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Zedler:Vega, (Garcias Laso oder Garcilasso de la)

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Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
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Vega, (Gabriel Lasso de la)

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Vega, (Garcilasso de la)

Band: 46 (1745), Spalte: 936–937. (Scan)

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Literatur
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Vega, (Garcias Laso oder Garcilasso de la) ein berühmter Spanischer Poet, war zu Toldo, alwo sein Vater Königl. Staats-Rath gewesen, 1500 gebohren. Er bezeigte schon in seiner Kindheit eine sonderbare Neigung zu der Poesie, und weil er mit dem Anwachs seiner Jahre zugleich die dazu erforderlichen Gaben an sich merckte, legte er sich eyfrigst auf die Lesung der vornehmsten Lateinischen und Italienischen Gedichte, die er auch bald glücklich nachzuahmen wuste. Als er nun hierauf gesehen, daß es dem Johann Boscan der das Sylben-Maß und Reime der Italiener auch in Spanischen Versen, einzuführen sich bemühet, ziemlich wohl gelungen, verließ er ebenfalls die so genannte alte, und der Spanischen Nation eigenthümliche Manier in der Poesie, und folgte dargegen der neuern, welche nach dem Muster der Italienischen eingerichtet ist. Hiermit gab er also auch auf einmahl allen Redondilles, Villanelles, Romances, und andern dergleichen Arten von Gedichten, ihren Abschied, und machte von der Zeit an, lauter solche Verse, welche die Frantzosen Rimes [937] tierces, Sonnets, Octaves, Chansons &c. zu nennen pflegen; obgleich diese neue Art von denen, die der alten alzusehr gewohnet waren, sonderlich im Anfang grossen Widerspruch und vielerley Censuren leiden muste. Immittelst war er von der Poesie nicht alzu eingenommen, daß er nicht auch noch auf eine andere seinem Stande gemässe Art sich hätte zeigen und hervorthun wollen. Denn so bald er nur das nöthige Alter erreichet, begab er sich in Krieg, und befand sich unter andern 1529 mit bey der Kaysers Carls V Expedition wider den Türckischen Kayser Solymann; ingleichen 1535 bey Tunis, woselbst er im Gesichte und an einem Arme verwundet wurde. Hierauf blieb er einige Zeit unter der Garnison zu Neapolis; als er aber 1536 von seinem Kayser mit einigen Truppen in Provence vorangeschicket wurde, und einen von den Bauren besetzten Thurm unterweges bestürmen wolte, ward er von demselben mit einem Stein am Kopffe dergestalt bleßiret, daß er von dar nach Nizza gebracht werden muste, wo er wenige Tage darauf in dem 36 Jahre seines Alters starb. Seine Gedichte, die noch heut zu Tage von allen Kennern überaus ästimiret werden, sind mit des Frantz Sanchez de las Brozas Anmerckungen 1574 und 1589 zu Salamanca, ingleichen mit des Thomas Tamaio de Vergas Noten zu Madrit 1622 und Venedig 1553 und endlich auch zugleich mit des Boscan Poesien vielfältig, und an unterschiedenen Orten aufgeleget worden. Anton Biblioth. Hispan. Schotti Bibl. Hispan. Tom. III. Baillet Jugem. des Scavans. Niceron Memoires pour servir a l’histoire des hommes illustres dans la republique dos lettres Tom. XIII. p. 377. Morhofs Unterred. von der deutschen Sprache p. 202.