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D Sonn- und Mau’fanger

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Textdaten
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Autor: Michel Buck
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Titel: D Sonn- und Mau’fanger
Untertitel:
aus: Bagenga’. Gedichte in oberschwäbischer Mundart. S. 238–242
Herausgeber: Friedrich Pressel
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: bis 1888
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Robert Lutz
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Erscheinungsort: Stuttgart
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
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Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[238]

D Sonn- und Mau'fanger.

Däaffat mi koin Lugnar schealta,
Wenn i sag, as hä der Bussa[1]
Môl a Jungs voar alti Zealta[2]
Gworfa hinter Altha[3] dussa.

5
Saget it: „Was luigt dear Silli?“[4]

Want er s Rätsle inna weara?
Seahnt, der Aischterbearg[5] isch ’s Fülli
Und der Bussa d Füllamäahra.

Und deam Fülli hôt ui d Sonna,

10
Wenn se drübert num ischt ganga,

Äll Täg s Hôr vom Buckel bronna,
Denn dött danna wills nia ranga.[6]

Und so haunt dia obri Gwalta
In der guata Gmoi’d von Altha

15
Zletschta Rôt im Rôthous ghalta,

Wia ma’ d Sach könnt andrischt gstalta

[239] Und am Bearg der Dürre wehra,
Seit dô älli Früchta dôrret
Und seall d Weackaldurabeera[7]

20
An die Boscha zema[8] gschmôrret.


Sitzet um da Tisch dia Richter
Z halba sechse schau’ am Morga,
Uff die Stirna, uff die Gsichter
Vola Runzla von de Sorga.

25
Sait der Schultas: „Mit Exküse,

Sonn und Mau’, dia muaß ma’ fanga!“
„„Ei’verstanda!““ schreit der Nyse,[9]
„„I gi s Gara hear und d Stanga!““

Sait dr Schultas: „Zaischta[10] d Sonna,

30
Dui hôt mit em Fülle d Lusi;[11]

Haunt mer dui, ischt ällas gwonna,
Denn der Mau’ lauft nô, dear Fusi.[12]

Und mer want glei boidi sperra
Uff da Turn ins Uhrahäusle.

35
Und miar sieba Weatterherra,

Miar regiaret d Wealt nôch weisle!“

[240] Und se thant voar Freud jetz lacha –
Wear wött dô au s Lacha spara,
Wemma’ s Weatter seall ka’ macha

40
Und äll Jôhr en Schnitt, en rara?


Woidle[13] stauhnt an diesem[14] Morga
Sonnajäger ganze Schara
Lang voar Tag im Busch verborga
Uffam Bearg mit iahram Gara.

45
Wo-n-as tagat, weads en bänger

Und a menger hätt gean ghoufet;[15]
Aber s dräut en s Schulza Finger,
Und so trout se koiner z schnoufet.

Môjaschtetisch steigt ui d Sonna

50
Hintram Bearg rouf gega s Gara,

Und der Schultas schreit: „S ischt gwonna,
Hebet fescht und launt it fahra!“

Doch dô will koi’ Heba batta,[16]
S Schulza’namt fangt ana’ kratza

55
Und a’ fluacha: „Kriasakratta,

Kroutsalôt und Leabarspatza!

[241] Jetz, was ischt denn dô gauh’ gwicha“
„„O der Bearg,““ sait Büttelhansi.
„So? Nôch muaß man pfähla, picha,

60
Moara[17] gôhts glei wieder an sie.“[18]


Um da Bearg rum schlet ma’ Pfoschta,
Soilats a’[19] und thuats pitschiara
Und zua älli deani Koschta
Au noh d Frucht verunganiara.

65
Endli wead as wieder Dämmer[20]

Und der Schultas reit sein Schimmel,
Daß as desmôl gang it schlimmer,
Visatiart er Erd und Himmel.

Und so steckt ma’ wieder Stanga

70
Uff da Bearg und hängt nôch s Gara

An dia Stanga, so muaß langa,
D Sonna nei’ ins Gara fahra.

Hui! dô scheut der Schimmel d Gluata
Von der Sonn, springt na dur d Hecka,

75
Dunta siehscht da Schultas bluata

Und sein Schimmel gar verrecka!

[242] Und der Büttel, dear ischt bissa,
Und der Bau’wat[21] hinta bacha,[22]
S Gara souber zema grissa -

80
Soll ma’ heina, soll ma’ lacha?


„Haunt er mi im Häusli dinna?“
Hôt jetz d Sonna spöttisch glachat
Und dernô noh mit ra Zenna[23]
Übram Bearg en Hopser gmachat.

85
Und wo nô der Mau’ ischt komma,

Thuat er au so Äugla macha.
Guckt er füri hinter Pflumma,[24]
Siehscht a heu’t noh drübert lacha.



  1. Der Berg bei Riedlingen.
  2. Zeiten.
  3. Altheim bei Riedlingen.
  4. Aus Basilius.
  5. Österberg, Hügel nordwestlich vom Bussen.
  6. Regnen.
  7. Wacholderbeeren.
  8. Zusammen.
  9. Dionys.
  10. Zuerst.
  11. Ihr Vergnügen.
  12. Weibernarr.
  13. Hurtig.
  14. Am anderen.
  15. Wäre gern zurückgegangen.
  16. Nützen.
  17. Morgen.
  18. Die Sonne.
  19. Bindet sie mit Stricken.
  20. Dämmerung.
  21. Flurschütz.
  22. Geschlagen.
  23. Spottgebärde.
  24. Pflummern, Dorf bei Riedlingen.