Zu den für die Jahre 1881 und 1882 in Aussicht genommenen internationalen Polarerforschungen

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Autor: R. H.
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Titel: Zu den für die Jahre 1881 und 1882 in Aussicht genommenen internationalen Polarerforschungen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 8, S. 136
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[136] Zu den für die Jahre 1881 und 1882 in Aussicht genommenen internationalen Polarerforschungen. Ende April 1879 hatte der zweite internationale Meteorologen-Congreß in Rom eine Separat-Conferenz auf den 1. October desselben Jahres in Hamburg anberaumt, damit durch dieselbe Vorschläge (Wilczek-Weyprecht) zur systematischen wissenschaftlichen Erforschung der Polar-Gebiete berathen würden. In Folge dessen waren Einladungen an Regierungen, Gesellschaften und Private, von denen man Interesse für die Sache erwarten konnte, ergangen, jedoch war zur Bedingung gemacht, daß die Theilnehmer sich, als Delegirte von ihren resp. Regierungen oder Gesellschaften, mit Instructionen von denselben versehen lassen möchten.

Am 1. October 1879 erschienen mit bestimmten Zusagen von ihren Absendern in den Räumen der deutschen Seewarte in Hamburg: Professor Buys-Ballot, delegirt von Holland, Capitain Hoffmeyer für Dänemark, Professor Lenz für Rußland, Professor Mascart für Frankreich, Professor Mohn für Norwegen, Capitain von Schleinitz für Deutschland, Lieutenant Weyprecht für Oesterreich sowie auch für den Grafen Wilczeck, endlich Dr. Wijkander für Schweden. Unter Vorsitz des ebenfalls anwesenden Professor Neumayer, des Directors der „Deutschen Seewarte“ in Hamburg, begann die Conferenz ihre Verhandlungen und erwählte in erster Linie aus den Herren Mohn, Weyprecht und Wijkander eine Commission zur Ausarbeitung eines Programm-Entwurfes, der in Kürze darthun solle, in welcher Weise man mit Bezug auf Meteorologie, Erdmagnetismus, Hydrographie, mathematische Geographie und die physikalischen Naturwissenschaften im Allgemeinen einheitlich vorzugehen gedenke.

Die in der Conferenz gefaßten Entschlüsse mußten vor dem Druck allen Mitgliedern unterbreitet werden und sind daher erst jetzt durch Programme in engsten Kreisen bekannt geworden. Diese Beschlüsse gehen nun dahin, daß an bestimmten, innerhalb der Polarregionen liegenden Stationen Observatorien zu errichten sind, die mindestens während eines Jahres Beobachtungen in den vorher angeführten Wissenschaften anzustellen haben, und zwar hat man für die Nordbreite: Spitzbergen, Nord-Cap, Novaja-Zemlja, Lena-Mündung, Point-Barrow, einen Punkt im amerikanischen arktischen Inselarchipel, Upernivik und Jan Mayen, oder einen Punkt der Ostküste Grönlands, in Aussicht genommen, für die Südbreite: Süd-Georgieninsel, Kergueleninsel, Auckland oder Campbellinsel und Ballenyinsel.

Gleichzeitig mit diesen Untersuchungen in den arktischen und antarktischen Regionen will das internationale meteorologische Comité dahin wirken, daß während dieser Beobachtungsepoche die schon bestehenden magnetischen und meteorologischen Stationen möglichst umfangreich ihre Beobachtungen ausführen, und daß auch provisorische Stationen dort, wo dieselben nothwendig erscheinen, eingerichtet werden; gleichfalls sollen die Schiffe der Kriegs- und Handelsmarine der verschiedenen seefahrenden Nationen um möglichst regelmäßige Beobachtungen der meteorologischen Elemente während dieser Zeit ersucht werden.

Vor Schluß der Conferenz wurde durch die Wahl eines Präsidenten in der Person des Herrn Professor Neumayer die Constituirung einer internationalen Polar-Commission vollzogen, um die Möglichkeit zu bieten, zur Ausführung der einzelnen Beschlüsse, so weit die Initiative dazu bei der Commission liegt, vorgehen zu können. Da die einzelnen Mitglieder als Delegirte der respectiven Regierungen, Gesellschaften etc. mit Bezug auf ihre Befugniß zwar während der Conferenz keine bindenden Zusagen abgeben konnten, wohl aber constatirten, daß in maßgebenden Kreisen überall der Wille obwalte, bei genügender Betheiligung die Durchführung der gefaßten Beschlüsse mit in die Hand zu nehmen, so steht uns also für die kommenden zwei Jahre ein Unternehmen in Aussicht, wie es auf dem Gebiete der Welterforschung einzig dasteht. Und was Deutschland nicht außer Acht lassen sollte: es steht zum ersten Male bei einem derartigen internationalen Vorgehen ein Deutscher an der Spitze.
R. H.