Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Johann Bugenhagen

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Johann Bugenhagen
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aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 43–44
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
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Johannes Bugenhagen.jpg


Johann Bugenhagen.
Geb. d. 24. Juni 1485, gest. d. 20. April 1558.


Neben Melanchton und Justus Jonas Luther’s treuester Genosse und Mitgehülfe am großen Werke der Reformation. Bugenhagen wurde zu Wollin in Pommern geboren, von welchem Lande er sich in reiferen Jahren Pomeranus schrieb und von den Zeitgenossen häufig auch Pommer genannt wurde. Von seinem Jugendleben ist wenig bekannt geworden; er studirte zu Greifswald und erhielt später zu Treptow ein Lehramt, wurde dort Rector der Schule und zugleich Pfarrer. Ein fürstlicher Auftrag wurde Anlaß, daß er sich eine Zeitlang mit archivalischen Studien beschäftigte und die geschichtliche Quellenkunde seines Vaterlandes erforschte, die ihm zur Abfassung einer Pommerschen Chronik diente. Luther’s Lehre und Luther’s Geist drangen jetzt zu den Ostseeküsten, und Bugenhagen wurde von ihnen erfüllt und ergriffen. Es war ihm aber für jetzt nicht beschieden, der Reformator Treptows und Stettins zu werden, vielmehr sah er sich von der bischöflichen Macht zu Samland also angefeindet, daß er seine Stellen aufgab, und sich nach Wittenberg wandte.

Im Jahre 1521 eingetreten in den Wittenberger Theologenkreis, ein Mann voll guter Begabung, wissenschaftlicher Bildung, voll Wärme des Gemüthes, sah Bugenhagen sich liebevoll aufgenommen, und fühlte sich bald in diesem Kreise heimisch. Er erhielt eine Professur der Theologie, wurde Doctor dieser Wissenschaft, bekämpfte eifrig mit Luther die Lehren des Wittenberger Archidiaconus Carlstadt (Andreas Bodenstein) und wurde endlich an dessen Stelle Pastor, ja bald darauf General-Superintendent. Als solcher erwarb sich Bugenhagen die größten Verdienste um die Verbesserung des Kirchenwesens im Kurstaate Sachsen und einen so ehrenvollen Namen im Ausland, daß von vielen Seiten her Rufe an ihn ergingen, auswärts das Läuterungsamt vorzunehmen. Der Kurfürst gestattete ihm, diesen Rufen Folge zu leisten, und der mit Bugenhagen eng befreundete Luther, mit dem er selbst äußere Ähnlichkeit der Physiognomie und des Körperbaues theilte, versah während der Jahre von Bugenhagen’s Abwesenheit dessen geistliches Amt in Wittenberg. Einem großen Theile des deutschen Norden und skandinavischen Süden wurde Bugenhagen Reformator. [Ξ] Seine Wirksamkeit abwechselnd in diesen Ländergebieten und in Sachsen umfaßte die Jahre 1528 bis 1542, und war von den nachhaltigstwichtigen Erfolgen. Im Jahre 1528 reformirte Bugenhagen in Braunschweig und Hamburg, 1529 und 1550 in Holstein und Schleswig, wie in Lübeck. Er war bei der zweiten Kirchenvisitation in Sachsen 1555 thätig, hatte auch Antheil gehabt am ersten Entwurf der Augsburgischen Konfession, und half die sächsisch-lutherische Kirche mit mehreren Städten des Reichs vereinigen, die sich vorher mehr dem reformirten Bekenntniß zugeneigt hatten.

Der Sanftmuth von Bugenhagen’s Charakter war es zuzuschreiben, daß ihm so viel unbegrenztes Vertrauen allseits entgegenkam, daß er nach so vielen Orten und Ländern hin berufen wurde, den evangelischen Gottesdienst einzuführen und einzurichten. Für Bremen, Hamburg und Lübeck arbeitete Bugenhagen Kirchenordnungen aus; er öffnete die Klöster und begründete Schulen, und hatte die Genugthuung, daß ihm vergönnt ward, endlich im eigenen Vaterlande, daraus ihn früher die pfäffische Unduldsamkeit vertrieben hatte, von 1554 an reformiren zu dürfen. Aus Pommern wurde er 1557 vom König Christian III. nach Dänemark berufen, wo er den König in Kopenhagen feierlich krönte und die dänische und norwegische Kirche reformirte. Während einer fünfjährigen Anwesenheit im dänischen Reiche arbeitete Bugenhagen Kirchenordnungen für Dänemark, Norwegen und Schleswig-Holstein aus, setzte sieben evangelische Bischöfe ein und mehrere tausend Prediger; auch wurde er Anlaß, daß auf des Königs Befehl Luther’s deutsche Bibel in die dänische Sprache übersetzt wurde. Durch Bugenhagen’s Antrieb erfolgte die Erneuerung der Universität Kopenhagen im Jahre 1559, und um dieselbe um so mehr zu befestigen, nahm er auf ein halbes Jahr das Rektorat der erneuten Hochschule an, und las über die theologische Wissenschaft nach den geläuterten Lehrbegriffen der neuen Kirche.

Erst im Jahre 1542 kehrte Bugenhagen nach erfolg- und segensreichem Wirken nach Wittenberg zurück, wurde aber bald genug nach Braunschweig begehrt, um auch diejenigen Landestheile, welche bisher der dem Lutherthum feindlich gesinnte Herzog Heinrich der jüngere, der Gegner der Reformation, regiert hatte und der jetzt in die Gewalt der schmalkaldischen Bundesgenossen gefallen war, zu reformiren. Am Werke der Bibelübersetzung durch Luther hatte Bugenhagen manchen wichtigen Antheil und war so erfüllt von der überwältigenden geistigen Macht dieser großen That, daß er in seinem Hause alljährlich ein Bibelfest feierte, an dem er Gott für den Sieg und Segen dankte, der durch die Bibelübersetzung für alle Folgezeit errungen war. Er selbst übertrug die Bibel in die niederdeutsche Sprache, blieb Luther ein unerschütterlich treuer Freund bis zu dessen von ihm tief und schmerzlich beklagten Tode, hielt auch Luther in Wittenberg eine bewegte Leichenrede. Seine milde Sinnesart zog ihn auf die Seite Melanchton’s bei Gelegenheit der Ausarbeitung des Leipziger Interim, und es traf ihn, wie jenen, Verkennung der Eiferer, die in keiner Weise in den Religionsstreitigkeiten nachgeben wollten. Die ihm angetragene Bischofwürde zu Schleswig, wie die zu Camin lehnte Bugenhagen ab, und endete sein ruhmvoll thätiges, gottergebenes Leben an endlicher Entkräftung im 75. Jahre seines Alters, wobei Melanchton die Bitte zu Gott nicht unterdrücken konnte, daß ihm die Erreichung so hohen kraftlos hinfälligen Alters nicht beschieden sein möge. Er hinterließ einen Sohn, der sich als akademischer Lehrer und später als Geistlicher ehrenvollen Namen verdiente.