Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Johann Friedrich, Kurfürst u. Herzog zu Sachsen

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Johann Friedrich, Kurfürst u. Herzog zu Sachsen
Untertitel:
aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 199–200
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Johann Friedrich, Kurfürst u. Herzog zu Sachsen.
Geb. d. 30. Juni 1503, gest. d. 3. März 1554.


Wie dieser Fürst Erbe des Väterruhmes war, so wurde er Schöpfer des eigenen; er war mäßig im Glück, groß im Unglück; ein treuer Kämpfer der Reformation und ein Märtyrer für sie; er förderte ihr Aufblühen, sah ihre Bedrängniß und blieb in jeder Lebenslage ihr begeistert und beharrlich zugethan.

Johann Friedrich, ältester Sohn Kurfürst Johann des Beständigen, wurde zu Torgau geboren, genoß als Kurprinz der Leitung und Erziehung des gelehrten Spalatin gemeinschaftlich mit seinem Bruder Johann Ernst, und lernte an des eigenen Vaters, wie an anderer bedeutender Männer edlem Beispiel den Werth des geläuterten Evangeliums kennen und schätzen. Mit dem weisen Oheim zog er 1521 gen Worms zum Reichstag, mit dem treuen Vater auf die Reichsversammlungen zu Speier und Augsburg. So stand er mitten in der politisch kirchlichen Bewegung, gewann lebendige Theilnahme für die protestantische Sache und weihte sich derselben mit ganzer Seele.

Als Johann Friedrich’s Vater 1532 unvermuthet in Schweiniz mit Tode abging, waren die Söhne fern von seinem Sterbebette; Johann Friedrich weilte in Schweinfurt, wo Einigungsverhandlungen zwischen den katholischen und protestantischen Reichsständen versucht wurden. Kaiser Carl V. hatte sich bereits persönlich unhold gegen den Erben des Sachsenthrones und der Kur gezeigt, zum Danke, daß des jungen Herzogs großer Ohm ihm, dem Kaiser, zu dessen höchster Würde, zur Oberherrschaft des deutschen Reiches verholfen hatte. Carl V. nahm dem Herzog seine eigene, letzterem bereits verlobte Schwester Katharina wieder, und Johann Friedrich vermählte sich dann mit Prinzessin Sibylle von Eleve, einer vortrefflichen Fürstin.

Nach dem Ableben des Vaters verbesserte Johann Friedrich die Gehalte der Lehrer an der Wittenberger Hochschule, nahm die Huldigung seines Landes an, berief 1533 einen Landtag nach Jena und ordnete eine große Kirchenvisitation an. In demselben Jahre bekämpfte Luther in starken Schriften den Vetter des neuen Kurfürsten, Herzog Georg zu Sachsen, was zu einem starken Schriftenwechsel zwischen beiden Höfen führte, doch legte der Kurfürst den unangenehmen Hader gütlich bei.

[Ξ] Als der Kurfürst in Wien vom Bruder des Kaisers, König Ferdinand, nach des ersteren Vollmacht, die Reichslehen empfangen hatte, reiste er nach Prag und von da nach Schmalkalden, wo er den von seinem Vater fünf Jahre früher begründeten Bund mit den betheiligten protestantischen Reichsständen und Städten erneute und auf zehn Jahre verlängerte.

Johann Friedrich war eine deutsche Kernnatur, ritterlich, lebensfrisch und lebensfreudig; er that manchen guten Trunk und vertrug ihn gut; Luther selbst sagte von ihm: »sein Leib ist eines guten Trunkes mächtig« – aber er war auch arbeitfreudig, nahm sich der Regierungsgeschäfte mit Sorgfalt an, lebte züchtig und ehrbar, hatte wahrhaften Mund und milde Hand, einen ernsten Sinn, ein treues Herz und innige aufrichtige Frömmigkeit im Gemüthe.

Im Jahre 1537 war der Kurfürst wiederum mit auf dem Fürstentage zu Schmalkalden, half die Artikel, die von dieser Stadt ihren Namen haben, aufrichten, und ließ den schwer erkrankten Luther in Begleitung seines Leibarztes in seinem eigenen Wagen nach Gotha fahren.

Es begann nun bald die Zeit kriegerischer Unruhe und feindlicher Ueberzüge; den Anfang machte der kurze sogenannte Fladenkrieg gegen Herzog Moritz zu Sachsen; ernster war schon die Züchtigung, die der Kurfürst im Bunde mit dem Landgrafen Philipp zu Hessen dem Herzog Heinrich von Braunschwetg wegen harter Bedrückung der Protestanten angedeihen ließ, welcher Herzog, da er die beigelegten Händel 1545 aufs neue begann, von den verbündeten sammt seinem Sohne Carl Victor gefangen genommen und in Haft gehalten wurde.

Prophetisch hatte Luther ausgesprochen, daß es nach seinem Tode des Betens bedürfen werde, denn dann werde Krieg und Blutvergießen sich anheben. Bald nach dem Tode Luther’s rüstete der Kaiser sein Heer, der schmalkaldische Bund betrieb eifrige Gegenrüstung; Carl V. erklärte die Häupter desselben in die Reichsacht, und der Vetter, Herzog Moritz zu Sachsen, ehrsüchtiger Pläne voll, vielleicht auch rachgierig, verband sich mit dem Kaiser und besetzte feindlich des Kurfürsten Land, während dieser mit dem Heere zu Felde gezogen war, ja Moritz gab sich zum Vollstrecker der Reichsacht gegen den nahen Verwandten her.

Zwar eroberte der Kurfürst sein Land wieder, und das Glück war ihm günstig, aber er war kein Feldherr; er schwächte sein bedeutendes Heer durch unkluge Zerstückelung, bezog ein unsicheres Lager bei Mühlberg an der Elbe und ging am Sonntage Misericordias in die Kirche, statt gegen den annahenden Feind auf der Hut zu sein. So erfolgte die unheilvolle Katastrophe, dir ihn des größten Theiles seiner Lande und der Kurwürde für immer, wie der persönlichen Freiheit auf 5 Jahre beraubte. Er mußte zusehen, wie sein Vetter und Feind, Herzog Moritz, auf offenem Markt zu Augsburg mit der Kur Sachsen belehnt wurde. – In seiner Gefangenschaft verweigerte dennoch Johann Friedrich das Interim anzunehmen, auf das standhafteste, ließ durch seine Söhne an die Stelle des ihm verlorenen Wittenberg die Hochschule zu Jena begründen, folgte als Gefangener dem Kaiser nach Gent, Mecheln, Augsburg und Innsbruck – bis dieser durch den von ihm wieder abgefallenen neuen Kurfürsten Moritz hart bedrängt wurde und endlich die Freilassung erzwungen ward. Johann Friedrich’s Rückkehr mit seinem treu bei ihm ausgehalten habenden Hofmaler Lucas Kranach zu den Seinen nach Jena und Weimar war ein hohe Freudenfest im ganzen Lande. Er schrieb sich nun geborener Kurfürst – hoffte still auf Wiedererlangung der Kur, besonders als Moritz starb, aber er hoffte vergebens, und folgte seiner am 21. Februar 1554 verstorbenen treuen und frommen Gemahlin zehn Tage später im Tode nach.