Wochenschau des Rückschritts (Weltbühne, 1932, Nr. 27)

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Textdaten
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Autor: Anonym
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Titel: Wochenschau des Rückschritts
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aus: Die Weltbühne. 28. Jahrgang 1932, Nummer 27, Seite 31.
Herausgeber: Carl von Ossietzky
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 5. Juli 1932
Verlag: Verlag der Weltbühne
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Erscheinungsort: Berlin
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[31] Wochenschau des Rückschritts

– In Berlin wurde infolge der letzten Notverordnung der Papen-Regierung 180 000 Berlinern die Invaliden-, Witwen- oder Waisenrente gekürzt.

– Der sechsundvierzigste Adelstag in Münster hat dem Kabinett Papen in einer Entschließung seinen Beifall bezeugt.

– Die Bilanz der ersten Woche nach der Aufhebung des SA-Verbotes zählt 12 Tote und 38 Schwerverletzte.

– Die nationalsozialistische Regierung Anhalts hat zur Vorbereitung des Arbeitsdienstes Freiwillige im Alter von neunzehn bis zweiunddreißig Jahren angefordert. „Militärische und technische Vorkenntnisse sind erwünscht.“

– Hakenkreuzler überfielen den wiener Golfklub im lainzer Tiergarten. Unter andern dort golfspielenden ausländischen Diplomaten wurde auch der italienische Militärattaché mißhandelt.

– Zwei Nationalsozialisten, die den Chefredakteur der wiener ‚Sonn- und Montagszeitung‘ wegen der Behauptung, der Vater Hitlers habe ursprünglich Schücklgruber geheißen, mit der Hundepeitsche angegriffen hatten, wurden zu 20 Schilling Geldstrafe verurteilt. Ein dritter Nationalsozialist wurde freigesprochen.

– Die verantwortlichen Redakteure der ‚Berliner Volkszeitung‘, der ‚Leipziger Volkszeitung‘, der ‚Breslauer Volkswacht für Schlesien‘ und der ‚Berliner 12 Uhr Mittagszeitung‘ wurden zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt wegen ihrer Behauptungen über die Tätigkeit des nationalsozialistischen Abgeordneten Rosenberg während des Krieges in Paris. Die betreffenden Blätter hatten im wesentlichen nur die Angaben einer pariser Zeitschrift wiedergegeben.

– An einer vom Arbeitsausschuß Deutscher Verbände abgehaltenen Versailles-Kundgebung, in der Professor Draeger gegen die sogenannte Kriegsschuldlüge sprach, nahm der Reichsinnenminister Freiherr von Gayl teil. Die auf Schallplatten aufgenommene Rede Professor Draegers wurde am Abend von allen deutschen Rundfunksendern wiedergegeben. Am selben Tage, dem Tage der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages, sprach der Stahlhelmführer Seldte im Rundfunk. Die Sender von Bayern und Württemberg schlossen sich von der Übertragung dieser Rede aus.

– In der Technischen Hochschule wurde unter der Mitwirkung der Polizei, der Feuerwehr, des Rettungsamtes, der Berliner Verkehrsgesellschaft und der technischen Nothilfe eine Luftschutzübung veranstaltet.

– Im Preußischen Landtag wurde ein von der nationalsozialistischen Partei eingereichter Antrag angenommen, wonach an den Staatstheatern Verträge mit nichtreichsdeutschen oder nichtdeutschstämmigen Bühnenkünstlern zu kündigen und nicht zu erneuern sind, Verträge mit solchen Bühnenkünstlern künftig nicht abzuschließen sind und Bühnenstücke antinationaler, pazifistischer oder sittlich destruktiver Tendenz nicht mehr zur Aufführung gebracht werden sollen. Bereits vorher hatten die berliner Staatstheater alle Verträge mit jüdischen Schauspielern, mit der einzigen Ausnahme von Frau Eleonore von Mendelssohn, gekündigt.

– Der nationalsozialistische Film „Horridoh Lützow“ geht seiner Vollendung entgegen. Der Chinesenfilm „Der Rächer des Tong“ wurde von der Filmprüfstelle Berlin verboten, da er eine entsittlichende und verrohende Wirkung ausübe. Der deutsche Film „Der Mörder Karamasow“ wurde in London verboten. Es wurde unter anderm beanstandet, daß Vater und Sohn sich in dieselbe Frau verlieben. In Amerika wurde der Film „Mädchen in Uniform“ verboten, weil er die Moral untergrabe, verrohend wirke und zu Verbrechen anreize.