der Name der Stadt (und Burg) Weinsberg tritt zum Erstenmal aus dem bisherigen geschichtlichen Dunkel an’s Licht bei der Schlacht und Belagerung vom Jahr 1140, wo „die Weibertreu fürgeloffen.“ S. oben Abschn. VI. p. 14. Stadt und Burg sind aber von Anfang her geschieden. Die Burg ist nach unserer oben p. 12 ausgesprochenen Vermuthung mit einer kleinen Ansiedlung unfreier Burgangehörigen zuerst entstanden. Nach und nach entstand dabei auch eine Niederlassung von freien Leuten, welche zwar von der Burg den Namen annahm, aber von den Burgherrn unabhängig war, wenn sie auch ihren Schutz suchte.

In dem denkwürdigen Jahr 1140 erscheinen Stadt und Burg als zusammengehörig, von Herzog Welf VI. als Calwisches Erbe (durch seine Gattin Uta), von K. Konrad III., als mit Pfalzgraf Gottfrieds von Calw Tode heimgefallenes Reichslehen in Anspruch genommen. Burg und Stadt wurden von K. Konrad mehrere Wochen belagert – von Martini an bis zur Schlacht bei Ellhofen am Thomastage – s. oben p. 16. Die geschlagenen Welf’schen wurden wieder in die feste Stadt (wie in die Burg) aufgenommen und die Chronik von Sanct Pantaleon, welche die Geschichte der Weibertreue berichtet (s. oben p. 16), spricht von der Stadt als urbs Welphonis ducis Bawariorum, welche Konrad III. vermöge Übereinkunft in seine Hand bekommen. S. übrigens die Erörterung oben p. 15 fgd.

Die von oftgedachtem Weinsberger Privilegienbuch berichtete Einäscherung und Schleifung der Stadt (s. p. 18) dürfte zweifelhaft sein, da es sich für Konrad mehr um Besitzergreifung handelte. Jedenfalls berichtet dasselbe Privilegienbuch:

„1144 durften die Herren von Weinsberg wieder bauen, doch kleiner in den Ringmauern.“

Und schon 1148 konnte das jetzt hohenstaufisch gewordene Weinsberg zum Ort der Zusammenkunft des Reichsverwesers K. Heinrich mit dem Abt von Corvey gewählt werden.

Während die Burg und Herrschaft Weinsberg in diesem Jahr 1140 von Konrad III. seinem Kämmerer Dietport zu Lehen gegeben wurde, erhielt die Stadt Weinsberg von dem Hohenstaufen Konrad IV. – 1237 bis 1254 – Rechte und Privilegien als freie Stadt. (Urkunde von K. Rudolph v. Habsburg v. 1287, wodurch Löwenstein dieselbe Rechte erhält, wie sie Weinsberg bisher gehabt.)

[70] Es war übrigens sehr natürlich, daß die Burgherren stetes Gelüsten nach der zu ihren Füßen liegenden Stadt trugen und jede Gelegenheit benützten, die Städter zu beunruhigen und in ihren Privilegien zu beeinträchtigen, wozu die römischen Könige, wie wir im Verfolg sehen werden, öfters die Hand boten.

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Wir reihen hier chronologisch ein, was wir bei Crusius, Steinhofer, Memminger, Pfaff und Andd. über die Jahrgänge hinsichtlich der Witterung, Naturereignisse und der Hauptprodukte etc. unserer Gegend aufgezeichnet finden.

1140. Außerordentlich frühes Jahr. Erndte im Mai. Neuer Most schon im August. An Frucht und Wein reich gesegnet.

1145 richtete die Winterkälte und auch ein Sturmwind vielen Schaden an. Mißwachs und Hungersnoth. Erscheinen eines Kometen.

1146 spürte man, besonders am Rhein, 15 Erdstöße nach einander. Eine heftige Kälte am 22. Mai wurde den Reben, Obstbäumen und der Frucht sehr verderblich. Fast den ganzen Juni Regen. Daher Hungersnoth und Seuchen, die auch noch

1147 und 1148 fortdauerten.

1149. Ende März tobten einige Tage heftige Sturmwinde mit starken Regengüssen. Der Winter 1149–50 war lang und kalt. Nordlichter.

1150. Frühjahr: Überschwemmung bei schnellem Thauwetter. Gewitterreicher Sommer. Gänzliches Mißrathen der Feldfrüchte.

1152 wuchs eine Menge Weines. Sehr wohlfeile Zeit.

(Friedrich I. von Hohenstaufen römischer König.)

1154. Auf den kalten Winter dieses Jahrs folgte

1155 ein trockener warmer Sommer.

1157 fiel noch im März bei ungewöhnlicher Kälte ein starker Schnee. Sommer heiß, anfangs, dann aber auf einen verderblichen Sturm am 1. Juli anhaltendes Regenwetter bis Mitte Augusts. Große Sterblichkeit.

1158. Heißer Sommer. (Nachrichten über Wein fehlen.)

1163 und 1165 kalte Winter.

1167 spürte man am 19. Januar um Mitternacht ein Erdbeben. Starkes Erdbeben auch 1170. (Heinrich VI. v. Hohenstaufen römischer König 1169–97.)

1171. Heißer Sommer. (Über Wein keine Nachrichten.)

1173. Schon im Januar heftige Gewitter; im Frühjahr durch schnellen Schneeabgang schädliche Überschwemmungen. Heißer und trockener Sommer. Der Winter begann erst am Anfang Decembers, aber gleich mit großer Kälte, so daß in Deutschland (und Frankreich) ein heftiger Husten ausbrach, welcher eine Menge Menschen wegraffte.

1174. Kalter, regnerischer Sommer. Überschwemmung; Mißrathen von Frucht und Wein.

1175. Durch häufige Hagelwetter ausgezeichnet. Um Weihnachten begann eine strenge Kälte, bis 1176, 1. Februar fortdauernd, worauf ein trockener Sommer folgte. Auch

1177 sehr heißer Sommer, in welchem wenig Frucht und Futter wuchs. (Crus.)

1178. Der Sommer reich an Regen und Gewittern, der Winter kalt und von langer Dauer.

1180 bis 1182. Drei durch günstige Witterung und treffliches Gedeihen der Gewächse ausgezeichnete Jahre. Wohlfeile Zeiten. Pestartige Krankheiten.

[71] 1183 und 1186. Außerordentlich frühe Jahrgänge. Sehr milder Winter. Baumblüthe schon im Januar, im Februar halbausgewachsene Früchte. Erndte im Mai. Weinlese im August Anfangs.

1187 dagegen vollkommenes Widerspiel. Starker Schneefall noch am 17. Mai und Fortdauer der Kälte bis in den Junius. Erscheinen eines Kometen mit trübem Schweife.

1188. Nasses Frühjahr und Überschwemmungen; dagegen große Hitze und Trockenheit des Sommers; ebenso im folgenden Jahr 1189.

1190 folgte auf einen gelinden Winter lange anhaltendes Regenwetter.

1192 auf einen heißen Junius und Julius ein kühler August. Große Sonnenfinsterniß.

1194. Früchte und Weinstock durch Ungewitter zerstört, daher

1195 große Theurung – Crus. – die bei Mißwachs auch 1196 bis 1198 fortdauerte und das Land drückte (v. Stälin II., 135).

(1198. Philipp von Hohenstaufen römischer König.)

1201. 12. Mai heftige Erdstöße.

1203. 1.–3. April Nachts hellleuchtende Meteore.

1204. Langer und kalter Winter, dagegen der Sommer warm und trocken.

1205. Sommer dürr; Winter hart (Crus.).

1209. (Otto IV. römischer König. Welf’schen Geschlechts.)

1209. Auf einen regen- und gewitterreichen Sommer folgte ein sehr rauher Winter und

1210 stieg die Kälte im Januar auf einen sehr hohen Grad. 20. Sept. Reben erfroren; schädlicher Sturmwind.

1211 gab es Erdbeben und Stürme.

(1212. Friedrich II. v. Hohenstaufen römischer König.)

1214. Im März erschien ein Komet (Crus.).

1215 im August Erdstöße mit folgendem strengen Winter. Theurung.

1217 reichlicher Weinertrag.

1220 bis 1223. Heftige Viehseuche, von Ungarn ausgehend durch ganz Deutschland und Frankreich (Crus.)

(1220. Heinrich VII. v. Hohenstaufen römischer Kaiser.)

1224 bis 1226 lange und kalte Winter. Zweijährige Theurung.

1236. Reicher Weinertrag, wenn auch nur von mittlerer Güte (Cloß würt. Wein-Chronik), heißer Sommer; kalter Winter.

(1237. Konrad IV. v. Hohenstaufen römischer König.) Heinrich Raspe von Thüringen Gegenkönig 1246–47. Wilhelm von Holland Gegenkönig 1247. Allein 1254–56. Schlechte Weinlese wegen ungünstigen Sommers.

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Bei den Kämpfen der Hohenstaufen in Italien und mit Papst Gregor IX. und Innocenz IV. blieb Weinsberg mit Hall, Eßlingen, Reutlingen, Ulm u. A. und mit Graf Gottfried von Hohenlohe den Hohenstaufen getreu, trotz des wiederholten päbstlichen Bannstrahles.

Und als nach Konrad IV. Tod, während der Kinderjahre Konradins, zu Aufrechthaltung des überall gestörten Landfriedens

[72] 1254 der große rheinische Städtebund in’s Leben trat (Stälin II. 210), so war auch Weinsberg unter den kleineren Städten, welche sich ihm anschloßen.

1243, 44, 45 zeichneten sich durch große Trockenheit aus.

1250. Strenger, schneereicher Winter, Überschwemmung, regnerischer Sommer.

1255 lieferte ein saures und herbes Gewächs von Wein. Überhaupt Mißjahr. Um so fruchtbarer 1256.

(Richard von Cornwallis römischer König 1257–1272.)

1258. Winter sehr trocken; Frühling und Sommer regnerisch; Mißrathen des Getreides durch Nässe.

1259. Mißrathen des Getreides durch Dürre; um so mehr Gedeihen des Weines.

1261. Plötzliches Austreten des Rheines und seiner Nebenflüsse. Ertrinken vieler Menschen und Thiere. Großer Schaden an Gebäuden.

1263. Heftiger Sturmwind.

1264. Im Juli erschien ein großer Komet und stand 3 Monate (Crus.).

1266. Fruchtbares Jahr. In einer, Rappach betreffenden Urkunde von diesem Jahr kommt als Dechant des Capitels Weinsberg: Friedrich Krüger.

1268. (Konradin’s Enthauptung zu Neapel 29. Oct.)

1269 stiftete Engelhard IV. v. Weinsberg in der Stadt Weinsberg ein Kloster Dominicaner- oder Prediger-Ordens, das über der ehemaligen Spital-Kelter (jetzt Fahm’schen Haus) stand und erst in der Zerstörung von 1525 mitverbrannte. Wahrscheinlich verwechselt Oesterlin in seiner (werthlosen) Reim-Chronik von Weinsberg dieses Kloster mit der offenbar viel älteren Pfarrkirche, die er Engelhard IV. in diesem Jahr erbauen läßt. Oder meint er die Spitalkirche, die in der Nähe dieses Klosters stand. Da Weinsberg nach Obigem (p. 69) schon im 9. Jahrhundert als Capitelssitz erscheint, so hatte es gewiß schon damals seine Pfarrkirche, wie wir sie auch auf dem Gemälde der Begebenheit von 1140 finden.

Mit 1270 begann eine dreijährige Theurung, indem das Getreide wegen zu großer Dürre, die dem Wein um so förderlicher war (Weinpreis 12 Groschen),

1271 und 1272 wegen vieler Nebel, Regen und Kälte mißrieth, daher 1272 Hungersnoth (Crus.),

1273 und 1274 dagegen fielen Erndte und Weinlese um so ergiebiger aus.

(1273. Rudolph v. Habsburg zum römischen König gewählt.)

1275 regnete es so stark und anhaltend vom Mai bis in den Herbst, daß das Getreide auf den Feldern faulte und der Wein ganz ungenießbar wurde.

Mit 1276 begann eine Reihe günstigerer Jahre. Reife Trauben schon um die Mitte Augusts. Große Wohlfeilheit. 1 Eimer Wein galt nur 10 Kreuzer 4 Heller. 1 Scheffel Roggen 4 Kreuzer 2 Heller. Dinkel 10 Pfennige. Haber 8 Pfennige.

1277 war zwar die Kälte so stark, daß der Bodensee zufror, und

1278 beschädigte noch am 16., 17. und 18. Mai ein Schneefall die Reben; aber in beiden Jahren folgte hierauf eine sehr günstige Witterung und da auch

1279 Getreide und Wein geriethen, wurden die Lebensmittel außerordentlich wohlfeil. 1 Scheffel Dinkel galt 20 Heller.

1279. Die Beatae Luciae virginis siegeln die civitates in Weinsperg et in Heylbronn, einen Lehensvertrag zwischen dem Kloster Schönthal und zwischen Heinrich Gribo von Heylbronn und Dienemunde Snabel, Schwester einer Irmengarde von Weinsberg, über einen Theil der von den Dynasten von Weinsberg dem Kloster [73] geschenkten Güter in Böckingen (Jäger, Heilbronn p. 60). Erstes Vorkommen des Siegelrechts. Zeichen einer vollstreckenden Gewalt (Jäger, p. 66).

1280. Gutes Gewächs und wieder große Wohlfeilheit. 1 Scheffel Dinkel galt 3½ Kreuzer. 7 Eier 1 Heller.

1281. Sehr tiefer Schnee von Lichtmeß an 8 Wochen liegend. Hernach groß Gewässer (Crus.). In mehreren Gegenden Erdbeben.

1282. (Sicilianische Vesper. Am Ostermontag.)

1283 wirkte Kälte sehr nachtheilig auf die Reben.

1284 gab es vielen und guten Wein.

1287. Reichlich Wein. Das Heilbronner Fuder = 2½ Eimer württembergisch, galt nur 32 Kreuzer (Württb. Jahrb. v. 1850, S. 142.).

1288. Im März große Kälte und nachher Hagelschlag.

Auch 1289 litten die auf einen warmen Winter im April theilweise schon blühenden Weinberge durch Winterkälte, welche erst im Mai eintrat; doch erholten sie sich, da es noch früh war, wieder, so daß der Ertrag noch befriedigend war und der Eimer Wein wieder nur 10 Kr. 4 Hlr., 1 Scheffel Roggen 12 Pf., Dinkel 10 Pf. kostete. Um’s Christfest außerordentliche Wärme (Crus.) (Steinhofer).

Nicht mehr kostete er auch 1290, wo noch viel Wein wuchs, ungeachtet um den 20. Mai viele Reben erfroren waren.

(1292. Adolph von Nassau, römischer König.)

Strenge Kälte. Im Juli verderbliches Gewitter mit Hagel (Crus.).

1293. Sehr heißer Sommer. Vorzüglicher Wein.

1294. Große Dürre. Treffliche Frucht und Wein (Crus.).

1295. Reich an gutem Wein. Erdstöße in Constanz und Umgegend.

1297. Gewächs mittelmäßig, Menge ansehnlich. Nach Crus. gab man im Elsaß ein volles Faß für ein leeres.

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1298. König Adolph, der bei seinem Kampfe mit dem Gegenkönig Albrecht von Östreich seine Anhänger durch Gnadenbezeugungen fester an sich zu fesseln suchte, that dieß bei seinem getreuen Konrad III. v. Weinsberg auf Kosten der Unabhängigkeit Weinsbergs und benachbarter Reichsunmittelbarer Städte, indem er denselben für schuldige 15,000 Pfd. Hllr. bis zu deren Abzahlung mit jährlich 1500 Pfd. Hllr. auf die Reichssteuer in Weinsberg, Heilbronn, Hall und Wimpfen anwies und den reichen und mächtigen Nachbar damit zu einem sehr unerwünschten Einfluß auf diese Städte privilegirte (Stälin III., 722 Anm.). Die Reichssteuer von Weinsberg betrug nach Urkunden aus jener Zeit jahrlich 200 Pfd. Hllr., die von Heilbronn 600 Pfd., von Hall 600 Pfd., woraus wir auf das Verhältniß Weinsbergs zu letzteren beiden Städten nach Größe, Seelenzahl etc. schließen können, daß es ⅓ der Beiden betrug, was jetzt freilich anders ist, besonders hinsichtlich Heilbronns.

Das Unterliegen Adolphs, der bei Göllheim fiel (2. Jul. 1298), das Gefangenwerden Konrads III. veränderte hierin Nichts. Der gleich geldbedürftige K. Albrecht söhnte sich bald mit Konrad aus. Schon im folgenden Jahr wird Konrad Bürge für ihn bei dem Grafen von Nassau; und

1301 weist ihn auch K. Albrecht, bis zur Zahlung von 1500 Pfd. Hllr. für geleistete Dienste, mit jährlich 150 Pfd. auf die Reichssteuer zu Weinsberg an; ja im

August 1303 verpfändete er dem vermöglichen Konrad III. für 3200 Pfd., welche dieser für des Königes und Reiches Nothdurft ausgelegt, den dem Reich [74] gehörigen Theil der Stadt Weinsberg (v. Stälin III., 105); womit dieser – der übrigens 1304 starb – und sein Bruder, Konrad IV., kaiserlicher Landvogt, sich bald als die Herrn der Stadt ansahen und gerirten.

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1301 erschien vom Christfest an ein Komet, welcher 15 Tage lang gesehen wurde (Crus.).

1302 saurer und herber Wein; aber

1303 ein gar hitzig und trocken Jahr, ohne Regen, also daß in Mühlen Mangel an Wasser erschien. Die Früchte wurden theuer; der Wein aber köstlich gut (Steinhof.).

1305 in der Charwoche erschien ein Komet (Crus.). Sehr harter Winter.

1306. Februar. Verderbliche Überschwemmungen.

Mit 1310 begann eine, nur durch 2 fruchtbare Jahre, 1318 und 1319 unterbrochene 18jährige Periode des Mißwachses und der Theurung, in welcher zuletzt 1 Scheffel Dinkel 2½ Pfd. Hlr., eben so viel, als ein Jauchert Ackers kostete. Daher auch tödtliche Krankheiten. S. unten.

1310 und 1311 war ein grimmkalter Winter und nasser Sommer, so daß Wein, Korn und andere Früchte erfroren und verdarben. In Böhmen dagegen war ein hitziger Sommer ohne Regen, so daß die Früchte ausbrannten (Steinhofer).

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Als K. Albrecht 1307 zu Speier eine engere Verbindung zwischen Herren und Städten zu Aufrechthaltung des Landfriedens veranlaßte – das erste Beispiel und die Anleitung zu den Bündnissen, welche die Städte bald nachher ohne die Fürsten, aus eigenem Antrieb und zu eigenem Schutze unter sich schloßen – war zwar Konrad IV., als Landvogt in Niederschwaben, unter den Herren, nicht aber das ihm verpfändete Weinsberg, wie die benachbarten Heilbronn, Wimpfen, Mosbach, Sinzheim, unter den 19 Reichsstädten (Stälin III., 114).

Nachdem K. Albrecht durch seinen Neffen 1308, 1. Mai, bei Brugg ermordet worden und eod. November Heinrich VII. zum römischen König erwählt worden war, schlug Heinrich

1312 noch 1000 Pfd. Hlr. auf die Konraden 1303 von K. Albrecht verpfändete Reichsstadt Weinsberg (Stälin III., 131), mit allen ihren Zugehörungen, Rechten und Gefällen.

Über diese Anweisung kam es mit der Stadt zum Streit, welcher zwar beigelegt wurde, aber unter Bedingungen, die nur zu deutlich zeigen, daß Konrad der stärkere Theil war (Jäger n. Öhring. Archiv.-Urk.).

1) Zwischen der Stadt und Burg darf die Stadt keine Mauer aufführen. Sollte es dennoch geschehen, so muß sie Konraden und seinen Erben, nebst der Demolirung in Monatsfrist und bei Vermeidung der Pfändung an Leib und Seele 2000 Pfd. Hllr. nebst den Kosten der Mauer erlegen.

2) Soll sie Konraden und seinen Erben von jeder Heerdstatt, die jetzt vorhanden seie oder künftig errichtet werden möchte, 2 gute Heller und von gemeiner Stadt wegen 4 Mark Silber jährlich auf Martini bezahlen. Und da sie

3) wisse, daß all das Gut, das Edelleute in und vor der Stadt haben, von den Herren von Weinsberg zu Lehen gehen, so soll sie nichts davon kaufen und pfänden ohne ihre Erlaubniß.

4) Soll die Stadt keine edle und arme Leute der Herren von Weinsberg zu [75] Bürgern annehmen. Sollte es aber doch geschehen, so sollten sie Macht haben, dieselbe in oder außer der Stadt wegzunehmen, jene aber die Kosten tragen.

5) Sollen alle Einwohner im Grunde, auf den Weihern und vor den Thoren den Herren von Weinsberg mit Frohnen, Beet und Steuern verbleiben, die Stadt aber Nichts mit ihnen zu schaffen haben.

6) Sollen die Bürger in Weinsberg nirgends als in der Kelter der Herren von Weinsberg ihren Most machen.

7) Sollen die Letzteren das Gericht und Schultheißenamt hälftig besetzen und ihnen auch

8) die Pfarrei und Stiftungen in der Stadt zustehen (Jäger n. Öhring. Arch. Urk.)

Kein Wunder, daß die Stadt, welche solche Beeinträchtigung ihrer Freiheiten erfahren mußte, Alles anwendete, das unverschuldet Verlorene wieder zu gewinnen, besonders da sie den vom Pabst Johann XXII. auf ihren Zwingherrn Konrad, als Anhänger K. Ludwigs 1324 geschleuderten Bannstrahl theilen mußte (s. ob. dieses Jahr u. Anm.), von welchem sie erst nach dem Tode Konrads (1333) und K. Ludwigs (1347) mit der Wittwe Konrads 1348 vom Pabst Clemens VI. losgesprochen wurde.

1312 kommen zum erstenmale Weinberge vor. Konrad Hornich von Weinsberg schenkt dem Kloster Schönthal Weinberge auf dem Nordberg (Jäger, Heilbr. p. 80). Das Kloster hatte übrigens nach der Chronik v. Schönthal schon in Mitte des 12. Jahrhunderts so viele Weinberge in der Umgegend, daß es einen Bürger von Heilbronn mit seinem Überfluß belehnte.

1319. 1. Dec. verpachtet das Kloster Schönthal für jährlich 2 Pfd. Hllr. 1 Morgen Weingarten im Schimmelsberg und ½ Mrg. in der Ranzenhalde.

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Ehe wir jedoch berichten, welche Mittel die Stadt gegen die Dynasten anwendete, haben wir das über die Jahrgänge von 1312 an Aufbewahrte einzuschieben.

1312 und 1313 Hungersnoth und Pest allenthalben (Crus.). Wein erfroren.

1314 war ein solcher dürrer Sommer, daß es in 13 Wochen nicht geregnet; wodurch die Früchte und Weinberge ausgedorrt und eine große Theurung erfolgt, also daß, was damals unerhört war, 1 Scheffel Dinkel auf 1 Pfd. Hlr., d. i. 43 kr., gekommen. Darauf dann auch ein mächtiges Sterben eingefallen (Steinhofer). Zu Cöln z. B. starben nach Crusius 30,000 Menschen.

1315 dagegen regnete es fast den ganzen Sommer, was wieder Hunger und Pest zur Folge hatte (Crus.).

1316 und 1317 war abermals ein theures Jahr, weil es einen tiefen Schnee gegeben, der langsam abgegangen, worunter die Früchte erstickten. Fast kein Wein. Der Scheffel Dinkel kam auf 1 fl. 35 kr., und weil man solchen im Land nicht haben können, hat man ihn von Worms herbringen müssen.

1318 und 1319 dagegen ist Frucht und Wein so wohl gerathen, daß der Scheffel Dinkel wieder gar wohl um 9 kr., der Eimer Wein um 1 Reichsthaler zu bekommen gewesen (Steinhofer).

1320 war ein schlecht Regenjahr, daß die Früchte niedergefallen und taub worden sind, welches eine siebenjährige Theurung verursachte. 1 Scheffel Dinkel galt im ersten Jahr 25 kr. 4 Hllr. und im siebenten 1 fl. 36½ kr. Wein sauer. Preis 1 Pfd. Hllr., d. i. 43 kr. (Steinhofer.)

1321 und 1322 sehr nasse Jahre.

[76] 1323 erfroren die Reben im Mai.

1325. Die Früchte erstickten unter dem Schnee. Es folgte ein nasser Sommer; daher fortwährende Theurung. Wein ziemlich viel, aber sauer (id.).

Erst 1328 endete diese Jammerzeit.

1328 war ein so warmer und gelinder Winter, daß die Bäume im Januar und die Reben im April blühten. Um Pfingsten war Erndte, 14 Tage nach Jakobi Herbst. Das Jahr war nach der 7jährigen Theurung (20/7) so reich, daß an Frucht, Wein – ein Ausbund – allem Obst und anderem Erdgewächs ein großer Überfluß erwuchsen. Weinpreis 1 Pfd. Heller, 43 kr. (id.)

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Ungeachtet K. Ludwig nach Friedrichs Tode im Jahr

1330 den Gebrüdern Engelhard VII. und Engelhard Konrad alle Privilegien bestättigte, welche der Vater, Konrad IV., vom Reiche hatte, finden wir

1331 die Stadt Weinsberg unter den 8 Reichsstädten der Landvogtei Niederschwaben, „welche am 29. Juni dieses Jahrs „durch des Kaisers Gunst, Gebot und Willen“ für sich in einen Landfriedensbund treten, welcher die Lebenszeit K. Ludwigs über und noch im Jahr darnach bestehen sollte. Die 7 andern Städte waren: Eßlingen, Reutlingen, Rottweil, Heilbronn, Hall, Gmünd und Weil. K. Ludwig verfolgte überhaupt den Plan, sich in den Städten ein Gegengewicht gegen die Fürstenmacht zu verschaffen.

Auf seine Veranlassung traten im Nov. desselben Jahres noch 14 weitere Städte in diesen Bund, nämlich Augsburg, Ulm, Biberach, Memmingen, Kempten, Kaufbeuren, Ravensburg, Pfullendorf, Überlingen, Lindau, Constanz, St. Gallen, Zürich und Wimpfen. Diese 22 Städte vereinigten sich mit des Kaisers Söhnen Stephan und Ludwig, mit dem Lande Oberbaiern, den Hauptleuten desselben und dem Bischof von Augsburg, wobei man sich wechselseitig zum Recht behülflich zu sein gelobte (Stälin III 188 fg.). Der Kaiser ertheilte von Frankfurt aus die Bestättigung und die Verbündeten heißen in Urkunden „Aydgenossen und Gesellschaften.“

Dessenungeachtet erklärten 1333 Schultheiß, Richter und Bürger der Stadt, daß sie gütlich, willig und ungezwungen sich verbinden, die 75 Pfd. Hllr., womit „ihr lieber, gnädiger Herr, Konrad von Weinsberg,“ seine Gattin auf die Stadtsteuer anwies, zu bezahlen.

