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Zedler:Pesti oder Pesto

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Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
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PESTIBILIS FUNDUS

Band: 27 (1741), Spalte: 826–827. (Scan)

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Pesti oder Pesto, Lat. Paestum, war vormahls eine ansehnliche und Bischöffliche Stadt in der alten Provintz Lucania von Groß-Griechenland, und wurde von den Griechen Posidonia genannt. Sie lag an dem Meer-Busen, welchen die Alten deswegen Paestanum oder Posidoniatem benamt, der aber heut zu Tage insgemein der Golfo von Agripoli oder auch der Golfo von Salerno zu heissen pfleget, zwischen Salerno und Pisciota, ws anjetzo im Principato citra im Neapolitanischen das sehr geringe Dorff Pesti angetroffen wird. Wie Solinus meldet, soll sie von denen Dorensern erbauet seyn, dahingegen Martianus von Heraclea ihre Stifftung denen Sybariten zuschreibet. Vielleicht haben diese letztere, nachdem sie die erstern daraus vertrieben, solchen Ort wieder neu angebauet und erweitert, wohin auch Strabo lib. V. zu zielen scheinet. Livius lib. VIII. gedencket ihrer am ersten mit, und nebst ihm bezeuget Paterculus lib. I. daß sie bereits im Jahr 480 nach Erbauung der Stadt Rom eine Römische Pflantz-Stadt [827] gewesen, um welche Zeit sie auch, wie Cluver Ital. antiqu. lib. IV. c. 14 davor hält, vor Posidonia den Namen Paestum bekommen haben soll. Die alten Poeten haben sie sonderlich wegen des fürtrefflichen Geruchs ihrer Rosen gerühmet, welche des Jahres zweymahl hervor kommen, im May und September: welches auch Propertius lib. IV. Eleg. 5 gethan, und Dionysius Halicarnaß. lib. IX. gedencket ihrer deswegen mit Lobe, weil ein Bürger derselben, Namens Parmeniades, in der 92 Olymp. den Sieg davon getragen. Es melden auch von ihr Columella, Plinius, Ptolomäus, Silius, und andere mehr. Ihren meisten Glantz aber hat sie dadurch erhalten, weil sie die Christliche Religion schier gleich nach deren Erschallung auf- und angenommen, selbige mit dem Blute vieler Märtyrer bestätigen helffen, und dadurch die Ehre eines Bischöflichen Sitzes erworben. Dieser Ort wurde von denen Saracenen eingenommen, und gäntzlich verderbet, welche alle dessen Einwohner entweder todt schlugen oder mit sich hinweg führeten, worauf der Bischöfliche Sitz nach Capaccio verlegt wurde. Von ihren Bischöffen sind nicht mehr ausfündig zu machen gewesen, als

1. Florentius, welcher 499 und 501 dem Concilio zu Rom mit beygewohnet.
2. Johann, befande sich 649 auf dem Römischen Concilio gegenwärtig. Nachgehends ist Pesti von denen Saracenen zerstöret, und aus deren Ruinen die nicht weit davon befindliche Stadt Capaccio, dahin sich die Bürger aus Pesti retiriret hatten, erbauet, auch mit der Zeit der Bischöfliche Sitz dahin verleget worden, jedoch hat Pesti, weilen die Cathedral-Kirche daselbst unbeschädigt geblieben, die Bischöffliche Würde und bis 1156 seine Bischöffe gehabt, die sich zu Capaccio aufgehalten.
3. Johann, lebte 954, da mit dessen Bewilligung die unter denen Rudern des zerstöhrten Pesti wunderbahr wieder gefundene Lipsana des heil. Apostels Matthäi, welche Gabinius, Kaysers Valentiani General, 370 in seine Vaterstadt hatte hingebracht, nach Salerno sind verleget worden,
4. Johann, welcher 1047 nach Salerno versetzet worden.
5. Marald, war 1071 mit zugegen, als Pabst Alexander II die Cathedral-Kirche zu Casino einweihete.
6. Celsus, welcher noch 1156 Bischoff zu Pesti gewesen, nach dessen Tode der Bischöfliche Titel der Stadt Capaccio zu Theil oder mit derselben verknüpffet worden.

Coletus ad Ughelli Ital. Sac. Tom. X. p. 156.