Zedler:Toden-Tantz

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Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
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Toden-Tauffe

Band: 44 (1745), Spalte: 711–713. (Scan)

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Toden-Tantz, ist ein Gemählde, welches den Tod vorstellet, und anzeigen soll, wie derselbe keines Menschen schone, sondern alle von den vornehmsten bis zum Geringsten gleichsam an seinen Tantz mitnehme. [712] Es finden sich verschiedene solche Gemählde, in Basel, in Dreßden, und Lübeck, unter denen das Baseler vor das vornehmste und Künstlichste gehalten wird. Dasselbe ist bey der jetzigen Frantzösischen Kirche zu Basel zu sehen. Dieser Toden-Tantz bestehet fast aus sechzig Figuren in Lebensgrösse, welches alles Personen aus allen Ständen sind, Päbste, Kayser, Könige, gemeines Volck, desgleichen von allerhand Arten und Handthierung welchen sich der Tod in einer gantz erschrecklichen Gestalt vorstellet, und die unterschiedlichen Gemüths-Neigungen, welche sie bey dessen Anschauung einnehmen, sowohl ausdrücken, daß es eine überaus schöne Abbildung gewesen. Weil aber der Kalckgrund an der freyen Lufft stehet, befand sich dieses Gemählde zu Anfange dieses Jahrhunderts so verdunckelt, daß man dem besten Mahler, den man finden konnte, anbefohl, dasselbe wieder mit frischen Farben anzustreichen: Allein er machte es so schlecht daß man viel lieber den Schatten der Toden von dem ersten Meister als dieses neue Werck sehen würde. Die erste Erfindung wird insgemein Holbein zugeschrieben; andere aber, darunter auch die Verfasser des Baslerischen Lexicons sind, eignen dieselbe Hug. Glaubern, einen berühmten Baslerischen Mahler, zu. Allein man hält mit mehrern Grunde Niclaus Manuel vor den wahren Erfinder, der zuvor zu Bern schon dergleichen Gemählde verfertiget, welches andere Mahler nach der Zeit nachgemacht haben. Scheurers Bernerisches Mausoleum II Th. p. 221. Uebrigens soll der Baseler Toden-Tantz zu den Zeiten des Kaysers Sigismunds zum Andencken der Pest, die 1439 unter währenden Concilio daselbst gewütet, gemahlet worden seyn. Von diesem Toden-Tantze ist 1725 ein besonderes Buch zum Vorscheine gekommen, welches den Titel führt: Toden-Tantz, wie derselbige in der Stadt Basel abgemahlet, und zu sehen ist, mit Merians Kupffern. Wier haben also nicht Ursache uns bey diesem Gemählde länger aufzuhalten, weil man in diesem Buche genugsame Nachricht antreffen wird; sondern wollen vielmehr diejenigen Bildnisse beschreiben, welche den Toden-Tantz in Deutschland vorstellen. Zu Dreßden, und zwar in der Neustadt an der auswärtigen Seite des Kirchhofs bey der Kirche zu den Heil. drey Königen, siehet man auch einen solchen Toden-Tantz, der aus sieben und zwantzig in Stein ausgehauenen Bildern bestehet. Diese Bilder oder Statuen stellen folgende Personen vor: Erstlich macht der Tod den Anfang, welcher mit der lincken Hand eine Pfeiffe an dem Munde hält, und eben dergleichen, aber verkehrt, in der rechten Hand hat. Ihm folget der Pabst in seinem gewöhnlichen Pontifical-Habit, welchen mit der rechten Hand ein Cardinal in seinem langen Cardinals-Kleide führt. Der vierte ist ein Ertzbischof mit einer zweyhörnerichen Mütze auf dem Kopffe, der mit der lincken Hand den ihm nachfolgenden Bischoff fasset, an dessen Kleid sich ein Prälat anhält. Nach diesen folgt ein Domherr, und den Beschluß von dem geistlichen Stande macht, ein gebückter Mönch mit einer geschornen Platte. Hierauf folgt der weltliche Stand, den abermahls ein Todengerippe aufführet, worauf ein Kayser erscheint, nach diesem ein König, so denn ein Hertzog [713] George zu Sachsen, als den Erfinder dieses Toden-Tantzes vorstellet, nach solchem kommt ein Graf mit einem Knebelbart, dem folgt ein geharnischter Ritter. Denn stellet sich ein Edelmann dar, nach welchen ein Raths-Herr, ein Handwercks-Mann, ein Soldat, ein Bauer, und endlich ein Bettler folgen. Nach diesn kommt eine Aebtißin zum Vorschein, die mit der lincken Hand eine Edelfrau anfasset, an die sich wiederum eine Bäuerin anhält. Weiter erscheint ein kleiner Knabe, ein junger Mann, ein alter gebückter Greiß mit einem langen Barte, und endlich beschliesset den Reihen ein Todengerippe, das eine grosse hauende Sense führet. Es sind diese Figuren insgesamt weiß angestrichen, und stehen in einer Reihe auf einem rothem sehr abstechenden Grunde. Auf jeder Seite, und unter den Figuren, sind etliche darauf eingerichtete Reime angeschrieben, um die Bedeutung solches alten und erbaulichen Denckmahls den Leuten desto begreiflicher zu machen. Vormahls hat dieser Toden-Tantz an der Burg in Neu-Dreßden gestanden, und ist von Hertzog Georgen 1534 daselbst angemacht worden; weil aber solcher Tantz in dem grossen Schloßbrande 1701 mit ruinirt worden, so hat man solchen nach der Zeit 1717 nach Neustadt an den erwehnten Ort gebracht. Allein 1732 wurden bey Absteckung der neuen Hauptkirche nicht allein alle Schwibbögen um den GOttes-Acker in einer Zeit von acht Tagen gäntzlich niedergerissen, sondern auch dieses vortrefliche Monument zugleich mit hinweggenommen.

In Lübeck in der Haupt-Kirche zu unserer Lieben Frauen ist eine Capelle, in der auch der Toden-Tantz abgebildet ist. Der Tod tantzet auf diesem Gemählde mit Personen von allerhand Ständen, welche solche Kleider tragen, die etwa vor drey hundert Jahren Mode gewesen. Bey jedweden stehet ein artiger Verß, die nun auch ins Hochdeutsche übersetzet worden, davon wir nur folgende anführen wollen. Es ist das Compliment des Todes an eine schöne Jungfer, welches also eingerichet ist:

Ich halte wie die Welt, von Complimenten nicht;
Muß! heißt mein hartes Wort, das Stahl und Eisen bricht,
Und warum wolt ihr mir den letzten Tantz versagen?
Die Jungfern pflegen sonst kein Täntzgen abzuschlagen.

Das Gegen-Compliment der Jungfer an den Tod ist dieses:

Ich folge, weil ich muß, und tantze, wie ich kan,
Ihr Schwestern! nehmet euch bey Zeiten einen Mann
So reichet ihr die Hand dem Bräutigam im Leben,
Die ich dem Tode doch muß halb gezwungen geben.

Hübners Geographie III Th. p. 665 u. f. Antiquarius des Elbstroms p. 310 u. ff.