Diese 75 Pfd. Heller überließ Konrads Gattin im Jahr 1349 ihrer Tochter Mechtild, Heinrichs von Rechbergs Gattin und noch im Jahr 1405 belehnte K. Ruprecht den Konrad von Rechberg und seinen Tochtermann, Konrad von Hohenrieth mit diesen 75 Pfund.

1336 war die Stadt denen von Weinsberg nicht mehr verpfändet. In diesem Jahr versetzte sie K. Ludwig IV. den Pfalzgrafen Rudolph und Ruprecht.

Als hierauf K. Ludwig am 11. Oktober 1347 unerwartet schnell auf der Jagd starb, traten

am 22. Oktober 1347 die Botschafter von 21 Reichsstädten, worunter auch Weinsberg, zusammen und verabredeten, das Bündniß fortzusetzen, bis ein König allgemein anerkannt wäre. Wenn Krieg um das Reich entstände, sollten die Städte in Augsburg zusammenkommen; dort sollte eine Versammlung abgeordneter Rathsherren (aus jeder Stadt 1, aus Augsburg 2) erkennen, welches der rechte König wäre. In Kriegen und Stößen sollten die Städte einander mit Leib und Gut beholfen sein; die Zusammenkünfte sollten in Ulm Statt finden (Stälin III., 233).

[77] Die Wehrverfassung der Stadt war die der übrigen Reichsstädte. Jeder, der als Bürger aufgenommen wurde, sich verheirathete, oder ein selbstständiges Gewerbe zu treiben anfing, mußte mit „Wehr und Harnisch“ versehen sein. Keiner durfte ohne besondere Erlaubniß in fremde Kriegsdienste treten. Der Verkauf der Waffen war bei schwerer Strafe verboten. Die reicheren Bürger dienten zu Pferd (die sogen. Bürgerglefen), die Übrigen zu Fuß. Die ärmsten Insaßen gebrauchte man als Schanzgräber. Speere, Hellebarden, Streitäxte, Schwerter, Messer, Morgensterne, Armbrust und Bogen waren die gewöhnlichsten Waffen. Die waffenfähigen Mitglieder jeder Zunft bildeten eine besondere Schaar, deren Anführer der Zunftmeister war. Den Oberbefehl über die gesammte städtische Wehrmannschaft führte der Bürgermeister oder ein eigener Stadthauptmann. In ihren Kriegen mit den Fürsten und dem Adel nahmen die Reichsstädte gewöhnlich auch fremde Reisige in ihre Dienste, die sie reichlich besoldeten, weßwegen selbst Fürsten etc. sich nicht schämten, in ihre Dienste zu treten. Die Mauern, Thürme, Thore und Gräben wurden auch im Frieden von Zeit zu Zeit sorgfältig untersucht und die gefundenen Mängel ausgebessert. Die Wehrmannschaft wurde alle Jahre gemustert und fleißig in den Waffen geübt. In allen Städten bestanden Stoß- und Armbrust-Schützengesellschaften mit eigenen Schießstätten und Häusern, wo die Schützen an Sonn- und Feiertagen sich übten. Die Obrigkeit ließ ihnen Wein reichen und ertheilte den Besten Preise. Nach Einführung der Feuerwaffen bildeten sich bald auch Büchsenschützen-Gesellschaften. Einen Zuwachs erhielt die städtische Wehrmannschaft durch Annahme von Ausbürgern = Fremden, welche den Schutz der Stadt genoßen und sich dafür zum Kriegsdienst verpflichteten. Die Anwerbung von Söldnern, Landsknechten, fällt in eine spätere Zeit (v. Stadlinger, Geschichte des württemb. Kriegswesens).

Bei dem neuen K. Karl IV. erschienen im Januar 1348 auf einem Hoftage zu Ulm die Botschafter von 23 schwäbischen Reichsstädten, Augsburg, Ulm, Memmingen, Kempten, Kaufbeuren, Leutkirch, Wangen, Biberach, Ravensburg, Lindau, Buchhorn, Überlingen, Pfullendorf, Eßlingen, Reutlingen, Rottweil, Weil, Nördlingen, Gmünd, Hall, Heilbronn, Wimpfen und Weinsberg und gaben Karln die Erklärung, ihm als römischem König im Namen der Städte huldigen zu wollen, jedoch nur unter folgenden Bedingungen: der König sollte den Städten ihre Freiheiten und Rechte bestättigen, ihnen die Versicherung ertheilen, daß er sie nie verpfänden oder sonst vom Reiche entfremden wolle. Er sollte ihnen das Recht der Selbsthülfe gegen jeden Angriff auf obige Freiheiten einräumen (vorausgesetzt, daß Nichts gegen das Reich unternommen werde) und noch dazu gestatten, die Friedenseinigung, welche sie mit der Herrschaft und dem Lande Baiern für die Zeit bis zum 16. Oktober 1349 geschlossen hätten, aufrecht zu erhalten.

Karl gab am 27. Januar 1348 zu Allem seine feierliche Zusage, wobei er rühmte, daß er die Städte so „geneigig, so unterthänig und auch so geständig an ihm und dem heil. röm. Reich“ gefunden habe und erreichte damit, daß die anwesenden Abgeordneten der Städte Namens derselben sogleich Huldigung leisteten. Solchen Huldigungseid in seinem Namen den Städten Eßlingen, Reutlingen, Rottweil, Hall, Gmünd, Heilbronn, Wimpfen, Weinsberg und Weil in deren Mitte selbst abzunehmen, ertheilte K. Karl den Grafen Eberhard und Ulrich von Württemberg als niederschwäbischen Landvögten am 30. Januar dieses Jahrs bestimmte Vollmacht.

Auf diese Gefügigkeit der Städte erfolgte die davon abhängig gemachte [78] Lossprechung vom Kirchen-Banne, welche durch den vom Pabst Clemens VI. hiezu bevollmächtigten Bischof von Bamberg ausgesprochen wurde (Stälin III., 239 fg.).

Übrigens fand Weinsberg für um so nöthiger, bei einer Besprechung zu Eßlingen am 26. März 1348 mit den Städten „diesseit der Albe“ sich zu vereinigen und sich urkundlich und eidlich Beistand gegen Eingriffe in die ertheilten Freiheiten gegenseitig zu geloben, als die Herren von Weinsberg sich wegen der Verpfändung vom Jahr 1303 und 1312 (s. oben) nicht beruhigten (vergl. unten 1375) und auch die über Weinsberg führende Handelsstraße nach Nürnberg durch Auflegung eines Zolls zu beschränken suchten, womit sie 1380 von K. Wenzel förmlich belehnt wurden.

Auch in ein neues Bündniß, das 25 Städte aus eigener Macht am 10. Aug. 1349 schloßen, um ihre Gnaden, Freiheiten und Rechte zu behaupten, jedoch mit der Bescheidenheit, daß es auf K. Karls Gnade ausgesetzt sein sollte, trat Weinsberg ein. Karl selbst dachte bei solcher Erstarkung der Städte auf dem Reichstage zu Nürnberg im April und Mai 1350 an die Auflösung derselben als besonderer Vereine (Stälin a. a. O.); und auf demselben Reichstage belehnte er in seiner nur zu oft an den Tag tretenden Unbeständigkeit am 23. April 1350, gegen die Versicherung von 1348, den bei ihm empfohlenen Markgrafen Hermann von Baden mit der Burg und Stadt Weinsberg, dem Schultheißenamt, dem Geleit und Wildbann daselbst für sich und seine Erben; welche Belehnung wohl Hermann verlangte, weil ihn Engelhard VI. für den Fall kinderlosen Ablebens 1329 zu seinem Erben eingesetzt hatte, wovon er aber nur die Hälfte erhielt, während die andere Hälfte durch Vergleich (s. 1329–31) den Gebrüdern Engelhard zufiel. Übrigens blieb Baden nur kurz im Besitze von Weinsberg (Stälin III., 250 u. Anm.).

Zu Erhaltung der Ruhe in Deutschland mußte der Landfrieden, an welchem Karln so viel lag, immer wieder erneuert werden. Eine Erneuerung vom

7. Nov. 1356 verlängerte ihn bis Georgii 1358. Für die Zwecke dieses Friedens theilten sich die betreffenden 29 Städte in 3 Gesellschaften, in deren dritter Gruppe Weinsberg mit den Städten der oberen und unteren Reichslandvogtei Niederschwaben war. Unternehmend, wie die Städte damals waren, machten sie auf Karls Geheiß um Pfingsten 1357 einen Feldzug gegen den Markgrafen Rudolph von Baden, der sich nicht zum Eintritt in den Landfrieden bewegen ließ und nöthigten ihn zum Frieden. Die Städte, die dabei Theil nahmen, sind nicht genannt, außer Straßburg. Möglich, daß Weinsberg sich besonders anschloß, um von Baden (s. 1350) frei zu werden.

Die Versprechungen des unbeständigen Kaisers schützten wenig gegen die Übergriffe, welchen die Städte ausgesetzt waren, so sehr es auch dem Kaiser unter Umständen um diese Städte zu thun war, da sie hauptsächlich den Landfrieden handhabten, dergleichen der Kaiser

am 7. Juni 1359 wieder einen, über welchen ein Eilfergericht gesetzt war und welcher bis Martini 1361 gelten sollte, mit obengenannten 29 schwäbischen Städten, worunter Weinsberg (s. 1356), mit dem Bischof von Augsburg und den beiden Grafen von Oettingen und von Helfenstein abschloß.

Die im Landfrieden verbundenen, im Juli 1360 gegen Graf Eberhard von Württemberg aufgebotenen Städte erhielten einen Schutzbrief, daß weder sie, noch ihre Helfer, noch Beider Nachkommen wegen des Schadens, den sie bei diesem Zuge, oder sonst im Kampfe gegen Landfriedensbrecher anrichten würden, sollten zur [79] Verantwortung gezogen werden können (Stälin III., 266 fg.). Dieser Krieg endete übrigens schon im folgenden Monat August mit dem Vergleich und Frieden von Schorndorf.

Im November 1360 wiederholte der Kaiser Karl das den schwäbischen Reichsstädten schon im Januar vorigen Jahres gegebene Versprechen, die Landvogtei, die Jahressteuer, das Ammanamt, das Umgeld und alle anderen Ämter und Rechte nicht mehr zu versetzen – was aber später in mehreren Fällen nicht gehalten wurde.

So versetzte Karl Weinsberg und Weissenburg für 28,000 fl. an die Burggrafen von Nürnberg. Beide Städte lösten sich aber wieder selbst von diesen, weßwegen sie dann Karl auf 20 Jahre von Bezahlung der Reichssteuer befreite, was Pfalzgraf Ruprecht den 15. Juli 1360 bestättigte (Hugo).

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Bevor wir jedoch die Entwicklung der politischen Angelegenheiten unserer Stadt weiter verfolgen, holen wir das bei 1329 abgebrochene Merkwürdigere von Naturereignissen, Witterung, Fruchtbarkeit etc. nach.

1333 lieferte bei großer Trockenheit einen „Ausbund von köstlichem Wein.“ Der Eimer galt 8 Batzen, eine Maß auf der Gassen einen Heller (Steinhofer).

1334. Vorzügliche Ernte.

1335. Simon und Judä. Heftiger Sturm am Rhein und in Schwaben (Crus.). Wegen vielen Regens gediehen weder Frucht noch Wein.

1336 und 1338 wie 1333 sehr gut.

1337 hat sich – nach Crusius – ein „fürchterlicher“ Komet den Sommer über sehen lassen, mit welchem nach etlichen Monaten ein zweiter erschienen. Auch ist mitten im Sommer eine große Schaar Heuschrecken mit 6 Flügeln und Zähnen, die wie Edelgesteine glänzten, vom Orient durch Ungarn, Östreich, Baiern und Schwaben geflogen, welche wegen großer Menge, gleich einer Wolke, den Sonnenschein aufgehalten und einen Schatten gemacht, auch wo sie sich allweg niedergelassen, Alles abgefressen und zu Nicht gemacht haben. Der Länge nach soll der Zug 30,000, der Breite nach 10,000 Schritte eingenommen haben. Sie kehrten

1338 und 1339 mit der wärmeren Jahreszeit wieder und verursachten eine Theurung, auf welche 1340 Hunger und Pest folgten.

1340 grassirten Pest und Hunger durch ganz Deutschland (Crus.).

1342, 23. Januar, bei völliger Schneedecke ein ungewöhnlich starkes Gewitter mit heftigem Blitzen, Donnern und Hagel und außerordentlichem Platzregen (Steinh.). Im April folgte heftige Kälte und ein nasser Sommer.

1343 im Winter solche Wärme, daß man vieler Orte die Früchte abmähen mußte; die Trauben verdorrten im Sommer und erfroren im September.

1344 in Schwaben und der Schweiz großer Hunger (Crus.).

1347. Sehr naß und erfroren die Trauben im Oktober. Völliges Mißrathen des Weins.

1348, 25. Januar, bei hellem Sonnenschein ein sehr großes Erdbeben in ganz Deutsch- und Welschland, das nach Crusius auch Schloß Gutenberg ruinirte, 40 Tage dauernd, mit nachfolgender Pest – dem sogenannten schwarzen Tod – von China ausgehend, welche viele tausend Menschen weggerafft. Auflösung aller Zucht und Ordnung, selbst in den Klöstern. Plünderung, Raub und Schwelgerei von dem Geraubten.

1349. Fortgrassirende Pest im ganze römischen Reich (genannt der schwarze [80] Tod), die man der Brunnenvergiftung durch die Juden zuschrieb; daher die Juden, „das wuchernde, 50% nehmende Volk,“ allenthalben verfolgt und ihrer über 100,000 verbrannt und hingerichtet wurden. Besonders geschah dieses in Augsburg, Ulm, Constanz, Eßlingen, Hall und andern Orten (Steinhofer). Deßgleichen Aufkommen der Geißlersekte, die in Schwärmen herumwanderte, bis sie von Kirche und Staat verdrängt wurde.

1350 folgte auf regnerische Witterung eine große Trockenheit.

Die Winter von 1351–1353 waren sehr kalt, der Sommer 1352 aber sehr heiß.

1353 hellleuchtendes Meteor, häufige verderbliche Ungewitter.

1355 schädliches, besonders den schon reifen Trauben verderbliches Hagelwetter.

Um’s Jahr 1355 Erfindung des Schießpulvers durch den Mönch Berthold Schwarz, und in Folge dessen der Schießwaffen.

1356, 18. Oktober, starkes, bis Ende des Jahres fortdauerndes Erdbeben von Basel bis Franken. Beginn einer Seuche, dauernd bis 1358.

1357 ein ungeschlachtes, sehr unfruchtbares, spätes Jahr. Wenig Frucht; saurer Wein. Neuer Erdstoß am 14. Mai.

1358 wurde fast ganz Deutschland von Anfang Augusts bis gegen das Christfest mit einer grausamen Pest heimgesucht, welche in kurzer Zeit viele tausend Menschen wegraffte, so daß es an Händen zum Feldbau fehlte.

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In der Mitte der 1360er Jahre vielfache Störung des Landfriedens durch Räubereien der Ritter, welche gegenüber von den Städten eine Verbindung um die andere schloßen. Überfall Grafen Eberhard’s von Württemberg im Wildbad durch die sogenannten Martinsvögel. 1367. Aufbietung der schwäbischen Reichsstädte für Grafen Eberhard. Neuer Landfriedensbund unter 31 Städten durch Vermittlung des Kaisers Karl, beschworen Dezember 1370. Fehde der Städter mit Graf Eberhard von Württemberg, April 1372. Blutige Schlacht bei Weidenstetten, (Altheim) 7. April 1372. Friede im August desselben Jahrs. Geldforderungen des Kaisers an die Städte, Frühjahr 1373, hauptsächlich zu Erwerbung der Mark Brandenburg. Weinsberg hatte dazu 800 fl., Gmünd 1600 fl., Hall 2400 fl. zu zahlen.

K. Karl erließ übrigens 15. März 1373 Weinsberg und anderen Städten den fünften Theil der auf nächste Pfingsten und Michaelis zu bezahlenden Summe (Stälin III., p. 311).

1375, 17. Juni, schloß Weinsberg mit 13 anderen in der betreffenden Urkunde genannten Reichsstädten der Landvogtei Niederschwaben eine freundliche Vereinigung mit dem „edlen, ihrem gnädigen Herrn und Landvogt, Graf Eberhard von Württemberg, um besseren Friedens willen“ und beide Theile versprachen wechselseitig, bei jedem Angriff, nach dem Erkenntniß von 5 im Voraus bezeichneten ehrbaren Männern, 30 wohlberittene und bewaffnete Ritter oder Edelknechte, im Nothfall noch mehrere, einander zu Hilfe zu schicken. Diese Vereinigung sollte bis zum 25. Juli 1376 dauern, „es wäre denn, daß K. Karl sie widerriefe“ (Stälin III., 312).

Während Engelhard VIII. sich in der Herrschaft der unter seinen Fenstern liegenden, vom Kaiser dem Konrad IV. (s. 1312) verpfändeten Stadt immer fester zu setzen suchte und

1375 seine Forderung von 6000 Mark Silbers dem kaiserlichen Hofgericht einklagte, – das ihn auch auf die Güter der Stadt und ihrer Markung verwies, aber ohne Erfolg: trat Weinsberg zu Wahrung seiner Freiheit in den großen [81] Vertheidigungsbund, welchen Anfangs nur 14 schwäbische Städte im Juli 1376 geschlossen hatten und welchen nun, nach dem Zusammenstoß Graf Eberhards von Württemberg mit Reutlingen,

am 20. Dezember 1377, 32 Reichsstädte beschworen, nebst dem Lande Appenzell, mit der Bestimmung, daß der Bund bis Georgii 1385 verlängert sein solle. Der neue Landvogt, Herzog Friedrich von Baiern, ertheilte am 10. Oktober 1378 Weinsberg und 12 anderen niederschwäbischen Städten, welche ihm als Landvogt huldigten, die Versicherung, daß er sie bei ihren Freiheiten und Rechten schirmen wolle (Stälin III. 326).

Engelhard VIII. wendete sich nun mit seiner Forderung an die Städteversammlung in Ulm, und es kam demzufolge

1379, Samstag nach Lucä, ein Vergleich durch Schiedsrichter zu Stande, wornach Engelhard

1) den Revers vom Jahr 1312, keine Stadtmauer gegen die Burg zu bauen und

2) die Urtel des K. Hofgerichts wegen der 6000 Mark Silbers (s. oben 1375), als ungültig herausgeben, hingegen

3) die Stadt ihm und seinen Erben jährlich 150 Pfd. Heller zahlen, er, Engelhard,

4) und 5) den Schultheißen und Meßner setzen,

6) das Badamt und die Badstube haben sollte, auch

7) das Umgeld, – 8) den 4. Theil vom Zoll unter den Thoren,

9) ungehindert seine Gülten und Zinse in der Stadt und den Vorstädten beziehen,

10) die von Weinsberg in seiner Kelter keltern und

11) statt des Heerdgeldes ihm jährlich 6 fl. zahlen sollen.

Trotz des 1377 gegebenen königlichen Wortes, daß die schwäbischen Städte nicht durch Verkauf oder auch nur durch Verpfändung dem Reiche mehr entfremdet werden sollten etc., belehnte K. Wenzel 1380 den Engelhard VIII. mit dem Zoll und Hoheit im Weinsberger Thal und mit dem Patronatrecht in der Stadt; wie auch andere Städte des Reiches wieder, um Geld zu bekommen, versetzt wurden. Weinsberg sah sich hierdurch veranlaßt,

1382 nebst 33 schwäbischen, rheinischen und helvetischen Städten am Mittwoch nach Ostern mit den Rittergesellschaften des Löwen, St. Wilhelms und St. Georgs in eine Verbindung gegen die Fürsten zu treten (v. Stälin III. 336).

Bei der Heidelberger Einigung vom Juli 1384, welche im Nov. 1387 von Wenzels Räthen bis Georgii 1390 verlängert wurde, erscheint Weinsberg in der 4. Gruppe der Reichsstädte mit Eßlingen, Reutlingen, Rottweil, Weil, Hall, Heilbronn, Gmünd, Wimpfen und Aalen.

1388, August, Schlacht bei Döffingen, zwischen den Städtern und Graf Eberhard v. Württemberg, ihrem thätigsten und klügsten Widersacher, mit unglücklichem Ausgang für die Städte, deren Macht damit gebrochen wurde. Ob auch Weinsberg daran Theil nahm und wie viele „Spieße“ Weinsberg dabei verlor, ist unbestimmt. Weilderstädter, von wo der Heereszug ausging, sind über 60 erschlagen worden (v. Stälin III. 347).

eod. Belagerung der Nachbarstadt Heilbronn durch Pfalzgraf Ruprecht und Markgraf v. Baden ohne Eroberung. Verheerung der Reben und Bäume.

K. Wenzel löste auf einem Reichstag zu Eger 1389 die besondern [82] Städtebündnisse in Schwaben, Franken, Baiern und Rheinland als gesetzwidrig auf und ließ im folgenden Jahr 1390 einen allgemeinen Landfrieden auf 6 Jahre verkündigen, welchem sich auch die Städte anschließen mußten. Nur 7 Städte um den See wollten dieß nicht und suchten ihren Bund aufrecht zu erhalten.

Auch die schwäbischen Städte fuhren ungeachtet des Landfriedens fort, ihre besondern Verbindungen abzuschließen – 1392 – und mit einzelnen Fürsten und Herren in Sonderbündnisse einzutreten.

Weinsberg finden wir aber nicht in dem Bündniß, welches Graf Eberhard, der Milde, von Württemberg im Jahr 1394 und 1395 mit 13 Reichsstädten für seinen Kampf gegen die Schlegler abgeschlossen hatte.

1400. Nach der Absetzung K. Wenzels, 20. August, bestättigte der neugewählte K. Ruprecht von der Pfalz den 12. Dezember der Stadt Weinsberg, weil sie sich „so geneigig, unterthänig, auch so geständig an den neuen König gezeigt“, ihre frühere Freiheiten, fügte auch die weitere Gnade hinzu, daß sie nie versetzt, verkauft oder verpfändet werden solle, und daß sie sich im Verein mit anderen Städten, welche gleiche Begünstigung erhalten hätten, gegen jede Eingriffe in diese Freiheiten wehren dürfte (v. Stälin III. 374).

Als Decan kommt in diesem Jahr vor: Johann Kaufherr (Pfaff).

1404 befiehlt K. Ruprecht der Stadt Weinsberg, dem Konrad von Hohenrieth die nächste Jahrssteuer zu geben (Pfaff).

Auch in dem 1405 vom Churfürsten Johann von Mainz mit 17 Reichsstädten gestifteten Marbacher Bund fehlt der Name Weinsbergs, weil dieser eigentlich gegen K. Ruprecht, seinen Gönner (s. 1400), gerichtet war, weßhalb ihn Ruprecht, wiewohl vergeblich, auf dem Reichstag zu Mainz aufzulösen suchte.

Weinsberg vertraute auf das königliche Wort Ruprechts, und als dieser im Mai 1410 gestorben war, sagte Einer der 3 Gegenkönige, Sigmund, schon am 5. Aug. 1410 von Ofen aus Weinsberg, wie den übrigen niederschwäbischen Städten die Bestättigung ihrer Freiheiten und Rechte zu, sobald er zum römischen König gewählt sein werde. Es war ihm darum zu thun, sich in Schwaben einen Anhang zu verschaffen (Stälin III. 395).

Dessenungeachtet und trotz der Verzichtung Engelhards VIII. auf alle Ansprüche an die Stadt, welche K. Sigmund bestättiget hatte, gab sich Engelhards Sohn, Konrad IX., alle Mühe, die Stadt wieder unter seine Herrschaft zu bringen, weßwegen sich die Stadt Weinsberg

1411 vom Pfalzgrafen Ludwig auf 20 Jahre in Schutz und Schirm aufnehmen ließ Montag vor St. Gallentag (Jäger, Heilbr.), gegen jährlich 200 Pfd. Heller Schutzgeld.

Konrad war ein reicher und mächtiger Herr und erfreute sich geraume Zeit großen Vertrauens bei K. Sigmund, der ihn zu seinem Reichserbkämmerer bestellte, vielfach Geld von ihm borgte und ihm

am 22. Mai 1417 unbekümmert um K. Ruprechts und sein eigenes Wort (1410) die Stadt Weinsberg mit allen Rechten und Einkünften verlieh (s. ob. J. 1417).

Als Decan erscheint im Jahr 1415 Pater Pfeil (Pfaff).

Da die Stadt sich nach obigem Privilegium von K. Ruprecht (s. 1400) gegen diese Eingriffe in ihre Freiheiten wehrte, so bewirkte Konrad einen Befehl des K. Hofgerichts zu Prag (und Landgerichts Würzburg),

Mai 1420 an Ott von Wurmlingen, ihn auf alle Habe und Güter der Stadt [83] anzuleiten. Allein Ott wurde von den Weinsbergern gleichgültig angehört und ohne Erklärung entlassen *)[1].

Jetzt wurde der Streit Konrads mit der Stadt zur gemeinsamen Sache der deutschen Städte gemacht und 33 Reichsstädte – Augsburg, Ulm und Constanz an der Spitze – schloßen ein Bündniß,

27. Nov. 1420. Weinsberg, welches einstmals bei Abwesenheit der Dynasten eine Mauer gegen die Burg aufgeführt hatte, bei seinen Freiheiten zu schützen.

Weinsberg nahm unter der Hand vom Städtebund Besatzung ein und entzog dem Konrad vollends alle seine Rechte (s. 1379 3. fg.), was, wenigstens damals, selbst mehrere Städte, namentlich Eßlingen, Heilbronn und Gmünd mißbilligten. Sie wollten noch immer einen gütlichen Vergleich, wozu auch Konrad geneigt sich zeigte, weil er die Schwierigkeit, in den Besitz dieses Lehens zu kommen, wohl begriff. Konrad ging deßhalb selbst zur Städteversammlung in Ulm, wurde aber, da Weinsberg schon vorgearbeitet hatte, nicht einmal angehört. Auch bei den Fürsten und Ständen des Reiches, denen er seine Sache jetzt vorlegte, traten ihm Schwierigkeiten entgegen.

