Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Johann, Herzog und Kurfürst zu Sachsen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Ludwig Bechstein
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Johann, Herzog und Kurfürst zu Sachsen
Untertitel:
aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 195–196
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: [1]
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[Ξ]
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen-195.jpg


Johann, Herzog und Kurfürst zu Sachsen.
Geb. d. 30. Oct. 1467, gest. d. 16. Aug. 1532.


Der Wissenschaften Freund, der Reformation treuer Förderer, unter dessen Schutz und Schirm sie eurporwuchs und zur Vollkraft gelangte. Kräftigeren Geistes noch wie der Bruder und Mitregent, und vor allem kriegerischer gesinnt, fest und beharrlich in unerschütterlicher Treue an dem für wahr und recht erkannten hangend, verdiente er den von den Zeitgenossen und den Nachkommen ihm beigelegten Ehrennamen: der Beständige, im vollen Maaße.

Johann Herzog zu Sachsen wurde zu Meißen geboren, in der stolzen Albrechtsburg, und brachte seine Jugend, so sehr auch er den Wissenschaften Freund war, in ritterlichen Uebungen hin, zog mit Kaiser Maximilian I. gegen die Ungarn, gegen Venedig und gegen Geldern im Niederland, und stählte Muth und Beharrlichkeit im eisernen Kriegshandwerk. Mit muthvoller Tapferkeit erstürmte er die Feste Griechisch-Weissenburg und erwarb sich den Schmuck der Mauerkrone dadurch, daß er der erste war, der den Fuß auf die Mauern dieser Feste setzte.

Im Jahr 1525 wurde Herzog Johann durch den Tod seines Bruders, des Kurfürsten Friedrich III. zu Sachsen, welcher unvermählt geblieben war, Allein-Regent und Erbe der Kurwürde. Leider war ihm gleich geboten, gegen die rebellischen Bauern das Schwert zu ziehen und nebst seinem Sohne, im Bunde mit Herzog Georg zu Sachsen, den Herzogen Otto und Heinrich von Braunschweig, dem Landgrafen Philipp zu Hessen und den Harzgrafen die Rebellen in der Mühlhäuser und Frankenhäuser Gegend niederzuschlagen, worauf der Kurfürst mit dem Heere von Mühlhausen nach Eisenach zog, die dortige Gegend von dem aufgewiegelten Gesindel säuberte, dann nach Schmalkalden und in das Werrathal rückte, Schmalkalden fegte und strafte, Meiningen entsetzte und das Henneberger Land vom Druck einer Dreschflegelherrschaft befreite, und alles aufbot, den freventlich gebrochenen Landfrieden als des heiligen römischen Reichs Erzmarschall wieder herzustellen und aufrecht zu erhalten. Indessen ließ Kurfürst Johann bei diesem Feldzug so viele Milde und Schonung walten, als möglich war, und übte in seinen Landestheilen bei weitem nicht das furchtbare und [Ξ] rachevolle Strafamt gegen die verblendeten Bauern, wie der Bischof von Würzburg als Herzog von Franken in seinem Lande.

Inniges Freundschaftverhältniß mit dem männlichen, ritterlichen Philipp von Hessen hatte der gemeinsame Heereszug beider Herrscher begründet, daher die Uebereinstimmung der Ansichten beider hinsichtlich der Kirchenverbesserung, daher deren beiderseitige Förderung der letzteren, und die neuen Einrichtungen durch Visitationen, Konsistorien und was sonst dazu dienen konnte, dem Samen der geläuterten Lehre fruchtbaren Boden zu bereiten. Daher denn auch naturgemäß die Einigung beider zu Schutz und Trutz gegenüber der protestantenfeindlichen Partei in der Zahl der deutschen Reichsstände und das Herüberziehen der ursprünglich rein kirchlichen Reformationsangelegenheit auf das politische Gebiet.

Standhaft wohnte Johann Friedrich dem welthistorischen Akt der Uebergabe der augsburgischen Konfession auf dem Reichstage zu Augsburg bei, und standhaft widersetzte er sich durch offenes hinwegbegeben aus dieser Stadt, als der Kaiser Rückkehr zur alten Kirche gebieterisch forderte. Der Kaiser sah ihn ungern scheiden, klagte das gegen ihn mit schmerzlichen Worten, aber auch hier blieb der Kurfürst standhaft. Am Schluß desselben Jahres noch schloß Kurfürst Johann mit Philipp von Hessen den schmalkaldischen Bund, trat mit diesem hochherzigen Fürsten als Haupt an jenes Spitze, und bewährte sich in allen und jeden Angelegenheiten als ein charakterfester und überzeugungstreuer Mann, der in seinem Lande neben der Läuterung in Kirchensachen auch eine der Rechtsverhältnisse und Sicherheitspflege vornahm. Seine Residenz theilte der Kurfürst zwischen Torgau und Weimar, und setzte in Wittenberg ein neues Hofgericht ein. Am zustandekommen des Religionsfriedensschlusses 1532 hatte er den lebendigsten Antheil; freilich war dieser Friede mehr eine Frucht der Friedensliebe des Kurfürsten, als Zeuge politischer und geistiger Überlegenheit über die schlauen Gegner, und so fruchtlos für die protestantische Sache, als des Kurfürsten Widerstreben gegen die Wahl Ferdinands zum römischen König.

Dem erwähnten Friedensschluß wohnte der Kurprinz zu Sachsen im Austrage des Vaters persönlich bei (bald sollte ersteren selbst der Kurhut schmücken) und unterzeichnete denselben im Namen seines Vaters, im eignen und in jenem der Herzoge von Braunschweig und Lüneburg: Philipp Ernst und Franz. Der Landgraf von Hessen sah heller in dieser diplomatischen Verhandlung, als die Sachsenfürsten und selbst als Luther, beharrte bei seinem offen an Tag gelegten Mißtrauen gegen diesen Frieden, und sah dieses Mißtrauen nur zu bald gerechtfertigt.

Den Kurfürsten traf am 16. August des Friedensjahre unverhofft und jäh der Pfeil des Todes, als er selbst zu Schweinitz ein Jagen halten wollte, im 65. Lebensjahre, und seine Leiche wurde nach Wirtenberg abgeführt. Schmerzlich ergriffen und mit von Thränen überströmtem Antlitz hielt ihm der starke Luther die schlichte kernhafte Leichenrede, und rühmte ihm nach, all seine Lebtage nicht Stolz, Zorn oder Neid an dem Heimgegangenen gespürt zu haben, der mehr als zu viel mild gewesen sei. – Lächerlich und albern war die bei Johann des beständigen Ableben verbreitete Fabelei, der Kurfürst habe sich bei seinem sterben dem alten Glauben wieder zugewendet und seinem Nachfolger ein gleiches zur Pflicht gemacht, während ausdrücklich das väterliche Testament dem Erben befahl, selbst mit Hintansetzung aller äußeren und zeitlichen. Vortheile bei der evangelischen Lehre fest zu beharren.