Da er nirgends Hilfe fand, so wandte er sich an Pabst Martin V., dessen Freundschaft er beim Constanzer Concil gewonnen hatte. Dieser ließ durch eine eigene Bulle vom Jahr 1424 den Auftrag an den Dechant zu Würzburg ergehen, die Sache zu entscheiden. Sie blieb aber dennoch unentschieden bis zum Reichstag in Wien, 1425, wo Konrad seine Beschwerden gegen Weinsberg und die verbündeten Städte vorbrachte. Auf ernstliche Fürsprache des Cardinals Placentinus und Anderer ernannte K. Sigmund den Markgrafen von Baden, den Grafen von Oettingen und Pappenheim zu Schiedsrichtern. Allein die Abgeordneten der Städte verwarfen diese und entfernten sich schnell in der Stille. Dieses Betragen empörte Sigmund und die Fürsten so sehr, daß der König sogleich,

Montag vor Lichtmeß 1425 durch das Hofgericht in Wien die Stadt Weinsberg in des Reiches Acht und Aberacht erklärte, wozu noch der kirchliche Bannspruch, verkündet von dem Bischof von Würzburg, hinzukam **)[2].

Allein auch diese ernstliche Schritte blieben ziemlich wirkungslos. Es verdient besonders bemerkt zu werden, daß damals Joh. Drändorf, auch von Schlieben genannt, ein sächsischer Edelmann, in Prag zum Priester geweiht, in 3 Schreiben die Stadt Weinsberg aufforderte, dem wider sie verhängten Banne zu trotzen. Er wurde aber deßwegen und weil er zum Genuß des heil. Abendmahls unter beiderlei Gestalt ermunterte, in Heilbronn gefangen genommen, zu Heidelberg vor ein Inquisitionsgericht gestellt und zum Feuertode verurtheilt, den er im Febr. 1425 zu Worms erlitt (v. Stälin nach Ulmann, Reform. vor d. Ref. III. 428 fg.).

1425. 28. Mai „Magister civium, Senatus et Communitas in Weinsperc thun kund, daß sie die 24 fl. precarium, welche das Kloster Schönthal ihnen bisher jährlich aus seinen Gütern in der Mark gab, an’s Kloster für 450 fl. verkauften, pacto reluitionis, und versprechen, die Güter getreulich zu schirmen. A. U.

Als Dechant von Weinsberg erscheint im Jahr 1426 Pater Molle (Pfaff).

Da K. Sigmund in den damaligen Unruhen der Hussiten den Beistand der Städte nöthig hatte, so kam es zu keiner Execution und Konrad wandte sich [84] deßhalb noch einmal an den Pabst Martin, welcher den Dechant Richard von Mosbach mit Vollzug des Weiteren beauftragte. Als die Stadt die Kosten dieses geistlichen Gerichts bezahlen sollte, appellirte sie an den Pabst und verwickelte dort Konraden in einen kostspieligen Prozeß. Nun berieth sich Konrad mit seinem Freunde, Pfalzgrafen Otto von Mosbach, wie er sich gegen die geächtete Stadt in Vortheil setzen könnte. Man hatte sich zwar gegenseitig reservirt, die Fehde jedesmal ein Vierteljahr zuvor anzukündigen. Allein Konrad glaubte sich durch die über die Stadt ausgesprochene Acht seines Versprechens entbunden und rüstete sich zur Fehde. Als die Städte dieses merkten, so legten sie eine noch stärkere Besatzung von Schützen nach Weinsberg, wodurch sie sich zwar zu Mitgeächteten machten, aber Konraden von offener Fehde, zu der er sich jetzt zu schwach fühlte, zurückschreckten.

Dafür machte Konrad von Sinzheim, seinem damaligen Pfandbesitze aus, unterstützt von dem rheinischen Pfalzgrafen Otto und mehreren Rittern, am

28. August 1428 ohne vorherige Absage einen Angriff auf Städtebürger, welche auf die Frankfurter Messe vorbeireisten, als auf Reichsächter, brachte 135 derselben in feste Haft und pfändete gewaltsam ihr Handelsgut. Die Fürsten und die Erzbischöfe von Mainz und Trier wünschten eine gütliche Beilegung der Sache, beschieden beide Parthieen zu einer Verhandlung nach Heidelberg, wo erst nach einer zweiten Zusammenkunft am Andreastage 1428, bei welcher die städtischen Abgeordneten sich etwas nachgiebiger zeigten (weil sie sahen, welch großen Antheil die Fürsten an Konrad nahmen), folgender Vergleich zu Stande kam:

1) Die Gefangenen sollen gegen Urphede freigelassen werden und Nichts zu zahlen haben.

2) Waare, Schiff und Geschirr soll den Städtern zurückgegeben werden; was jedoch abhanden gekommen, niemals von diesen gefordert werden.

3) Die Städter sollen an Konrad 30,000 fl. in 3 Zielern, zu Mergentheim, Gundelsheim und Bretten bezahlen und ihm darüber Brief und Siegel geben.

4) Dagegen erkannte Konrad die Stadt Weinsberg als freie Reichsstadt und verzichtete auf alle Ansprüche, die er von Sigmund und den Fürsten erworben habe oder noch erwerben möchte, jedoch mit Vorbehalt seiner Rechte, die er nach dem Richtungsbriefe zwischen seinem Vater Engelhard und den Städten inne gehabt.

Endlich 5) soll Konrad alle Briefe, die er von dem Kaiser und anderen über die Stadt erhalten habe, zurückgeben, sie für kraftlos erklären und dieß Sigmunden und dem Hofgericht mit der Bitte anzeigen, die Stadt von der Acht zu befreien und den Prozeß in Rom aufzuheben.

Konrad und die Abgeordneten versprachen Alles zu halten; es wurden Briefe darüber ausgefertigt und gesiegelt *)[3].

Die Abgeordneten der Städte stellten auch Konraden den Schuldbrief über die 30,000 fl. zu, verbanden darin alle Bundesstädte und versprachen, alles ohne Gefährde zu halten *)[3].

Dagegen erfüllte auch Konrad seine Versprechungen und richtete sogleich die gedachte Anzeige und Bitte an den Kaiser *)[3].

Gefangene, deren es 152 waren und Waaren wurden freigegeben und von den Städten wurde versprochen, die Urphede plötzlich nachzusenden.

Der widerliche Streit schien hiemit erlediget zu sein und die Stadt hatte bereits [85] die erste Zahlung angekündiget. Konrad erschien in Gundelsheim, um das Geld in Empfang zu nehmen. Allein es kam Niemand mit Geld; und erst nach einigen Wochen erhielt er von der Stadt Ulm die Nachricht: K. Sigmund habe die Leistung der Zahlung untersagt. (K. Sigmund war von den Städten gewonnen worden und hatte Konraden auch wegen seines Parteinehmens für Pfalzgraf Ludwig in dessen Fehde mit dem Markgrafen von Baden seine Gunst entzogen). Vergebens reiste Konrad selbst im Jahr 1429 nach Preßburg zum Kaiser. Vergebens übergab er ihm, da er ihn krank traf, eine schriftliche Note. Vergeblich waren noch manche andere (oben Jahr 1428–1430 erzählte) Schritte Konrads. Erst auf dem Reichstage zu Nürnberg, Nov. 1430, ließ sich Sigmund endlich durch die Reichsfürsten bewegen, die Heidelberger Richtung zu bestätigen, wobei sich aber Konrad bequemen mußte, an den stipulirten 30,000 fl. noch den Pfandbetrag der ihm versetzten Reichssteuer von Ulm und Hall mit 16,000 fl. zu Gunsten der Einigungsstädte nachzulassen. Die Stadt Weinsberg sollte bei dem Reiche verbleiben.

Ulm löste die Reichssteuer später für sich von den Einigungsstädten ein; Hall dagegen zahlte sie an 16 solcher Städte, welche bis Martini 1802 im Bezuge blieben (Stälin III., 429).

Weinsberg suchte sich ahnungsvoll des Bündnisses mit Pfalzgraf Ludwig zu entschlagen, zumal da die Pfalzgrafen Konrads Gewaltthat bei Sinzheim begünstiget und

1426 in ein förmliches Bündniß mit demselben getreten waren. Allein vergebens ergingen

1431 klägliche Schreiben um Rath und Hülfe an Heilbronn und Wimpfen. Unaufhaltsam rückte das Ungewitter heran.

Trotz aller Bemühungen K. Sigmunds, seines Nachfolgers Albrechts II., Habsburgischen Stammes, 1438–1439 und dessen Nachfolgers Friedrichs IV., das Reich zu einer Landfriedensordnung zu bringen, und trotz neuer Einigungen der Städte und Fürsten und der Ritterschaft des St. Georgenschildes nahm der wilde Fehdegeist immer mehr überhand und viele Adeliche überließen sich offener Räuberei.

Bald schlug für die Stadt Weinsberg, in dem Kampf der Städte mit den Adelichen die Stunde, wo ihre Reichsfreiheit zu Grabe ging.

1440 wurde sie von einem Schwarm Adelicher unter Kunz von Bebenburg und denen von Urbach überfallen und belagert. Die Eroberung gelang ihnen durch die trojanische List, daß sie Mehrere von ihren Leuten in Fässer versteckt in die Stadt brachten, welche dann einen unerwarteten Angriff von Außen durch Öffnung des Thores und Niederstechung der Thorwächter unterstützten. Die Stadt kam durch diese Eroberung um ihre Reichsfreiheit, die sie über 200 Jahre genossen hatte und wurde von den Eroberern am 16. Sept. 1440 für 3300 fl., die aber Weinsberg selbst bezahlen mußte (Hugo), an Churpfalz verkauft, dessen Abgeordneten sie der Bebenburger an gedachtem Tag übergab, wobei Weinsberg versprach, dem Churfürsten getreu, hold und gehorsam zu sein, wie seine eigenen Leute, ihn und seine Amtleute ein- und auszulassen und ihm jährlich 365 fl. zu zahlen, bis es vom Reich mit 7966 fl. eingelöst würde. 11. Oktober. (Hugo.)

Da aber die gehoffte Auslösung nicht eintrat, da das Reich sie eben so vergeblich von der Pfalz zurückforderte, wie später Donauwörth von Baiern, und da der Städtebund anderswo genug zu thun hatte, so ging die Stadt damit ihrer Reichsunmitttelbarkeit für immer verlustig (Stälin III., p. 453).

[86] Nicht unwahrscheinlich ist ein anderer Bericht, daß die Eroberer zuerst Konraden von Weinsberg die Stadt anboten und erst, als sie von demselben kein Geld erhalten konnten, weil sein Vermögen bereits zerrüttet war, ihre Ansprüche an den Churfürsten Friedrich von der Pfalz verkauften, an welchen in demselben Jahrzehnd, nach dem 1448 erfolgten Tode Konrads, der Vormund der minderjährigen 2 Söhne Konrads, Bischof Gottfried von Würzburg, auch die Stammburg Weinsberg nebst dem Rest der Herrschaft um 24,000 fl. auf Wiederlosung, wenn die Verkäufer noch Söhne bekämen, verkaufte. 1450.

So kamen Stadt, Burg und Herrschaft Weinsberg fast zu gleicher Zeit an die Pfalz, und mit dem Erlöschen der Reichsfreiheit der Stadt fällt auch das Erlöschen des Hauses Weinsberg nahe zusammen (siehe oben Abschnitt VI., Jahr 1450–1503).

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So finden wir nun Burg, Stadt und Herrschaft Weinsberg unter churpfälzischer Hoheit von 1450 bis 1504–12.

Zuvor aber haben wir das bei 1360 abgebrochene Merkwürdigere von Naturereignissen, Witterung etc. nachzuholen, so weit sich Nachrichten darüber vorfinden.

1362. Der Sommer dieses Jahrs war über die Maßen hitzig und dürr, worauf ein sehr kalter und langer Winter gefolget. Daher das Vieh damalen entweder Hungers gestorben oder geschlachtet, oder mit altem, von den Dächern herabgenommenem Stroh auf der Alb gefüttert werden müssen (Steinhofer). Neue Erdstöße.

1364–1365 heftige Kälte, bei der der Rhein Frachtwägen trug. Nach Crusius tödtliche Seuche.

1366 neue Heuschreckenschwärme und in Folge ihrer Verheerungen Theurung.

1368. Getreide und Wein gut gerathen und in Menge.

1370 hat es in dem ersten Wintermonat unerhörter Weise geblitzt und gedonnert, worauf ein schrecklicher Platzregen und Hagel erfolgt, so daß Männiglich vermeinet, der jüngste Tag wäre vorhanden. id. Weinberge im Herbst erfroren.

1371. Herbstertrag schlecht. Geringer Wein.

1372. Den 1. Juni entstund ein schreckliches Erdbeben in Oberdeutschland. Es war in diesem Jahr eine so große Theurung, daß 1 Scheffel Dinkel auf 2 fl. 8 kr. kam. Die Ursache war der innerliche Krieg, das Sengen und Brennen im Städtekrieg, das Rauben und Morden, womit Schwaben um diese Zeit geplagt war (Steinh.). Wein gab es in den nicht verheerten Gegenden sehr vielen und guten, so daß 6 Maaß 1 Pfenning kosteten.

1373 gutes Weinjahr.

1374 schädliche Überschwemmungen.     1375 Komet.

1378 sehr wenig Wein, weil die Reben im Winter erfroren. Regnerischer Sommer.

Von 1379 an mehrere fruchtbare Jahre; aber auch wieder eine verheerende Seuche.

(Um’s Jahr 1380 hat der Gebrauch des Geschützes angefangen, ziemlich gemein zu werden.)

1382 ging in vielen Monaten kein Wind, wodurch die Luft so faul und ungesund geworden, daß eine nicht geringe Pest darauf folgte. Die Früchte waren übrigens doch wohl gerathen und sehr wohlfeil. Aber es wuchs saurer Wein. Auf dem Feld war eine so große Menge von Mäusen, daß Männiglich darüber klagte. Doch haben sie sich am h. Christtag alle verloren (Steinhofer).

1383–1387 sind Früchte und Wein gar wohl gerathen, weßwegen es eine [87] gar wohlfeile Zeit war. Wein theilweise sehr gut und reichlich, fast bis zur Werthlosigkeit.

1384 am Christtag Abends Erdbeben. Nachts Donnerwetter (Crus.). Ebenso 1385, 6. Januar. eod. 1385. Wein gut.

1386. Regenwetter bis Ostern, worauf günstige Witterung, wobei Getreide und Wein gleich gut geriethen.

1387. Influenza, allgemeine, die Bürzelen genannt, an der aber nur ältere Personen starben. Wein viel und gut.

1393 viel Getreide, aber wenig Obst. Saurer Wein.

1394 war ein so reich Jahr an Frucht und Wein, bei einem trockenen und heißen Sommer, daß 1 Scheffel Dinkel mehr nicht als 11 kr. und 1 Fuder köstlicher Wein 4 fl. gegolten (Steinh.). Der Eimer des Besten kostete 10 Batzen, die Maas 1 Heller.

1395 im Juni Erdbeben mit nachfolgendem heftigen Sturm.

1398. Menge des Weins groß; Güte mittelmäßig; im Jan. gewaltiger Sturm.

1399 sehr kalter Winter.

1400. Nasses Jahr. Pest.

1401. Ende Februars stand ein Komet (Crus.). Sehr kalter Winter. Nasses, regnerisches Jahr. Mißwachs.

1402 erfroren die Reben im Mai (Cloß Weinchr.). Es zeigten sich 2 große und helle Kometen, welche sogar des Mittags gesehen werden konnten. 1. Juni starkes Erdbeben. 28. August furchtbares Hagelwetter, das 3 Meilen um Stuttgart alle Felderzeugnisse zerstörte.

1407 wüthete in unserer Gegend, wie in ganz Deutschland und besonders in Gmünd die Pest so heftig, daß dadurch viele 1000 Menschen hingerafft worden; und folgte ein gar kalter, ein ganzes Vierteljahr währender Winter darauf, worin die Reben erfroren (Steinhofer).

1409–1410 sehr milder Winter. In Böhmen ackerte man im Januar.

1411 reichlicher Herbstertrag. Güte mittelmäßig (Cloß und württemberg. Jahrb. v. 1850).

(1415. Joh. Huß auf dem Concil zu Constanz verbrannt. Ebenso 1416 Hieronymus von Prag.)

1418 wuchs ein saurer Wein (Cloß).

1420 dagegen viel und gut. Anfang der Lese schon um Bartholomä. Der Winter war so warm, daß die Trauben schon im April geblüht, die Erndte war um Pfingsten (id.).

1421–1428 waren 8 äußerst gute Weinjahre.

1421 gerieth Alles, Getreide, Obst, Wein etc. gar wohl. 1 Maas 3 Pfenninge.

Im Jahr 1426 galt 1 Scheffel Dinkel 5 kr.; 1 Eimer guten Weins 13 kr. Im Wirthshause konnte man auf Einmal nicht so viel trinken, daß eine Zeche hätte gemacht werden können; man mußte, um nur für 1 Heller zu trinken, zweimal kommen (Cloß u. Steinh.). Oder gingen die Bürger in großen Gesellschaften in’s Wirthshaus, da dann an einem Tage dieser, am anderen ein Anderer die Zeche bezahlte (Höslin, württ. Alb. S. 48). Auch Frucht, Obst, Kraut und dergl. geriethen wohl und es war bei diesem Überfluß eine gar wohlfeile Zeit und hatte Jedermann genug. Aber das Reich war voller Kriegsflammen durch die Hussiten.

[88] eod. 1426 war es um Martini so geschlacht Wetter, daß die Bäume auf’s Neue wieder ausgeschlagen. Folgenden Frühling aber ist die Pest darauf erfolgt (Steinh.).

1428 waren die Feldgüter so wohlfeil, daß Einer vom Adel, Hermann Münsinger, dem Grafen Ulrich von Württemberg 1½ Morgen wohlerbauten, mit gutem Samen besetzten Weinberg im Reinsburg um 5 fl. verkaufte (id.).

1429 war ein so kalter Winter und Frühling, daß Wein und Roggen erfroren; darauf ein nasser Sommer erfolgt, daß wenig Früchte, die aufgeschlagen, auch wenig und saurer Wein gewachsen (id.). Die Maas galt einen Schilling.

1430 war abermal ein grimmiger Winter und ein sehr kalter Frühling, also daß der Wein in Württemberg, in der Markgrafschaft und in Franken, neben dem Roggen übel erfroren, weßwegen die beiden nothwendigen Nahrungsmittel sehr gestiegen, daß 1 Scheffel Dinkel von 5 kr. (s. oben) auf 1 fl. 32 kr., 1 Maas bis auf 7 Pfenninge gekommen.

1432 ist Frucht und Wein auf’s Allerbeste gerathen und beides köstlich und der Wein in so großem Überfluß gewachsen, daß Mangel an Fässern war. Deßwegen und damit dieser köstliche Wein konnte aufgehoben werden, man den alten schlechten Wein ausgeschüttet, oder den Speiß zu den Mauern damit angerühret. Wie in dem Lande der Gebäude noch viele sind, an welchen der Mörtel mit Wein angemacht worden. Der Wein wurde so wohlfeil, daß die Maaß einen Heller gegolten; und wenn Jemand eine Maas geholt, hat man ihm zum Andenken einen rothen Hosennestel dazu gegeben (Steinhofer).

1433 sind den 18. Januar die hohen und niederen Weingärten erfroren, daher es wenig Wein und einen mittelmäßigen Herbst gegeben. Dann im Sommer war stets Regenwetter und ein groß Gewässer. Doch hat man noch eine ziemliche Erndte eingethan (id.). Drei Monat lang stand in diesem Jahr ein großer Komet (Crus.).

1434 ist am 1. Mai der Roggen und Wein erfroren; daher eine schnelle Theurung entstanden, so daß 1 Scheffel Dinkel auf 1 fl., 1 Eimer Wein auf 4 fl. gekommen (Steinh.).

1435 starke Reifen um Georgii, davon die Reben erfroren (Crus.).

1436. (Guttenberg; Erfindung der Buchdruckerkunst.)

Anfangs Mai’s starke Kälte. Erfrieren der Saaten, Obstbäume und Reben.

1437 ist viele und gute Frucht gewachsen, der Wein aber im Winter und Frühling erfroren; daher es gar wenig, aber bei einem heißen Sommer einen Ausbund gegeben. Konrad v. Weinsberg kaufte in diesem Jahr nach seinem Einnahme- und Ausgaberegister von 1437/8 4 Fuder 2 Eimer Gerlachsheimer um 36½ fl., 7 Fuder Grünsfelder um 53 fl., 1 Fuder Tauber-Rettersheimer um 11 fl., 1 Fuder Bieberehrner um 10–11 fl. Er zog den Tauberwein dem Weinsberger vor; zumal da er damals mit der Stadt so gespannt war. 1 Malter Korn galt damals 1½ fl., 1 Malter Haber (Mergentheimer Maaß) 1 fl. 4 Ctr. Butter erkaufte Konrad um 17 fl., 9½ Ctr. um 38 fl. 3 Pfd. Zucker um 1 fl. 1 Pfd. Zimmt um 8 fl. 4¼ Pfd. Ingwer um 1 fl.

1438 war ein fruchtbar und gesegnetes Jahr, da Alles köstlich und gut gewachsen (id.). (Das Gegentheil berichtet nach Andd. Pfaff von diesem Jahr.)

1439 fielen im Winter 31 Schnee aufeinander, ehe ein einiger abging. Daher eine große Kälte entstanden und alle Gewässer so überfroren gewesen, daß man mit geladenen Wägen über die Donau, den Rhein, Neckar und andere Flüsse fahren können. Und zu dieser Zeit grassirte die Pest fast aller Orten; zu Constanz starben [89] innerhalb 10 Monaten bei 4000 Menschen. Zugleich (nach Crus.) Theurung und Hungersnoth. 1 Malter Roggen galt 7 Pfd. Heller, Waizen 8 fl.

1440–1441 sind vor und nach Weihnachten 37 Schnee auf einander gefallen, ehe einer abging; die lagen 14 Wochen, bis sie schmolzen. Sie waren so tief – auch kalt dabei –, daß man von einem Ort zum andern nicht hat kommen können; und weil auch in dieser Kälte die Mühlen eingefroren, war wegen des Mahlens ein großer Mangel an Brod. Den 2. Juli schreckliches Hagelwetter mit Steinen, die über 1 Pfund wogen und großen Schaden thaten (id.).

1442 war ein trefflich fruchtbares Jahr, darin alle Lebensbedürfnisse die Fülle erwachsen, viel und guter Wein geworden (id.).

1443 abermals ein kalter Winter und tiefer Schnee, Alle Gewässer gefroren wieder so, daß man mit Weinwägen darüber fahren können. Und weil Kälte und Schnee bis zu Ende des April währten, war es ein elender Jammer mit dem Mahlen, bis es aufging; worauf ein langwieriger Regen und kalt Wetter eingefallen, welches Frucht und Wein sehr verhinderlich gewesen, so daß wenig Frucht, wenig und saurer Wein gewachsen (id.).

1445. Obwohl am Freitag nach Himmelfahrt viele Weinberge erfroren (Crus.), ist in diesem Jahr doch ein Überfluß an Frucht und Wein gewachsen. 1 Scheffel Dinkel galt 18 Pfenninge, die Maaß Wein des Besten 2 Pfenninge (id.).

1446 ist im Frühling abermal das Rebwerk von dem Reifen erfroren. Weil es aber noch früh in dem Jahr war, hat es andere Augen getrieben und noch einen mittelmäßigen Herbst und guten Wein gegeben. Weil auch noch viel alter Wein vorhanden, hat die Maas nur 1 Pfenning gegolten. Nicht weniger hat es eine stattliche reiche Erndte gegeben (id.).

1447 hat die Kälte den Äckern und Weinbergen geschadet und in ganz Deutschland eine Theurung verursacht. Wein wenig und sauer (Crus.).

1448 war abermals ein solch fruchtbares Jahr an Frucht und Wein, als jemalen eines gewesen; also daß zu Ulm über allen Unkosten 1 Maas Wein 2 Pfenninge gegolten. Am 5. Tage nach dem Christfest Nachts 7 Uhr heftiges Ungewitter mit Hagel (id.).

1449 und 1450 waren 2 fruchtbare Jahre. Wohlfeilheit. 1 Maaß Wein galt 2 Pfenninge, 1 Scheffel Weizen 20 Groschen, 1 Scheffel Haber 9 Groschen (id.).

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b) Stadt und Burg unter churpfälzischer Herrschaft. 1450–1504/12.

Pfalzgraf Friederich, der Siegreiche, welcher den Städten den Schaden, der ihnen durch Konrad v. Weinsberg bei Sinzheim (s. ob. 1428) unter pfälzischem Geleite erwachsen war, vergüten mußte, ließ nun durch den Deutschmeister Ulrich von Lautersheim und durch Ludwig von Sickingen Burg, Stadt und Herrschaft Weinsberg (nebst Neuenstadt) in Besitz nehmen und setzte eigene Amtleute daselbst.

Der erste churpfälzische Obervogt zu Weinsberg war Hanns Horneck v. Hornberg. Nach ihm wohnten als pfälz. Vögte auf der Burg: Lutz, Schott, Ritter, 1460; Marx von Wollmershausen, 1495; Hanns von Helmstedt, 1497.

Wenn nicht auf Konrads IX. Burgvogt (oben p. 34), so bezieht sich vielleicht auf Einen dieser churpfälzischen Obervögte die Gespenstergeschichte, welche Crusius II., S. 417 dem Calendarium von G. Widemann nacherzählt; daß nämlich [90] ein von diesem Vogt erschlagener Knecht demselben beim Gebet in der Schloßkapelle als schwarzer Geist erschienen seie und ihn mit einem heißen Hauch angeblasen habe, so daß er vor Schrecken erkrankte. Darauf habe der Geist auch die Schloß- und Mauerwächter der Stadt durch Werfen, Klopfen u. s. w. beunruhiget, so daß die Anfangs unglaubigen Städter endlich ein Fasten und eine Wallfahrt zur Kirche St. Maria vor Heilbronn angestellt haben. Ruhe seie aber erst geworden, nachdem der erkrankte Vogt gestorben. (S. Kerners Seherin von Prevorst. S. 473.)

Schon im August 1457 kam es zu einer Fehde zwischen obgedachtem pfälz. Obervogt Horneck und Graf Ulrich v. Württemberg, weil ein gewisser Schaafhanns und Andere seiner Anhänger sich feindlich in seinem Amt Weinsberg bezeigt und der Graf ihm sein Gut genommen, und im März

1460 entspann sich ein Kampf zwischen Pfalzgraf Friedrich selbst und dem Grafen Ulrich v. Württemberg auf der württembergisch-pfälzischen Grenze, welcher erst 1462 mit dem unglücklichen Treffen von Seckenheim und der Gefangenschaft Ulrichs in Heidelberg endete. Nachdem die württembergische Mannschaft das Kloster Maulbronn überfallen und gebrandschatzt hatte, griff sie das churpfälzische Weinsberg an. Lutz Schott, Ritter, pfälzischer Vogt, vertheidigte sich aber, mit zugezogener Hilfe von Wimpfenern und Heilbronnern, so geschickt, daß die Württemberger, auf welche aus einem Hinterhalt gefeuert wurde, 2 Ritter und gegen 60 Mann verloren.

Doch bald darauf, am 30. April 1460, erlitt Lutz Schott in dem Treffen zwischen Wüstenhausen und Helfenberg, wo die Pfälzer schon gesiegt hatten, durch aus einem Hinterhalt hervorbrechende Württemberger eine gänzliche Niederlage und großen Verlust an Gefangenen, namentlich Edelleuten. Diese Gefangene, worunter der verwundete Lutz Schott selbst, mußten sich Alle in Stuttgart, in der Herberge zur Krone stellen; die wenigeren gefangenen Württemberger in dem Wirthshaus von Konrad Flor in Heidelberg. Im Chor der Alexanderskirche zu Marbach sind die Grabmale der auf württembergischer Seite gefallenen Edelleute Kaspar von Heinrieth, Hauptmann zu Beilstein und von Caspar Spät, welche „nebst einem erbeuteten wullinen Kappenzipfel“ nach Marbach geführt wurden. Der Kappenzipfel wurde bei ihrem Grabe aufgehängt. Es wurde dieß für ein großes Siegeszeichen gehalten. An dem Grabe dieser 2 Edelleute wird es in der Aufschrift dem Feinde für eine solche Schande angerechnet, als ob sie eine Fahne verloren hätten. Sattler, Gesch. der Grafen, II., p. 233.

Weinsberg blieb aber dennoch für dießmal unerobert, da im Aug. d. J. ein, freilich nicht nachhaltiger Frieden zwischen Württemberg und Churpfalz zu Vaihingen an der Enz zu Stande kam und der später wieder entbrennende Kampf seitabwärts sich zog, bis er bei Seckenheim sich endete, wo Graf Ulrich von Württemberg in pfälzische Gefangenschaft fiel. 1462.

1464 hielt sich Pfalzgraf Friederich selbst einige Tage auf der Burg auf, während er durch seine Räthe in Öhringen über die pfälzischen Kirchenangelegenheiten unterhandeln ließ (Jäger).

Vom Jahr 1478 datiren sich nach dem obenged. Weinsberger Privilegienbuch die Jahr- und Wochenmärkte der Stadt.

1482, während der pfälzischen Herrschaft, wurde hier Joh. Oekolampadius (Hausschein) geboren, welcher von seinem wohlhabenden Vater, einem Weinsberger Bürger, frühzeitig nach Heilbronn, Heidelberg und – wegen seiner ausgezeichneten Anlagen – von da nach Bologna geschickt wurde, um die Rechte zu studiren. Er [91] kehrte aber nach ½ Jahr wieder zurück und ging nach Heidelberg, um sich der Theologie zu widmen. Vom churpfälzischen Hof, wohin er als Prinzenhofmeister berufen worden, kehrte er bald wieder nach Weinsberg zurück, um hier eine von seinem Vater gestiftete Pfründe (Caplanei) anzutreten.

Da er hier noch Lücken in seinen Kenntnissen bemerkte, so reiste er nach Tübingen und von da nach Stuttgart zu Reuchlin, um griechisch und hebräisch zu lernen. Von da kehrte er nach Weinsberg zurück, trat mit vielem Ernst als Prediger auf – circa 1512, wo Weinsberg an Württemberg überging –, wobei er in öffentlichen Vorträgen und in einer eigenen Schrift: „über das Osternlachen“ gegen die Spässe der Prediger auf der Kanzel zur Osternzeit eiferte. 1515 kam er als Prediger nach Basel, wo er, nachdem er wegen seiner freieren Gesinnungen und Äußerungen eine Zeitlang auf der Flucht und Schloßprediger auf Ebenburg bei Franz von Sickingen gewesen, 1525 Dr. und Professor der Theologie und pastor substitutus und Einer der Reformatoren Helvetiens wurde und 1531 im 49. Lebensjahre starb. Mit Luthern durch seine Schriften bekannt, neigte er sich mehr auf die Seite seines Freundes Zwingli und wurde durch seinen sanften, friedliebenden Sinn für Zwingli, was Melanchthon für Luther in Wittenberg war.

Sein väterliches Haus in Weinsberg verfiel 1525 dem allgemeinen Strafurtheile des racheschnaubenden Truchseß. (s. unten J. 1525.)

Herzog Ulrich v. Württemberg besuchte, als er sich auf der Flucht zu Basel befand, die Predigten von Oekolampadius und gewann ihn so lieb, daß er noch 1527 Briefe mit ihm wechselte. Hierdurch wirkte Oekolampadius mittelbar auch auf die Reformation Württembergs ein.

Die churpfälzische Herrschaft in Weinsberg fand, nach etwas über 50-jähriger Dauer ihr Ende durch den baierischen Erbfolgekrieg gegen die Pfalz im Jahr 1504.

Der letzte Herzog von Baiern-Landshut, Georg der Reiche, hatte in seinem Testament den Gemahl seiner einzigen Tochter Elisabeth, den Pfalzgrafen Ruprecht, zu seinem Universalerben eingesetzt. Allein die Herzoge Albrecht und Wolfgang von Baiern-München sprachen auf den Grund eines vorangegangenen Vergleichs die Erbschaft an und ein Ausspruch des Kaisers Maximilian I. erkannte auf eine Theilung. Weil Ruprecht, gestützt auf König Georg von Böhmen, seinen Vater Churfürst Philipp von der Pfalz und einige Reichsfürsten, sich diesem Ausspruch nicht unterwerfen wollte und 1503 sich sein Vater seiner anzunehmen rüstete, so wurde über Vater und Sohn die Reichsacht erkannt und der junge Herzog Ulrich v. Württemberg war Einer der Reichsstände, welche

1504 Kaiser Maximilian zu Vollziehung dieser Acht aufbot.

Ulrich rückte im Juli d. J. mit seinen und des schwäbischen Bundes Soldaten, 21,000 Mann Fußvolkes, worunter 6000 Büchsenschützen und 1500 Mann Reiterei, in’s Feld. Die Reichsstädte Gmünd und Reutlingen schickten einige Truppen, Ulm und Nürnberg je eine große Büchse (schweres Geschütz). Lehensleute und adelige Dienstleute fanden sich zahlreich bei dem Heere ein *)[4]. Herzog Ulrich zog selbst mit; den Oberbefehl aber führte Graf Wolfgang von Fürstenberg. Nachdem mehrere an Württemberg gränzende Orte und Ämter der Pfalz, voran das Kloster Maulbronn, [92] das Städtchen Knittlingen, Besigheim und Löwenstein belagert, beschossen und eingenommen waren, ging es zu Ende des Herbstmonats vor Neuenstadt und Weinsberg, Stadt und Burg.

Während der kurzen Belagerung des benachbarten Neuenstadt, dessen Besatzung darauf gerechnet hatte, daß der Herzog Weinsberg zuerst angreifen werde und die deßwegen überrascht sich nicht lange hielt, streiften die Württemberger eines Montags früh bis vor die Thore von Weinsberg, nahmen eine Heerde von 263 Stücken Rindvieh weg und brachten solche nebst mehreren erbeuteten Pferden ohne Eines Mannes Verlust in ihr Lager vor Neuenstadt. Die Besatzung und Bürgerschaft Weinsbergs, welche dieses zu verhindern suchten, hatten einen Verlust von 40 Mann an Todten, Verwundeten und Gefangenen.

So wie Neuenstadt sich ergeben hatte, wurde Weinsberg berannt, eingeschlossen und nach dem Bericht des Zeugwarts Johann Glaser von Urach, der diesen Feldzug in drolligen Reimen beschrieb (s. Jäger, Burg Weinsberg p. 58 fg. und Anhang. Lieder. 3), die Burg mit 21 Stück groben Geschützes so beschossen, daß ein Thurm, die Mauer bis an den Graben, der sogenannte Mantel und das Ritterhaus zusammenstürzten. Nun wurde gegen die Stadtthore geschanzt, die Brunnen wurden abgegraben und Feuerbrände in die Stadt geworfen. Dieß hatte die Wirkung, daß die Besatzung einen Waffenstillstand verlangte, der für die folgende Nacht ausgerufen wurde.

Die Besatzung von Möckmühl, welche Nichts hievon wußte und am folgenden Morgen frühe ausgerückt war, um die Belagerer zu überfallen, wurde von der gerade die Wache haltenden Uracher und Rosenfelder Miliz übel empfangen und nicht nur zurückgeschlagen, sondern auch bis an den Stadtgraben von Möckmühl verfolgt, wobei ihrer Viele erstochen wurden. Erst in der 3ten Woche der Belagerung ergab sich Weinsberg und erhielt eine starke württemb. Besatzung.

Trotz aller Bemühungen der Pfalz blieb Stadt und Amt Weinsberg mit der wieder ausgebesserten und befestigten Burg, nebst den übrigen eroberten Oberämtern Maulbronn, Besigheim, Neuenstadt und Möckmühl (nebst Gochsheim und der Grafschaft Löwenstein) auch nach dem Frieden von 1505 im Besitze von Württemberg, und

1512 verzichteten in dem am Samstag nach Martini zu Urach geschlossenen Vertrage die Pfalzgrafen Ludwig und Friedrich, Söhne des Churfürsten Philipp, gegen 50,000 fl., die er ihnen bezahlen ließ, auf Alles, was Herzog Ulrich in diesem Kriege erobert hatte.

So war Weinsberg zum Erstenmale unter Württembergische Herrschaft gelangt.

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Wir haben nun noch das Merkwürdigere von Naturereignissen, Witterung, Fruchtbarkeit u. s. w. aus der pfälzischen Periode nachzuholen, so viel sich in den Chroniken von Crusius, Steinhofer und Anderen finden läßt.

J. 1450–1512.

Im Jahre 1452 regierte abermals in ganz Deutschland die Pest. (Steinh.) Kalter Winter.

1453 ist ein ungeschlacht Jahr gewesen, da wenig Frucht und Wein gewachsen und Beides in hohen Preis gekommen (id.).

1454 war abermals naß und unfruchtbar, darin die Frucht genau [93] zusammengegangen, also daß 1 Scheffel Dinkel auf 45 kr. 2 hlr. gekommen. Wein ziemlich viel, aber sauer (id.)

1455 war wieder ein unfruchtbares, nasses und klemmes Jahr, gleich dem vorhergehenden; Wein wenig und sauer. Das Korn ist noch genauer zusammengegangen.

1456 kam wieder ein kaltes und nasses Jahr, da zwar eine feine Erndte gewesen, aber wenig und saurer Wein gewachsen. Preis in Cannstadt 3 Pfd. 12 Sch. = 2 fl. 21 kr. 5 hlr.

In diesem Jahr befahl die württembergische Regierung die Anfertigung von Wein-Rechnungen in jeder Amtsstadt, wo Weinwachs war, damit die Streitigkeiten über Schlag und Kauf, und Übernehmung der Armen von den Weinhändlern aufhörten. Von 1456–62 fand aber Steinhofer nur die Cannstadter Weinrechnung vor. 1462 scheint auch die Reichsstadt Eßlingen die württembergische Einrichtung nachgeahmt zu haben. Die Stuttgarter Weinrechnung beginnt mit 1468; die Waiblinger mit 1470. Die Weinsberger, welche wohl erst nach der 2ten württembergischen Besitzergreifung eingeführt wurde, konnten wir nicht auffinden.

Im Juni d. J. erschien ein großer Komet mit einem Schweif von 60 Graden nach damaligen Astronomen; lang als ein Wiesbaum, sagt Crusius, s. unten J. 1531.

Große Sterblichkeit in Folge der Theurung.

1457 ebenfalls ein unfruchtbares Jahr mit viel Platzregen und darauf folgender Dürre, wodurch das Erdreich ungeschlacht geworden. Die Frucht ging daher nahe zusammen, daß 1 Scheffel Dinkel auf 53½ kr. gekommen. Herbst nach Quantität und Qualität mittelmäßig. Preis in Cannstadt 2 fl. 19 kr. (St.)

1458 war ein ziemliches Fruchtjahr; doch blieb es bei dem vorigen Kauf. Wein wenig und kein Ausbund, weil es den ganzen Sommer viel Regenwetter und einen schlechten Blühet gegeben, folglich die Träublein abgefallen. Preis in Cannstadt 2 fl. 13 kr. (Sthfr.)

1459 war abermals ein kaltes, unfruchtbares Jahr, darin der Wein im Frühling erfroren und wegen Regenwetters übel geblüht. Es gab zwar eine ziemliche Erndte; doch ist die Frucht naß heimgekommen. Wein wenig und sauer. Preis 4 fl. 4 kr. Obst keines. 1 Schffl. Dinkel galt 1 fl. 38½ kr.

1460 erfror im ungemein kalten Winter alles nicht Bezogene. Wegen Regenwetters üble Blüthe. Wein wenig und mittelmäßig. Preis 3 fl. 4 kr. 1 Maas 5 Pfenninge. An Früchten ist eine gute Nothdurft gewachsen. 1 Scheffel Dinkel galt 1 fl. 4 kr. (Steinh., Crus.)

1461 hatte es ein Ansehen zu einem fruchtbaren Jahr. Im Brachmonat that aber ein Hagelwetter großen Schaden im ganzen Land. Doch gab es wider Verhoffen noch eine feine Erndte und ziemlichen Herbst mit gutem Wein. Preis 2 fl. 10 kr. 1 Scheffel Dinkel 49 kr. 2 hlr. Dabei war ein Landsterben, besonders im Remsthal. (id.)

1462 abermal ein schrecklich Hagelwetter, welches großen Schaden gethan. Doch hat es noch eine kleine Erndte, einen halben Herbst und ziemlichen Wein gegeben. Preis 3 fl. In Schorndorf grassirte die Pest.

1463 ein kalt und nasses Jahr von vielem Regen, so daß die Wasser immer überliefen. Auch viele Raupen, die an Hecken und Stauden Alles abgefressen. Doch ist noch eine mittelmäßige Erndte und Herbst worden. Preis 3 fl. zu Eßlingen 3 fl. 34 kr. 3 hlr. 1 Scheffel Dinkel 40 kr.

[94] Vom August bis in den Christmonat regierte die Pest überall in Deutschland (id.).

1464 war ein mittelmäßiges Jahr, darin die Früchte ziemlich wohl gerathen, aber wenig, doch guter Wein gewachsen. Preis 1 fl. 47 kr. 1 hlr.

1465 ein herrlich fruchtbares Jahr, darin alle Lebensmittel wohl gerathen und frühe auf der Bahn gewesen. Im Mai hat der Wein aller Orten verblüht gehabt und ist in Stuttgart 1 Eim. Wein um 1 eimriges Faß gegeben worden. Preis 1 fl. 2 kr. 1 Schffl. Dinkel 15 kr.

1466 ein spätes und nasses Jahr, in welchem der Mühlthau die Früchte sehr verderbte. Schlechte Frucht, saurer Wein. Preis 2 fl. 52 kr. 5 hlr. 1 Scheffel Dinkel 1 fl. 4 kr. 4 hlr. (St.)

Am 7. des Christmonats ist eine mächtige Winterkälte mit vielem Schnee eingefallen, dadurch viele Leute erfroren und umgekommen sind.

1467 ist wieder ein gutes Jahr gewesen, darin viel und gute Frucht und köstlicher Wein, aber wegen der Dürre wenig Rüben und Kraut gewachsen. Weinrechnung von Cannstadt 1 fl. 28 kr. 4. hlr. 1 Scheffel Dinkel galt 32 kr.

1468 ist erst am 12. Märtz ein Schnee gefallen; spätes Jahr, mittelm. Frucht und Wein. Haber erst in der Christwoche eingethan. 1 Scheffel Dinkel galt 36 kr. Wein 1 Eim. 2 fl. 32 kr.

1469 ein kaltes und nasses Jahr. Traubenblüthe erst nach Ulrichstag. Wenig und saurer Wein. Preis zu Stuttgart 4 fl. 35 kr. Die Früchte giengen nah zusammen. 1 Schffl. Dinkel galt 1 fl.

1470 ein herrlich fruchtbares Jahr, darin gute Frucht und Wein gewachsen. 1 Schffl. Dinkel galt 28 kr. Wein zu Stuttgart 2 fl. 4 kr. 3 hlr.

1471 wuchs wenig, aber ein Ausbund Wein. Wegen Regenwetters in der Blüthezeit viel abgefallen. Preis zu Stuttgart 2 fl. 5 kr. Fruchterndte reich und gut. 1 Schffl. Dinkel galt 30 kr.

1472 war abermals ein herrlich und fruchtbares Jahr, darin Frucht und Wein auf’s Beste gerathen. 1 Schffl. Dinkel galt 19 kr. 2 hlr. Weinrechnung zu Stuttgart 2 fl. 5 kr. 2 hlr. Zu Anfang dieses Jahrs erschien ein Komet, feurig röthlich mit einem langen Schweif, 80 Tage lang sichtbar. Noch vor seinem Verschwinden erschien ein zweiter, dessen Schweif eine umgekehrte Richtung gegen Ost hatte (Crus.).

1473 erfroren die nicht bezogene Weinberge um Fastnacht. Es fiel aber hernach geschlachtes Wetter ein, daß sich Etliches wieder erholte. Im Sommer ist eine solche Hitze eingefallen, davon die Erde so weit aufgespalten, daß man einen Fuß hinein schieben konnte. In solcher Hitze ist der Böhmerwald von der Sonne angegangen und hat 14 Wochen gebrannt. Auch im Schwarzwald Waldbrände. Es wuchs viel und ein Ausbund von Frucht und Wein. Dinkelpreis wie im vor. Jahr 19 kr. 2 hlr. Weinpreis in Stuttg. 2 fl. 5 kr.

1474 ist Frucht und Küchenspeis wohl gerathen. Dinkel 1 Schffl. 17 kr. 2 hlr. Der Wein hat im Frühling vom Reifen Schaden genommen, hat also wenig, aber guten Wein gegeben. Weinrechnung von Stuttgart 1 fl. 48 kr. 3 hlr. An Petri- und Paulitag heftiger, verderblicher Sturmwind (Crus.).

1475 war abermals ein überaus fruchtbares Jahr, darin alles überflüssig und herrlich gut an Frucht und Wein gewachsen. Dinkel 1 Sch. 13 kr. Wein, Stuttg. 2 fl. 13 kr. in Brackenheim 36 kr. 4 hlr. Cannst. 1 fl. 10 kr.

[95] 1476 ist wieder Frucht und Wein wohl und reichlich gewachsen, daß 1 Sch. Dinkel auf 11 kr. gekommen. Wein: Stuttg. 1 fl. 16 kr., Brackenh. 1 fl. 11 kr.

1477 war ein mittelmäßiges Jahr. Der Wein hat übel geblüht, daher es nur einen halben Herbst gegeben. Dinkel 1 Sch. 21 kr. 4 hlr. Weinrechnung zu Stuttg. 2 fl. 24 kr., Brackenh. 2 fl. 1 kr.

1478 war ein mittelmäßig fruchtbares Jahr an Korn, Wein, Obst und allem Erdgewächs. Dinkelpreis 21 kr. 4 hlr. Weinrechg. Stuttg. 1 fl. 27 kr. Brackenheim 54 kr. 3 hlr.

1479 sind die Winterfrüchte wohl gerathen; der Wein aber hat im Frühling vom Reifen Schaden genommen. Doch hat es noch einen halben Herbst und guten Wein gegeben. Preis in Stuttgart 2 fl. 10 kr. 4 hlr. Brackenh. 1 fl. 46 kr. Dinkel wie fernd.

1480 viel und köstliche Frucht. Dinkelpreis 24 kr. Der Wein hat im Blühen vom Wetterleuchten Schaden genommen; deßwegen wenig, aber guter Wein. Preis Stuttgart 1 fl. 45 kr., Brackenheim 1 fl. 5 kr.

1481 ein kaltes und nasses Jahr, da Frucht und Wein übel geblüht. Viel Regenwetter und großes Gewässer, wodurch viel Futter verschleimt und verderbt worden. Die Früchte kamen naß heim; wenig und saurer Wein. Preis zu Stuttgart 3 fl. 13 kr., Brackenh. 3 fl. 8 kr. Dinkel 1 fl. 11 kr. Überschwemmung im Neckar- und Enzthale (Crus.).

1482 ist an Frucht, Wein, Obst etc. ein Überfluß und Ausbund gewachsen. Dinkel 1 Sch. 30 kr. Weinrechg. Stuttg. 1 fl. 47 kr., Lauffen 1 fl. 18 kr. Ausbrechende Seuche in Schwaben, besonders in Stuttgart und Tübingen.

1483 ein fruchtbar und gesegnetes Jahr wie das vorige, nach Crus. außerordentliche Hitze im Sommer mit Waldbrand. Dinkel 1 Scheffel 30 kr. Weinrechg. Stuttg. 1 fl. 22 kr. 5 hlr. Lauffen 35 kr. Brackenh. 33 kr.

(Luther’s Geburtsjahr 10/11. Nov.)

1484 ein köstlich fruchtbares Jahr; dürrer und warmer Sommer und doch, wenn es nöthig war, gute Regen. Daher Alles wohl gerathen, gut und ein Überfluß worden, daß die Maas des besten Weins 1 Pfenning, 1 Scheffel Dinkel 15 kr. gegolten. Weinrechnung von Stuttg. 47 kr. 1 hlr., von Brackenheim 22 kr., Waiblingen 52 kr. Man konnte ein volles Faß für ein leeres haben, 1 Maas Wein für 1 Ei (Crus.).

1485 dagegen war ein unfruchtbares, kaltes und nasses Jahr, darin wenig gerathen. Im März viel Schnee, um Georgii Reifen, ein nasses Blühen. Daher wenig Frucht und gar saurer Wein. Dinkelpreis 41 kr. Weinrechg. v. Stuttg. 2 fl. 51 kr., Brackenh. 2 fl. 48 kr. Etatspreise im Stuttgarter Vertrag zwischen Graf Eberhard sen. und jun. 1 Eim. Wein 3 Pfd. Heller = 2 fl. 10 kr. 1 Sch. Roggen 1 Pfd. = 43 kr. 1 Schff. Dinkel und Hafer 10 Schillinge = 21 kr. 4 hlr.

1486 dem vorigen Jahr in Allem gleich; daher Aufschlag von Frucht und Wein. Dinkelpreis 1 fl. 24 kr. Weinrechg. v. Stuttg. 4 fl. 45 kr. 4 hlr. Lauffen 5 fl. Brackenh. 3 fl. 56 kr.

1487 abermals ein ungeschlachtes Jahr. Der Wein von Reifen erfroren, wenig, doch an Güte mittelmäßig. Preis in Stuttg. 3 fl. 12 kr. 5 hlr. Laufen 2 fl. 30 kr. Brackenh. 2 fl. 16 kr. Die Früchte sind genau zusammengegangen, daher die Theurung geblieben. Dinkel 1 fl. 33 kr. 4 hlr.

1488 wieder ein kaltes und nasses Jahr, daher mittelm. Erndte, ziemlicher [96] Herbst, aber saurer Wein. Preis in Stuttg. 3 fl. 20 kr., Cannst. und Lauffen ebenso, Brackenh. 3 fl. 13 kr. Dinkelpreis 1 fl. 35 kr. 3 hlr.

1489 abermals ein schlechtes Jahr. Wenig Frucht und Wein; dazu war er gar sauer. Preis zu Stuttg. 4 fl. 35 kr., Lauffen 4 fl. 6 kr., Brackh. 4 fl. 7 kr. Dinkelpreis 1 fl. 56 kr.

1490. Im Mai viel Schnee; um Johannis Regen- und Hagelwetter; schlechte Traubenblüthe, daher wenig Frucht und saurer Wein gewachsen. Weinpreise: Stuttg. 4 fl. 28 kr. 3 hlr., Lauffen 3 fl. 27 kr., Brackenh. 3 fl. 19 kr. Dinkelpreis: 1 Scheffel 2 fl.

1491 fielen im Winter 31 Tage Schnee auf einander und war sehr kalt; daher die Wasser überfroren, daß man 10 Wochen lang darüber fahren konnte. Es gab deßwegen einen späten Jahrgang und war abermalen Frucht, Wein, Obst und dgl. übel gerathen. Daher Theurung und Hungersnoth (Crus.). Dinkelpreis: 2 fl. 5 kr. Weinpreise: Stuttg. 4 fl. 2 kr., Lauffen 4. fl. 27 kr. 5 hlr. Brackenheim 2 fl. 21 kr. 4 hlr. Zu Stuttgart nahm ein Wolkenbruch etliche Häuser weg und viele Menschen ertranken.

1492 wuchs viel und gute Frucht, aber wegen böser Blüthe wenig und saurer Wein. Dinkelpreis 1 fl. 12 kr. Weinpreise: Stuttg. 4 fl. 28 kr. 3 hlr.

(Jahr der Entdeckung von Amerika durch Columbus, womit eine bedeutende Veränderung in den Preisen der Lebensbedürfnisse.)

1493 war wieder ein fruchtbar und geschlachtes Jahr. Obgleich die Weinberge im Winter erfroren, so gab es doch noch einen halben Herbst, guten Wein und viel Frucht. Dinkelpreis 1 Sch. 52 kr. 4 hlr. Weinpreise: Stuttg. 3 fl. 25 kr. 4 hlr., Lauffen 3 fl. 34, Brackenh. 3 fl. 19 kr. 4 hlr. Wiederausbruch einer verheerenden Seuche.

1494 war abermals ein gar fruchtbares Jahr darin Frucht, Wein und Alles wohl gerathen und dessen ein Überfluß und gut worden. Dinkelpreis 58 kr. Weinpreis Stuttgart 3 fl. 12 kr. 5 hlr., Brackenheim 2 fl. 32 kr. Um Weihnachten starke Kälte bis Ende März des folgenden Jahrs.

1495. Alles, wie im vorigen Jahr wohl gerathen. Dinkelpreis 43 kr. Weinpreis Stuttgart 2 fl. 5 kr. 4 hlr., Lauffen 1 fl. 11 kr., Brackenheim 1 fl. 2 kr.

(Erhebung Grafen Eberhards im Bart von Württemberg zum Herzog von Württemberg und Teck 21. Juli.)

1496 abermals ein erwünschtes, fruchtbares Jahr, in welchem Frucht und Wein wie alles wohl gerathen. Dinkelpreis 41 kr. Weinrechnung von Stuttgart 1 fl. 30 kr., Lauffen 1 fl. 36 kr., Brackenheim 1 fl. 2 kr.

Verbreitung der Lustseuche (Mal de Naples) in Deutschland.

1497. Wieder ein herrlich fruchtbares Jahr, dergleichen zuvor schon 3 gewesen. Und obwohl der Wein in der Blüthe Schaden genommen, ist doch noch ein guter Herbst gefolgt. Weinrechnung von Stuttgart 1 fl. 57 kr., Lauffen 1 fl. 12 kr., Brackenheim 1 fl. 11. Dinkelpreis 1 Scheffel 35 kr.

(Geburtsjahr Phil. Melanchthons 16. Febr.)

1498. Ein ungeschlacht – kaltes und nasses Jahr, darin zwar von Früchten, eine feine Nothdurft, aber wenig und saurer Wein gewachsen. Dinkelpr. 35 kr. Weinrechnung von Stuttgart: 3 fl. 12 kr. 1 hlr. Lauffen 2 fl. 31 kr. Brackenheim 2 fl. 32 kr. In diesem Jahre erschienen in Schwaben sehr viele Wölfe, welche großen Schaden anrichteten.

[97] 1499. Frucht und Wein, auch andere Erdgewächse wohl gerathen. Dinkelpreis 26 kr. 2 hlr. Weinrechnung: Stuttgart 1 fl. 40 kr., Brackenh. 1 fl. 1 kr. 5 hlr. (Geburtsjahr von Joh. Brenz 30. Juni).

1500 wuchs viele und gute Frucht. Der Wein hatte im Blühen Schaden gelitten, daher wenig, aber gut. Weinrechnung von Stuttgart 2 fl. 20 kr., Lauffen 1 fl. 59 kr., Brackenheim 1 fl. 18 kr. Dinkelpreis 1 Sch. 32 kr. 4 hlr. 1 Pfd. Rindfleisch 1 kr.

Erscheinen eines großen Kometen (Crus.). Auch merkwürdige Erscheinung von allerlei farbigen Flecken auf Kleidungsstücken; nach der Erklärung von Naturforschern Wirkungen eines aus dem höheren Luftkreise erfolgten Meteorniederschlags.

1501 und 1503 heiße Tropfen, welche tödtlich waren, wenn sie auf die bloße Haut fielen. S. unten 1503.

1501. Ein kaltes, unfruchtbares Jahr mit viel Regen und Nebel, weßwegen an Frucht wenig, und saurer Wein gewachsen. Ist also ein Hunger im Land eingefallen, daß man die Früchte zu Straßburg und an dem Böhmerwald holen mußte. Dinkelpreis 2 fl. 4 kr. 2 hlr. Weinrechnung von Stuttgart 2 fl. 42 kr. 5 hlr., Brackenheim 2 fl. 9 kr. 3 hlr.

Zu Pforzheim, Sindelfingen, Calw und anderer Orten grassirte die Pest.

1502 war ein mittelm. Jahr, da zwar eine feine Nothdurft an Frucht und Wein gewachsen; es fiel aber ein Sterben im Land ein, daß allein in Stuttgart 4000 Menschen starben. Dinkelpreis 35 kr. Weinrechnung zu Stuttgart 2 fl. 51 kr., Lauffen 1 fl. 9 kr. 4 hlr., Brackenheim 1 fl. 58 kr. 3 hlr.

1503 war ein solch reich gesegnetes Jahr, daß Kästen und Keller gefüllt worden. Der Sommer war ungemein heiß und hitzig. Es fiel 4 Monate lang kein Regen und die Wälder wurden hin und wieder von der Hitze angezündet. Dinkelpreis der Scheffel 24 kr. Weinrechnung zu Stuttgart 1 fl. 22 kr., Lauffen 1 fl. 9 kr. 4 hlr., Brackenheim 54 kr. 3 hlr.

Brennend heiße Tropfen fielen den Menschen in diesem Jahr auf die Kleider oder auf die bloße Haut und brachten die Ruhr und Pest mit sich, die sie alsbald tödtete. Auch unter dem Vieh Krankheiten.

1504 war abermals ein fruchtbares Jahr, dem vorigen gleich. Dinkelpreis pr. Schffl. 24 kr. Weinrechnung zu Stuttgart 1 fl. 25 kr. 4 hlr., Lauffen 57 kr. 1 hlr.

1505 wieder ein gutes und fruchtbares Jahr. Die Reben wurden zur Hälfte winddürr und mußten vielfach abgeschnitten werden. Deßwegen ist wenig, aber guter Wein gewachsen. Weinrechnung zu Stuttgart 2 fl. 8 kr. 3 hlr., Lauffen 1 fl. 7 kr. 2 hlr., Brackenheim 1 fl. 11 kr. Dinkelpreis 24 kr. pr. Scheffel.

1506 war wieder eine gute Erndte. Dinkelpreis 21 kr. 5 hlr. Es gab aber wenig, doch guten Wein. Preis Stuttgart 2 fl. 25 kr. 4 hlr., Lauffen 1 fl. 11 kr., Brackenheim 2 fl. 37 kr.

Erscheinen eines Kometen.

1507 war es im Säen so dürr Wetter, daß die Früchte erst um Weihnachten unter dem Schnee herfürgekommen. Daneben haben die Mäuse viel Saamen abgefressen. Dinkelpreis 35 kr. Wein ist viel, aber ziemlich saurer gewachsen. Preis Stuttgart 2 fl. 15 kr., Brackenheim 1 fl. 18 kr.

Seuche unter Rindvieh und Schweinen.

1508 ist abermal wegen vieler Mäuse, die den Saamen aufgefressen, wenig Frucht, aber viel und guter Wein gewachsen und ging eine siebenjährige [98] Theurung an. Dinkel pr. Schfl. 50 kr. 2 hlr. Weinpreis Stuttgart 2 fl. 4 kr., Lauffen 1 fl. 20 kr., Brackenheim 1 fl. 15 kr.

31. Juli Wolkenbruch im Häßlacher Thal überschwemmt Stuttgart, reißt etliche Häuser und ein Stück Stadtmauer ein. 12 Personen ertranken.

1509. Mühlthau in der Blüthezeit machte das Korn taub, deßwegen geringe Erndte. Dinkelpreis 1 fl. 7 kr. 5 hlr. Wein wuchs vieler und guter. Preis Stuttgart 2 fl. 28 kr. 3 hlr., Lauffen 1 fl. 51 kr., Brackenheim 1 fl. 50 kr.

In Schwaben starker Hagel. Auch spürte man ein Erdbeben im October.

1510 hat es im März noch alle Tage gefroren, wodurch der Saamen ausgezogen wurde. Es gab daher eine schlechte Erndte und die Theurung stieg immer höher. Dinkelpreis 1 fl. 11 kr. Wein gab es vielen und guten. Weinrechnung Stuttgart 2 fl. 10 kr., Lauffen 1 fl. 38 kr., Brackenheim 1 fl. 26 kr. 4 hlr.

1511 war ein nasses und kaltes Jahr, darin Frucht und Wein übel geblühet. Deßwegen abermal schlechte Erndte und Herbst. Wenig und saurer Wein. Dinkelpreis 2 fl. Weinrechnung Stuttgart 3 fl. 10 kr., Lauffen 2 fl. 21 kr., Brackenheim 2 fl. 13 kr. 4 hlr.

1512 abermals ein kaltes, nasses, unfruchtbares Jahr. Wenig Frucht. Saurer Wein. Auch brach eine Seuche aus. Dinkelpreis 2 fl. 4 kr. 2 hlr. Weinrechnung: Stuttgart 5 fl. 5 kr., Lauffen 4 fl. 10 kr. 3 hlr., Brackenheim 4 fl. 3 kr. 3 hlr.

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c) Stadt und Burg zum Erstenmal unter württembergischer Herrschaft. 1505/12 bis 1520/22.

Wie Weinsberg von Churpfalz durch Eroberung und durch den Frieden von 1505 an Württemberg gekommen, und 1512 vertragsmäßig an dasselbe abgetreten worden sei, ist oben Abschn. b p. 89 erzählt worden.

Württemberg. Herzog Ulrich 1505/12 bis 1520.

Der erste württembergische Obervogt allhier war 1516 Georg von Vellberg (sein und des Untervogts Breunings Name steht mit dieser Jahrzahl in einer Urkunde von Bretzfeld). 1518 folgte diesem als Vogt Sebastian von Nippenburg.

Unt.-Amtmann zu Weinsberg war 1514 Sebastian Breuning; in Jahr 1517 wegen Verrätherei gegen den Herzog mit seinem Bruder Konrad zu Stuttgart mit dem Schwerdt hingerichtet.

1514. Der Geist der Unzufriedenheit mit verderblichen Finanzmaßregeln Herzogs Ulrich, namentlich mit der Verringerung von Maaß und Gewicht, der Geist des förmlichen Aufruhrs, welcher im Remsthale ausbrach – unter dem Namen des armen Konrads (Keinraths) – verbreitete sich von dort her bald auch in dem neuacquirirten Amtsbezirke Weinsberg. Die Unruhigen des Bezirkes versammelten sich zu Schwabbach, wählten die vermöglichsten Landbewohner zu Hauptleuten und zwangen sie, mit ihnen zu ziehen, als sie, bei 500 Mann stark, gegen alle Abmahnungen des Amtmanns zu Weinsberg, Sebastian Breuning, aus dem Thal mit Trommeln, Pfeifen und fliegenden Fähnlein nach Affaltrach (im Weinsberger Thale) vorrückten.

[99] Die Sache wurde bekanntlich durch Zusammenberufung eines Landtages auf den 25. Juni d. J., wozu der Vogt jeder Stadt sammt dem Keller, Einem Gewählten vom Gericht und Einem von der Gemeinde beschrieben wurde, und durch den denkwürdigen Tübinger Vertrag vom 8. Juli d. J. vermittelt. Da dessen ungeachtet die aufrührerischen Bewegungen der Landleute, namentlich im Remsthal, fortdauerten, so rief Herzog Ulrich, nach vergeblichen gütlichen Verhandlungen, die Hilfe seiner Bundesgenossen an, von welchen der Bischof von Würzburg

den 29. Juli d. J. 300 Mann zu Pferd, unter ihnen 57 vom Adel schickte, welche an gedachtem Tag, angeführt von dem Hauptmann Sigmund von Ehingen, durch Weinsberg nach Lauffen zogen, um dort auf weitere Ordre vom Herzog zu warten *)[5].

Die Bewegung im Weinsberger Bezirk wurde hierdurch unterdrückt und ein Anschluß an die Remsthaler, die sich auf dem Kapellberge bei Beutelsbach sammelten, verhindert. Doch beklagten sich (nach Pfaffs Miscellen) Bürgermeister, Rath und Gemeinde zu Weinsberg über den Tübinger Vertrag, „daß sie dadurch mehr, als kein Ort im Lande, beschwert worden, gegen ihre alte Freiheiten, indem jeder aus der Stadt Wegziehende den 10. Pfenning von seinem Vermögen in die Stadtkasse nach ihrem vom Reich und der Pfalz erhaltenen Rechte hätte geben müssen. Auch treffe sie die umgelegte beträchtliche Summe zur Tilgung der Schulden des Landes am härtesten, weil sie dem Landesherrn vorhin jährlich 200 fl. zu Beth, 125 zur Königssteuer und 6 Silbergeld geben müssen. Diese Abgabe rühre von jener Zeit her, wo die Stadt eine Reichsstadt gewesen“.

1516 wurde Herzog Ulrich von Kaiser Maximilian wegen Ermordung Huttens, wegen Mißhandlung seiner Gemahlin und wegen Ungehorsams gegen die kaiserlichen Befehle in die Acht und Aberacht erklärt – was jedoch durch einen Vertrag zu Blaubeuren vermittelt wurde.

Allein neue Gewaltthaten Ulrichs nach dem Tode Kaisers Maximilian, besonders die gegen die Reichsstadt Reutlingen, welche er am 28. Januar 1519 eroberte und zu einer Landstadt machte, führten eine Kriegserklärung des schwäbischen Bundes, dessen Mitglied Reutlingen gewesen war, am 25. März 1519 herbei.

Ulrich, der sich von den geworbenen Schweizern und anderen Hülfstruppen verlassen sah, zog sich nach Tübingen zurück und ging von da nach Mömpelgard, um sich zu kräftigerem Widerstande zu rüsten.

Nun nahm das schwäbische Bundesheer unter Anführung Herzogs Wilhelm von Baiern, eines Schwagers von Ulrich, ganz Württemberg ungehindert in Besitz und rückte am 5. April siegreich in Stuttgart ein, woselbst die Bürger dem schwäbischen Bunde huldigten.

Von Cannstadt zog es über Marbach und Lauffen nach Neckarsulm und nahm

am 10. Mai das von Götz von Berlichingen tapfer vertheidigte Möckmühl.

Am 11. Mai 1519 Nachts wurde die Stadt Weinsberg berannt. Die Bundestruppen warfen einige Schanzen auf und die Stadt ergab sich ohne Widerstand, ehe in den folgenden Tagen das ganze Heer in das Lager vor derselben einrückte. Der württ. Obervogt, Sebastian von Nippenburg, zog sich in das Bergschloß [100] und ließ von der Burg in das von den Bündischen besetzte Städtchen feuern. Weil aber eine große Büchse darüber zersprang, so kapitulirte er schon

am 12. Mai auf freien Abzug mit seiner Besatzung, obschon er den streitbaren Jörg Rüter aus dem Odenwalde bei sich in dieser festen Burg hatte. Die Bedingungen der Capitulation waren: 1) Was von Adel und Reisigen in der Burg ist, verspricht auf Rechnung des Bundes in ritterliches Gefängniß zu kommen, darf Familie und Habe mitnehmen. 2) Das Landvolk im Schloß huldigt, zieht hinab. 3) Die Knechte ziehen hinab, aber ohne Wehr und schwören, Herzog Ulrich nicht mehr zu dienen. 4) Alle übrige Habe gehört dem Bunde (Pfaff).

Nach seinem Abzug zog Hanns von Freiberg, Pfleger zu Schönau, als bündischer Vogt und Pfleger mit einer kleinen Besatzung in die Burg Weinsberg ein.

Das Bundesheer aber zog am 13. und 14. Mai zur Belagerung der Festung Asberg ab.

Seines kurzen Aufenthaltes ungeachtet hatte die Umgebung von Weinsberg Vieles von ihm zu leiden; denn die Sickingenschen Reiter trieben im Weinsberger Thale nicht nur das Vieh hinweg, sondern sie schleppten auch mehrere Bauern gefangen mit fort *)[6], weil sie sie bezüchtiget, sie hätten etliche Bundesknechte im Streifen umgebracht.

Als schon im Sommer des nämlichen Jahrs Herzog Ulrich einen Versuch machte, sein Land wieder zu nehmen

und den 14. August in seine Residenzstadt Stuttgart eingezogen war, machten die brandenburg’schen Soldaten, welche zu Weinsberg in Besatzung lagen, verheerende Streifzüge auf seine Anhänger im Lande **)[7].

Das Bundesheer rückte auf’s Neue mit 18,000 Mann und 1700 Pferden in Württemberg ein und Ulrich mußte nach der verlorenen Schlacht bei Untertürkheim (Oktober 1519) das Land abermals räumen und in die Schweiz fliehen.

Württemberg wurde nun vom Bunde auf dem Reichstag zu Augsburg

den 6. Februar 1520 um 222,000 fl. (nach Anderen um 320,000 fl.) an Kaiser Karl V. verkauft, welcher es, mit den übrigen östreichischen Ländern in Schwaben, an seinen Bruder, den östreichischen Erzherzog, nachmaligen König Ferdinand abtrat; worauf Ferdinand, als neuer Landesherr, am

25. Mai 1522 die Huldigung in Stuttgart annahm. Kaiser Karl verkaufte 1521 nach einem in obenged. städtischen Privilegienbuch vorhandenen Kaufbrief eine Behausung, unten an dem Markte gelegen, an die Stadt; vielleicht das nachmalige, im Jahr 1707 abgebrannte Rathhaus, um 142 fl. rhein.

So war also Weinsberg, nachdem es erst 15 Jahre unter württembergischer Hoheit gestanden, mit dem Lande unter östreichische Regierung gekommen, unter welcher es 14 Jahre lang bis 1534 (Cadaner Vertrag) verblieb.

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Ehe wir die schweren Schicksale erzählen, welche in dieser 14jährigen Periode über die unglückliche Stadt ergiengen, holen wir nach Steinhofer, Crusius und anderen Chron. das Merkwürdigere von Naturerscheinungen, Witterung etc. aus der ersten württemb. Periode nach. J. 1512–1520.

1513 erfroren nach Georgii die hohen und niederen Weinberge, daher wenig, aber guter Wein gewachsen. Es war auch eine ziemlich gute Erndte. Doch blieb [101] noch die Theurung. Dinkelpreis 1 fl. 4 kr. Weinrechnung: Stuttgart 4 fl. 51 kr. 2 hlr., Cannstadt 4 fl. 40 kr., Lauffen 2 fl. 31 kr., Brackenheim 2 fl. 21 kr.

1514 war nach einem sehr kalten Winter (Crus.) ein herrlich fruchtbares Jahr, darin Frucht, Wein und Alles auf’s Beste gerathen. Dinkelpreis 1 fl. 32 kr. Weinrechnung: Stuttgart 2 fl. 42 kr., Marbach 2 fl. 34 kr., Brackenheim 2 fl. 23 kr. 5 hlr.

Am 12. Januar d. J., Morgens 9 Uhr, sah man 3 Sonnen am Himmel (resp. 2 Nebensonnen), deren jede mit der Figur eines blut- und feuerrothen Schwerts bezeichnet war. Die mittlere war größer als die 2 übrigen. Später sah man auch 3 Monden. (Daß man dieß auf den bald darauf folgenden Bauernaufruhr deutete, war für jene Zeit sehr natürlich.)

1515 war ein kaltes und nasses Jahr; doch gab es eine feine Erndte und ist auch viel, aber saurer Wein gewachsen. Dinkelpreis 1 fl. 4 kr. Weinpreis: Stuttgart 3 fl. 17 kr. 1 hlr., Marbach 2 fl. 19 kr. 3 hlr., Lauffen 2 fl. 21 kr., Brackenheim 2 fl. 9 kr.

1516 sind die Weinberge im Winter erfroren; daher wenig, aber doch guter Wein gewachsen. Früchte und andere Erdgewächse geriethen wohl. Dinkelpreis 58 kr. Weinpreis: Stuttgart 2 fl. 51 kr., Lauffen 1 fl. 51 kr. 3 hlr., Brackenheim 1 fl. 43 kr. 3 hlr.

1517 waren die Früchte sehr dünn und eine geringe Erndte. Dinkelpreis 1 fl. 33 kr. Der Wein hat im Blühen Schaden genommen; daher wenig und ein mittelmäßiger Trunk gewachsen. Weinrechnung: Stuttgart 5 fl. 14 kr., Marbach 3 fl. 46 kr., Lauffen 6 fl. 32 kr. 2 hlr., Brackenheim 6 fl. 17 kr. Alter Wein kam auf 60–70 fl. Am Palmsonntag zu Calw und Tübingen starkes Erdbeben. Auch gab es in diesem Jahr heftige Sturmwinde, wovon zu Backnang ein Thurm, zu Hall 11 große Linden, im Rieß mehr als 100 Scheuern und Häuser niedergerissen wurden. Viele Kranke. (31. Okt. Luther in Wittenberg, Reform.-Anfang.)

1518 war ein fruchtbar gutes, dürres Jahr, darin die Früchte wohl gerathen. Dinkelpreis 44 kr. Der Wein ist im Winter und Frühling erfroren, daher wenig, aber ein Ausbund gewachsen. Weinrechnung: Stuttgart 3 fl. 57 kr., Cannstadt 4 fl. 14 kr., Marbach 3 fl. 3 kr., Lauffen 2 fl. 53 kr., Brackenheim 2 fl. 45 kr.

1519 ist abermal Frucht, Wein, Obst und dergl. wohl gerathen. Dinkelpreis 56 kr. 4 hlr. Weinrechnung: Stuttgart 2 fl. 11 kr., Marbach 2 fl. 2 kr., Lauffen 1 fl. 27 kr., Brackenheim 1 fl. 18 kr. 4 hlr. Vieler Orten grassirende Pest. Im einzigen Waiblingen starben 1300 Menschen. Ein Baumeister von Weinsberg, Hanns Schweiner, baute in diesem Jahr den Pfarrkirchenthurm in Heilbronn aus (Jäg.). 1507 Riß. 1513 Grundsteinlegung. 1519 Ausbau. Interessant ist die damalige Belohnung. Der Meister erhielt für den Riß und die Aufsicht über den Bau jährlich 6 fl., sodann im Sommer 30, im Winter 26 kr. täglich; ein Gesell im Sommer 26, im Winter 20 kr., ein Poliergehülfe 2 kr. weiter.

1520 war ein naßkaltes und unfruchtbares Jahr, darin zwar ziemlich Frucht, aber wenig und saurer Wein gewachsen. Dinkelpreis 49 kr. 2 hlr. Weinrechnung: Stuttgart 5 fl. 42 kr., Marbach und Lauffen 5 fl. 2 kr. 1 hlr. Die Seuche dauerte noch fort.

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[102]

d) Stadt und Burg unter östreichischer Herrschaft. 1520–1534.

Seit im Jahre 1517 die ersten Strahlen der Reformation von Wittenberg ausgegangen, fielen ihr immer mehrere junge Theologen zu; darunter der aus der Geschichte der Reformation rühmlichst bekannte Theologe, Dr. Erhard Schnepf, ein geborener Heilbronner, welcher sich von der hohen Schule Heidelberg, wo er zuerst Jura studirte und erst später zur Theologie auf Bitten seiner Mutter überging, in seine Vaterstadt Heilbronn zurückbegab und

1522 evangelischer Prediger in Weinsberg wurde, bis er von der östreichischen Landesregierung vertrieben und von dem Freiherrn Dietrich von Gemmingen als evangel. Prediger in Guttenberg angestellt wurde. 1525 kam er in die freie Reichsstadt Wimpfen, 2 Jahre später als Prediger nach Nassau-Weilburg. Von Marburg, wo er Professor der Theologie war, berief ihn Herzog Ulrich 1535 als General-Superintendent aller Kirchen des Herzogthums und Hospitalprediger nach Stuttgart, wo er das sogen. Unterland zu reformiren anfing. 1543 wurde er Professor der Theologie in Tübingen und Inspector des theolog. Stifts. Als Gegner des Interims legte er sein Amt nieder und starb in Jena 1558 als Professor der Theologie.

Sein Nachfolger war Johann Gailing v. Ilsfeld, 1530–48, geflüchtet 1548 nach Löwenstein. † als Stadtpfarrer in Groß-Bottwar 1559.

Eine trübere Ostern- und Himmelfahrtswoche hat noch keine Stadt Württembergs gesehen, als Weinsberg im Jahre 1525, dem Jahre des großen Bauernkrieges *)[8].

Der im Hegau und Allgäu ausgebrochene Aufstand hatte sich, weil Noth und Druck überall gleich waren, mit unbegreiflicher Schnelligkeit nach allen Seiten verbreitet. Vom Kloster Schönthal her, wo sich die einzelnen Haufen und Fähnlein in den „Hellen Haufen des Odenwaldes und (unteren) Neckarthales“ vereiniget hatten, unter Anschluß der Aufständischen aus den Bisthümern Mainz und Würzburg, aus der Pfalz und dem Rothenburgischen, zog dieser Helle Haufen durch’s Hohenlohesche, angeführt von Georg Mezler, einem Wirth aus Ballenberg im Churmainzischen, der zum obersten Hauptmann erwählt worden war.

Florian Geyer von Geyersberg, welcher den Rittermantel abgelegt hatte und freiwillig zu den Bauern getreten war, früher in Diensten des schwäbischen Bundes, führte einen eigenen, kriegerisch geübten Haufen, die sogenannte schwarze Schaar. Jäcklein Rohrbach, Wirth zu Böckingen bei Heilbronn, zog ihnen mit deutschordenschen und Neckarthalbauern zu.

Von Öhringen ging eine Abtheilung von 400 Mann zunächst nach dem Frauenkloster Lichtenstern, das, weil der Convent geflohen war, geplündert wurde, und von da nach Löwenstein, um die dortigen beiden Grafen zum Eintritt in die „christliche Brüderschaft“ zu zwingen.

Der Helle Haufen zog in’s Weinsberger Thal und verstärkte sich mit den Bauern der Dörfer dieses Thals. Der Punkt, den er zunächst in’s Auge faßte, war das deutschorden’sche Städtchen Neckarsulm.

An Weinsberg wurde (am 18. April) vorübergezogen, ohne es anzugreifen.

[103] Neckarsulm nahm die Bauern als Freunde auf, da die Deutschherrn hier so verhaßt waren, als irgendwo; und das Heer der Bauern hatte sich theils im Städtchen einquartiert, theils lag es vor den Mauern auf den Wiesen umher.

Auf der Burg von Weinsberg saß als östreichischer Burg- und Obervogt Graf Ludwig Helfrich von Helfenstein, ein junger Ritter von 27 Jahren, Liebling des Erzherzogs Ferdinand, seit 5 Jahren vermählt mit einer natürlichen Tochter des vor 7 Jahren verstorbenen Kaisers Maximilian I., Margarethe, genannt von Edelsheim, Wittwe des Johannes von Hillen, gewesenen Forstmeisters der Herrschaft Tyrol.

Schon im Februar d. J. war ihm vom Erzherzog Ferdinand, damaligen Regenten von Württemberg, die Aufsicht und Versorgung aller Festungen Württembergs übertragen worden. Im März d. J. bekam er als Oberst den Oberbefehl über 2000 Mann, mit denen er dem Herzog Ulrich, bei dessen damaligem Versuch, vom Hegau aus sein Land wieder zu erobern, den Weg verlegen und ihn in seinem Vorrücken verhindern sollte. Allein als der Herzog den 5. März Herrenberg zur Übergabe nöthigte und der Graf von Tübingen aus vorrückte, um diese zu hintertreiben, wurde er von Ulrichs schweizerischen Söldnern so geschlagen, daß er auch Tübingen schnell verließ und sich nach Stuttgart zurückzog *)[9].

Als der Helle Haufen in die Nähe von Weinsberg kam, ging der Graf die östreichische Regierung zu Stuttgart dringend um Verstärkung an **)[10]. Er wurde mit Dieterich von Weiler in die Rathsversammlung nach Stuttgart berufen. Man hatte beschlossen, durch Ludwig Späth von Höpfigheim und etliche Andere 1000 Knechte anwerben zu lassen und Ludwig von Helfenstein als Obersten über diese Knechte zu setzen, weil man höre, daß viele Leute einen Willen zu dem Grafen haben. Nehme man die Reisigen dazu, so werde Widerstand möglich, und wenn die Bauern diesen Ernst hören, werden sie sich, wie sie auch sonst schon gethan, wieder zurückziehen. Die Regimentsräthe hofften auch von Baden und Pfalz eine reisige Hilfe zu erhalten – welche Hoffnung aber wegen der auch dort ausbrechenden Unruhen unerfüllt blieb –; und um einstweilen, bis weiterer Beistand käme, dem Eindringen der Odenwälder Einhalt thun zu können, wurden dem Grafen von Helfenstein gegen 16 Ritter und 60 Reisige (Knechte) zugegeben, die mit ihm nach Weinsberg eilten. 12. April.

Kaum angekommen, schrieb er an die Regierung zurück: daß er mit seinen wenigen Leuten dem mit etwa 6000 Mann eindringenden Bauernhaufen aus dem Odenwald und Hohenloheschen in die Länge nicht werde widerstehen können. „Wo mir, schloß er, mit Reisigen oder anderen Knechten nicht Hilfe oder Zusatz kommt, so will ich meine Ehre hiemit verwahrt haben; wo einiger Nachtheil oder Schaden daraus erfolgen möchte, will ich daran unschuldig sein; wiewohl ich nichts destoweniger, so lange mein Leben währt, alles das thun will, was einem frommen und redlichen Amtmann wohl ziemet.“

Zwei Tage später bat er, ihm doch die hessischen Pferde von Stund an herabzuschicken. Noch dringender schrieb er am Ostersamstag, den 15. April, man möchte doch schleunig die pfälzischen Reiter schicken mit Geld, „damit nicht Nachtheil, Spott oder Schaden daraus erfolge ***)[11].“

[104] Übrigens hatten Graf Helfenstein und die anderen Ritter, schon als sie von Stuttgart nach Weinsberg hinabritten, alle Bauern, die ihnen unterwegs begegneten, aufgegriffen und erwürgt *)[12].

Bei seiner Ankunft im Weinsberger Thal fand der Graf, daß bereits, mit Ausnahme von Eberstadt, alle Dörfer des Amts dem Hellen Haufen zugefallen waren.

Als die Bauern – am Charfreitag 14. April – von Lichtenstern nach Neckarsulm zogen, forderten sie Weinsberg und die Ritter darin auf, in ihre christliche Brüderschaft zu treten. Während der Graf mit ihnen unterhandelte, um Zeit zu gewinnen, bis die erwartete Hilfe von Stuttgart käme, unterließ er es dennoch nicht, mit seinen Reitern „den ganzen Tag über ob den Bauern zu halten und ihnen Abbruch zu thun, so viel ihm immer möglich war“ **)[13]. Er that sich aus Weinsberg, fiel hinten in den Haufen in den Nachtrab, erstach und beschädigte ihnen Viele, wodurch der Helle Haufen erzürnt und bewegt wurde ***)[14].

Zugleich kam Botschaft von der Donau, wie der Truchseß gegen die gefangenen Bauern blutig verfahren, von der Hinrichtung Meister Jakob Wehes zu Laipheim, von dem Blutbad, das er die Donau hinauf unter ihren Brüdern angerichtet habe, von dem Blutdurst, den er überall gegen die Bauern zeige. Das Alles war Öl in’s Feuer. Die Hauptleute der Bauern betrachteten ihre Sache als einen gerechten Krieg des Volkes gegen ihre Herren. Sie wollten auf dem Kriegsfuß behandelt sein nach Kriegsrecht und Art. Weder der Truchseß, noch Graf Helfenstein, der während der Unterhandlungen ihre Brüder niederstach, achteten das Kriegsrecht gegen sie, die Bauern. Es schien nöthig, die Herren dazu zu zwingen, zu zwingen durch Repressalien, die zugleich eine Blutrache für den frommen Wehe, für die hingerichteten Hauptleute ihrer Brüder zu Laipheim und Langenau, für die Hingeschlachteten von Wurzach, für die soeben auf dem Zug durch’s Weinsberger Thal während des Unterhandelns Erstochenen wäre.

Es war Verhängniß, daß Graf Helfenstein und Dieterich von Weiler, der Obervogt von Bottwar, der mit ihm in Weinsberg befehligte, diese Blutrache selbst auf sich herbeiziehen sollten.

Die Bauern, in zorniger Bewegung auf den grünen Wiesen vor Neckarsulm, schickten am Charfreitag Abends ein Schreiben nach Weinsberg, das an den Bürgermeister der Stadt und an den Obervogt Helfenstein gerichtet war; ohne Zweifel ein Ultimatum der Bauern. Der Graf hatte den Hintersaßen seines Amts in’s Bauernlager die Drohung geschickt: wenn sie nicht heimzögen, so wolle er ihnen ihre Weiber und Kinder nachschicken und ihre Dörfer verbrennen. Hanns Koberer von Bretzfeld erfuhr, daß der Graf solches dem Hauptmann der Weinsberger Fähnlein geschrieben; er kam zu den Bauern im Lager unter den Weiden, wie sie aßen und [105] tranken und zeigte es ihnen an. Da schrieen die Bauern des Weinsberger Thals: man solle sie heimziehen lassen oder ihnen Frieden machen *)[15].

Als der Graf von dem Angriff auf den Nachtrab des Bauernheeres nach Weinsberg zurückkam, schien es ihm, als fände er die Bürger in der Stadt eines Theils wankelmüthig; sie waren sehr erschrocken – ohne Zweifel, da sie die Stärke des vorbeiziehenden Heeres gesehen und von dessen Erbitterung über Helfensteins Angriff gehört hatten. – Das Vertrauen, das der Graf zu ihnen gehabt, entfiel ihm und er versah sich nichts Gutes mehr zu ihnen.

Er schrieb der Regierung zu Stuttgart: „er halte für gewißlich, wäre er mit den Reisigen nicht hier, so wäre Alles umgefallen. Darum habe er heute (Samstag) mit ihnen gehandelt und es ihnen gleich auf einen Bündel gebunden und so sie wieder von ihrem Vorhaben ihres Anschlusses an die Bauern abgewiesen.“

Noch hoffte er, der Helle Haufen werde Weinsberg ungestört lassen und ziehe schon gegen Wimpfen.

In’s Lager der Bauern aber kamen zu gleicher Zeit eine trotzige, verächtliche Antwort des Grafen auf ihr Ultimatum und eine Botschaft einiger Weinsberger Bürger, die es mit den Bauern hielten. So gut der Graf die Thore der Stadt hütete, so gelang es doch eines Weibes List, hinauszukommen.

Wolf Nagels Frau von Weinsberg stahl sich durch nach Neckarsulm zum Haufen, ging von Hütte zu Hütte und sagte: „Jörg Ry, der Bretzel Pickel, Melchior Becker und Bernhard Hellermann von Weinsberg habe sie zu ihnen geschickt, sie sollen kommen; sie wollen ihnen die Stadt aufthun; sie sollen sie nicht in den Nöthen stecken lassen.“

Dazu kam Semmelhanns von Neuenstein, ein Salzführer, in’s Lager nach Neckarsulm. Der war in der Weinsberger Burg gefangen gelegen und ausgebrochen. Dieser zeigte dem Bauernrath, Dionys. Schmid von Schwabbach an: es liegen nicht mehr als 8 Mann oben im Schloß; die anderen Alle seien in der Stadt. Er wolle ihnen den Punkt zeigen, wo das Schloß leicht zu stürmen seie **)[16].

Schmid und der Bauernrath Hanns Koberer von Bretzfeld theilten diese Nachricht den Hauptleuten mit und machten den Vorschlag, vor Weinsberg zu ziehen und es zu nehmen. Die Antwort des Grafen entrüstete den ganzen Haufen; „die Bauern aus dem Weinsberger Thal waren lustig, Stadt und Schloß zu stürmen, damit sie nimmer frohnen dürfen“ und der Helle Haufen erhob sich am Osterfeste Morgens früh – 16. April – Weinsberg zu „mit großer Furie“. Es ging über Binswangen und Erlenbach auf den der Burg gegenüberliegenden Schemelsberg.

Zu Neckarsulm war am Abend des Beschlusses ein Heilbronner Bürger, Einer von der Ehrbarkeit, im Bauernlager anwesend gewesen. Als dieser hörte, wie die Bauern beschlossen haben, Weinsberg zu nehmen und dem Adel zu Leibe zu gehen, ließ er heimlich noch in der Nacht den Grafen durch einen Wächter warnen. Auch durch einen Kundschafter wurde dem Grafen noch vor Tag gemeldet, daß die Bauern bereits aus ihrem Lager ausgebrochen seien und es geheißen habe: sie wollen bei den Weinsbergern die Ostereier holen ***)[17].

[106] Schon vor Tagesanbruch – 16. April, Osterfest – waren auf diese Nachrichten Ritter und Reisige gerüstet; ihre Pferde in den Stallungen gesattelt und gezäumt, und zur Verstärkung der geringen Besatzung des Schlosses wurden sogleich noch 5 Reisige auch dahin abgeschickt. Mehr konnte man nicht in’s Schloß legen, obgleich des Grafen Gemahlin und Kind und Kostbarkeiten darin waren. Der Graf verachtete auch die Bauern zu sehr, als daß er es für möglich gehalten hätte, daß sie ein so festes Schloß erstürmen. Es galt ihm vornehmlich, die Stadt gegen den ersten Angriff zu vertheidigen; er traf die nöthigen Anordnungen zu Vertheidigung ihrer Thore und der Wehren.

Hierauf versammelte er seine Ritter und Reisigen und die Bürgerschaft auf dem Markte, wo er sie ermunterte, herzhaft zu sein und ihr Bestes zu thun. Sie zeigten allen guten Willen und der Graf gab ihnen auch von seiner Seite die Zusicherung, da er sein Weib und Kind auf dem Schloß verlassen habe, wolle er auch bei ihnen in der Stadt ausharren und Alles für sie thun. Es werde ihnen auch unfehlbar heute noch ein reisiger Zug zu Hilfe kommen *)[18].

Die Thore, Mauern und Wehren waren nach der Anordnung des Grafen bereits alle besetzt. Noch zeigten sich keine Bauern …

Die Zeit des Morgengottesdienstes, den der Pfarrer abzukürzen ersucht ward, rückte heran. Mehrere Bürger und Reisige begaben sich in die Kirche, um das Sakrament zu empfangen. Auch der Graf und Dieterich v. Weiler waren zu Anhörung einer Messe darin.

Da wurde dem Grafen, noch ehe der Gottesdienst zu Ende ging, um 9 Uhr Morgens, in die Kirche gemeldet, die Bauern seien da; man sehe einzelne Bauerngruppen auf dem Schemelsberg, denen größere Parthieen nachziehen. Der Thurmwächter wollte sogleich Sturm schlagen; aber der Graf verbot ihm, Lärm zu machen, um die Einwohner nicht noch mehr zu beängstigen. Den Reisigen und Bürgern, die auf der Mauer zur Wehr gerüstet waren, sprach er zu, muthig und unerschrocken zu sein. Dietrich von Weiler und der Schultheiß Schnabel sorgten dafür, daß Weiber und Mägde ganze Haufen Steine, die von den Reisigen aus dem Pflaster ausgebrochen wurden, auf die Mauer trugen.

Vom Schemelsberg, auf welchem sich die Bauern in Schlachtordnung stellten, schickten sie 2 Herolde, an einem Hute kenntlich, den sie auf einer langen Stange trugen, zur Stadt hinab. Diese erschienen vor dem unteren Thore und forderten die Stadt zur Übergabe auf.

„Eröffnet Schloß und Stadt dem hellen christlichen Haufen, riefen sie an die Mauer hinauf; wo nicht, so bitten wir um Gotteswillen, thut Weib und Kind hinaus; denn Beide, Schloß und Stadt werden den freien Knechten zum Stürmen gegeben und es wird dann Niemand geschont werden.“

Die innerhalb des Thors aufgestellten Bürger und Reisige wußten nicht, was sie den Abgeordneten antworten sollten. Sie schickten nach dem Grafen und er eilte sogleich selbst dem Unterthore zu. Aber ehe er kam, war (unglücklicher Weise) Dieterich von Weiler an’s Thor gekommen.

Dieser, ein übermüthiger Rittersmann, glaubte nicht, daß die „Roßmucken“, wie er die Bauern verächtlich nannte, einen ernstlichen Angriff wagen würden, wenn sie entschlossene Gegenwehr fänden. Er hielt es für eine Schande, wenn ein [107] Rittersmann mit solchen „Roßmucken“ verhandeln wollte. Mit Kugeln sich mit ihnen zu besprechen, seie das einzige Würdige und Gescheidte. Auf seinen Befehl wurde von der Mauer und dem Thorhause herab auf die Gesandten der Bauern gefeuert. Einer derselben stürzte schwer verwundet nieder, raffte sich aber blutend auf und lief mit dem Anderen, was sie konnten, dem Schemelsberg zu. Dietrich von Weiler freute sich des Laufens – er glaubte aus der Bewegung auf dem Berge schließen zu dürfen, daß eine solche Energie den Bauern imponirt habe. „Lieben Freunde! rief er, sie kommen nicht; sie wollten uns nur also schröcken und meinen, wir hätten vom Hasen das Herz.“

Anders dachte der mit dem Grafen herbeigekommene Bürgermeister Pretzel. Er äußerte dem Grafen die Besorgniß, daß es den Bauern, wenn sie, was jetzt wahrscheinlich seie, mit aller Macht heranrücken, eben doch gelingen möchte, durch die Thore einzudringen. Man solle das untere Thor verterrassen und dazu aus dem nahen Spital Fässer und Mist schnell herbeischaffen. Aber der Graf meinte: dadurch würde den pfälzischen Reitern unter dem Marschall von Habern, die er stündlich erwarte, der Weg versperrt; weßhalb er es nicht zugab. Auch er glaubte nicht an den Ernst der Bauern *)[19].

Während der Verhandlung, die sie von ihren Gesandten erwarteten, standen die Bauern in 3 Haufen ruhig, aber in Schlachtordnung; voran Florian Geyer mit der schwarzen Schaar; hinter ihm ein zweiter Haufen –; die größere Zahl hielt noch gegen Erlenbach und Binswangen hin. Die Schüsse von der Mauer und dem Thorhaus, welche Einen der Gesandten blutig niederwarfen, waren das Signal.

Auf Einmal bewegte sich Florian Geyer mit der schwarzen Schaar gegen den Burgberg; der Haufen hinter ihm eilte vor die Stadt hinab; der noch gegen Erlenbach stehende große Haufen kam im Sturmschritt nach. Die schwarze Hofmännin, eine alte Hexe aus Böckingen, sprach den Zaubersegen über die Bauern, daß die feindlichen Büchsen ihnen nicht schaden.

Während das Schloß angerannt wurde, ergoßen sich die Haufen um die Stadt und der erste Angriff geschah auf das untere Thor, welchem sich die Bauern vom Siechenhaus her in einem Hohlweg mit Leitern und Büchsen genähert hatten.

Die Bürger in der Stadt hielten sich wohl mit dem Grafen **)[20]. Bürger und Reisige wetteiferten auf der Mauer. Vom Schloß, wie von den Mauern und Wehren der Stadt wurde ein lebhaftes Feuer aus den Schießlöchern unterhalten und ein heftiges Steinwerfen über die Mauern hinab, um die andringenden Bauernfähnlein abzuhalten. Doch wurden nur 3 Bauern von der Stadt aus erlegt, dagegen Viele mehr oder weniger verwundet, was die Wuth der Bauern noch mehr reizte. Sie schwuren den Weinsbergern Mord und Brand zu. Es war Jäcklein, der hier stürmte.

Da gewahrte man plötzlich von der Stadt aus 2 Fahnen auf dem Schloß aufgesteckt. Es waren – Bauernfahnen ***)[21], es waren die Siegeszeichen Florian Geyers und seiner schwarzen Schaar. Diese, meist Bauern der Rothenburger Landwehr, eingelernte Kriegsmänner, die schon mehr dabei gewesen, wo es galt, Mauern zu stürmen und zu brechen, waren mit denen vom Weinsberger Thal im Grünen vor das Schloß gezogen und hatten es in Kurzem erstiegen und erstürmt.

[108] Schon waren auch am dreifachen unteren Thore der Stadt die 2 äußeren Thore von den Bauern eingehauen. Das und der Fall des Schlosses schlug den Muth der Bürger nieder. Es waren ohnedieß nicht alle Bürger von Anfang an in der Vertheidigung so eifrig gewesen, sondern nur „die Ehrbarkeit“, nur die am unteren und oberen Thore. An der nördlichen Seite der Stadt, bei dem kleinen Thor an der Kirche, wo Dionysius Schmid von Schwabbach den Sturm anlief, wehrten sich die Bürger gar nicht. Hier arbeiteten die Freunde Jäcklins und Schmids, namentlich Adam Franz, Wendel Hofmann, Melchior Becker, Jörg Schneiderhänslein und Jörg Ry den Bauern in die Hände. Einer hieb innen am Pförtlein, Einer von außen, um es aufzuhauen.

Jetzt, bei der furchtbar anschwellenden Gefahr, als die Sturmblöcke und Balken, die Hämmer und Äxte schon am letzten, innersten Thore des Unterthores schmetterten, entsank auch den ehrbaren, den ergebensten Bürgern der Wille des Widerstandes. Es war umsonst, daß Dietrich von Weiler noch immer in der Stadt herumritt und die Bürger und Reisigen, die zum Theil schon die Wehren verließen, zu unausgesetzter Gegenwehr aufrief. Zugleich umringte den Grafen ein Haufen Weiber, welche schrieen und flehten, es doch nicht auf’s Äußerste kommen zu lassen, da ihnen bei längerer und doch nutzloser Gegenwehr mit Mord und Brand gedroht werde. Diese Drohung Jäckleins hatte furchtbaren Eindruck auf die Einwohner gemacht; und während die Ritter noch immer zum Widerstand riefen, beharrten die Bürger auf Übergabe „gegen Sicherheit für Leib und Leben“. Die Bürger entzweiten sich mit den Reitern und der gemeine Mann fing an, die Herren mit Gewalt von den Wehren und Mauern herabzuziehen. Dieß geschah namentlich gegen Hanns Dietrich von Westerstetten, der mit dem Hauptmann Heßlich und dem Amtsknecht von Bottwar die Mauer wieder erstiegen und gerade von dort einen Bauern erschossen hatte. Die Bürger drohten ihm mit dem Tode, wenn er nicht herabginge.

Der Graf sah nun selbst die Unmöglichkeit ein, sich zu halten. „Ihr habt euch wohl gehalten, ihr Weinsberger! und den Bauern genug gethan; das will ich euch vor Gott und der Welt bezeugen!“ rief der Helfensteiner und gab es zu, daß Einer der Bürger, der Schwabhannes, mit dem Hut auf einer Stange den Bauern über eine Zinne des Unterthors hinaus Friede zurief und das Anerbieten machte, ihnen, wenn sie Alles am Leben ließen, die Stadt zu übergeben. Auch der Priester Franz und noch Mehrere schrieen: Friede! Friede! zu den Bauern hinaus. Diese aber schoßen dem Schwabhannes den Hut von der Stange herab und riefen hinauf: die Bürger sollen beim Leben bleiben; die Reiter aber müssen Alle sterben. Graf Helfenstein stand daneben, als Schwabhannes wenigstens um eine Ausnahme für den Grafen bat und mußte mit eigenen Ohren die Antwort hören: daß er sterben müsse, wenn er auch von Gold wäre.

Jetzt faßte der Graf, dem es zu grauen anfing, den Entschluß zur Flucht. Er wollte noch einmal die Bürger zu kurzem Widerstand aufmahnen, um während desselben zum oberen Thore auszubrechen. Er theilte diesen Entschluß etlichen Bürgern, die ihm vertraut waren, mit und bat sie, ihm und seinen Reitern zum Thore hinauszuhelfen. Aber auch hier fanden sie die Wehren und das Thorhaus meist von den Bürgern schon verlassen. Nur wenn die Bürger ihn von der Mauer aus kräftig unterstützten, war es möglich, sich zum Thore hinaus durchzuschlagen; denn bereits war auch das obere Thor von den Bauern angerannt. „Wo sind meine frommen Bürger?“ rief der Graf verzweifelnd. Aber sein Ruf [109] wurde übertäubt durch das Jammergeschrei der Weiber, die zu Eröffnung des Thores bereits die Schlüssel in den Händen hatten und von dem Geschrei der Bürger, welche die Besatzung nicht entfliehen lassen wollten. Als sie die Ritter und Reisigen sich auf ihre, auf dem Markt bereit stehenden Pferde schwingen sahen, schrieen sie, die es nicht mit den Bauern hielten, in der Angst vor den Stürmenden den Rittern zu: „wollt ihr uns allein in der Brühe stecken lassen?“ Andere schrieen unter Verwünschungen: „durch sie seie die Stadt in’s Unglück gekommen; zum Entfliehen sei es jetzt keine Zeit.“

Die Uhr war wirklich auch abgelaufen; von 4 Seiten zumal ergoß sich der Strom der Bauern in die Stadt. Zuerst sprang das Pförtlein bei der Kirche auf; hier stürzte im Gedräng Dionysius Schmid und ein Schwarm, der vom Schloß herab kam, in die Stadt herein. Auf einer anderen Seite, beim Spital, half ein Spitalpfründner, Hans Mösling, „ein einfältiger Mensch,“ einem Bauern über die Stadtmauer herein und diesem stiegen die Anderen nach. Mit wüthendem Mordgeschrei wälzte sich die Hauptmasse der Bauern durch das von ihnen vollends eingehauene untere Stadtthor gerade in dem Augenblicke, als sich die Reisigen auf ihre Rosse geschwungen hatten. Man hörte das Geschrei an die Bürger: „geht in eure Häuser mit Weib und Kind, so soll Euch Nichts widerfahren!“

Die Bürger flohen in ihre Wohnungen und schloßen Thüren und Läden. Jäckleins Haufe aber schrie nach dem Grafen und den Rittern, man müsse sie durch die Spieße jagen.

Während dessen drangen die Bauern auch vollends zum oberen Thore herein. Es bleibt nach den Zeugenaussagen ungewiß, ob sie es selbst sprengten, oder ob die Bürger es ihnen öffneten.

Alle Ritter und Reisige suchten die höher gelegene Kirche und den Kirchhof zu erreichen, um sich hier noch ihres Lebens zu wehren, oder sich im Inneren der Kirche zu retten. Auch der Graf flüchtete sich dahin. Ein Priester zeigte ihm und mehreren Rittern eine Schneckenstiege in der Kirche, durch die sie auf den Kirchthurm kommen und sich vielleicht dort noch vor ihren Feinden retten möchten. Etwa 18 Ritter und Knechte flüchteten sich durch diese Schneckenstiege auf den Thurm.

Die Blutdürstigsten unter den Bauern waren die Böckinger (unter Jäcklein), die vom Weinsberger Thal und einige aus der Stadt, wovon 5 schon in Lichtenstern zu den Bauern gefallen, 3 derselben mit nach Weinsberg gekommen und bei Erstürmung der Stadt und des Schlosses thätig gewesen waren. Auf dem Schlosse hatte Einer von Öhringen 5 Reiter niedergestoßen. Clemens Pfeiffer von Weinsberg, der vom Schloß herabgekommen war, rief: „ich habe den Burgpfaffen Wolf erstochen; hätte ich den Claus Müller von Weinsberg, ich wollte ihn gleich erstechen.“

Auf dem Kirchhof wurden Sebastian von Ow, Eberhard Sturmfeder und Rudolph von Eltershofen ereilt; sie fielen sogleich unter den Streichen und Stößen der Bauern. Wen diese mit Waffen auf dem Platz fanden, der ward erstochen oder erschlagen. Selbst aus den Bürgern kamen während des Sturms und jetzt im Gedränge des ersten Hereinbruchs 18 um; in die 40 wurden verwundet. Die verschlossene Kirchthüre wurde aufgesprengt; alle Reisigen, die sich im Schiff der Kirche versteckt hatten, wurden erstochen. Einige hatten sich in die Gruft verborgen; die Bauern erbrachen die Gruft und erschlugen die Aufgefundenen. Nun entdeckten sie auch die Schneckenstiege. Ein wildes Freudengeschrei erscholl: „hier haben wir das ganze Nest beisammen; schlaget sie Alle todt!“ Alle wollten sich zugleich [110] hinaufdrängen. Es konnte aber hin und her nur Einer um den Andern durchkommen und dadurch, daß sie in einem auf der Treppe erstochenen Reiter das Schwert stecken ließen, wurde der Zugang auf kurze Zeit von ihnen selbst gesperrt.

Jetzt gab Dietrich von Weiler alle Hoffnung auf. Er trat auf den Kranz des Thurmes und rief hinab auf den Kirchhof: sie wollen sich gefangen geben und 30,000 fl. zahlen, wenn man sie am Leben lasse. „Und wenn ihr uns, riefen die Bauern hinauf, auch eine Tonne Goldes geben wolltet, der Graf und alle Reiter müssen sterben.“ „Rache, Rache für das Blut unserer Brüder, für die 7000 bei Wurzach Gefallenen!“ schrieen Andere; und in demselben Augenblick sank Dietrich von Weiler rückwärts nieder. Ein Schuß von unten hatte ihn tödtlich in den Hals getroffen. Und schon stachen auch die Schwerter derjenigen Bauern nach ihm, die jetzt den Thurmschnecken herauf gekommen waren. Dann warfen sie den noch Röchelnden über den Kranz auf den Kirchhof hinab.

Auch andere Ritter theilten sein Loos; darunter der Forstmeister Leonhard Schmelz. Matthias Ritter stürzte ihn und 2 Andere vom Thurm herab. Beckerhanns von Böckingen trat unter gräßlichen Flüchen auf dem Leichnam des Forstmeisters herum. Der junge Dieterich von Weiler, des Erschlagenen Sohn, erkaufte von Beckerhanns sein Leben mit 8 Goldgulden; aber dieser schlug ihn dennoch, wie er sich wandte, von hinten mit der Büchse nieder.

Georg Mezler, der oberste Hauptmann der Bauern und Andreas Remy von Zimmern, ein anderer Anführer, ritten herbei und gaben den Befehl, keinen Ritter und Reisigen mehr zu tödten, sondern Alle gefangen zu nehmen. So wurde Graf Helfenstein mit den Anderen vom Thurme herab geführt. Im Durchführen über den Kirchhof stieß ihn ein Bauer mit der Hellebarde in die rechte Seite; auch Georg von Kaltenthal wurde am Kopf verwundet. Die Gefangenen waren mit Stricken gebunden und wurden in die festen Mauern- und Thorthürme gelegt, Helfenstein wahrscheinlich in den Thurm an unteren Thore, nahe dem nachmaligen Mordplatze. Alles, Sturm, Eroberung, Gefangenschaft, war das Werk einer Stunde. Um 10 Uhr Morgens war Alles vorüber.

Da mehr gesattelte Pferde erbeutet wurden, als den Bauern Reiter in die Hände gefallen waren, so schloßen sie nicht unrichtig daraus, daß noch manche Reisige sich in bürgerlichen Häusern versteckt haben möchten. Unter Trommelschlag wurde sogleich bekannt gemacht, daß jeder Bürger sich in sein Haus begeben und bei Leib- und Lebensstrafe die in den Häusern und Scheuern versteckt liegende Reisigen ausliefern sollte. Nur Wenigen gelang es, durch die Gutmüthigkeit ihrer Hauswirthe zu entkommen. Einer verbarg sich im Backofen und entrann darauf in Weiberkleidung. Ein junger Knecht Dietrichs von Weiler, Marx Hengstein, wurde von einigen Weibern im Heu versteckt und entkam wie der Vorige. Jörg Mezler von Ingelfingen, ein Fähndrich der Bauern, rettete einen Dritten, ihm Befreundeten, indem er ihn für einen Koch ausgab.

Jetzt wollten die Bauern plündern. Da sie die Stadt mit Leib- und Lebensgefahr haben erobern müssen, behaupteten Viele, so gehöre ihnen nun auch Grund und Boden von Weinsberg zu. Nicht ohne großes Murren des Haufens brachten es endlich die Hauptleute dahin, daß nur die Häuser der Geistlichen, des Kellers (Binder), des Schultheißen (Schnabel), des Stadtschreibers (Rößlin) und des Bürgermeisters (Prezel), die sich besonders thätig an die Ritter angeschlossen hatten, der Plünderung preisgegeben, die übrigen Bürgerhäuser verschont wurden. Für die [111] Verschonung wurde den Bürgern zur Bedingung gemacht, die vielen Verwundeten sorglich zu pflegen und die Bauern mit Wein und Lebensmitteln zu versehen, so lange sie in Weinsberg lägen.

Auch in der Kirche und Sacristei wurden alle Truchen erbrochen, das Allmosen, die Monstranz, die Kirchengefässe genommen. Die Bauern waren mit ihren Gedanken so sehr nur beim Plündern, daß Wolfgang Schäfer, der Schulmeister, ihnen unter dem Geschäft 2 Altarkelche wieder heimlich wegnehmen konnte. In der Stadt plünderten sie jedoch selbst in den preisgegebenen Häusern mit Rücksicht. Als sie ein Trüchlein mit Geld in einer Kammer fanden und Schäfer, der Schulmeister, sagte: es gehöre armen Kindern zu Weinsberg, ließen sie es geschehen, daß er es davon brachte.

Im Schlosse fanden sie die reichste Beute. Der Eine trug einen Becher davon, ein schönes Silbergefäß, das dem Grafen gehörte; der Andere seidene Decken und seidene Gewande, Zinngeräth und Leinwand. Dionysius Schmid erbeutete allein bei 60 Gulden; Koberer so viel, daß er sagte: Lucas schriebe nicht davon. Es war ein solches Reißen und Zerren um die Kostbarkeiten, daß sie oft das Beste übersahen. So lag ein Futteral am Boden; es sah aus wie ein Löffelfutteral. Einer und der Andere hob es auf und warf es wieder weg. Zuletzt nahm es Einer und öffnete es; „da stack es voller Ring und Ding“. Dionysius Schmid allein verkaufte um 50 fl. Ringe und Kleinodien an einen Nürnberger Goldschmid, sein Bruder Caspar um 15 fl. Der reiche Weinvorrath des Schloßkellers wurde in’s Lager geschafft. Beutemeister war Hanns Wittich von Ingelfingen; er vertheilte Früchte und Wein.

So verging der Mittag und Abend mit Plündern, Beutevertheilen, mit Wohlsein im Essen und Trinken und dabei ging das alte Welfenschloß in Flammen auf.

Seitdem liegt es in Trümmern (s. unten Jahr 1553 und 1769).

Wo war indessen Florian Geyer?

In der eroberten Stadt finden wir ihn nicht, auch nicht bei der folgenden Blutthat. Er hatte im Bauernrathe den Grundsatz aufgestellt: man solle alle fester Häuser ausbrennen und ein Edelmann nicht mehr denn Eine Thüre haben wie ein Bauer. Die Anderen hatten gerade zuvor den Satz angenommen, daß alle Klöster abgethan, die Mönche hacken und reuten müssen, wie die Bauern. Florian meinte, wenn das Volk frei werden sollte, müsse der Adel wie die Pfaffen den Bauern gleich gemacht werden, daß nur Ein Stand wäre auf deutschem Boden, der Stand der Gemeinfreien. Darum drang er auf Zerstörung aller Herrensitze, der weltlichen wie der geistlichen. Demzufolge hielt er sich wohl in der von ihm eroberten Burg mit deren Zerstörung auf. Anderer Ansicht war Wendel Hipler, welcher besonders auf den Oberhauptmann Jörg Mezler Einfluß übte. Dieser wollte den Adel in das Interesse der Bauern ziehen, ihn für die bei der Befreiung des Volkes zu verlierende Rechte aus den säcularisirten geistlichen Gütern entschädigen und in den Bund mit den Bauern eintreten lassen. – (S. die unten folgende Ostermontagsberathung.) – Tief im Grunde seiner Seele wälzte Jäcklein Rohrbach andere Gedanken. Er war der Mittelpunkt der Schreckensmänner im Bauernheere. Rache war ihre Losung; „dem Adel ein sonderbar Entsetzen und eine Furcht einzujagen“ ihr nächstes Trachten *)[22].

Auf seinen Antrieb wurden schon ½ Stunde nach der Erstürmung [112] Weinsbergs *)[23], während der größte Theil des Heeres plünderte, oder in den Wirthshäusern „zum Stärlen, zum Rößlen“ etc. zechte, in der Mühle beschlossen, die Gefangenen alle zu erstechen.

Jäcklein war es, der die Gefangenen sogleich herausführte auf eine Wiese beim Unterthor. Es waren Graf Ludwig v. Helfenstein, Obervogt zu Weinsberg; Hans Konrad Schenk zu Winterstetten, Vogt zu Vaihingen und Maulbronn; Burkhard von Ehingen, Sohn des tapfern Rudolphs v. Ehingen; Konrad von Ehingen, deßgl.; Friedrich und Jörg Wolf von Neuhausen; Hans Dietrich von Westerstetten, Burgvogt zu Hohen-Neuffen; Philipp von Bernhausen, Sohn des Vogts zu Göppingen, Jacob v. B.; Hans Konrad Spät von Höpfigheim; Bleickhard von Riexingen und Weiprecht v. Riexingen; Rudolph von Hirnheim; Wolf Rauch von Winnenden und Helfenberg; Jörg von Kaltenthal, der Jüngere **)[24].

Auch mehrere Knechte wurden mit ihnen herausgeführt, junge Reitersknaben – mit Stricken gebunden. Man führte sie in einen Ring, um ihr Urtheil zu hören.

Es war eine alte Strafe, durch die Spieße zu jagen; eine Strafe jedoch, die nur wider diejenige angewendet wurde, welche wider Ehre gehandelt hatten und welche auch dann nur bei Knechten im Brauche war. Diese Todesart wurde den Gefangenen angekündigt, „dem Adel zu Schand und Spott, als ob sie wider Ehre gehandelt hätten“ ***)[25].

Da kam die Gräfin von Helfenstein, welche gefangen von der Burg herabgeführt worden war. Sie trug ihr zweijähriges Söhnlein Maximilian auf den Armen; ihr Frauenzimmer folgte ihr. Sie warf sich vor Jäcklein und den Anderen auf die Kniee, hielt ihnen ihr Kind entgegen und bat flehentlich, dem Kleinen den Vater, ihr den Gatten zu lassen. Aber alle Macht ihrer Thränen, ihrer Schönheit, ihres Unglücks rührte die Harten nicht. Jahrelange unmenschliche Behandlung hatte Viele zu Unmenschen gemacht. Sie stießen die jammernd zu ihren Füßen liegende Kaiserstochter zurück und Einer stach mit seinem Spieß „das kleine Herrlein“ auf ihrem Arm auf die Brust. Helfenstein selbst bot für sein Leben allein eine Lösungssumme von 30,000 fl. „Und gäbst du uns 2 Tonnen Golds, antworteten sie, so müßtest du doch sterben“. Die Rache lechzte nach Blut.

Auf Jäckleins Befehl bildete sich von Bauern eine Gasse, welche Hans Winter aus dem Odenwalde commandirte. Wilmerhans von Neckargartach schlug die Trommel, wie es bei Hinrichtungen der Art alter Brauch war. Die Bauern in der Gasse streckten ihre Spieße vor und der Erste, der unter Trommelschall in die Gasse gejagt [113] wurde, in die Spieße der Bauern, war Hans, ein Knecht des Konrad Schenk von Winterstetten. Er wurde sogleich niedergestochen. Der Zweite, an den die Reihe kam, war sein Herr.

Der Dritte, der zum Eintritt in die Gasse commandirt wurde, war Graf Ludwig von Helfenstein. Jakob Leutz, ein zu Rom geweihter Priester, bei dem Ausbruch des Aufstandes Pfarrverweser zu Winzenhofen, jetzt Feldschreiber der Bauern, hörte ihn beichten und empfing von ihm seinen Rosenkranz, den er fortan selbst am Arme trug *)[26]. Urban Metzger von Waldbach und Claus Schmids Sohn von Rappach führten den Grafen in ihrer Mitte heraus an die Gasse. Es sollte ihm doppelt bitter werden. Melchior Nonnenmacher, ein Pfeifer von Ilsfeld, der die Zinke blies, war früher in seiner Gunst gestanden und mehrtheils zur Tafelmusik bei ihm zu Tisch gesessen **)[27]. Diesen aus seinem Dienst entlassenen Nonnenmacher sah der Graf jetzt vor sich auf seinem letzten Gang. Der trat vor ihn, wie sie ihn daher führten, nahm ihm Hut und Feder vom Kopf mit den Worten: „das hast Du nun lange genug gehabt; ich will auch einmal ein Graf sein,“ und setzte ihn sich selbst auf. Und weiter sagte er: „habe ich Dir lange genug zu Tanz und Tafel gepfiffen, so will ich Dir jetzt erst den rechten Tanz pfeifen.“ Damit schritt er vor ihm her und blies lustig die Zinke bis an die Gasse. Urban Mezger von Waldbach stieß ihn gegen die Spieße. Beim dritten Schritte schon stürzte der Graf unter vielen auf ihn hineinstechenden Spießen zu Boden.

Ihm folgte sein Knappe Pleyberger und sein Hausnarr ***)[28]; dann nach einander kamen die Ritter daran, und wie Einer in die Gasse trat, hörte man Zurufe wie: „Du bist mir über den Saamen geritten; Du hast mir das Schwerdt über den Kopf geschlagen; Du hast mir dieß und das gethan.“ Die jungen Reiterknaben wurden mit Spießen in die Höhe gehoben und so ermordet.

Noch der Leichnam des gefallenen Grafen wurde verhöhnt und mißhandelt. Melchior Nonnenmacher nahm das Schmalz von ihm und schmierte seinen Spieß damit †)[29]. Die schwarze Hofmännin stach mit ihrem Messer in seinen Bauch und schmierte sich mit dem herauslaufenden Fette die Schuhe. Man sah Einen, der Haut und Haar eines Ermordeten auf einem Spieß herumtrug.

Andreas Remy von Zimmern steckte die Helmfedern des Grafen auf seinen Hut; Jäcklein Rohrbach legte den Koller und die damastene Schauppen des Grafen sich selbst an, trat damit vor die unglückliche Gräfin und sprach: „Frau, wie gefall’ ich Euch jetzt, in der damastenen Schauppe?“ Die Gräfin vergieng vor Schrecken und Betrübniß, als sie den Mörder ihres trauten Herrn in dessen Waffenkleidung vor sich sah ††)[30]. Den Panzer legte Jäcklein wieder ab und schenkte ihn an Hans Seckler von Neuenstein. Rohe raubgierige Hände nahmen der Gräfin ihr Geschmeide und ihre Kleider und zerfetzten ihr noch den Rock, den sie am Leibe hatte. Hierauf setzte man sie auf einen Mistwagen mit ihrem Kind und ihrem Frauenzimmer und schickte sie nach Heilbronn. Spottend riefen sie zu ihr hinauf: „in einem goldenen Wagen bist Du nach Weinsberg eingefahren; in einem Mistwagen fährst Du hinaus“. Sie aber dachte der eben verflossenen Leidenswoche des Herrn und sprach: „ich habe viele Sünden. Christus mein Herr ist auch am Palmtag unter dem Jubel des Volks [114] eingezogen und bald darauf hat er Spott und Kreuz leiden müssen, nicht um seiner, sondern um Anderer Sünden willen; der tröste mich!“ So fuhr die edle Dulderin von dannen, ihr verwundetes Kind in den Armen, das noch in späteren Jahren die Narbe behielt; und sie that ein Gelübde, wenn Gott diesem ihrem Sohne aufhelfe, so wolle sie ihn Gott opfern und er müsse geistlich werden *)[31].

In jungen Jahren Wittwe von 2 geliebten Männern, begab sie sich nach Lüttich, wo ihr Bruder Georg von Östreich Bischof war und starb dort nach 12 Jahren; ihr Sohn trat, wie sie gelobt hatte, in den geistlichen Stand.

Die Mittagssonne des Osterfestes (des 16. April) beleuchtete die Vollendung des blutigen Drama’s **)[32]. Jäcklein und seine nächste Umgebung führten die grause Scene für sich auf; der Hauptmann Mezler (s. oben) war nicht dabei, wohl aber Remy von Zimmern (s. oben); nur eine kleinere Zahl der Bauern hatte Theil daran. Neun Zehntheile des Bauernheeres erfuhren erst, als Alles längst vorüber war, etwas von der Blutrache, welche Jäcklein und Andere mit ihm an den Rittern genommen hatten ***)[33].

Die Hauptleute und Räthe hielten hierauf am Ostermontage eine Sitzung. Was darin verhandelt, wie Jäckleins That von Allen aufgenommen wurde, darüber ist Nichts überliefert. Nur Eines ist Thatsache: von diesem Augenblicke an wird Florian Geyers Name nicht mehr im Bauernrathe genannt und er trennt sich mit seiner schwarzen Schaar von dem Hellen Haufen.

Das war die eine und wohl die schlimmste Frucht, die aus der Blutsaat Jäckleins aufging. Denn mit Florian verlor der Helle Haufen seine militärische Intelligenz, mit seiner schwarzen Schaar seine besten Kriegsleute.

Auch darüber beriethen sich die Hauptleute und Räthe in dieser Sitzung: ob sie Götz von Berlichingen zu einem obersten Hauptmann annehmen wollten? „weil – nach der Urgicht des Dion. Schmid – Götz mit ihnen zu Schönthal geredet: „er vermöge die Edelleute zu ihnen zu bringen.“ Es scheint, daß die Mißbilligung gegen Jäckleins Blutthat die Oberhand behielt und daß sie eilen wollten, zwischen ihrer Sache und der des Adels einen Anknüpfungspunkt zu suchen. Merkwürdig ist, daß auch Jäcklein sich gleich darauf von den Odenwäldern trennt und nach einer entgegengesetzten Seite sich wendet.

Der churpfälzische Marschall von Habern, welcher dem Grafen von Helfenstein auf dessen schriftliches Ersuchen von Mosbach her mit 20 Reitern zu Hülfe zog, kam [115] mit denselben bis auf den Schemelsberg, sah aber von diesem herab, daß er zu spät kam und die Stadt bereits in den Händen der Bauern war. Auf seinem Rückzug nach Mosbach stieß er auf einen Trupp von 60 Bauern, die mit einem Kriegswagen dem Lager zuzogen. Er verrannte ihnen den Weg, fiel mit seinen Reisigen in sie und erstach die Meisten, während er nur etliche Pferde verlor. Der Helle Haufen aber drohte, als er’s hörte, auf den Namen des Marschalls anspielend: „wir wollen den Haber ausdreschen, und sollte darüber das Heidelberger Schloß zu Grunde gehen.“

Wo die Gebeine der Ermordeten begraben wurden, ist nicht zu erheben.

Noch am Ostermontag sah Flux von Heilbronn, der den Bauern Brod hinausführte, mit Entsetzen die Leichname der Erschlagenen am Wege liegen. Z. III. 480.

Von Weinsberg aus zog der Helle Haufen am Osterdienstag (18. April) unter Georg Mezler, Jäcklein u. A. – mit Zurücklassung einer Besatzung unter Wagenhanns von Lehren als Hauptmann *)[34] vor die freie Reichsstadt Heilbronn, um sich von dort aus nach Franken zurückzuwenden.

Schon zu Anfang des Monats Mai zog das Rachegewitter in der Person des Georg Truchseß von Waldburg, Oberfeldherrn des schwäbischen Bundes – gewöhnlich auch der Bauernjörg genannt – das Württemberger Land herab. Es ereilte zuerst nach der blutigen, unglücklichen Schlacht bei Sindelfingen (12. Mai) den zu Sindelfingen in einem Taubenschlag versteckt gefundenen Melchior Nonnenmacher, den Pfeifer von Ilsfeld, welcher bei der Weinsberger Blutthat den Grafen von Helfenstein mit der Zinke bis vor die Gasse begleitet hatte. Der Truchseß, der ihn wohl kannte, ließ ihn im Lager unweit Maichingen mit einer eisernen Kette an einen Apfelbaum binden, so daß er 2 Schritte weit um denselben laufen konnte, befahl gut Holz herbei zu bringen und dasselbe 1½ Klafter vom Baum herumzulegen. Er selbst, Graf Ulrich von Helfenstein, Graf Friedrich von Fürstenberg, Herr Frowen von Hutten, Dietrich Spät und die anderen Ritter trugen Jeder ein großes Scheit herzu **)[35]; dann wurde es angezündet. Es war Nacht; weithin über’s Feld zerstreut standen und lagen verlassene Wagen und Karren, Geschütze, Zelte, Waffen; zwischen hinein lagen die Todten still, röchelten die Sterbenden und Verwundeten. Im weiten Lager lärmte das Zechgelag der Sieger. Um den gefesselten Pfeiffer im Ring frohlockten die Edlen und der Holzstoß schlug in Flammen auf, in dessen Feuerkreis der Unglückliche, den Herren zum Gelächter, immer schneller und schneller umlief, „fein langsam gebraten“. Lange lebte er, schwitzend und brüllend vor Qualen. Bilder des Entsetzens, weiß wie Stein, standen die andern Gefangenen umher. Endlich schwieg er und sank zusammen.

Das zweite Opfer war noch unterwegs der aus der Schlacht von Sindelfingen entronnene, bei Hohenasberg vom dortigen Vogt gefangene und dem Truchseß bei seinem Vorüberzug ausgelieferte Jäcklein Rohrbach. Auch er wurde, wie der Pfeifer, im Lager zwischen Neckargartach und Fürfeld am 20. Mai an eine Felbe mit eiserner Kette gebunden und mit Feuer umlegt, daß auch er langsam bratend den gräßlichen Todtentanz in dem Feuerkreis um den Baum tanzen mußte unter Trommeln und Pfeifenschall. Kinder auf den Achseln der Kriegsknechte sahen zu [116] und umher standen die Edeln, bis er, nicht mehr er selbst, keine Gestalt mehr, zusammensank *)[36].

Wendel Hipler, welcher damals in Heilbronn lag, war auf die Kunde von der Niederlage bei Sindelfingen nach Weinsberg geeilt, wo er ein Feldlager zum Sammelplatz für die Trümmer des württembergischen Haufens errichten wollte. Er selbst eilte von da nach Würzburg, um die dortigen Brüder zur Hülfe herbeizurufen **)[37].

Aber die kaum 2000 Mann starke Schaar, welche er auf dem Schemelsberg und in Weinsberg zurückgelassen, hatte sich vor dem großen Bundesheer eiligst nach Franken zu zurückgezogen, oder sich in die Wälder verlaufen. Hunderte von Familien aus Weinsberg oder dem Weinsberger Thal waren, auf die Kunde vom Anzug der Bündischen von Stuttgart her, meist nach Heilbronn, theils nach anderen Orten mit Allem, was sie flüchten konnten, geflohen.

Am Tag nach Jäckleins Feuertod – den 21. Mai – Sonntag vor Himmelfahrt – nach Thomann und Holzwart – befahl der Truchseß dem Trautskircher, einem baierischen Edelmann, während vom Lager aus gegen 4–5000 Mann zu Roß, und zu Fuß in’s Weinsberger Thal zogen, die Stadt Weinsberg mit allem Gut darin zu verbrennen und die Weiber und Kinder, die noch darin wären, mit Gewalt herauszuschleppen.

Der Trautskircher erschien vor der Stadt. Er fand Nichts als Weiber, Kinder und Greise darin. Diese ließ er verwarnen, herauszugehen; auch das Sacrament ließ er heraustragen. Einen alten Mann, der nicht heraus wollte und 2 Kindbetterinnen schleppten die Knechte mit Gewalt heraus. Dann wurde das Städtchen an 3 Enden angezündet „und sind da etliche Weiber verbrannt, die auf die Warnung nicht haben von ihrem Gut gehen wollen“ ***)[38]. Vom Vieh und allem Geräth durfte weder ein Kriegsknecht, noch Eines der Ausgetriebenen das Geringste nehmen. „Und wenn sie voller Nobel gewesen wäre, die Stadt und alles Gut darin war zum Feuer verurtheilt.“ †)[39]. Fürchterlich war das Gebrüll des verbrennenden Viehs und das Geheul der unschuldigen Alten, der Weiber und Kinder, die ihre Wiegen und ihre letzte Habe vor ihren Augen verbrennen sehen mußten. Weithin hörte man es und in der Ferne leuchteten 5 umliegende brennende Dörfer: Erlenbach, Binswangen, Gellmersbach, Sülzbach, Ellhofen – welche wie andere im Thal und wie Weinsberg vom Boden weggebrannt wurden. Der Himmel über dem Weinsberger Thal war in jener gräßlichen Nacht Ein Feuermeer. Zehn Häuslein waren nach dem Erlöschen der Flammen von der unglücklichen Stadt allein noch unverbrannt zu sehen. Auch die schöne alte Kirche ward ausgebrannt ††)[40] und das ältere Archiv der Stadt ging in den Flammen zu Grunde.

Die Brandstätte, so lautete der Spruch der östreichischen Regentschaft, sollte dem Adel zur Genugthuung auf ewige Zeiten wüste liegen und die Stadt nie wieder [117] aufgebaut, und alle Freiheiten und Nutzungen auf den Gütern derer zu Weinsberg dem Kammergute überantwortet werden.

Von den 4 Heilbronner Dörfern, welche Theil an dem Aufstand genommen, verlangte Ferdinand, östreichischer Regent von Württemberg, Schadenersatz wegen Verbrennung des Schlosses Weinsberg, Plünderung der Kästen, Keller u. s. w. an Geld 500 fl. und hilfreiche Hand zu Abbrechung der Mauern und Gräben von Weinsberg, sowie zu Wiederaufbauung des Schlosses. 10. Sept. 1526. Nach langen Vergleichsverhandlungen bequemten sich die 4 Dörfer zu 6 in Weinsberg Frohndienst leistenden Bauern und zu Bezahlung von 200 fl. an das Kloster Lichtenstern, 110 fl. an Maulbronn und 500 fl. an die Regierung Stuttgart (Jäger, Heilbronn II. p. 51.).

Mit Verzweiflung ringend lagen die zurückkehrenden Einwohner nun in Wäldern und Feldern.

Vergebens flehten sie lange Zeit die östreichische Regentschaft an, sie doch nicht ungehört so schwer zu verdammen, sondern mit Ruhe untersuchen zu lassen, ob und wie sie schuldig seien. „Es könnten Königl. Majestät – so lauten die Worte einer alten Eingabe – Gott wohl unsere Unschuld erfahren und wo das nicht genugsam, kann Christoph von Hasperg, unser Oberamtmann, der gleich nach Vollendung der bäurischen Unruh auf das Ampt kommen, aus den viel gefangenen Personen erkundigen, wie, was und welcher Gestalt wir uns gehalten, ob wir schuldig oder nit seyen. Bitten um Gottes Barmherzigkeit willen, uns nicht ununtersucht also zu verdammen.“

Endlich kamen 2 Commissarien, Eberhard von Karpfen und der Licentiat Königsbach. *)[41]

„Darauf denn auch 14 der obersten und fürnehmsten unserer Mitbürger gefänglich eingenommen, peinlich gefragt und hart gemartert wurden, aber nit anders, denn unschuldig befunden,“ erzählen sie in einer späteren Eingabe an Herzog Ulrich. „Auch zu Neuenstadt, Marbach und Schorndorf hat man Mitbürger von uns mit harter Tortur erfragt; aber Nichts wurde gegen Uns erfunden. Demnach auch diese endlich, ohne alle Angabe zu machen, theils mit gebrochenen Leibern ledig gelassen wurden.

Auch durch das gegen die Heilbronner Untergebenen, welche der Weinsberger Mordgeschichte beigewohnt, vorgenommene Zeugenverhör-Protokoll **)[42] wurde zwar als unläugbar erhoben, daß zwar 5 Bürger von Weinsberg einige Tage zuvor den Bauern in das Kloster zu Lichtenstern zugeloffen und 3 derselben mit ihnen nach Weinsberg gekommen und beim Stürmen derselben mit Hand angelegt; auch daß der „einfältige“ Spitalpfründner, Hans Möslin, einem Bauern beim Spital über die Mauer hereingeholfen. Aber es wurde auch allgemein bestättiget, daß jene elende Überläufer, die mit den Bauern abgezogen und sich indessen flüchtig gemacht hatten, von jeher in schlechtem Rufe gestanden. Daß während des Stürmens auf die Reisigen geschossen und mit Steinen geworfen worden, war nicht zu erweisen. Dagegen wurde von allen Zeugen versichert, daß an Ermordung der Ritter und Reisigen kein Weinsberger Bürger Theil genommen, vielmehr bestättiget, daß sich die Bürgerschaft [118] bei den Anordnungen des Grafen durchaus bereitwillig gezeigt, die Obrigkeit auch bei den Vertheidigungsanstalten den größten Eifer bewiesen und der Graf selbst während des Stürmens seine Zufriedenheit bezeugt habe. Nur den obenberührten Zuruf des Grafen, auf welchen sich die Weinsberger zu ihrer Entschuldigung beriefen, wollte Keiner der Zeugen selbst gehört haben. Übrigens meldeten sämmtliche Zeugen, daß die Bürgerschaft, so bereitwillig sie sich auch vor dem Anmarsch der Bauern gezeigt, bei der großen Überlegenheit des Feindes und der nutzlosen Gegenwehr durch die Drohung der Bauern ganz entmuthigt worden seie und man die Ritter und Reisigen deßwegen nicht mehr zum oberen Thor hinausgelassen habe, weil sich die Bürger nur um so mehr der größten Wuth der Bauern ausgesetzt haben würden.

In einer anderen Eingabe sagen die unglücklichen Weinsberger: „wir könnten mit Gott und dem Grafen seeliger beweisen, daß wir zu der jämmerlichen Handlung, so sie an dem Grafen und denen vom Adel begangen, weder Rath noch Hülfe gethan und uns als fromme Biederleute gehalten. Wie auch gemeldt unser gnädiger Graf noch zuletzt beim Friedesschreien zu uns gesagt: wir hätten uns wohl gehalten und den Bauern genug gethan etc. Doch wollen wir hievon ausgeschlossen haben etlich bös unartig Buben, deren unseres Wissens über 8 nicht sind, die unbedacht vor dem Sturm zu den Bauern gefallen. Aber nichts destoweniger sind wir arme Unschuldige leider mit den Schuldigen verbrannt und verderbt; also daß unsere arme Weiber und kleine Kinder wie das Vieh jämmerlich unter freiem Himmel liegen, weder Scheuern noch Häuser haben und wir auch nicht die edeln Früchte, die der Allmächtige auf dem Felde uns verliehen hat, unterbringen und beheimsen können.“ *)[43]

Aber das harte Urtheil gegen die Stadt Weinsberg, daß sie auf ewig vertilgt bleiben solle, war nun einmal gefällt und selbst nach dem obgedachten Zeugenverhöre, wodurch man den Erzherzog auf mildere Gesinnungen zu bringen hoffte, blieb noch mehrere Monate alles Flehen und Bitten, sich auf dem verheerten Brandplatz wieder ansiedeln und neue Wohnungen erbauen zu dürfen, völlig fruchtlos, bis ihnen endlich unterm 17. Nov. 1525, aber unter den schwersten Bedingungen, gegen eine von ihnen ausgestellte Urphede oder Verschreibung gestattet wurde, auf der verwüsteten Stätte sich wenigstens wieder ein Dorf Weinsberg erbauen zu dürfen. Die von den Städten Stuttgart und Tübingen urkundlich gesiegelte, auf Pergament ausgefertigte Original-Verschreibung und Urphede der Weinsberger vom 17. Nov. (im Stuttg. Archiv) enthält die harten Bedingungen, denen sich dieselbe für die erhaltene Erlaubniß unterziehen **)[44].

Alle jährlichen Gefälle und sonstiges Einkommen, so bisher der Stadt Weinsberg und in derselbigen gemeinen Seckel gedient, sollte von nun an dem Regenten und dessen Kammer gereicht werden. Alle Bürger von Weinsberg sollten aller und jeder Ämter zu tragen und zu versehen untauglich sein, ausgenommen die unschuldig erfundenen Keller Binder, Stadtschultheiß Schnabel und Stadtschreiber Rößlin, so wie diejenige, welche zur Zeit der Unthat nicht allda wohnhaft gewesen, sondern erst nach derselben dahin zogen waren, oder noch ziehen werden. Alle Freiheiten und Stadtrechte, die sie vor dieser Zeit gehabt, sollen ihnen entzogen und genommen sein, also daß fürderhin Weinsberg ein Dorf seie, also geheissen und gehalten und nit anders verwart – dazu die Zwinger, Gräben, so bisher um die Stadt gegangen, [119] eingezogen, die Zwingelmauern niedergeworfen, auch die Porten, Thurm und Stadtmauer gegen den Porten gänzlich zerrissen und sonst in die rechte Stadtmauer an den Orten, wo die Häuser nit darauf gebaut, große Löcher gebrochen und in Ewigkeit nit mehr erbauet noch gemacht werden. Doch sollen zu dem obgemeldten Abbrechen die Einwohner des Amts Weinsberg mit Frohnfuhren und dergleichen Dienstbarkeit behelfen und solicher Sachen helfen zu vollziehen verbunden sein. Es soll auch kein Rath mehr, sondern allein ein bürgerlich Gericht durch die Einwohner von Weinsberg gehalten und was sich peinliche Sachen hier zutragen und begeben, nit zu Weinsberg, sondern anderer Orten, dahin die Regierung sie bescheiden, gerechtfertiget werden. Da sich aber einige bürgerliche Sachen in Weinsberg verloffen, sollen dieselbige anderer Orten von den Weinsbergern nicht, dann vor dem Flecken Weinsberg unter freiem Himmel und auf dem Platz, da die mörderliche That an denen vom Adel begangen, es sei Winter oder Sommer, Regen oder Schnee, und gar nit anderer Orten gerechtfertigt werden. Alle Wehr und Harnisch sollten dem Oberamtmann überantwortet werden und hinführo Keiner mehr, ausser Degen und lange Messer eine Wehr haben noch tragen.

Und zu ewiger Gedächtnuß sollen die von Weinsberg alle Jahr auf den heil. Ostertag mit Aufgang der Sonne allgemeinlich, alt und jung, reich und arm, Mann, Frauen und diejenige, so zu dem hochwürdigen Sacrament gangen, Niemand davon ausgenommen, vor dem Flecken Weinsberg auf oben angezeigtem Platz der Entleibung, ein Amt und 10 Messen lassen durch die Priesterschaft halten, auch daselbst für 3 fl. Brod armen Leuten geben, für der Entleibten und Abgestorbenen Seelen mit innerlicher Andacht Gott den Allmächtigen bitten, davon damit jährliche Gedächtniß halten, und also auf solchem Platz bis zu dem Mittag ungefährlich verharren.

Endlich soll auf dem Platz und Malstatt besagter jämmerlicher That von den Einwohnern eine Capelle erbaut und dabei ein großes steinernes Kreuz errichtet, in der Kapelle aber eine Tafel angebracht werden, daran mit vergoldeten großen Buchstaben Herkommenheit und Gestalt solcher erbärmlichen und erschröcklichen Handlung in der Form und Verzeichnuß, so ihnen von Fürstl. Durchlaucht oder deren Regiment zugestellt werde, angezeigt werde *)[45]. Sollten die von Weinsberg, in dem Allem oder zum Theil nachlässig erscheinen, und das Vorstehende nit halten, so sollen sie fürstl. Durchlaucht für Straf unnachlässig all und jeder ihrer Hab und Güter, liegend und fahrend, verfallen seyn, das verwirkt haben und in alleweg zu Sr. Fürstl. Durchlaucht Straf, Gnad und Ungnaden stehen.

Nothgedrungen unterschrieben die Weinsberger diese Urphede, gaben aber nachher wiederholte Vorstellungen ein, in denen sie die Härte der Bedingungen und ihren Jammer sehr beweglich – jedoch vergeblich darstellten. Vergebens baten sie 7 Jahre später: „ihnen nur wenigstens zu erlauben, daß sie ihre Thore bei der, besonders durch die Wiedertäufer so unruhigen Zeit wieder einhängen dürfen. Werde es ruhiger, so wollen sie sie wieder getreulich aushängen“. Die östreichische Regierung blieb taub gegen alles Bitten und Flehen, und die armen Weinsberger lebten in ihren wiederaufgebauten Hütten, bei gebrochenen Thürmen und Mauern, 9 Jahre lang, ihres städtischen Einkommens beraubt, als Geächtete.

Die Güter und sämmtliches Vermögen derjenigen Bewohner von Stadt und Amt, welche an dem Bauernaufruhr mehr oder weniger Theil genommen, wurden [120] mit Confiscation belegt. Der verwittweten Gräfin von Helfenstein sollten hievon 500 fl., ihrem unmündigen Sohne, Maximilian, 4000 fl. als Sühnopfer zukommen. Hieran wurde Dionysius Schmid, der alte Schultheiß zu Schwabbach, allein mit 1018 fl. belegt. Bei dem gänzlichen Mangel an Güterkäufern konnte jedoch durch die Beamten für die Helfensteinische Familie kaum etwas über die Hälfte in jährlichen Zielern bis zum Jahr 1534 beigetrieben werden, in welchem Jahre sodann Herzog Ulrich, der indessen wieder in den Besitz seines Landes kam, die fernere Ausbezahlung des Rests einstellte, weil er die Überzeugung erhalten hatte, daß bei der vormals ausgesprochenen Vermögensconfiskation nur summarisch gehandelt und mancher Unschuldige damit belegt worden seie.

Über das Schicksal der bei der Weinsberger Blutthat wirklich Betheiligten haben wir hier noch Folgendes einzuschalten. Ein großer Theil des Weinsberger Haufens, deren Auslieferung der Truchseß vor dem Überfall bei Böblingen verlangt hatte, ward in und nach der Schlacht bei Sindelfingen ereilt und niedergemacht. Unter den Entronnenen war Nonnenmacher und der Haupturheber der Blutthat, Jäcklein, welche der Truchseß nach dem oben Erzählten den furchtbaren Feuertod sterben ließ. Georg Mezler und Wendel Hipler, welch Letzterer beim Anzug des Truchseß von Heilbronn nach Weinsberg und von da um Hülfe nach Würzburg geeilt war, entrannen aus der großen Niederlage bei Königshofen durch die Schnelligkeit ihrer jungen Rappen. Mezler, dessen Haus zu Ballenberg vom Truchseß verbrannt wurde, verschwand spurlos, seit er von Königshofen entritt. Hipler irrte lange verstellt und verkleidet umher, wollte auf den Reichstag zu Speier, 1526, um seine Sache gegen die Grafen von Hohenlohe zu führen, wurde unterwegs niedergeworfen und starb in demselben Jahre während der Untersuchung im pfalzgräflichen Gefängniß zu Neustadt. Jakob Leutz, der Feldschreiber und Priester, der den Helfensteiner vor seinem blutigen Tode Beichte gehört hatte, wurde vom Truchseß in Neckarsulm gefangen und mit dem Schwerdte gerichtet. Semmelhans, der Salzführer von Neuenstein, der das Schloß von Weinsberg verrathen hatte, wurde bei Thann gefangen und zu Hall enthauptet, 23. Juni; mit ihm ein Sensenschmid von Hall, der den Bauern Flinten nach Öhringen gebracht und mit ihnen den Zug vor Weinsberg gemacht hatte. Ein Bauer, der damit prahlte, den von Weiler vom Kirchthurm herabgestürzt zu haben, wurde von Wolfgang von Vellberg, Weilers Verwandten, auf seinen Burgthurm von Vellberg geschleppt und von demselben in den tiefen Schloßgraben herabgestürzt *)[46].

Florian Geyer, welcher aus Franken zum Gaildorfer Haufen zog, wurde zwischen Vellberg und Limpurg, unweit Hall, von seinem eigenen Schwager, Wilhelm von Grumbach, überfallen, den 9. Juni, und sank mannhaft fechtend, und alle die Seinen mit ihm, in hoffnungslosem Kampfe. Der Tod im Felde rettete diesen „schönsten Helden im ganzen Kampfe“ vor dem Schaffote.

Ein neuer Hoffnungsstrahl ging dem armen Weinsberg auf im Jahr 1534, in demselben Monat Mai, in welchem es vor 9 Jahren von dem rachsüchtigen Truchseß – der übrigens am Pfingstmontag 1531 als Statthalter Ferdinands in Stuttgart starb – verbrannt worden war. Der vertriebene Herzog Ulrich rückte an der Seite des Landgrafen Philipp von Hessen, während Kaiser Karl V. in Spanien, König Ferdinand von den Türken bedrängt war, mit einem starken Heere vom Odenwalde [121] aus an die Gränze seines Stammlandes und forderte den 10. Mai 1534 von Neckarsulm aus die Ämter Neuenstadt und Weinsberg auf, sich ihrem alten, rechtmäßigen Regenten zu ergeben. Zaghaft, der noch schmerzenden Rache eingedenk, nach „um Gottes Barmherzigkeit willen“ erbetener eintägiger Bedenkzeit, huldigte Weinsberg durch eigene Gesandte am 12. Mai in Neckarsulm dem alten Landesherrn und legte ihm dabei seine Klagen über das erduldete Unrecht an’s Herz. In Gegenwart des edlen Landgrafen und Vieler vom Adel und vom Volk gab ihnen Ulrich da sein fürstliches Wort: „ich setze Euch ein in Eure alten Rechte, daß Ihr Euer Stadtwesen von nun an wieder haltet, wie zuvor, auch wieder Thürme und Thore erbauet; und ist Euch darüber Brief und Siegel auszustellen, mein gnädiger Wille.“

Es war dieß am Tage vor der siegreichen Schlacht bei Lauffen, 13. Mai 1534, welche über das Schicksal Württembergs entschied und den Herzog kurz darauf durch den Cadaner Vertrag – 29. Juni 1534 – in den Besitz seines ganzen Landes setzte. So kehrte auch Weinsberg unter württembergische Herrschaft zurück.

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Naturereignisse, Witterung u. s. f. aus der 14jährigen östreichischen Periode.

Jahr 1521–1534.

1521 war wieder ein herrlich fruchtbares Jahr an Wein, Obst, Frucht und Allem. Dinkelpreis 43 kr. Weinrechnung: Stuttgart 3 fl. 20 kr., Marbach 2 fl. 15 kr., Lauffen 3 fl. 48 kr., Brackenheim 2 fl. 17 kr.

(April, Luther vor dem Reichstag zu Worms.)

1522 ein gut und fruchtbar Jahr; doch sind um Georgii die Weinberge vom Reifen erfroren, daher gar wenig, aber doch guter Wein gewachsen. Weinrechnung: Stuttgart 4 fl. 45 kr., Marbach 4 fl. 5 kr., Lauffen 3 fl. 48 kr., Brackenheim 3 fl. 56 kr. Dinkelpreis 57 kr.

1523 abermals ein köstlich und gutes Jahr; viel Frucht und Wein. Beide gut. Dinkelpreis 45 kr. per Scheffel. Weinrechnung: Stuttgart 3 fl. 29 kr. 4 hlr., Marbach 2 fl. 32 kr. 3 hlr., Lauffen 2 fl. 21 kr., ebenso Brackenheim. Am 6. Dez. Nordlicht.

1524 war ein nasser Sommer. An Pfingsten Eis. Böse Blüthe von Frucht und Wein. Beides ging nahe zusammen. Wein sauer. Dinkelpreis 56 kr. Weinrechnung: Stuttgart 5 fl., Marbach 4 fl. 39 kr., Brackenheim 4 fl. 27 kr. Große Gewässer mit Stürmen (Crus.).

1525 war ein mittelmäßig Jahr; ziemlich gute Erndte; das Rebwerk aber um Georgii erfroren. Daher wenig, doch ein guter Trunk gewachsen. Dinkelpreis 1 fl. 8 kr. Weinrechnung: Stuttgart 4 fl., Marbach 2 fl. 54 kr., Lauffen 2 fl. 24 kr., Brackenheim 2 fl. 45 kr. 3 hlr.

1526 ist Frucht und Wein übel gerathen. Die Früchte waren so dick mit Gras, daß gar wenig Frucht in die Garben gekommen. Der Wein hatte übel geblüht, deßwegen wenig und saurer gewachsen. Dinkelpreis 1 fl. 2 kr. 2 hlr. Weinrechnung: Stuttgart 4 fl. 45 kr., Marbach 4 fl. 21 kr., Lauffen 3 fl. 48 kr., Brackenheim 4 fl. Erscheinen eines Kometen mit gekrümmtem Schweife (Vanotti in W. J.B).

1527 abermals ein ungeschlachtes Jahr. Die Früchte sehr dünn; schlechte Erndte. Rebwerk im Frühling – und auch im Herbst vom Reifen erfroren. Daher wurde der Most so sauer, daß man ihn nicht trinken konnte. Gleichwohl [122] Weinrechnung: Stuttgart 4 fl. 17 kr., Marbach 3 fl. 46 kr., Lauffen 3 fl. 45 kr., Brackenheim 3 fl. 44 kr. Dinkelpreis 1 fl. 9 kr.

1528 sind die Früchte abermals übel gerathen. Den ganzen April über war es noch immer hart gefroren, welcher Frost die Frucht ausgezogen, daß sie taub geworden. Es fiel eine 7jährige Theurung ein. 1 Scheffel Dinkel wurde auf 4 fl. taxirt. Weinrechnung: Stuttgart 2 fl. 29 kr. bei ziemlich gutem Herbst und ausbündigem Wein, Marbach 1 fl. 33 kr., Brackenheim 1 fl. 22 kr.

1529 wieder ein unfruchtbares Jahr. Im Säen so dürr, daß der Samen nicht aufgehen konnte und vieles von den Mäusen gefressen wurde. Dünne Frucht und schlechte Erndte. Schlechte Rebenblüthe. Wein gar sauer und „der Wiedertäufer“, auch Türkenwein genannt. Weinrechnung: Stuttgart 2 fl. 22 kr., Marbach 2 fl. 2 kr., Lauffen 1 fl. 9 kr. 3 hlr., Brackenheim 1 fl. 49 kr. 3 hlr. Dinkelpreis 4 fl. 56 kr. 2 hlr.

Viele und große Wassergüsse, so daß der Neckar zu Eßlingen, Cannstadt, Lauffen, Brücken und Häuser eingerissen.

Um diese Zeit nahm der sogen. englische Schweiß, eine Krankheit, die aus den Niederlanden gekommen, und der 7jährige Hunger seinen Anfang. Die von dem Schweiß Befallenen starben, wenn sie das Gift nicht ausschwitzten, innerhalb 12 Stunden. Es griff die Leute nebst einem großen Schweiß mit Gähnen und Nießen an, daher der Wunsch entstanden: helfe Dir Gott!

Auch eine andere Seuche regierte, die Schlafsucht, an der die Leute innerhalb 24 Stunden starben, wenn man dem Schlaf nicht mit Rütteln, Hin- und Wiederlegen etc. wehrte.

1530 um Walpurgitag Reifen, davon Wein und Roggen erfroren. Deßwegen wenig aber guter Wein. Weinrechnung: Stuttgart 6 fl. 31 kr., Marbach 5 fl. 2kr., Brackenheim 4 fl. 51 kr. Theurung. Kernenpreis 1 Scheffel 5 fl. 12 kr. (Reichstag zu Augsburg.) Heftige Pest zu Stuttgart, Tübingen, Calw, Eßlingen etc. Erscheinen eines Kometen. 6. August bis 3. September (Crus.).

1531 sind die Früchte genau zusammengegangen. Dinkelpreis 5 fl. 15 kr., Wein ziemlich wohl gerathen und gut geworden. Weinrechnung: Stuttgart 3 fl. 48 kr., Lauffen 2 fl. 32 kr., Brackenheim 2 fl. 29 kr. Im August Erscheinen eines Kometen (Crus.) nach Halley identisch mit dem von 1456 und 1607.

1532 ein klägliches Jahr wegen der Theurung und Überdrang der Königl. Soldaten, welche die Unterthanen mächtig quälten. Die Früchte waren überdieß nicht zu bekommen. Kernenpreis 6 fl. per Scheffel. Wein sauer. Weinrechnung: 4 fl. 20 kr., 2 fl. 53 kr. und 2 fl. 41 kr. Im September dieses Jahrs erschien wieder ein großer Komet, der 2 Monate lang stand und sogar den Tag über am Himmel sichtbar war (Crus. n. Lycost.).

1533 wieder ein unfruchtbar Jahr; wenig Frucht, schlechter Wein, gar kein Obst. Kernenpreis 6 fl. 15 kr. Weinrechnung: Stuttgart 4 fl. 8 kr., Lauffen 2 fl. 42 kr., Brackenheim 2 fl. 17 kr. Im Juli d. J. erschien wieder ein großer Komet (Crus.).

1534 fingen die guten Jahre wieder an. Wein gut, aber wenig. Weinrechnung: 6 fl. 32 kr., Lauffen 5 fl. 2 kr., Brackenheim 5 fl. 10 kr. Kernenpreis 6 fl. per Scheffel.

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  1. *) Öhringer Archivurkunde.
  2. **) Nach Stälin und Öhringer Archivurkunden.
  3. a b c *) Jäger nach Öhringer Archivalurkunden, worauf sich auch das Nachfolgende gründet.
  4. * ) v. Stadlinger Gesch. des württ. Kriegswesens, S. 201. Sattlers Gesch. Württembergs. Eisenbach, Herzog Ulrich.
  5. *) Steinhofers Chronik, 4. S. 79 und 136. Entscheidung bei Schorndorf August 1514. Hinrichtung der Anführer etc.
  6. *) Steinhofer Chron. 4, 599.
  7. **) Sattler Gesch. II. 19.
  8. *) Nach Zimmermanns allg. Gesch. des großen Bauernkriegs II.
  9. *) Steinhofer, 4, 931. 938 etc.
  10. **) Nach Zimmermanns Bauernkrieg II. 284 fg. und Stuttg. Staatsarchiv.
  11. ***) Vgl. die Vorwürfe, welche die nach der Katastrophe um Hülfe angegangenen Bundesräthe von Ulm dem – vom Lande abwesenden – Erzherzog, der Regierung und der Landschaft über ihre unverantwortliche Nachlässigkeit und Langsamkeit, namentlich auch in Beziehung auf Weinsberg machen. Zimmermann B.Kr. II. 306.
  12. *) Bericht des Archivars Rüttel in der Helfenst. Chronik von Gabelkofer. Handschr. im Stuttg. Staatsarchiv.
  13. **) Eigenes Schreiben des Grafen an die Stuttg. Regierung.
  14. ***) Thomas Zweifel. Msc. bei Bensen.
  15. *) Urgicht des Dionysius Schmid v. Schwabbach.
  16. **) Urgicht des Dionys. Schmid.
  17. ***) Stuttg. Staatsarchiv.
  18. *) Stuttgarter Staatsarchiv.
  19. *) Stuttg. Staatsarchiv.
  20. **) Seidler Msc. aus einer Handschrift des Truchseß in der Canzlei zu Wolfegg.
  21. ***) Roth mit einer schwarzen Pflugschaar in der Mitte.
  22. *) Urgicht des Dion. Schmid. Haarer aus späteren Geständnissen.
  23. *) Stuttg. Staatsarchiv Bundesacten Fasc. 99. b., wornach Zimmermann in seiner Vorrede p. IX. berichtiget, daß die Hinrichtung nicht erst am folgenden Ostermontag geschehen seie, wie er im Text nach andern gleichzeitigen Berichten erzählt hatte.
  24. **) „Selb 14. vom Adel durch die Spieß gejagt.“ Schreiben der Stadt Heilbronn an den schwäb. Bund. „Da sie den Grafen und 13 Edle mit ihm durch die Spieß gejagt hätten.“ Bericht des Augenzeugen. Not. 2 von Gemmingen, welche Zimmermann hier nennt, kommen bei Crusius nicht vor. Dagegen berichtet Z. selbst von 2 Söhnen des Rudolph v. Ehingen, Thl. III. p. 746. Und ebenso finden sich 2 von Riexingen in der O.A.Beschreibung v. Vaihingen p. 213. Köhler nennt mit Crusius u. Andd. noch einen Götz von Berlingen , Rudolph von Ottenhofen, Felix Eigen von Eigenhofer, sowie die 2 Schmelz, sen. und jun., (Schmelz, s. oben p. 110), Bezo von Göppingen, Johann Maul, Paul Star und des Grafen Reutknecht Pleyberger.
  25. ***) Niclas Thoman Handschrift.
  26. *) Wurde in Neckarsulm gefangen und enthauptet. Z. III. S. 829. 29. Mai.
  27. **) Seidler Handschr.
  28. ***) Hofmann Handschr.
  29. †) Seidler Handschr.
  30. ††) Hans Lutz Handschr.
  31. *) Gabelkofer Handschr. Kerler 134.
  32. **) Die Nachricht hievon kam noch am nämlichen Nachmittag (16. Apr.) nach Bottwar und wurde eod. 16. Apr. vom dort. Untervogt nach Stuttgart berichtet.
  33. ***) Urgicht des Peter Danheim von Burgau. „Als man den von Weiler vom Kirchthurm herabgeworfen, sei er dabei gewesen; beim Spießjagen sei er nicht gewesen; kaum der zehnte Mann habe darum gewußt.“ Ulmer Act. in Schmids Sammlg.
    Hauptquelle für das oben Erzählte ist das Zeugenverhör, das aus Auftrag der östreichischen Regierung Eberhard von Karpfen und Johann Kingpach mit den wenigen dem Tod entronnenen Knechten und einigen anderen für unbefangen erklärten Zeugen, zusammen mit 21 Personen, nach abgelegten Zeugeneiden über den ganzen Vorgang vornahmen. Diese Untersuchungsakten befinden sich im Stuttgarter Staatsarchiv, dabei ein trefflicher, aus denselben gearbeiteter Aufsatz von Reg.Rath Günzler in Msc. Vergl. Just. Kerner, die Zerstörung Weinsbergs, aus handschriftlichen Überlieferungen.
  34. *) Zimmermann III. 490.
  35. **) Zimmermann III. nach Hans Lutz, Holzwart u. d. Augenzeugen. Alle 3 sagen ausdrücklich, daß der Truchseß selbst und die Ritter Holz herzugetragen.
  36. *) Holzwart, Hdschr. übereinstimmend mit dem Bericht des Augenzeugen. Hans Lutz Hdschr.
  37. **) Zimmermann III. p. 811 fg.
  38. ***) Hans Lutz, der als Herold dabei war.
  39. †) Ebenderselbe.
  40. ††) Mit Thurm und Glocken. Der später restaurirte Thurm bekam keinen Kranz mehr, wie der frühere – s. oben, und die älteste Glocke ist von 1652, nach dem 30jährigen Kriege.
  41. *) Just. Kerner, die Bestürmung von Weinsberg, 1848. p. 22. 13 Weinsberger wurden nach den Proceßacten mit dem Schwerdt gerichtet; den Flüchtlingen ihr Vermögen confiscirt.
  42. **) Handschr. Aufs. des Reg.Raths Günzler aus archiv. Urkunden. Vgl. v. Martens Kriegsgesch. Beil. XXI. zu S. 219.
  43. *) Kerner im oben angef. Schriftchen p. 20.
  44. **) Günzler im obenber. archival. Aufsatz.
  45. *) Capelle und Tafel sind verschwunden – wahrscheinlich im 30jährigen Krieg.
  46. *) Crusius II. 214.
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